Mandeldip zum Linseneintopf

Dieses Thema im Forum "Judentum | Israel | Naher Osten" wurde erstellt von heinz, 6. Februar 2005.

  1. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Würzwein, Heuschreckensuppe und jede Menge Knoblauch - eine Historikerin hat die Tischsitten des biblischen Volkes Israel untersucht.
    Das jüdische Volk labte sich an Heuschreckensuppe und gekochten Schafschwänzen. Es tauchte Wildblumen in Honig und trug im Altertum wegen seiner Vorliebe für scharfes Gemüse den Spitznamen "Knoblauchesser".
    Üppig gedeckt war die Tafel im antiken Israel allerdings nicht. Zwar priesen die Propheten ihre Heimat gern als das "Land von Milch und Honig". Doch in Wahrheit pflügten die Landwirte Samarias und judäas auf karger Scholle. Fiel der Winterregen aus, plagte Hunger das Volk.
    Neben Getreide zogen die Bauern Schalotten, Runkelrüben und linsen. Rinder fanden in der Gegend kaum Nahrung. Hauptnutztier war die Ziege, die in Notzeiten auch Baumrinde knabberte. Anders als die Ägypter mit ihren prallen "Fleischtöpfen" mussten die Israeliten dem Boden jede Kalorie hart abringen. Jedes Mahl galt ihnen als "Lobpreis an den Herrn".
    Üppig gerieten in der Gegend um Jerusalem nur Oliven und Wein. Archäologen haben dort Hunderte von Traubenpressen entdeckt.
    Viele Zecher konnten sich nur minderwertigen Wein leisten, den "tamad" einen aufguss aus bereits ausgepressten Trauben, versetzt mit Myrrhe. Diese Plörre wurde dem am Kreuz hängenden Jesus mit dem Schwamm gereicht. Luther übersetzte das Wort mit "Essig".
    Johannes der Täufer knabberte in der Wüste Insekten. Mose fastete lieber ganz - 40 Tage lang.
    Der Talmud verbietet sogar den Genuß von früchten, wenn sie von Bäumen stammen, die jünger als vier jahre sind - eine Art schutzklausel für botanisch Minderjährige.
    Dei Ächtung des Schweins dagegen war wohl praktischer Natur. das fleisch dieses Allesfressers ist häufig von Trichinen verseucht und verdirbt in der Wärme schnell. (Aus dem Spiegel)
     
  2. askan

    askan Neues Mitglied

    Das Schweineverbot war sogar von noch praktischerer Natur! In so einem kargem Land kann man es sich schlicht weg nicht leisten Haustiere durchzufüttern, die dieselbe Nahrung benötigt, wie man selbst.
     
  3. hyokkose

    hyokkose Gast

    Na ja, da scheint unser wohlbekannter Spiegel-Autor Matthias Schulz wieder gewohnt gründlich "recherchiert" zu haben. Der Herr, der vierzig Tage gefastet hat, hieß Jesus und nicht Mose.

    Aber das Buch, aus dem Schulz abgeschrieben hat, werde ich mir bei Gelegenheit zu Gemüte führen:

    Miriam Feinberg Vamosh, Essen und Trinken in biblischer Zeit, Patmos-Verlag Düsseldorf - ISBN: 3-491-79741-1
     
  4. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Im Astrounterricht habe ich gelernt, dass in der bibel nicht von Sonnenjahren (365 Tage) sondern von Mondjahren (28) die Rede ist. Und wenn du die Jahreszahlen durch 12 oder 13 teilst, kommst du dann doch auf reelere Ergebnisse (Methasalem: 46 Jahre9. Und man erkennt, dass die Lebenserwartung nicht allzuhoch lag, trotz Heuschreckensuppe und Schafschschwänzen.
    Beim schweinefleisch stimme ich Askan zu, in der Wüste und anderen trockenen Gebieten kann man nur schwer Tiere halten, die Schatten und Schlammsuhlen mögen. Auch der Islam behielt ja das schweineverbot bei.
    Viele Nahrungsverbote haben wirtschaftliche Hintergründe. In Europa ist zum Beispiel Pferdefleisch verpönnt, da im frühen Mittelalter Pferdefleisch für heidnisch erklärt wurde, da man lebende Pferde brauchte gegen Magyaren oder Araber. Daher blieb Hühnerfleisch auch erlaubt.:p
     
  5. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied


    ...wohl auch weil Krankheiten befürchtet wurden....



    Weil man auf Hühnern schlecht reiten kann?
     
  6. hyokkose

    hyokkose Gast

    Das Sonnenjahr hat 365 Tage, das Mondjahr hat 354 Tage.

    Zeiträume von 28 Tagen nennt man nicht Mondjahre, sondern Monate. Auch in der Bibel.
     
  7. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ja , da hab ich hier noch etwas.#
    Man hat sogar behauptet, alles sei ein Rechenfehler, dass damals anstelle von Jahren in Monaten gezählt wurde. Dann Wäre Methusalem - Moment mal ....- bei 969 Monaten gut achtzig Jahre alt geworden. Methusalem zeugte im Alter von 187 Jahren seinen ersten Sohn Lamech, und wenn man jetzt behauptet, Methusalem wäre damals 187 Monate alt gewesen, dann wäre er umgerechnet mit 15 Jahren Vater geworden. Methusalem war ein alter Vater, seine Geschlechtsgenossen zeugten ihre Söhne und Töchter weit früher, würde man deren Alter in Monaten und nicht in Jahren rechnen, dann wären sie bei der Geburt ihrer Kinder vier oder fünf Jahre jung gewesen, und das war selbst im Alten Testament nicht möglich.
    http://www.mdr.de/mdr-figaro/journal/822602-hintergrund-754066.html
     
  8. askan

    askan Neues Mitglied

    Aber dafür hatten sie ein hartes leben, das wirkt sehr lebensverkürzent.
    Mit Mitte 30 war man schon ein gereifter Mann, der sich so langsam auf das Altwerden vorbereiten muß.

    Das Mädchen mit 11, 12, 13 als Heiratsfähig galten ist eigentlich kein Geheimnis. Mit diesem Hintergrund kommt mir die antike Geschichte häufig wie Machtkämpfe zwischen Teenager vor Wer vom "Fußvolk" damals war schon älter als 30? Von den "Eliten" abgesehen.
    Ich glaube in den Sagen wird das Alter von Odysseus mit 20 und das von Archiles mit 16 angeben.
    Im biblischen Kanaan wird nicht anders gewesen sein.
     
  9. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Oddysseus musst aber auch nach 10 Jahren Krieg und 10 Jahren Irrfahrt noch rüstig sein, wenn er mit 35 losgefahren wäre, würde das Ende der Odyssee unglaubwürdig sein. Achilles soll sowieso durch seine Taten herausgragen, wieso nicht sein Alter ein bisschen runtersetzen um das noch mal zu verstärken.

    Kann es sein, dass die Bibel zwischen Monaten, Mondjahren und sonnenjahren wechselt? Oder vielleicht wurden beim abschreiben einzelne Ziffern vertauscht.
    Da fällt mir ein, dass ihm Talmud steht, dass ein Mann mit 40 seine volle körperliche Kraft erreicht und mit 100 so gut wie tod ist.
     
  10. jakow

    jakow Neues Mitglied

    Diese ganzen rationalen Erklärungsversuchen haben in meinen Augen zwei Fehler:
    1. Sie übersehen, dass in der Tora nicht ein Schweineverbot steht, sondern mehrere Kritieren, welche ein Tier erfüllen muss, um erlaubt zu sein und das Schwein ist hier nur eines von vielen, welche diese nicht erfüllt. Jeder Rationalist müsst sich also entweder an der Kriterien versuchen oder die genannten Beispiel alle ähnlich begründen. Was wäre hier z. B. mit den Hasen?

    2. Wenn die Gebote so praktisch wären, dann bräuchte man dazu keine Gebote, wie zu vielem anderen, was ähnlich sinnvoll in dieser Region ist, aber eben auch kein Eingang in die Tora fand.
     
  11. jakow

    jakow Neues Mitglied

    Unwichtig wie lange hier Jesus fastet, aber Mosche war vierzig Tage auf dem Chorew und ass und trank dort nichts. Somit irrt der Autor in diesem Punkt nicht.
     
  12. jakow

    jakow Neues Mitglied

    Sonderbar dann nur, dass zum einen Monate und Jahre eine ziehmliche Bedeutung haben und somit deren Unterschied mehr als bewusst ist und zum anderen die Torah hier diese Besonderheiten alle rausstellt ("Sarei war im hohen Alter", "Sarei lachte", "Und der Mensch soll nicht mehr..."), extra so erwähnt und vor allem auch die Änderungen etc. begründet. Alles ein bisschen viel Aufwand dafür, dass es nur einen Rechenfehler gab?!
     
  13. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Hallo Jankow,
    Ich lass mal bei einem jüdischen Schriftsteller (der sich allerdings nur nebenbei mit dem alten Testament beschäftigt), dass bei einer Neuabschrift der Gebote den schreibern auffiel, dass der Name einer Königin demwort für Hase relativ ähnlich war und man ihn deshalb mit auf die Liste setzte.
    Aber wie gesagt, dass stand in einer humoristischen Abhandlung über die 10 Gebote und ist daher vielleicht nicht richtig.
     

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