Moiren und Tyche und Kairos?

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Philologe, 16. Juni 2011.

  1. Philologe

    Philologe Gast

    Mir ist bei der Beschäftigung mit den Griechischen Schicksalsgöttinnen aufgefallen, dass es verdammt viele davon gibt.

    Ein persönliches Schicksal, eines, das mehr zwingend ist und wiederum eines, den Kairos, das mehr eine günstige Gelegenheit ist.

    Dazu habe ich 2 fragen:
    1. Kann man daraus eine allgemeine Neigung der Römer ableiten, Personifikationen immer mehr als normale Begriffe zu verwenden? Kann es wirklich sein, dass Personifikation ein wesentlicher Teil der Begriffsbildung war?
    2. Wie war das Verhältnis zwischen den Moiren und den Schicksal nun?
     
  2. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Bist Du nun eigentlich bei den Griechen oder bei den Römern?

    Das Wechselspiel zwischen Personifikationen und alltäglichen Begriffen kann fließend sein. Manche Begriffe sind auch nur Bestimmungen ein und derselben Gottheit, die man sich nun nicht jedes Mal als komplett andere Person gedacht hat.
    Götter sind ja Symbole, sie verkörpern etwas. Und genauso, wie viele Sprachen von ein und derselben Sache verschiedene Aspekte betonen und dafür viele Worte verwenden, bedenke mal, wie viele unterschiedliche Worte es für das Denken gibt, so sind auch für das Schicksal unterschiedliche Begriffe entstanden, die verschiedene Seiten einer im Grunde immer gleich gedachten Gottheit verkörpern.
    Gerade im Laufe der römischen Kaiserzeit verschmelzen viele Gottheiten miteinander, das Bestreben nach einer kosmischen Allgottheit, die auch das Schicksal mit verkörpert, ist groß.

    So sind auch die Moiren nur ein Aspekt des Schicksals. Bei Homer sind sie noch Ausdruck des allwaltenden Geschicks, die den Augang und Fortlauf aller Dinge bestimmen, so könnte Zeus Troja gar nicht retten, selbst wenn er es wollte, weil die Moiren den UNtergang der Stadt beschlossen haben. Später sind die Moiren vor allem Symbole für die Lebenspanne des einzelnen Menschen.
     
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  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    @ Philologe:
    Man darf die griechische Religion auch nicht als geschlossenes, in sich einheitliches und stimmiges System betrachten. Es gab regionale Unterschiede, es gab Veränderungen im Laufe der Zeit, und es gab konkurrierende Sichtweisen. Es war also nicht unbedingt so, dass eine Person all diese Gottheiten und Sichtweisen akzeptierte. Außerdem waren zumindest manche sich durchaus der Widersprüche und Ungereimtheiten bewusst. Lukian von Samosata hat sie in seiner Schrift "Zeus elenchomenos" sehr schön herausgearbeitet.
     

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