Mythos Rommel

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von ursi, 19. Juli 2007.

  1. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Er hat nach dem ersten Weltkrieg höchstpersönlich dafür gesorgt, dass seine Rolle bei Caporetto/Karfeit in den Geschichtsbüchern richtig gestellt wurde. Während des Krieges ist ein anderer Offizier fur eine Aktion von ihm dekoriert worden. (Da konnte er offenbar sehr kleinlich werden).

    Während des Krieges liess er sich gerne von einem Kamerateam begleiten und achtete auch sehr auf die "Szene" die gefilmt wurde. Gelegentlich auch mit Tricks, so wurde bei der berühmten Wochenschauszene mit den Spiegeleiern auf dem Panzerblech. Da es vor der Kamera nicht funktionierte, wurde auf seine Anweisung mit einem Lotbrenner vorgewärmt.

     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das Kurbeln bezog sich auch auf die Rommel-Papiere in der Nachkriegspublikation "Krieg ohne Hass". Das verstand er, auch auf Basis der Fakten:

    Dabei geht es um den Rückzug in der 2. El-Alamein-Schlacht, die die völlige Niederlage auf dem afrikanischen Schauplatz einleitete.

    Hitler schickte Rommel am 3.11.1942, während die dt.ital. Armee am Ende ihrer Kräfte war, den "Siegen-oder-Sterben-Befehl". Abdruck hier:
    DER SPIEGEL*45/1967 - KEIN ANDERER WEG ALS SIEG ODER TOD

    Nur zum Kontext: die Einkesselung von Stalingrad erfolgte 19 Tage später, die amerikanisch-britische Invasion von Nordwestafrika 5 Tage später. Rommel war sich mit seinem Vorgesetzten Kesselring über den Rückzug einig, ließ ihn einleiten und schickte erst danach ein Telegramm an Hitler. Seine spätere Darstellung, nach der ein früherer Rückzug die Lage "gerettet" hätte, muss man wohl wieder als "Kurbeln" bzw. Verbiegen der Fakten ansehen. Das ändert aber nichts am dem Vorgang als solchen.
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Noch im Nachgang zu Rommel und den Westen, zur Frage von Kapitulationen: bereits im Januar 1944 hatte Hitler die Verteidigung der zu "Festungen" berufenen Städte "bis zur letzten Patrone" gefordert. Das war insofern nichts Neues zum Juli 1944, auch nichts Neues zum Osten, wo die "Festungen" auch praktiziert wurden.

    Einige Festungskommandanten ergaben sich recht zügig, und sahen ihre Aufgabe vornehmlich in Sprengungen der Häfen. Ein anderes Beispiel ist Brest, wo General Ramcke, überzeugter Nationalsozialist, mit seiner allerdings auch kampfkräftigen 2. FJD wochenlangen hartnäckigen Widerstand leistete.

    Lieb, Konventioneller Krieg oder Weltanschauungskrieg, Frankreich 1943/44, untersucht das in einem besonderen Kapitel zu den "Festungen".
     
  4. beetle

    beetle Aktives Mitglied

    der Kameramann, der das filmte, war Hans Ertl, der auch schon bei dem Film "Olympia" von Leni Riefenstahl der Hauptkameramann war.
     
  5. salvus

    salvus Aktives Mitglied

    Eine spannende Frage bleibt:

    Der Mythos Rommel:

    Ist das einzig und allein Propaganda? (ist das richtig geschrieben:confused:)

    Rommel ist Mythos.

    Und das er Mythos ist haben wir Goebbels zu verdanken.
    Und Rommel hat sich diesem Mythos wohl nicht entgegengesetzt.
     
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  6. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Das der Rommel-Mythos (wenn man bei der Bezeichnung bleiben möchte) ausschließlich auf Goebbels zurückzuführen ist, halte ich für eine Verallgemeinerung. Man sollte nicht vergessen, dass er auch bei den Feinden (vor allem Großbritannien und USA) über einen teilweise mythenbehafteten Ruf verfügte, der bestimmt nicht auf den Reichspropagandaminister zurückzuführen ist.

    Noch während des Afrikafeldzuges wurde der erste Hollywood-Film über Rommel gedreht (Fünf Gräber bis Kairo - Five Graves to Cairo), meines Wissens wurde diese "Ehre" keinem anderen Wehrmachtsgeneral zuteil.
     
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  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Und die neuste Veröffentlichung:

    Peter Lieb: Erwin Rommel - Widerstandskämpfer oder Nationalsozialist?
    VfZ 2013, S. 303-343.
     
  8. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Ich glaube, diese Quelle ist bisher hier noch nicht erwähnt worden:

    Letter reveals Rommel's son account of his general father's last moments after being ordered to commit suicide by Hitler | Mail Online

    Es handelt sich um eine Aussage, die der damals 15-jährige Sohn Rommels, Manfred, im April 1945 auf Englisch abgegeben hat (wahrscheinlich eine englische Übersetzung). Darin schildert er auch das letzte Gespräch mit seinem Vater. Neu für mich war, dass Rommel danach auf einer Liste von Goerdeler als prime minister vorgesehen war.

    Die Niederschrift der Aussage ist erst vor einigen Monaten aus dem Nachlaß eines ehemaligen Stabsoffiziers von Feldmarschall Montgomery aufgetaucht.
     
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  9. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Zur Frage, ob Rommel zum Widerstand gehörte oder wie nahe er zumindest ihm gestanden hat, steht in der Welt ein Interview mit dem Militärhistoriker Peter Lieb (s. Beitrag #127 von Silesia):

    Wüstenfuchs: „Erwin Rommel stand auf der Seite des Widerstandes“ - WELT

    Danach gibt es Aussagen von General, "Rommel habe ihn während der Normandie-Schlacht konkret auf die Beseitigung des NS-Regimes angesprochen." Und einer der Verschwörer in Paris, Rudolf Hartmann, habe ihn als "„Träger des Widerstands“ in Frankreich" bezeichnet. Desweiteren eine Aktennotiz von Bormann: "Bormann vermerkte im September 1944, dass Rommel über den Staatsstreich „durchaus im Bilde gewesen“ gewesen sei. Er habe „erklärt, dass er der neuen Regierung nach gelungenem Attentat zur Verfügung stehen würde“."
     
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