Mesopotamische Epen

Dieses Thema im Forum "Hochkulturen Mesopotamiens" wurde erstellt von Babylonia, 3. November 2004.

  1. Babylonia

    Babylonia Neues Mitglied

    Atramhasis-Epos.

    Oder Mesopotamier im heutigen Dülmen?



    Eine in der Wochenendausgabe der „FP“ vom 30./31.10.04 gefundene Meldung über ein Pärchen, das sich in der Dülmener City völlig entkleidet auf dem kalten gepflasterten Boden liebte, erinnerte mich an das fast 4000 Jahre alte babylonische, gut bezeugte Atramhasis-Epos, in das noch ältere sumerische und akkadische Überlieferungen eingeflossen sind (ein Abschnitt daraus findet sich im Gilgamesch-Epos).



    Das Atramhasis-Epos verknüpft die Erzählung von der Erschaffung der Menschen mit der Sintfluterzählung. Darin beschweren sich die Götter darüber, dass sie für ihre Ernährung hart arbeiten müssen, während der Gottkönig Enlil mit seinem Hofstaat im Palast schläft.

    Die arbeitenden Götter (Igigu) treten in den Streik und wollen Enlil vom Thron stürzen.



    Auf Anraten des weisen Gottes Enki schlachten sie statt dessen den Rädelsführer der Igigu, vermischen mit seinem Fleisch und Blut Lehm und formen daraus Menschen als die künftigen Arbeiter.

    Zitat: „Die Kultur erwerben diese dann, indem sie die Beherrschung ihrer Sexualität erlernen und sich nicht mehr, wo sie stehen und gehen (in Gärten und auf den Straßen), paaren, vielmehr in ( ihren Häusern), indem sie Betten aufstellen, sollen die Ehefrau und ihr Ehemann einander erwählen“.



    Vielleicht waren die Liebenden aus der Dülmener City verirrte Mesopotamier aus uralten Zeiten, die erst noch „die Kultur erwerben“ müssen- ging es mir durch den Kopf.



    Weiter heißt es im Epos: Die Menschen schaffen dann aber neue Probleme, indem sie sich ungehemmt vermehren, es dadurch immer lauter wird und Enlil nicht schlafen kann. Er versucht ohne Erfolg die Menschen zu dezimieren, aber Enki durchschaut seine Pläne und berät die Menschen. So auch, als Enlil zum Mittel der Sintflut greift. Enki verhindert die Ausrottung der Menschen – er warnt Atramhasis, „den überaus Weisen“, der sich und die Tierarten mit einer Arche retten kann.



    Enki handelte nicht uneigennützig, denn dadurch blieben den Göttern die Arbeiter erhalten, die für ihre Ernährung sorgen sollten. Als Atramhasis (im Gilgamesch-Epos heißt er Utnapischtim, in den sumerischen Keilschrifttexten Ziusudra) nach der Sintflut „sein erstes Opfer darbrachte, stürzten sich die Götter darauf, wie die Fliegen“.

    „Das Problem der zu vielen Menschen wurde durch die Einführung des Todes gelöst und durch das für bestimmte Priesterinnen erlassene Verbot, Kinder zu bekommen“.



    Quelle:

    B. Hrouda „Der Alte Orient“, C. Bertelsmann 2003, Kapitel: „Schrift und Literatur“, S. 293 ff.



     
  2. wthurner

    wthurner Gesperrt

    Hallo Babylonia,
    recht herzlichen Dank für die wirklichkeitsnahe(Dülmen-City) und gelungene Vorstellung des
    Atramhasis-Epos.(ca. 1700 v.Chr.) Damit ist es ja wie das Gilgamesch Epos ä l t e r
    als die Bibel und man darf raten wer hier von wem abgeschrieben hat.
    Einen interessanten link wo dieses Epos ebenfalls erwähnt wurde:
    http://www.ev-akademie-boll.de/texte/online/sonne.htm
     
  3. Babylonia

    Babylonia Neues Mitglied

    Hallo wthurner,

    danke für den Link. Der Schöpfungsbericht im 1. Buch Mose (Genesis 1,1-31) erinnert an das babylonische Atramhasis- Epos, das im 2.Jahrtausen v. Ch in akkadischer Sprache verfasst wurde. Es finden sich auch Parallelen zu einem viel älteren Bericht, der in sumerischer Sprache aufgeschrieben wurde. Auch das biblische Paradies (1.Mose 2,4-25), mit seinem Garten Eden (Eden ist ein sumerisches Wort und bedeutet „Steppe“), weckt Assoziationen mit der sumerischen Paradiessage. Und davon gibt es mehr. Ein genauerer Blick verdeutlicht dann auch Unterschiede, zu sehen z.B. am Schöpfungsbericht, der bei den Mesopotamiern die Götter aus dem Chaos entstehen lässt, bei den Juden Gott das Chaos beherrscht. Die Bibel verdeutlicht die geistige Zusammengehörigkeit der Menschen in einem Raum, dem „Fruchtbaren Halbmond“. Darüber wurden im Lauf der Jahrhunderte ganze Bibliotheken gefüllt.

    Interessante Bücher zum Thema gibt es viele, z.B. diese:

    O. Keel, Ch. Uehlinger “Göttinnen, Götter und Gottessymbole”
    H. Donner „Geschichte des Volkes Israel und seiner Nachbarn in Grundzügen...“
    O. Kaiser „Texte aus der Umwelt des Alten Testaments“ oder
    I.Finkelstein, N.A. Silbermann „Keine Posaunen vor Jericho. Die archäologische Wahrheit
    über die Bibel“
     
  4. wthurner

    wthurner Gesperrt

  5. Babylonia

    Babylonia Neues Mitglied

    Das Gilgamesch - Epos ist wirklich großartig, ich habe eine Übersetzung von A. Schott.
    Gilgamesch war wahrscheinlich 5. König von Ur (um 2700 v. Ch.). Auf seine historische Existenz deuten in den Archiven von Schuruppak aufgefundene Keilschrifttexte hin. Seine Abenteuer sind aber Legenden, die anfangs als lose Erzählungen entstanden sind. Sie wurden im ganzen Orient in einem Zeitraum von mehr als 1000 Jahren überliefert, geändert und ergänzt. In Ebla wurden 1975 Tontafeln mit dem Gilgamesch -Epos in sumerischer und semitischer Sprache gefunden, die auf das Jahr 2300 v. Ch. datiert werden. Die endgültige Fassung geht auf das Jahr 1200 v. Ch. zurück und wurde in Babylon (wahrscheinlich) von einem Sin- lege- ninnini als eine Zusammenfassung geschaffen. In Assurbanipals Schriftensammlung aus dem 6. Jahrhundert v. Ch., in Ninive ausgegraben, fanden Forscher fast vollständige Fassungen des Epos in vier Sprachen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. November 2004
  6. Mercy

    Mercy unvergessen

  7. Babylonia

    Babylonia Neues Mitglied

    Asche auf mein Haupt!

    1. Nachgebessert:
    Gilgamesch war legendärer König von Uruk

    2. Nachgereicht zum vorherigen Beitrag - die Quellen:
    H. Uhlig, "Die Sumerer", Bastei Lübbe, 2002
    B. Hrouba (Hrsg.), "Der Alte Orient", C. Bertelsmann, 2003
    A. Schott, (Übersetz., Anmerkung), "Das Gilgamesch Epos", Reclam, 2003
    M. Jursa, "Die Babylonier", C. H. Beck, 2004

    auch:
    A. Caubet, Pouyssegur, "Der Alte Orient", Komet, 2001
    M. Bau, "Der Fruchtbare Halbmond", Glock u. Lutz, 1975
    G. Hierzenberger, "Der Glaube in den alten Kulturen",Topos plus, 2003

    Nun hoffe ich, lieber Mercy, Du hast das gemeint.
     
  8. Mercy

    Mercy unvergessen

    Eigentlich nicht. Ich meinte die inhaltliche Auseinandersetzung mit den (für mich überzeugenden) Thesen von fingalo.
     
  9. hyokkose

    hyokkose Gast

    Ich muß gestehen, daß ich mit meinen geringen Geistesgaben den Zusammenhang mit der nordischen Mythologie nicht ganz raffe.
     
  10. askan

    askan Neues Mitglied

    Ich finde es schön das du deine Schwächen zugibts, aber wie kommst du auf den nordischen Zusammenhang??
     
  11. hyokkose

    hyokkose Gast

    Indem ich die vorigen Beiträge gelesen habe.
     
  12. wthurner

    wthurner Gesperrt

    Die Henne und das Ei

    Hallo Mercy,
    Du fragtest was wir von dem Beitrag fingalos halten. Der ist in Ordnung.
    Was Du aber meintest und nicht geschrieben hast (ich interpretiere jetzt mal), nämlich daß das Gilgamesch-Epos "Bibel-Wurzeln" habe, glaube ich nicht.
    Für mich verhält es sich genau umgekehrt, die Bibel wurde u.a. vom Gilgamesch Epos inspiriert(Sintflut), einfach deshalb, weil das Gilgamesch-Epos älter ist.
     
  13. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter


    Das denke ich auch.

    Hier noch eine schöne Seite zum Gilgamesch Epos:


    http://www.lyrik.ch/lyrik/spur1/gilgame/gilgam01.htm
     
  14. wthurner

    wthurner Gesperrt

    Danke für den link, Ursi.
     
  15. Mercy

    Mercy unvergessen

    Brauchst du auch nicht, deinen hochgeschätzten Geistesgaben, gingen meine geringen voraus :autsch:
     

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