nächtliche Hausbeleuchtung 18. Jahrhundert

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von renate_dus, 10. Mai 2010.

  1. renate_dus

    renate_dus Neues Mitglied

    Wie wurden im 18. Jahrhundert Kerzen angezündet? :confused:
    Besonders interessiert mich das Prozedere in einem adligen Haushalt.
    Und: Gab es so etwas wie Nachtleuchten auf dem Nachttisch? Wenn ja, brannten diese die ganze Nacht? Wenn nein, konnte man sich nachts irgendwie Licht verschaffen, wenn man z.B. einem menschlichen Bedürfnis nachgehen musste?
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Es gab Feuerzeuge verschiedener Art.

    Zum einen erzeugten Schlagstahl und Feuerstein Funken.

    Zum anderen gab es Feuerzeuge, welche auf dem Steinschlossprinzip der Steinschlosspistole beruhten.
    Z.B.:
    http://www.aack.de/400/feuerzeug1_400.jpg
    Wichtig war sicherlich der Fidibus, ein Kienspan oder dergleichen zum Entzünden von Kerzen.

    Mir ist noch keine ganznächtlich brennende Kerze untergekommen. Das wäre wohl aus Brandschutzgründen auch bedenklich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Mai 2010
  3. renate_dus

    renate_dus Neues Mitglied

    Danke für die schnelle Antwort.

    Verstehe ich das richtig? Da Kienspäne und ein Fidibusse an einem offenen Feuer entzündet werden und wohl nicht jeder so ein Feuerzeug, dass du beschreibst auf dem Nachttisch liegen hatte, blieb einem nachts also nichts anderes übrig als ohne künstliche Lichtquelle auskommen zu müssen, auch wenn man mal aufstehen musste!?
     
  4. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Grüezi Renate

    Wenn man nachts gschwind aufstehen musste, benutzte man den Nachttopf. Und der stand meist gleich unter dem Bett, so dass man nicht weit herumirren musste. Ansonsten hiess es im Finstern raus auf den Hof...
    Bis ins 18. Jahrhundert waren Kerzen sehr teuer. Für den Gang auf den Abort waren die viel zu schade


    Gruss Pelzer


    .
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Den Nachttopf wollte ich auch gerade "empfehlen".

    Fragt sich wohl nach der Größe des adeligen Haushaltes. Ist er groß, kann sicherlich auch der Bediente mit dem Licht kommen, wenn es gewünscht ist.

    Grundsätzlich kann man ja immer mal was Glimmendes anfachen, dass es brennt. Stell Dir mal vor Dein Adeliger hat einen Kamin im Zimmer, in dem noch ein Rest vom Feuer glimmt. Das kriegt man auch wieder genug entfacht, wenn genug Glut da ist, um dann einen Fidibus anzuzünden. So ein Fidibus war ja besonders leicht entzündlich. Ich glaube irgendwo gibt es dazu schon einen Thread.
     
  6. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Zur Beleuchtung dienten hauptsächlich Kienspäne, Talglichter und Fackeln.
    Wie oben schon angemerkt wurde, waren Wachskerzen viel zu teuer (für Adelige allerdings nicht unbedingt) und auch nicht in großer Menge verfügbar (was ja zusammenhängt). Stearin, Paraffin und Karbid kannte man noch nicht. Öllampen waren bei uns wenig üblich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Mai 2010
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Die meisten Öllampen, die ich bis jetzt in Aktion erlebte, gaben auch sowieso nicht so viel Licht ab. Also da sind Kerzen auch viel ergiebiger. Insgesamt hängt es wohl auch von der Farbe der Wände und Ähnlichem ab. An Laternen, die auch mit Kerzen bestückt waren, müsste man natürlich auch denken. Diese warfen natürlich noch mehr Licht.
     
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    in Punkto Beleuchtung, bzw. Materialien zur Beleuchtung sollte man nicht Produkte vergessen, die aus Walen gewonnen wurden. Besonders begehrt war der Potwal, dessen Öl besonders hell und ohne Geruch brannte. Dazu lieferte der Potwal die begehrte Ambra, die für Parfüms verwendet wurde.

    Kerzen aus Walrat waren Wachskerzen weit überlegen, bis zum Jahre 1859 erfüllte Walöl den gleichen Zweck, wie Petroleum, das in diesem Jahr erfunden wurde.

    Die Produkte aus dem Walfang, waren so gefragt, dass die Insel Nantucket in Masssachusetts sich vom Beginn des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts einzig auf die Jagd auf den Potwal spezialisierte.

    Von Nantucket lässt Hermann Melville seinen Ich- Erzähler Ismael aufbrechen, um mit der Crew des einbeinigen Käpitans Ahab den weißen Potwal Moby Dick zu jagen.

    Die Leute aus Nantucket bejagten anfangs nurden Atlantik, bis die bestände dezimiert waren. Im 19.Jahrhundert wurden neue populationen im Pazifik entdeckt und bejagt. Die Fahrt ging vom Nordatlantik um Kap Hoorn in den Pazifik wo in Melvilles Roman die Pequot von Moby Dick versenkt wird.

    Walöl diente im 18. jhd noch vorrangig der Beleuchtung, während im 19. durch die Erfindung des Petroleums die Verwendung als Schmiermittel für Maschinen an Bedeutung gewann. Nicht zu vergessen der bedarf an Fischbein für Mieder, Korsetts und Reifröcke.
     
  9. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Hoi zäme

    In unserer Gegend waren zu der Zeit „Lichtdägel“ (oder Lichtdegel) weit verbreitet. Ich weiss grad nicht, wie die Lampen andernorts heissen.
    Sie sind den römischen Öllampen in Funktion und Aussehen nicht unähnlich. Man kann damit allerhand Öle oder Fette verbrennen, je nach dem brennt die Flamme dann heller oder riecht strenger. Die Lichtdägel waren manchmal zusätzlich mit einem Spiegel ausgestattet, so bündelte man die Leuchtkraft etwas…
    Die Dägel gaben nicht viel Licht ab, aber sie waren einigermassen sichr und mobil. Und nicht sehr wählerisch in bezug auf das Brennmaterial.


    Gruss Pelzer


    .
     
  10. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Hierzulande, in Schottland, kriegt man auch bei jeder Führung durch historische Gemäuer erzählt, daß mit Öllampen beleuchtet wurde, und in erster Linie mit Fischöl, und wie sehr das gestunken haben muß. Ich nehme mal an, daß es sich dabei um aus Fischen gewonnenes Öl handelt, und nicht aus Walen, aber genau sagen kann ich das nicht.

    In den Bergen waren anscheinend im 18. Jahrhundert die bereits erwähnten Kienspäne sehr weit verbreitet, wobei ich jedoch in einer Quelle gelesen habe, daß es nicht nur Späne waren, sondern gleich ganze Äste, die von jemandem gehalten wurden, was ich mir sowohl als gefährlich als auch als unpraktisch vorstelle. Laut meiner Quelle musste das jüngste fähige Mitglied des Hauses sich zwecks Halten zur Verfügung stellen, es sei denn Bettler klopften an die Tür, die dann diese Aufgabe übertragen bekamen.


    Quelle: Marjorie Plant (1952) Domestic Life in Scotland in the Eighteenth Century, Edinburgh University Press
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Mai 2010
  11. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Du meinst diese Versuch eines schweizerischen ... - Google Bücher
    Bild hab ich leider keines gefunden.
     
  12. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich stelle mir das vor allem ziemlich sinnlos vor.
    Aus dem Schwarzwald kenne ich eine Halterung für Kienspäne, die eine Art Klammer war, in die dann der Kienspan gesteckt wurde. Dies war dann wiederum unterschiedlich angebracht. Ich glaube, bisweilen hingen die Kinspäne (natürlich aufrecht) über dem Essenstisch.

    Für den Thread hier nutzt das aber nichts.

    @ renate_dus
    Um welche Gegend geht es denn genau und wie wohlhabend sind die Adeligen des Haushaltes?
    Wenn man Swifts "Anweisungen für Dienstboten" folgt, hatten auch die Dienstboten Kerzen.
     
  13. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    ...daher kommt der Ausdruck "Maulaffen feilhalten".


    Gruss Pelzer

    .
     
  14. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    So kenn' ich das auch, aber wie dem auch sei, 'sinnlos' trifft das beschriebene Unterfangen wohl gut. :pfeif:

    So weit ich weiß gehörten die Kerzenenden in GB zu den "Perks" (deutsches Wort fehlt mir gerade) bestimmter Dienstboten, also wäre es durchaus anzunehmen, daß sie Kerzen hatten. Jedenfalls erinnere ich mich an verschiedene Klagen darüber, daß Dienstboten jede auch nur leicht angebrannte Kerze als Kerzenende betrachteten und sie einheimsten. Dabei kommt es jedoch ganz sicher auf die Größe und Reichtum des Haushaltes an. Das entzünden der Flamme wurde ja bereits oben besprochen; so weit ich weiß wurde - je nach Anzahl der anzuzündenen Kerzen- in England dann eine kleine, dünne Wachskerze (Taper) benutzt um weitere Kerzen zu entzünden. Diese gab es auf jeder Straße von Hausierern zu kaufen.
     
  15. renate_dus

    renate_dus Neues Mitglied

    Es geht um den Haushalt eines Grafen im Rheinland im Jahre 1751 (nicht extrem reich aber reicht genug um einen Haushalt mit diversen Bediensteten problemlos unterhalten zu können).
     
  16. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

  17. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Genau überlegt glaube ich nicht, dass ein Dienstbote den Weg leuchtete. Problem ist, du hättest den Dienstboten ja wecken müssen, ohne das ganze Haus aus dem Schlaf zu reißen. Da wäre es tatsächlich einfacher selbst die Kerze/Leuchte/Lampe anzuzünden.

    Allerdings habe ich von einem Klingelschacht gehört, dessen Schnur/Klingel in den Dienstbotentrakt bzw. ein bestimmtes Zimmer führte. Beschwören kann ich das aber nicht. :grübel:
     
  18. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Hoi zäme

    Das sehe ich genau so.
    Auch ein "Graf im Rheinland" findet nachts seinen Nachttopf im dunkeln. Da braucht kein Bediensteter zu leuchten...

    Gruss Pelzer


    .
     
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  19. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

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