Mythos Walpurgisnacht

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von Mercy, 29. April 2004.

  1. Mercy

    Mercy unvergessen

    Sie steht mal wieder vor der Türe, dem Fenster, dem Kamin - abflugbereit.
    Was ist da wirklich los?

    Bibi Blocksberg
     
  2. askan

    askan Neues Mitglied

  3. Kassandra

    Kassandra Neues Mitglied

    Hallo Leute,

    ich weiß, ich bin um einige Monate zu spät, aber ich habe noch ein paar Informationen zur Walpurgisnacht.:D


    Historisch leitet sich die Walpurgisnacht vom keltischen Frühjahrsfest Beltene/Beltane/Beltine ab.
    Eines der beiden wichtigsten Jahreszeitenfeste, die das Jahr der Inselkelten in zwei gleichgoße Hälften teilten, ist Beltene der 1. Mai. Das Wort setzt sich aus der Silbe „bel“ wie in „Belenus“ oder „Belisama“, „hell, glänzend“, und „tine“, „Feuer“, zusammen. Es war der Auftakt zur Sommerzeit, zur Sömmerung für die Herden und zum sorgloseren Leben bei guter Nahrungsversorgung für Frauen, Kinder und Hirten auf den höher gelegenen Sommerweiden.

    Schon aus diesem Grund trieben die Druiden seit altersher zu diesem Zeitpunkt unter Beschwörungen das Vieh zwischen zwei Feuern durch, um es gegen Krankheiten und sonstige Übel für das kommende Jahr zu feien. Der Brauch hat sich unter den irischen Bauern bis tief in die Neuzeit hinein erhalten.

    So freudvoll der Beltene-Tag war, die Nacht davor gehörte den Feen und Hexen, wogegen u.a. Hügelfeuer und Ebereschenzweige schützen.

    Die Nacht mit ihrem Tag, diese Mischung aus Üblem und Gutem, bildet die Naht, die Grenze zwischen den beiden Jahreshälften, was seinen symbolischen Ausdruck in manchen Gegenden Irlands im lange ausgeübten, traditionellen Ausbessern der Zäune zu diesem Datum fand.

    Grundsätzlich war Beltene das Fest des Neubeginns, mythologisch vorgegeben durch die Ankunft Parholons, der Tuatha Dé Danann und Bìles mit seinen Milesien in Irland. Auch im Sozialen machte Beltene den Anfangspunkt: angefangen von der großen Versammlung von Uisnech, bei der u.a. Streit geschlichtet wurde, über Dienst- und Heiratsverträge bis hin zum gesetzlich festgelegtem Scheidungstermin.



    (Quelle: Botheroyd Sylvia und Paul: Keltische Mythologie von A-Z (2004); S. 38 f.)
     
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  4. paracelsus

    paracelsus Neues Mitglied

    Hallo!
    Das passt jetzt überhaupt nicht zur Jahreszeit aber ich hätte noch eine Frage zum Datum der Walpurgisnacht. 1. Mai, ich weiß. Habe aber auch schon einmal gehört, dass, mythologisch gesehen, die Walpurgisnacht in der ersten Vollmondnacht nach der Frühjahrssonnenwende (der 21. März ist das glaube ich) liegt. Was soll man davon halten?
     
  5. Mercy

    Mercy unvergessen

    Das erklärt dier hier ein Fachmann:
    http://www.geschichtsforum.de/showpost.php?p=6133&postcount=1
     
  6. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Die Erklärung des "Fachmanns" ist in Teilen sehr gut. Ich finde es allerdings falsch, wenn gesagt wird, von einem frühmittelalterlichen, heidnischen Fest sei nichts überliefert und daher sei dies unwahrscheinlich oder gänzlich abzulehnen. Wer solte denn darüber geschrieben haben? Zu dieser Zeit waren die meisten Chronisten Kleriker. Sie hatten nur in ganz wenigen Fällen Interesse an der Überlieferung heidnischer Kulte. Ein Schweigen sagt daher in diesem Fall gar nichts. Allerdings ist zu bezweifeln, daß Walpurgisnacht und Beltene direkt zusammenhängen, da Beltene keltisch, Walpurgisnacht germanisch ist. Allerdings scheinen beide die gleichen Wurzeln zu haben. Das die Walpurgisnacht sich von der Walburga ableitet halte ich für zweifelhaft. Das ihr Ehrentag gerade aber auf diesen Tag gelegt wurde ist da schon eher zu vermuten. Zum Schluß noch einmal der Name - Walpurgisnacht. Ist hier nicht eine Verbindurg zu den Wal-purgern, also den die Toten bergenden, sehr wahrscheinlich?
     
  7. hyokkose

    hyokkose Gast

    Wird das denn gesagt? Ich habe nichts "Falsches" in diesem Sinne gefunden.

    Auf welche Basis stützt sich diese Vermutung?
     
  8. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Im Text steht: " Allen solchen Theorien zum Trotz...." Ich habe diesen Teil so interpretiert.

    Nun, es war nicht unüblich, daß pagane Kulte und Feste mit christlichen Kulten bedeckt wurden, wenn man diese Tradition nicht auslöschen konnte. Dies würde ich auch für die Walpurgisnacht annehmen. Sichere Beweise habe ich dafür nicht. Der Zusammenhang mit den Walküren, "Odins wildem Heer" könnte aber gut die Hexen u.ä. erklären. Aus den einst verehrten Frauen wurden wilde und böse Hexen.
     
  9. hyokkose

    hyokkose Gast

    Wodurch sind denn die "Walpurger" belegt?


    Könntest Du ein analoges Beispiel benennen - wo zum Zweck der "Umetymologisierung" ein Fest durch das einer mit der Tradition in keinen Zusammenhang stehenden, aber vom Namen her ähnlich klingenden Heiligen ersetzt wurde?
     
  10. beorna

    beorna Neues Mitglied

    walburger/walpurger sind vom Begriff nichts anderes als Walküren (Odins wildes Heer)

    Feste in denen ein Namensgleicher Heiliger auf solch ein paganes Fest gelegt wurde kenne ich nicht. Ich denke, Daß dies auch nur sehr schwer zu verwirklichen ist. Solch eine Naqmensgleichheit ist doch eher Zufall. ich dachte eher generell an pagane Feste, die christlich belegt wurden, so Ostern, Weihnachten, Allerheiligen etc.
     
  11. hyokkose

    hyokkose Gast

    Ich wollte eigentlich wissen, ob und wo diese Bezeichnung belegt ist.
     
  12. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Der eigentliche Namenstag der Hl. Walburga ist am 25. Februar...

    Aha... Woher nimmst du deine Weisheit? Walburger sind mir als mythologische Gestalten leider nicht geläufig, als Orts- und Personennamen allerdings eher. Durch "Wal" von Walstatt = Kampfplatz und purgis/burg = Burg.
     
  13. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Da muß ich passen. Mir ist z.Z. keine Quelle geläufig, in der Walküren auch Walburgen genannt werden.
     
  14. beorna

    beorna Neues Mitglied

    a) Was heißt für dich "eigentlich"
    b) Wal kommt nicht von Walstatt, "Wal" bedeutet soviel wie Gefallener. "Purg" würde ich hier nicht als "Burg, Berg, Höhe" übersetzen, sondern als Verbform für "bergen" im Sinne von "küren"

    In der keltischen Mytholgie ist belegt, daß die Nächte vor dem 1.5. und 1.11. besondere Nächte waren. Hier näherten sich Diesseits und Jenseits. Es galt Dämonen abzuwehren. In der nordischen Mythologie ist dies an diesen Tagen nicht belegt, allerdings ist die Mythologie der südlichen Germanen weitgehend unbekannt, so daß keltische Einflüsse oder gemeinsame Ursprünge nicht auszuschließen sind. Mir ist bewußt, daß ich mich hier auf den Boden der Spekulation begebe. Ich finde es spricht aber einiges dafür.
     
  15. hyokkose

    hyokkose Gast

    Da liegst Du aber auch nicht ganz richtig, denn im Grund hat Lili schon recht: "Wal" (ohne "Statt") bedeutet im Althochdeutschen "Kampfplatz".

    Ich hielte es für einen gar zu merkwürdigen Zufall, wenn der Name der Walpurgisnacht nichts mit dem Namen "Walburga"/"Walpurgis" zu tun hätte.

    Dieser Name hat aber etymologisch kaum etwas mit der "Wal" zu tun, wenn man die mittelalterliche Form "Waldburc" ansieht.

    Vielmehr muß es sich um den gebräuchlichen Namensbestandteil "walt-" (= "walten", "herrschen") handeln, wie er auch in anderen Namen wie Walter, Waltraud, Waltrun, Waldemar oder auch Oswald auftritt.

    Der Bestandteil "-burg", der auch in anderen Vornamen wie Adelburg oder Hildburg vorkommt, dürfte im Zusammenhang mit der Bedeutung "schützen" stehen.

    Solange die Bezeichung "Walburgen" für Walküren nirgends belegt ist, halte ich es für etwas abenteuerlich, eine zweite Etymologie für "Walpurgis" zu konstruieren, die der Namensetymologie nur durch puren Zufall gleichen soll.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10. November 2005
  16. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Das der Name Walburga nichts mit Walküren zu tun hat ist richtig. Ich gebe auch zu, daß ich mich hier sehr spekulativ betätige. Woher kommt denn deiner Meinung nach der Hexenkult zu Walpurgis, wenn der Tag mit Walburga zu tun hat. Oder trennst du den Tag der Walburga von der Walpurgisnacht völlig?
     
  17. hyokkose

    hyokkose Gast

    Ich denke nicht, daß das Brauchtum der Walpurgisnacht mit der Heiligen Walburga/Walpurgis zu tun hat.

    Ich denke aber, daß die Bezeichnung "Walpurgisnacht" offensichtlich vom Walpurgistag abzuleiten ist. Ich habe zufällig gerade einen liturgischen Kalender aus dem frühen 16. Jahrhundert vor mir, der die Heiligen des 1. Mai wie folgt vermerkt:

    "Philippi et Jacobi. Vualpurgis"
     
  18. Mercy

    Mercy unvergessen

    Da wäre schon auch die Region dieses Kalenders interessant. Das Apostelpaar gilt allgemein, Walburga sicher nur regional.
     
  19. hyokkose

    hyokkose Gast

    Bistum Augsburg, noch präziser: Fürstpropstei Ellwangen.
     
  20. Lili

    Lili Neues Mitglied

    "eigentlich" heißt in diesem Zusammenhang, dass es noch regionale Gedenktage gibt, die allerdings mit der Überführung der Knochen der Hl. Walpurga zusammenhängen. Der offiziell-gültige Gedenktag laut Heiligenkalender ist allerdings im Februar.

    Evtl. wird ihr Name deshalb genannt, weil sie an einem 1. Mai heilig gesprochen wurde.
     

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