Marx/ Engels in der Schule

Dieses Thema im Forum "Die Industrielle Revolution" wurde erstellt von *Boobi*, 8. Februar 2008.

  1. *Boobi*

    *Boobi* Gast

    Guten Tag,
    eine Frage, die mich momentan herumtreibt:
    - Was bleibt von Marx/ Engels nach 1989 interessant/aktuell/ lernenswert?
    - Was sollte warum in der Schule noch von der marxschen Theorie vermittelt werden.
    - Welche Lehrplanbezüge lassen sich in PoWi und Geschichte herstellen, in welche Themenbereiche könnte man die marxsche Theorie vermitteln.

    Eine Menge eigene Ideen habe ich dazu, leider fehlt mir wissenschaftliche Literatur zur Geschicht/ Politikdidkatik, die sich damit beschäftigt, ob Mar noch in der Schule behandelt werden sollte.
    Hat da vielleicht jemand einen Tipp? Auch über Anregungen zu den drei oben genannten Aspekten wäre ich dankbar.

    Viele Grüße und schönes Wochenende.
     
  2. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Schreibe doch mal deine eigenen Ideen hier auf.
    Das wird sicher spannend.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Februar 2008
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gegenthese: mit Marx/Engels hat das Jahr 1989 nichts zu tun, ihre Ideen bleiben von den Ereignissen in Ostdeutschland zwischen 1949 und 1989 weitgehend unberührt.
     
  4. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ich will es mal so formulieren. Man mag zu Marx stehen wie man will. Primär beruhen die großen sozialen Bewegungen des 19./20. Jahrhundert auf seinem Werk, auch die Sozialdemokratie ist letztendlich ein Ableger. Insofern haben das Wirken und der Einfluss von Marx eine historische Bedeutung, die 1989 nicht abrupt endete.
     
  5. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Interessant ist für Historiker im Zweifelsfall alles an Marx-Engels-Quellen - kommt eben auf den persönlichen Forschungsschwerpunkt an.

    Fragen wie "aktuell" oder "lernenswert" gehören zur Tagespolitik und damit nicht in dieses Forum.

    Im Prinzip nichts - es sei denn wg. historischer Betrachtung auf Niveau Geschichts Leistungskurs Oberstufe.
     
  6. TGDarmstadt

    TGDarmstadt Neues Mitglied

    Die Lehrplanfrage kannst du dir selbst beantworten: Hier ist der Link zum Hessischen Lehrplan. (PDF-Download) Das Thema wird in der Klasse 9 und der Jahrgangsstufe 12 behandelt.

    Interessant in diesem Zusammenhang ist auch der Einführungserlass Landesabitur in Hessen. Dort steht etwas zu den Prüfungsthemen für das Landesabitur.
     
  7. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Sehr interessant!
    Nach diesem Lehrplan werden meine Kinder ja unterrichtet - und ich habe mich schon einige Male gefragt, was zum Teufel denn im hessischen Geschichtsunterricht die Prioritäten sind ...

    Wobei es natürlich schwer bis unmöglich ist, die wesentlichen Punkte der Weltgeschichte alle zu berücksichtigen, ohne eine Faktenhuberei ohne Hintergrund und Querbeziehungen zu bieten.

    Auf jeden Fall scheint mir so ein Lehrplan doch deutlich überfrachtet zu sein mit Vorgaben - etwas mehr Freiheit für die Lehrer wäre wohl besser.
     
  8. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Sehe ich nicht so. Ganz abgesehen von der Frage nach Gültigkeit der marxschen Theorien, bleibt der Tatbestand, dass viele Menschen von diesen Ideen beeinflusst wurden un in ihrem Namen viele politische Systeme begründet wurden.
    Das Thema gehört zur sozialen Frage zu Zeiten der Industrialisierung. Sowohl als Folge, als auch als Lösungsvorschlag.
    Ohne Grundkenntnisse dieser Theorie halte ich eine Behandlung der SU, DDR,... für sehr oberflächlich (auch wenn - oder gerade obwohl - sie nicht 1 zu 1 umgesetzt worden).
    Auch Atheisten sollten einen Grobüberblick zu den Weltreligionen haben um geschichtliche Prozesse zu verstehen und für die neuere Geschichte ist der historische Materialismus ähnlich prägend.

    Von daher lässt sich auf die ökonomischen Betrachtungen und SChlussfolgerungen vielleicht verzichten, das Geschichtsbild mag nur am Rande behandelt werden, aber die politischen Forderungen sind unerlässlich.

    Politikunterricht hatte ich nie, daher treffe ich hierzu keine Aussage.
    In Philosophie könnte man auch drüber nachdenken. Ich persönlich glaube, dass man mit Marx mehr anfangen kann (nachvollziehen, diskutieren,...) als beispielsweise mit Plato, dessen Ideen unseren doch teilweise sehr fremd sind und Utopia wird ja auch teilweise erwähnt, in diese Reihe gehört Marx imho einfach dazu.
     
  9. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Schon klar.
    Deswegen sage ich ja: Im Geschichtsunterricht (wo er solche Fragen überhaupt ausführlicher darstellt) muß man natürlich auch erklären, wie Leute wie z. B. Lenin auf die Idee gekommen sind, einen Staat so zu organisieren.
    Und das gilt natürlich auch für andere Punkte (z. B. Entstehung der Gewerkschaftsbewegung).
    Da bin ich also völlig mit Dir einig.

    Aber außerhalb des Geschichtsunterrichts sehe ich keine Verwendung dafür (wobei ich mich bei Philosophie nicht sehr auskenne) - und ich hatte die Ausgangsfrage schon so verstanden, daß auch die Relevanz für andere Fächer gefragt war.

    Speziell PoWi wurde genannt, und da sehe ich heute keinen Platz mehr für Marxismus im Unterricht.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gäbe es ohne Marx die Mehrwertsteuer? :grübel:
     
  11. Mercy

    Mercy unvergessen

    Nö, die Umsatzsteuer hat eine andere Grundlage.
     
  12. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Wer nach 1989 als Selbständiger immer noch nicht den Markt verstanden hat, sollte Marx/Engels "Das Kapital" lesen. Das theoretische Grundwissen des Kapitalismus lieferten Marx und Engels.
    Wenn Handy-Werksangestellte heulen, weil ihr Arbeitsplatz verloren geht - auch denen sollte zum Verständnis etwas Marx in den Briefkasten gelegt werden.

    Marx war politisch ein Phantast, auf ökonomischen Gebiet schrieb er allerdings nichts utopisches.
     
  13. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    @ Mercy: ist die Umsatzsteuer nicht etwas anderes als die Mehrwertsteuer?

    Auf jeden Fall ist das:
    eine wirklich interessante Frage. Meines Wissens stammt der Begriff "Mehrwert" tatsächlich von Marx; natürlich lasse ich mich da gerne eines besseres beraten...
     
  14. Mercy

    Mercy unvergessen

    Der Terminus Mehrwertsteuer hat aber mit Marxens Mehrwert nichts zu tun.
    Guckst du bei Wiki unter Umsatzsteuer. Ist hier verläßlich. (Ach Gott, was habe ich die Azubis in der Prüfung damit gequält [und erfreut]).
     
  15. TGDarmstadt

    TGDarmstadt Neues Mitglied

    Im Rahmen der Abiturprüfung in Geschichte ist "Die soziale Frage und ihre Lösungsansätze" sogar ein mögliches Prüfungsthema. Und das geht nicht ohne Marxismus.

    Im Bereich von Politik und Wirtschaft (PoWi) habe ich mal den Lehrplan überflogen. Es scheint tatsächlich so, dass die Lehren von Marx in PoWi keine große Rolle mehr spielen. Das Ende des realexistierenden Sozialismus hat wohl die Notwendigkeit beseitig, sich ausführlich mit dem politischen und wirtschaftlichen System des Marxismus auseinanderzusetzen.

    Aber: Sowohl das Thema "Soziale Marktwirtschaft" und "Internationale Beziehungen" können ohne Marx nicht umfassend erklärt werden. Soziale Marktwirtschaft kann nur sinnvoll erklärt werden, wenn sie zwischen Freie Marktwirtschaft und Planwirtschaft gestellt wird.
    Und in den internationalen Beziehungen kann man nicht vollständig auf die Imperialismustheorie Lenins verzichten, zumal einige moderne Theorien zum Gegensatz Erste Welt/Dritte Welt (z.B. Dependenz-Theorie) nicht ohne die Imperialismustheorie erklärt werden können.
     
  16. elysian

    elysian Neues Mitglied

    Man sollte seine Aussage nicht vergessen, er sei kein Marxist!
    Ansonsten kann man wohl folgende Schlußfolgerungen ziehen:
    1. seine Geschichtstheorie kann man vergessen
    2. seine politischen Ansichten sind, wie Hurvinek bereits sagte, Phantastereien, die teilweise sehr bedenklich sind (Arbeitszwang, Gewalt als erwähltes Mittel zur Durchsetzung der politischen Ideen, etc.)
    3. seine Analyse des Kapitalismus ist brilliant
    4. seine Analyse der menschlichen Gesellschaft leidet unter eine alle Bereiche ökonomisierenden Sicht
    5. sein philosophischer Beitrag zum Widerstreit Materialismus und Idealismus macht ihn bis heute zu einem Muß für jeden, der sich mit Philosophie beschäftigt; seine Aussagen sind bis heute heftigst umstritten (die Frage ob das Sein das Bewußtsein gestaltet oder umgekehrt ist wie die Frage nach der Henne und dem Ei)

    @Themistokles
    Ich denke nicht, daß Marx uns mehr bringt als Platon. Ohne Platon mit Höhlengleichnis und so weiter ist Marx, über den großen Bogen gedacht, nicht denkbar.

    @balticbirdy
    Für das 20.Jahrhundert kann ich Dir eher zustimmen, daß Marx große Bedeutung für desellschaftliche Bewegungen hatte. Für weite Teile des 19. Jahrhunderts stimmt das jedoch, naturgemäß, nicht. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Marx Wirkung kaum entfaltet.
     
  17. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Wenn du mich schon direkt ansprichst, gestatte bitte eine Entgegnung: Die Entwicklung der deutschen Sozialdemokratie und Gewerkschaftsbewegung unter Lassalle und Bebel kann man nicht unabhängig von Marx und seinem Schaffen sehen. Ähnliches ist für die anderen aufstrebenden Industrieländer anzunehmen, da fehlt mir freilich das Detailwissen. Bis Mitte des 19. Jahrhundert ist der Fall ja klar, Marx wurde 1818 geboren und schrieb das Manifest 1848.
     
  18. elysian

    elysian Neues Mitglied

    @balticbirdy
    Und wo ist jetzt der Unterschied zu meiner Aussage?
     
  19. *Boobi*

    *Boobi* Gast

    Hallo,
    die Frage hat ja richtig zuspruch gefunden, das erfreut mich.

    Ich vertrete den Standpunkt, das Marx noch immer in der Schule behandelt werden sollen, denn der Aussage von
    @R.A
    "Fragen wie "aktuell" oder "lernenswert" gehören zur Tagespolitik und damit nicht in dieses Forum"
    muss ich widersprechen. Aus Sicht der Didaktik der Geschichte ist ein Gegenwartbezug doch erstrebenswert (Bergman et al.) und einer der Gründe, warum es überhaupt Geschichtsunterricht geben sollte. Ob das in ein Geschichtsforum gehört oder nicht, gut es ist kein Lehrer-Forum, trotzdem kann man eine gewisse Berechtigung nicht absprechen.

    Auch der These, dass man "Im Prinzip nichts [von Marx im Unterricht behandeln sollte] - es sei denn wg. historischer Betrachtung auf Niveau Geschichts Leistungskurs Oberstufe", würde ich widersprechen wollen.
    Die Bedeutung der Marx'schen Theorie in der Arbeiterbewegung, der sozialen Frage und der späteren Marxinterpretationen (Luxemburg/ Lenin) wurde ja schon angesprochen, außerdem die "Umsetzung" in den realexistierenden sozialistischen Ländern. Die historische Wichtigkeit steht für mich eigentlich außer Frage.
    Meine Frage geht weiter - sollte man bspw. die marx'sche Kritik der poltischen Ökonomie besprechen (die Erwirtschaftung eines Mehrwerts ist meines Erachtens noch immer aktuell), könnte man anhand von Marx nicht auch noch immer existierende Herrschafts- und abhängigkeitsverhältnisse darstellen oder beispielsweise Alternativen zu einer vom Kapitalismus zerotteten Welt besprechen?

    Gehe ich zu verbohrt an die Sache ran? Bleibt nicht mehr als man denkt von der marx'schen Analyse des Kapitalismus aktuell, vielmehr als der Schulunterricht ihm momentan zuspricht?

    Vielen Dank für eure Gedanken. Hat jemand wissenschaftliche Literatur zu dem Thema gefunden, inwiefern Marx noch immer in der Schule behandelt werden sollte.

    B.
     
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  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Marx ist ja nicht ganz einfach zu lesen, ob man gleich ganze Großtexte wie die Kritik der politischen Ökonomie im Rahmen des Schulunterrichts lesen kann, möchte ich fast bezweifeln. Letztlich ist es auch nicht die Aufgabe des Lehrers, die Schüler politisch auszurichten (und von Staats wegen erst recht nicht im Sinne des Marxismus), sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, sich politisch zu bilden und eine eigene Meinung zu entwickeln.
     

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