Mysterienliturgie und Laienfrömmigkeit

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Gast, 29. Oktober 2009.

  1. Gast

    Gast Gast

    Ich hab mal eine Googlesuche gemacht um eine Definition für "Laienfrömmigkeit" zu finden, habe aber nichts brauchbares gefunden. Kann wer von euch den Begriff kurz definieren? Inwiefern sind Laien- und Volksfrömmigkeit dasselbe? Ich bin für jede Hilfe dankbar ^^
     
  2. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Hoi Gast

    Man kann die Volksfrömmigkeit in "Gelehrtenfrömmigkeit" und "Laienfrömmigkeit" unterscheiden...


    Gruss Pelzer


    .
     
  3. Feldi

    Feldi Neues Mitglied

    Zu einer Definition des Laien: In der am 25. Januar 1983 bekanntgemachten Fassung des C.I.C (Codex des Kirchenrechts) werden Laien in Can. 207 §1 definiert:
    "Kraft göttlicher Weisung gibt es in der Kirche (Anm: hier ist die Kirche im eigentlichen Sinne, nicht im Sinne der Institution gemeint) unter den Gläubigen geistliche Amtsträger, die im Recht auch Kleriker genannt werden; die übrigen dagegen heißen auch Laien."

    Allerdings ist der Begriff laut Kommentar zum C.I.C. nicht ganz unumstritten, sowohl in der Definition an sich, als auch in der Frage, ob er überhaupt benutzt werden soll.
     
  4. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Zunächst einmal sollten wir uns bei diesem Thema darüber im Klaren sein, daß die mittelalterliche lateinische Kirche eine Universalkirche war - zur römisch-katholischen Kirche, wie wir sie heute kennen, wurde sie (freilich mit Beibehaltung der Traditionen) erst im Zuge der Konfessionalisierung.
    In dieser Universalkirche differierte die Frömmigkeit: zum einen zwischen Land- und Stadtbevölkerung, zum anderen zwischen Laien einerseits sowie Klerikern und Ordensleuten andererseits.
    Was die angesprochene Laienfrömmigkeit betrifft, so läßt sich ergo sagen, daß dies dei Frömmigkeit eben der Laien war; und Laie war grundsätzlich jeder, der nicht Kleriker (gleichbedeutend mit "Gelehrter" - siehe Pelzer) und/oder Ordensmitglied war. Allerdings gilt es dabei wiederum zu beachten, daß damit unter dem Begriff "Laie" (ursprünglich war dieser übrigens sogar gleichbedeutend mit "Analphabet") sowohl Bauern auf dem Land wie auch Stadtbürger wie auch Adlige zu fassen sind, deren gelebte Frömmigkeit ihrerseits - vgl. Anm. weiter oben - in sich heterogen war.
     
  5. Mercy

    Mercy unvergessen

    Interessant scheint mir, dass es "Volksfrömmigkeit" als Lemma im Grimmschen Wörterbuch ebensowenig gibt wie das Lemma "Laienfrömmigkeit" im LThK (3. Aufl.).
    Man muß da schon über Hintertürchen (z.B. Volkskunde) weitersuchen. :winke:
     
  6. Gast

    Gast Gast

    mysterienliturgie und sakramentsmystik

    "Es waren letztlich die Bedürfnisse der Laien, die den spätmittelatlerlichen Wandel von der Mysterienliturgie zur Sakramentsmystik erzwangen". so heisst es in einem werk von e. schubert über die deutsche geschichte im spätmittelalter. google konnte mir leider nicht wirklich weiterhelfen mit einer definition von "mysterienliturgie" oder "sakramentsmystik".
    als definition von mystik fand ich: mystiker bemühen sich, das göttliche zu erfassen, indem sie sich von der welt abkehren; das geschieht durch versenkung in die tiefe des eigenen seins. wäre sakramentsmystik die erfassung es göttlichen mithilfe von sakramenten???
    bei dem begriff mysterienliturgie bin ich ebenso verloren, da ich in religiösen dingen gar nicht bewandert bin. kann jemand aushelfen?
     
  7. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Zwischenbemerkung

    Lieber Gast,

    darf ich Dich - ehe wir die Beantwortung Deiner neuen Frage angehen - darum bitten, nicht jedes Mal einen neuen Thread zu eröffnen, wenn Du in Deinem Text auf Punkte bzw. Begriffe stößt, welche weitere Fragen aufwerfen?

    Nutze doch bitte künftig den Fragethread, welchen Du zuerst begonnen hast (und an den ich soeben Deine neue Frage deswegen auch angehangen habe).

    Vielen Dank für Dein Verständnis :winke:
     
  8. Gast

    Gast Gast

    ok, danke für den hinweis, ich werds mir gerne merken :)
     
  9. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Ich versuche einmal, es als Laie - in jeglicher Hinsicht - ganz stark vereinfacht zu erklären.

    Christliche Mystik will Gott in intensiver Form begegnen; dabei gibt es Individualmystik (intensive Gottesbegegnung des einzelnen Gläubigen, der jedoch seinerseits Teil der Glaubensgemeinschaft ist), Anbetungsmystik (in den östlichen Kirchen), Sakramentsmystik (in der lateinischen Kirche, heute in der römisch-katholischen Kirche) und Wortmystik (in den evangelischen Kirchen).
    Sakramentsmystik bedeutet Begegnung des Menschen mit Gott - bis hin zur Vereinigung des Menschen mit Gott (unio mystica) - in den Sakramenten (= Symbole göttlicher Gegenwart); vornehmlich in Taufe, Eucharistie/Abendmahl und Firmung, jedoch ebenso in den anderen Sakramenten (Bußsakrament/Beichte, Ehe, Priesterweihe, Krankensalbung/Sterbesakrament) - wobei jedoch anzumerken ist, daß sich in der katholischen Tradition Ehe und Priesterweihe spätestens seit dem Hochmittelalter gegenseitig ausschließen.

    Mysterienliturgie bedeutet ritualisierte Offenbarung der Mysterien und dadurch Erfahrung der Gegenwart Gottes.
    Mysterien sind in diesem Zusammenhang zunächst Glaubensmysterien: "Geheimnis des Glaubens" - stellvertretender Tod Jesu und seine Auferstehung -, Trinität - Einheit der drei Personen: Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist - sowie die Menschwerdung Gottes. Diese Mysterien sind nicht rational erklärbar, sondern erst durch Offenbarung zugänglich; und die Offenbarung des Mysteriums Christi ist Gegenstand eben der Liturgie (= ritualisierter Gottesdienst zur Verehrung Gottes und zur Vertiefung des gemeindlichen Glaubens) - es wird letztlich das Heilsgeschehen vermittelt.
    Die christliche Liturgie ist also per se eine Mysterienliturgie, da die Mysterien offenbart und damit die Gegenwart Gottes erfahrbar wird. Wichtig ist hierbei jedoch, daß nicht nur die Glaubensmysterien, sondern ebenso die Einzelsakramente (vgl. oben) als Mysterien verstanden werden.

    Der im zitierten Satz angesprochene Wandel im Spätmittelalter dürfte sich darauf beziehen, daß die Laien Gott bzw. göttliche Gegenwart nicht mehr bloß durch Vermittlung und liturgische Offenbarung der Mysterien erfahren, sondern Gott selbst in den Sakramenten begegnen wollten.

    So - und jetzt gehe ich erst einmal schlafen und hoffe, daß die theologisch besser besattelten Forumsteilnehmer meine (wie eingangs ausgeführt) sehr stark vereinfachten Darlegungen nicht allzu sehr zerreißen...
     

Diese Seite empfehlen