Mit der Kanone nach unten

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Nergal, 1. August 2010.

  1. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Habe mich wieder mit Kanonen und deren Einsatz auf Festungsanlagen beschäftigt.
    Was war an Entwicklung eigentlich alles nötig um diese gegossenen Kanonen zu bauen die dann auf einer speziellen Lafette ruhten die man komplett anheben und vorne absenken konnte um über die Festungsmauer die bereits sehr nahe gekommenen Feinde in sehr steilem Winkel von oben beschiessen zu können?
    Soweit ich weiß ging das nicht mit jeder beliebigen Waffe und auch nicht mit "Hagel" (wegen der Verlagerung?)
    Hatten diese speziellen Waffen einen eigenen Namen, eine Bezeichnung?
     
  2. Mercy

    Mercy unvergessen

  3. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Was steil schießt und ein kurzes Rohr besitzt, nennt man Mörser. Seit dem 16. Jahrhundert verschoss man damit dann auch spezielle Mörserbomben. Da die Brenndauer des Bombenzünders, der vorher angezündet werden musste, kaum genau einzuschätzen war, erforderte es eiserne Nerven beim Bedienungspersonal. Wenn der Zünder brannte und es nicht gelang, die Treibladung im Mörser sofort zu zünden, krepierte oft der ganze Mörser.
     
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  4. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Ich habe gerade einen Hinweis bekommen, dass Du natürlich eine Neigung und keine Steigung des Rohres meintest. Die ballistische Leistung der Kanonen damals war so miserable, dass man (bei etwas geringerer Neigung) so gut wie nie getroffen hätte.
    Da die Kugeln in Kanonen eher locker saßen, wären diese wohl auch vorher herausgekullert. Ansonsten hätte man sie speziell festkeilen müssen. Das wäre wegen Rohrkrepieren nicht ungefährlich gewesen.
    Eine Kanone über die Brüstung wuchten... ein Zwölfpfünder wog schon über eine Tonne.

    Am besten waren für diese Fälle auf größere Entfernungen Wallbüchsen. Geringere Entfernungen, die gute, alte Muskete. Und bei steil nach unten genügt es wohl auch schon, mit Steinen zu werfen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. August 2010
  5. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    stimmt,in der Regel wurde der Nahkampf mit Musketen,Arkebusen , Wallbüchsen
    und mit Geschützen kleineren Kalibers geführt,als da sind :
    Serpent(11pfd), Halbschlange (8 Pfd), Falkonett (6Pfd.), Jagdkolumbine Nachtigall,Basiliske,Kartaune,Falkaune, Ronterde, Pommer, Wagen-, Bock-, Not-, Zentner- , Riegel und Hakenbüchse und das Ribauldequin(Orgelgeschütz)
    Direkt an der Festungsmauer dürften aber primär Hand- und Wurfgranaten,Feuertopfe u.a. explodierende Wurfgeschosse eingesetzt worden sein.
     
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  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Nergal meint die Depressionslaffete die erstmals von den Briten in Gibraltar entwickelt wurde, um auf spanische Schiffe schießen zu können die sehr nah an den Felsen kamen.

    Die Kugel wurden mit dem Propfen gegen das vorzeitige Herausrollen gesichert. Ich wüsste nicht, warum man keine Kartätschen hätte nutzen können. Die kamen in einem Sack den man ebenfalls mit dem Pfropfen hätte sichern können.

    Später hat sich diese Konstruktion verbreitet. Auf dem Königsstein gab es auch so gebaute Geschütze
     
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  7. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Ach die meint er. Depressionslafetten sind allerdings in Festungen bis ins 20 Jahrhundert anzutreffen-haben aber nix mit dem unmittelbaren Kampf an der Festungsmauer zu tun,sondern sind bei allen Geschützen notwendig, die tiefer liegende Ziele im direkten Schuß bekämpfen sollen.
    So habe ich während einer Alpenüberquerung auf dem E5, der über die Hochfläche von Lavarone führt mehrfach,u.a. am Fort Cherle und am Fort Sommo Alto bei Folgaria Reste von Depressionslafetten gesehen,die wohl für 10-cm-Turmhaubitzen gedacht waren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. August 2010
  8. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Das ist interessant, werde mal suchen ob das dabei ist was ich mieine, es war auch das vorzeitige herausfallen gemeint.

    Ich weiß nicht on Bdaian da richtig liegt, Hagel ist ja meines wissens nach nicht so etwas wie eine Kartätsche, also ein Behältniss das mit "Submunition" befüllt ist sondern Hagel ist eine Menge, loser weit unter dem Kaliber der Kanonnen liegender Geschosse.
     
  9. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Mmmh.

    Seit dem 30. jährigen Krieg füllt man schon kleinere Geschosse in Dosen oder Beutel (meistens mit Treibspiegel) um schneller laden zu können und damit feindliche Infanterie oder Kavallerie auf kurze Distanz zu bekämpfen. Das nennt man im deutschen Sprachgebrauch "Kartätschen".

    Während der napoleonischen Kriegen führten die Briten ein Explosivgeschoss mit einer Ladung kleinerer Kugeln ein. Auf Englisch heist dieses "canister" auf deutsch "Schrapnell" (nach dem Erfinder, Henry Shrapnel). Dazu gab es schon verschiedene Vorgänger (z.B. Leonardo zeichnete ein so geartetes geschoss) effektiv und massiv wurde es jedoch erst zu dieser Zeit genutzt. Heute nennt man irrtümlicherweise auch Granatsplitter "Schrapnell."

    "Hagel" nennt man es wenn man Gewehrkugeln, gehacktes Blei (grob zerkleinerte Bleibarren die üblicherweise zum Kugelgiessen verwendet wurden) Ketten, Nägel oder sogar kleine Steine und Glasspitter in das Stück füllt, weil alles andere verbraucht und der Feind in nächster Nähe ist. Bei Kanonen die Depressionslaffetten benötigen wird dieses jedoch selten der Fall gewesen sein. Bei einer solchen kann man von einer sturmfreien Position ausgehen. Wenn nicht, kann man die in den Lauf gestopften Schrott immer noch mit einem Propfen verdämmen und abfeuern. Ohne Propfen verliert sowieso jedes Geschoss, das nicht den Lauf voll ausfüllt, massiv an Wirkung.

    Dann gab es auch noch ausdrückliche "Hagelgeschütze" die einen Schauer an Steinen oder kleinen Kugeln abfeuerten, dieses jedoch meistens im hohen Bogen über eine Deckung hinweg.
     

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