Media in Germania - der Tintenfassdeckel des Germanicus

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Hermundure, 28. April 2022.

  1. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Nach längerem Drehen habe ich das Loch entdeckt. Für einen Niet ist es zu schräg. Vermutlich diente es zum Abfluss abgetropfter Tinte.
     
  2. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

    So, hier nun die andere Seite und das Gewicht der Laufwaage. Letzteres ist ebenfalls aus Bronze.
     

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  3. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Danke. Damit ist der Absatz/Sprung im inneren Rand erklärt. Er stammt nicht aus der Fertigung, sondern von einer Beschädigung durch einen spitzen Gegenstand.
     
  4. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Laufwaage: klingt ja eher nach einem Kaufmann als nach Militär. Dazu passt auch das Tintenfass, falls römische Kaufleute damit etwas aufgeschrieben oder "angeschrieben" haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Mai 2022
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  5. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Ein Kaufmann, der ein Bronze-Tintenfass in das entlegenste Germanien mitschleppt, erwartet dort Schriftlichkeit und Schriftkultur beim Handelspartner.
     
  6. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    @Pardela_cenicienta vielleicht gehörte so ein Tintenfass dem Buchhalter des Kaufmanns, welcher seinem Chef die Gewinnspanne stets aktualisiert? Dann benötigte der Handelspartner kein Studium bei Cicero oder Quintilian ;)
     
  7. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Nun, auf das Problem war ich selbst schon gestoßen. Aber aufschreiben kann man doch Verschiedenstes: die eingekauften und verkauften Waren, die Namen der Käufer und Verkäufer für spätere Geschäfte, die Wege, die Beschaffenheit der Landschaft, Bestellungen etc. Aber das sind natürlich alles Spekulationen und werden vielleicht dann konkreter, wenn man mehr über den gesamten Fund weiß. Fragen wären dann: warum liegen Laufwaage und Tintenfassdeckel (falls sie überhaupt zusammengehören) auf der Erde: Überfall, Unfall, Zufall?
     
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  8. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Ganz genau - hier ist der Fundkontext wichtig.

    @Hermundure hat von drei Fundstücken in unmittelbarer Nähe zueinander berichtet:

    • Tintenfaßdeckel
    • Gewandfibel
    • Gewicht einer Laufwaage
    Dazu hatte ich schon oben geschrieben:

    Oder war da vielleicht in der Antike eine germanische Schmiede, die Altmetall als Rohstoff gesammelt haben, und einige kleinere Stücke sind halt da verlorengegangen?
     
  9. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Verschiedene Varianten sind denkbar. Bronzezeitliche Bruchstücke findet man hier recht häufig. Ob zum Einschmelzen oder als rituell zerstörtes Gerät zum Opfern, ist nicht mehr feststellbar. Das betrifft aber die Bronzezeit. So wurde das römische Arztbesteck von Aschersleben von einem Germanen weiter benutzt, so dass man es ihm in die Urne legte.
    https://www.mz.de/lokal/aschersleben/ur-und-fruhgeschichte-rom-in-aschersleben-2061202
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Mai 2022
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  10. DerNutzer

    DerNutzer Mitglied

    Spannend, sehr spannend.
    Insbesondere weil der Fund so weit östlich ist.

    @Hermundure Großen Glückwunsch!
    Planst Du weiteres Sondieren dort?

    Wie gesichert ist eigentlich die Datierung in frühkaiserliche Zeit?
     
  11. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

    @DerNutzer

    Danke. Ja, da ich dort ganz in der Nähe auch schon vor Jahren Schuhnägel gefunden hatte. Optik und Maße passen gut zu den Fässchen von Haltern und Köln überein. Die norisch-pannonische Fibel lag ja praktisch fast gleich daneben.
     
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  12. DerNutzer

    DerNutzer Mitglied

    @Hermundure Auch Schuhnägel, das wird ja immer besser.

    Wurden die Nägel eigentlich auch von Zivilisten in den Sandalen getragen?
    Oder deuten die Nägel auf Militär hin?

    Und nochmal die Frage: Wie sicher ist die Datierung des Behälters in die Tiberius Zeit? Ist dieses "T" ohne das "IB" wirklich so aussagekräftig?

    Sehr sehr spannend. Ich freue mich, hier mehr darüber zu lesen.
     
  13. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Über römische Legionärssandalen und ihre Nägel gibt es einige Veröffentlichungen. Auch hier im Forum hat Hermundure berichtet.
    Betreffs des "T" habe ich allerdings einige Bedenken. Hier müsste eine Präzisierung durch optische oder Röntgentechnik erfolgen, um zufällige Werkzeugspuren auszuschließen.
     

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