Moscheen - Arabische Architektur?

Dieses Thema im Forum "Der Islam und die Welt der Araber" wurde erstellt von romanus00I, 15. August 2014.

  1. romanus00I

    romanus00I Aktives Mitglied

    Ich hoffe inständig, dass dieses Thema nicht zu tagespolitisch ist. Wenn dem so sein solltem wird es ja sowieso gelöscht. Aber nun meine Frage:

    Im heutigen und auch früheren Volksgeist ist eine Moschee (ich spreche hier nur von osmanischer Architektur; die Moscheen des islamischen Spaniens, Afrikas und Asiens ausgenommen ) etwas komplett arabisch-orientalisches, kurz etwas fremdes. Ich meine natürlich mit "Volksgeist" die Allgemeinheit, nicht unbedingt den Spezialisten der Geschichte/Architektur.

    Aber ich habe schon einige Moscheen hier in Deutschland gesehen (nach osmanischen Vorbild erbaut) und habe mir gleich gedacht: Das ist doch keine arabische Architektur. Das ist byzantinisch, wenn nicht gar römisch. Vor allem die Kuppel fiel mir antikes Element auf.

    Kann man also von einer Kontinuität zwischen römischer Architektur der Spätantike und osmanischer Architektur der Neuzeit sprechen? Und wenn ja, war dies schon einmal breiteren Kreisen bewusst? Wenn nein: warum?

    Mich beschleicht die Vermutung im Mittelalter habe man als europäisch-christlich vor allem die romanische und gotische Architektur empfunden, während das, was die "Türken" ins Abendland brachten, "heidnisch" und damit schlecht sei.
     
  2. Turandokht

    Turandokht Aktives Mitglied

    Die typische osmanische Kuppelmoschee geht auf die Hagia Sophia, also auf byzantinische Architektur zurück. Das war eigentlich nie bezweifelt worden. Aber daneben gibt es ja noch zich andere Moscheetypen in der islamischen Welt. Oder verstehe ich nicht ganz, worauf Deine Frage abzielt? :grübel:
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. August 2014
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die indische Kuppel nicht zu vergessen.
     
  4. Turandokht

    Turandokht Aktives Mitglied

    Weißt Du, wo die herkommt? Also ich meine diese Stupa-Form, die ja auch vorchristlich ist. Könnte sie aus dem iranischen Raum stammen oder ist sie eigenständig entwickelt worden? Mit Indien kenne ich mich so gar nicht aus.
    Was die indischen Moscheen betrifft, so sind sie ja wohl großteils eine Weiterentwicklung der persisch-zentralasiatischen Vorbilder, wenn ich mich nicht irre.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Leider nein. Du darfst nicht vergessen, dass ich kein Orientalist bin.
     
  6. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Eindeutig skythisch!
    Vielleicht auch amerikanisch...

    Und im Ernst: Der Stupa wird, glaube ich, tatsächlich aus der Form des Grabhügels hergeleitet.
    Von Orientalistik habe ich leider auch keine Ahnung, aber bei der Form des Grabhügels würde ich einen polyzentrischen Ursprung nicht ganz ausschließen wollen...
     
  7. Turandokht

    Turandokht Aktives Mitglied

    :grübel:


    :yes:
    Ich meinte eigentlich eher die Konstruktion der Kuppel. Sowas muss man ja erst mal stabil hinkriegen aus Ziegeln oder Steinen.
     
  8. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Der Kuppelbau ist sicher römisch/ byzantinisch . Nur die überschlanken Minarette, der türkischen Moscheen dürften kein europäisches oder arabisches Vorbild gehabt haben. Sie scheinen eigenständig osmanisch zu sein. Die maurischen Minarette sind häufig eckig und einem europäischen Turm nicht unähnlich.
     
  9. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Oder aus anderem Material...
    Auch bei der Kuppelbaukunst würde ich einen polyzentrischen Ursprung nicht völlig ausschließen.
     
  10. Anthropos

    Anthropos Neues Mitglied

    Also die Inder kannten früher eher nur flache Dächer oder falsche, sogenannte Kragg-, Kuppeln. Erst durch islamische Baumeister kamen dann aus dem persischen Raum die richtigen Kuppeln. Wobei in Indien dies teilweise noch zu zwei-dreischaligen Kuppeln erweitert wurde. Man setzte einen Tambour auf das Gebäude und am Fuße begann die innere, spitzere Kuppel und am oberen Ende des Tambour die bauchigere, äußere Kuppel.
     
  11. Turandokht

    Turandokht Aktives Mitglied

    Doppelschalenkuppeln sind allerdings schon erstmals im 11. Jh. unter den Seljuqen gebaut worden.
     
  12. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Kontinuität ja, aber mit einigen Zwischenschritten:

    Die Hagia Sophia steht wiederum in der römischen Tradition (siehe Pantheon in Rom als größter antiker Kuppelbau).


    Ich kenne mich mit der Kultur- bzw. Architekturgeschichte Indiens nicht aus. Die islamischen Baumeister setzten möglicherweise die römische-byzantinische Bautradtion fort (so wie in Istanbul die großen Moscheen auch die Hagia Sophia als architektonisches Vorbild haben). Oder gab es auch eine persische Eigenentwicklung, die in Indien fortgeführt wurde? Oder wurde der indische Baustil von noch weiter aus dem Osten (z. B. China) beeinflußt?
     
  13. Anthropos

    Anthropos Neues Mitglied

    Ja? Hast du Gebäudebeispiele?
     
  14. Anthropos

    Anthropos Neues Mitglied

    Sicher bin ich mir nicht, aber auf dem Weg der Bautradition vom Vorderen Orient nach Indien, ist die Bautradition nur weiterntwickelt wurden und richtige Neuerungen gab es nicht. Ab dem 14 Jhd. gab es in Zentralasien die Entwicklung zur Doppelschalkuppel (siehe Gur-Emir-Mausoleum) und dann in Indien ab dem 15./16. Jhd.
     
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  15. Turandokht

    Turandokht Aktives Mitglied

    Fürs 11. Jh. hab ich jetzt auf die Schnelle nur das Mausoleum von Abu l-Fazl in Turkmenistan gefunden (die beiden Fotos in der zweiten Reihe der Fotogalerie). Ein ganz berühmtes Beispiel aus der ersten Hälfte des 12. Jhs. ist auf jeden Fall das Mausoleum von Sultan Sandjar in Merw.

    Wie gesagt, diese Kuppelform gab es schon unter den Seljuqen. In der timuridischen Architektur ist sie aber weiterentwickelt worden. Da ist dann der Zwischenraum zwischen den Kuppelschalen größer, so dass die Außenkuppel viel weiter herausragt.
     
  16. Turandokht

    Turandokht Aktives Mitglied

    Die Urform des islamischen Mausoleenbaus geht auf den sasanidischen Baukörper des chahartaq (Vier Bögen) zurück, der überkuppelt war. Das älteste erhaltene islamische Gebäude dieser Art ist das Samanidenmausoleum in Buchara von ca. 900.
    Ich denke mir, dass indische Kuppelbauten eher dieser Tradition zu verdanken sind als der römisch-byzantinischen, aber genau weiß ich das auch nicht.
     
  17. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Axworthy, Michael, Iran. Weltreich des Geistes. Von Zoroaster bis heute, Berlin 2012, S. 73:
    Womöglich lag das daran, dass die byzantinische Architektur das war, was die Araber bei ihren Eroberungszügen vorfanden.
     
  18. Turandokht

    Turandokht Aktives Mitglied

    Unbedingt. Der Islam hat sich eigentlich überall, wo er hinkam, in der lokalen Architekturtradition bedient. Die arabischen Beduinen hatten da ja selber nichts vorzuweisen.
     

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