Morde in deutschen Konzentrationslagern

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Cantus, 18. Oktober 2021.

  1. Cantus

    Cantus Gast

    Ich habe vor kurzem Volker Kutschers Olympia gelesen, in dem u.a. ein Mord an einem Häftling in Sachsenhausen 1936 beschrieben wird.

    Nachdem ich einige Bücher über die NS-Zeit gelesen habe, bleibt für mich die Frage, ob es eigentlich möglich ist, eine gesamte Opferzahl von getöteten Deutschen in den deutschen Konzentrationslagern zu ermitteln?

    Gab es so etwas wie eine Opferbürokratie (Totenscheinausstellung, Benachrichtigung von Angehörigen, Informieren der Pass- oder Standesämter)? Wenn ja, wie lange wurde die im Krieg dann auch noch beibehalten?
    Viele Dokumente und Unterlagen sind wohl verloren gegangen. Zudem gehe ich davon aus, das viele Dokumente von den Tätern gegen Ende des Krieges vernichtet wurden.

    Welchen Autor bzw. welches Buch würdet ihr empfehlen um einen Überblick über die Situation in den Konzentrationslagern zu erhalten? Kogon? Aly? Hilberg?
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es gab durchaus Totenscheine, aber den Angehörigen wurde mitgeteilt, dass der Verstorbene bereits eingeäschert worden sei. Als Todesursache wurden Lungenentzündung u.ä. angegeben.

    Kogon, ist nicht schlecht, aber fast schon selbst als Quelle zu betrachten, er war ja selbst Insasse und hat 1946/47 einen guten Einblick gehabt, aber sicherlich keinen guten Überblick. Auf jeden Fall lesenswert.
     
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  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Kogon geht ausführlich auf eine Affäre ein, die sich in Sachsenhausen ereignete und in der tatsächlich wegen der Tötung von Häftlingen wegen Mord ermittelt wurde. Der Kommandant von Sachsenhausen Koch war äußerst raffgierig über das tolerierte Maß hinaus und es gab schon mal ein Ermittlungsverfahren gegen ihn. Koch hatte sich aber noch dazu mit einem höheren SS und Polizeiführer, mit Josias Erbprinz von Waldeck Pyrmont, heillos überworfen. Waldeck selbst unterhielt ein Forschungsamt in Kassel, das nichts anderes tat, als die von Waldeck geschossenen Rehböcke zu lagern. Waldeck war einmal von einem Häftling, der ein geübter Heilpraktiker war, behandelt und geheilt worden. Dieser Mann wurde auch ein Zeuge für die Korruption von Kommandant Otto Koch, weshalb dieser ihn eigenhändig "auf der Flucht erschoss". Josias von Waldeck hatte schon länger Intrigen gesponnen, um Koch zu erledigen, und Koch wurde schließlich Oktober 1943 wegen Korruption und Mord an 3 Häftlingen angeklagt gemeinsam mit seiner Ehefrau Ilse Koch, genannt die "Hexe von Buchenwald".

    Koch, der Hunderte von Häftlingen eigenhändig umgebracht hatte, er ließ u. a. Gefangene von den Bären zerfleischen, die in einer Menagerie in Buchenwald gehalten wurden, machte man aber wegen dieser 3 Häftlinge einen Prozess. Er wurde abgesetzt als Kommandant, und die Anklage gegen ihn vor einem SS-Gericht in Kassel wurde im April 1944 zugelassen und Karl Otto Koch wurde 1945 von der SS erschossen. Ilse Koch wurde von dem SS-Gericht freigesprochen, ihr wurde aber von den Briten der Prozess gemacht. Dass sie Häftlinge töten ließ und einen Lampenschirm aus tätowierter Menschenhaut besaß, konnte man Ilse Koch nicht beweisen. Sie nahm sich 1967 in Haft das Leben.
     
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