Millionenshow/ Freier Fall

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von Gast, 28. November 2005.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo

    In der Millionenshow war folgende Frage: Wer hat den freien Fall endeckt?
    Zur Auswahl standen noch Leonardo Da Vinci und Galileo Galilei.

    Die richtige Antwort war Galileo Galilei, doch stimmt das? Weil Leonardo Da Vinci hat ja einen Fallschirm entworfen und dazu musste er ja den freien Fall kennen, sonst wäre es ihn ja unmögkich einen stabilen Fallschirm zu bauen. In meinen Augen ist der Fehler in der Fragestellung, da Galileo Galilei ein Gesetz, etc nieder geschrieben hat. Die Frage wäre richtig, wenn sie heißen würde: Wer hat das Gesetz für den freien Fall endeckt?

    Doch so wie die Frage gestellt wurde, ist die Antwort, aus meiner Sicht falsch.
    Stimmt ihr mir zu oder liege ich falsch

    schönen Abend noch

    Gregor
     
  2. Mercy

    Mercy unvergessen

    Für Reklamationen gibt es eine Adresse:

    Webmaster@rtl.de
     
  3. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Den freien Fall hat niemand entdeckt, den gibt es seit die Welt existiert... :rolleyes:
     
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Pardon,

    Du verwechselst die Entdeckung und die Erfindung.

    Grüße Repo
     
  5. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Noe... Das Dinge einfach so runterfallen, das wusste man schon immer. Insofern hast Du aber recht, nicht seit die Welt existiert, sondern seit Leben mit einem gewissen minimalen Intelligenzgrad existiert, haette ich schreiben sollen. Aber das klingt so gestelzt... :grübel:

    Was Galilei gemacht hat, er hat die physikalischen Gesetzmaessigkeiten, die hinter diesem allseits bekannten Phaenomen stecken, aus Experimenten abgeleitet und in eine mathematische Form gebracht. :fs:

    Wenn schon Haarspalter, dann aber richtig :winke:
     
  6. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Nein, das ist nicht nur Haarspalterei. Dass Gegenstände zur Erde fallen, das weiss jeder. Dass aber beim "freien Fall", nämlich ohne Reibungswiderstand, alle Körper unabhängig von Masse und Beschaffenheit gleich schnell fallen, das ist eine andere Sache.

    Somit hat Galilei tatsächlich das Prinzip des "Freien Falls" entdeckt.

    (jedenfalls ist uns heute kein früherer Entdecker bekannt)

    :winke:
     
  7. Gast

    Gast Gast

    Erstmals Danke für alle Antworten.

    Zur Abschlussfrage: "Stimmt es, dass Leonardo Da Vinci den Freienfall + allen Eigenschaften, aufgrund seines Fallschirms kennen musste, nur nicht errechnet, bzw. niedergeschrieben hat?

    Thx

    Gregor
     
  8. manganite

    manganite Neues Mitglied

    So genau hat das Galilei aber alles gar nicht gemacht. Galilei hat das Fall-Gesetzt beschrieben, das einfach nur sagt, wie ein Koerper faellt, wenn man ihn loslaest. Hat also eine alltaegliche Beobachtung in eine mathematische Form gebracht. Ganz, wie ich geschrieben habe :rolleyes:
     
  9. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Nein, denke ich nicht. Leonardo wird gemerkt haben, dass eine grosse Flaeche einen erhoehten Widerstand zur Folge hat, also bremst. Wird dann rumexperimentiert haben und festgestellt haben, dass eine grosse Flaeche auch den Fall bremst. Und dann nach rein qualitativen Kriterien eine Fallschirm entworfen haben. Dazu brauchte er nicht viel Mathematik und auch kein Fallgesetz.
     
  10. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Eher das Gegenteil: Er nutzte die Tatsache, dass die Form und Fläche eines Körpers die Fallbeschleunigung verringern oder erhöhen kann. Dazu musste er aber keineswegs wissen, wie sich Körper im luftleeren Raum verhalten. Das hätte ihm als Erfinder auch nur wenig weitergeholfen ...
     
  11. Pope

    Pope Neues Mitglied

    http://www.zeit.de/stimmts/2000/200017_stimmts_galilei
     
  12. Pope

    Pope Neues Mitglied


    http://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Fall
     
  13. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Aeh, ja und? Du weisst schon, dass Galilei keine Experimente im Vakuum machte, oder? Galilei hat einfach nur untersucht, wie Gegenstaende fallen. Die Ergebnisse waren relativ ungenau, aber es bei diesen Experimenten nicht so sehr darauf ankommt, ist das von ihm gefundene Gesetzt tatsaechlich auch im Vakuum gueltig. Der Unterschied ist einfach vernachlaessigbar gering (es sei denn, ich benutze einen Fallschirm...) und war fuer ihn gar nicht messbar.

    Was Vakuum, Luft, Luftwiderstand und alles was sonst in die Unterscheidung freier und durch ((Luft-)widerstand) gehementen Fall hineinspielt, dass war ihm alles gar nicht klar. Er hat was ganz anderes gesucht und auch gefunden.

    Als man spaeter dann schlauer war, wurde klar, dass sein Gestzt eigentlich nur den freien Fall im Vakuum exakt beschreibt.

    Viel Spass noch beim googeln :winke:
     
  14. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Er hat eine schiefe Rollbahn konstruiert, damit er den Luft- und Reibungswiderstand minimieren konnte.

    Er fand dadurch heraus, dass die Eigenheiten von Körpern IM IDEAL nichts mit der Fallgeschwindigkeit zu tun haben. Also, dass der ideale Fall ("freie Fall") immer gleich verläuft. Das hat vor ihm noch KEINER gesagt.

    Ich meine, das war ihm sehr wohl klar. Sonst hätte er das Experiment nicht "verlangsamt" (Luftwiderstand nimmt quadratisch zur Geschwindigkeit zu -> je langsamer, umso genauer die Näherungswerte).
     
  15. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Hier nochmal der kleine, feine Unterschied (ich hoffe ich habe meine Physik noch im Kopf:rotwerd: ):

    fall.JPG

    Links ist das, was wir alle kennen. Wer einen Federball von einem Haus fallen lässt, wird merken, dass er schneller wird, aber irgendwann seine Höchstgeschwindigkeit erreicht hat. Ein Tennisball verhält sich ähnlich, erreicht aber eine höhere Endgeschwindigkeit. Das sind die Naturbeobachtung jedes "intelligenten Wesens". Manche Körper fallen schneller, als andere.

    Rechts ist Galileis Gesetzmäßigkeit. Beide "Bälle" beschleunigen gleich schnell und die Endgeschwindigkeit geht immer nach Unendlich.
     
  16. Kann man das jetzt als Nebenkriegsschauplatz bezeichnen?;)
     
  17. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Lies doch mal wenigsten deine eigenen Links, denn da steht ja sogar drin, warum er die Experimente verlangsamt hat: Er konnte nicht genau genug die Zeit messen :fs:.

    Deshalb musste er sich was einfallen lassen. Dabei hat er noch Glueck gehabt, bzw. immer noch von seinen ungenauen Zeitmessungen profitiert, denn bei rollenden Gegenstaenden kommt dann noch die Rollreibung dazu und man muss das Traegheitsmoment der Kugeln beruecksichtigen, was beides die Geschwindigkeit beeinflusst. Haette er das alles genau genug messen koennen, waere im aufgefallen, dass all seine Experimente immer unterscheidliche Fallzeiten ergeben haetten (und ganz andere Zeiten, als beim wirklichen fallen!) und das sein schoenes Gesetz nur in einem, fuer ihn gar nicht zugaenglichen Spezialfall gilt.

    Und wenn der schiefe Turm von Pisa so hoch wie das ehemalige WTC gewesen waere, dann haette er sogar noch festgestellt, dass es selbst im Vakuum nicht wirklich exakt gilt, weil eigentlich beschreibt erst Newtons Gravitationsgesetz den "freien Fall" richtig, denn die Erdbeschleunigung ist eine Funktion der Hoehe. Aber das es sowas wie eine Erdbeschleunigung gibt, dass wusste er noch gar nicht...


    Galilei hatte keine Vorstellung davon, was Masse eigentlich ist, Kraefte und Beschleunigungen kannte er noch nicht. Was Galilei gemacht hat, war wie gesagt, er hat eine Beobachtung in Mathematik umgesetzt (und das ist auch sein grosser Verdienst), naemlich das "die von einem fallenden Koerper zurueckgelegte Strecke allein proportional zum Quadrat der vergangenen Zeit ist", mehr nicht (was dei Propertionalkonstante dabei ist, wusste er noch gar, hatte auch gar keine Vorstellung davon und haette mit seinen schiefen Ebenen und rollenden Kuglen auch gar nicht bestimmen koennen). Warum das so ist, darueber hatte er noch ganz falsche Vorstellungen, da ihm wie gesagt die ganzen Begriffe, die dazu noetig sind, noch fehlten.

    Wenn man sich mal anschaut, was die Leute damals fuer Vorstellungen hatten, ist das schon sehr interessant. Galilei glaubte auch noch, dass Geschwindigkeit sowas wie Temperatur ist, also eine Eigenschaft des Koerpers selber. Und wenn man ihn loslaesst, dann gibt er diese ab, wie ein Koerper, der Waerme abstrahlt. Kraft gab es nur im Sinne eines Impulses, musste also direkt uebrtragen werden, z.B. durch einen Stoss. Daher haette er sich gar nicht vorstellen koennen, was den Koerper eigentlich zum Fallen bringt. Auf die Idee kam erst Newton. Kraefte koennen auch ueber Entfernungen hinweg wirken. Die Erde zieht den Apfel an, der Apfel die Erde und daher bewegen sie sich aufeinander zu. Es ist keine dem Apfel innewohnende Eigenschaft, dass er nach unten faellt. Und selbst Newton war noch mehr Mystiker, der seine Gleichungen danach beurteilte, ob sie gottgefaellig und mit der Bibel in Uebereinstimmung zu bringen sind...

    Heut weiss man es besser, man weiss warum diese ganzen alten Regeln und Gesetze eigentlich gueltig sind, was sie eigentlich dedeuten und unter welchen Bedingungen sie anwendbar sind. Und da wird dann eben aus einer praktischen Beobachtung und derern mathematischer Beschreibung ein "Gesetz vom freien Fall im Vakuum", an das der Schoepfer gar nicht gedacht hat.

    Noch weiterhin viel Spass beim googeln (obwohl ich eher den Gang in eine Bibliothek und die Lektuere eines guten Buches ueber Wissenschaftsgeschichte empfehlen wuerde) :winke:


    P.S.:
    Solche Art Bildchen hat schon Jahrhunderte frueher jemand hingemalt bzw. mit Worten beschrieben. Demjenigen war aber noch weniger bewusst als Galiliei, was das eigentlich besagt und warum das so ist...
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. November 2005
  18. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Da die Diskussion etwas unuebersichtlich geworden ist, nochmal eine kurze Zusammenfassung:

    Entdeckt oder erfunden hat den keiner, den gabs schon vorher, das ist ein alltaegliches Natuerphaenomen.

    In dem Sinn, wie der Fragesteller es gemeint hat, stimmt es.

    Nein muss er nicht. Das kann man rein empirsich machen. Kurz gesagt, man probiert solange rum, bis man den gewuenschten Effekt hat.

    Wenn man einen Falschirm rein aus der Kenntnis der Physik dahinter haette entwickeln wollen, haette man man noch ein paar hundert Jahre warten muessen, denn dazu braucht man das Fallgesetzt in der Newtonschen Form (abgeleitet aus dem Kraftgesetz), die Kenntnis des Actio=Reactio Prinzips und die Gesetze ueber den Luftwiderstand.

    Absolut richtig. Genau das hat Galilei gemacht, er hat die Proportionalitaet von Fallstrecke und Quadrat der Zeit beim Fall von Gegenstaenden experimentel abgeleitet

    Soweit fuer den Hausgebrauch und aus rueckwaertiger Sicht richtig. Auch wenn Galilei eigentlich was ganz anderes untersucht hat und er nicht die exakte Gleichung, sondern nur die Proportionalitaet festgestellt hat, ansonsten haette er ein anderes Experiment machen muessen, konnte er aber nicht und der Fehler war im ueberhaupt nicht bewusst.


    Nur wenn man ein ausgesprochener Haarspalter ist. Fuer den Hausgebrauch sind diese Frage und Antwort ok.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. November 2005
  19. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Was zum Lesen ...

    MATHEMATICAL DISCOURSES AND
    DEMONSTRATIONS, TOVCHING
    Two NEW SCIENCES ; pertaining to
    THE MECHANICKS AND LOCAL MOTION:

    BY

    GALILÆVS GALILÆVS LYNCEVS,
    Chiefe Phylosopher and Mathematitian to the most
    Serene GRAND DVKE of TVSCANY.

    WITH

    AN APPENDIX OF THE
    Centre of Gravity
    Of some SOLIDS.
    Englished from the Originall Latine and Italian,

    By THOMAS SALUSBURY, Esq ;
    LONDON,

    Printed by WILLIAM LEYBOURN, Anno Dom.
    MDCLXV.

     
  20. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Erklärung dazu folgt...
     

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