Masgaba, der Lotosesser

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Eumolp, 12. Juni 2008.

  1. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    In der Augustus-Biographie des Sueton lese ich von einem gewissen Masgaba, lest selbst:
    Im Netz habe ich nebenbei erfahren, dass dieser Masgaba ein afrikanischer Architekt gewesen sein soll, mehr allerdings nicht.

    In diesem Artikel Cookie Absent, so sieht es aus, könnte mehr drin stehen, ich habe aber leider keinen Zugriff darauf. Interessant ist in diesem Artikel der Bezug auf die Lotos-Esser, der mich nun aber völlig verwirrt.

    Weiß jemand mehr über Apragopolis und Masgaba?
     
  2. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Wie vom Himmel herab kam mir der jstor-Artikel zugeflogen (@aquilifer bedankt :anbetung:). Für die, die zitternd auf Antworten warten, ein paar Notizen daraus.

    Masgaba war ein afrikanischer Freigelassener, dass er jedoch Architekt der Augusteischen Villen auf Capri war, ist eine Interpretation allein der Herausgeber des Sueton. Interessant, wie sich solche schwankende Angaben über's Netz als Fakten propagieren! Wahrscheinlich war er so etwas wie ein Verwalter der Capresischen Besitztümer Octavians. Und zwar nicht unbedingt der eifrigste, sondern eher ein Faulpelz, der sich gern an einen Strand legte und den anderen bei der Arbeit zusah. Trotzdem Liebling des Octavian.

    In diesem Zusammenhang hat er eine "Insel nahe Capri" als "Gründungsvater" in Besitz genommen, diese Insel soll nach McDaniel die winzige Insel Monacone sein, die vor 2000 Jahren aber durchaus größer gewesen sein könnte, da auch der Meeresspiegel niedriger lag. Die "Besitznahme" (durch faules Herumliegen = das eben ist mit "Lotosessen" gemeint) hat daher etwas Komisches, weshalb auch Octavian beim Zitieren seiner Verse auf Masgaba in Lachen ausbricht.

    Ich ergänze diesen Eindruck durch den Kontext: zuvor nämlich hatte der Augustus verschiedene Schiffer beschenkt, danach hatte er mit großem Interesse den gymnischen Spielen der Capresischen Jugend beigewohnt und Geschenke verteilt. All dies wenige Tage vor seinem Tod.

    In gewisser Weise wird ein Gegenentwurf zu Octavians pflichtbewusstem Leben dargestellt, und darüber hinaus: ein Kaiser, der heiter und gelassen in den Tod geht, dem Masgaba, der Nichtstuer und "eponymer Held" eines Felsens, ein Jahr zuvor vorausgegangen war.
     

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