Nationalitäten in der Russischen Befreiungsarmee ?

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von FjodorMett, 31. August 2019.

  1. FjodorMett

    FjodorMett Gast

    Waren in der Russischen Befreiungsarmee ausschließlich Slawische Völker der Sowjetunion vertreten oder waren hier auch Kaukasische oder Zentralasiatische Völker anzutreffen ? Beispielsweise gab es ja ab 1944 keine Freiwilligen Verbände mehr nur für Turkistaner oder Armenier. Kamen diese dann auch in die Russische Befreiungsarmee ? Ich weiß das die recherche schwer ist und die Materie sehr spezifisch ist aber mich interessiert das sehr. Danke schonmal
     
  2. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Eigentlich beantwortet sich diese Frage mit der 1925 erlassenen Wehrpflicht.

    Die Einberufung erfolgte für Männer mit vollendeten 21. Lebensjahr (galt wohl nur für Männer!?).
    Die Dienstzeit betrug zwischen 2 – 4 Jahren im stehenden Heer, bzw. weniger als einem Jahr in den Milizverbänden.

    Zu den Waffendiensten wurde nur >Arbeiter und Bauern< herangezogen. Personen anderer sozialer Herkunft wie Großbauern, Kosaken oder Bürger (wir reden hier von 1925!) dienten in rückwärtigen Einheiten und Arbeitstrupps oder sie hatten eine Militärsteuer zu zahlen.

    In der sogenannten „Stalin Verfassung“ (1936 erlassen und galt bis 1977) wurde 1936 die Wehrpflicht zur „heiligen Pflicht“ aller Sowjetbürger festgeschrieben. Das Einberufungsalter wurde auf 19 Jahren herabgesetzt.

    Siehe auch hierzu -> „Gesellschaft zur Förderung der Verteidigung, des Flugwesens und der Chemie“ (Abkürzung auf Russisch: ОСОАВИАХИМ. (Vormilitärische Massenorganisation in der UdSSR – 30er und 40iger Jahre).

    Eine Liste über die ethnischen Gruppen in der "Roten Armee" habe ich nicht im Netz gefunden. Ich denke aber mal, die Wehrpflicht galt für alle gemäß Gesetz. Ausnahmen waren im Gesetz geregelt und galt für alle.

    Habe persönlich da auch andere Nationalitäten wie >Russen< kennengelernt.
    Auch was den Afghanistankrieg anbelangt. Hatte mal Kontakt mit einem Fallschirmjäger aus Weißrussland und auch Kontakt mit einem Litauer (war kein Russe).

    Speziell im II. Weltkrieg waren dann alle Nationalitäten der UdSSR an der Verteidigung des Vaterlandes (Großer Vaterländischer Krieg) beteiligt. Natürlich nur wenn es das Alter und/oder die Gesundheit zu lies. Siehe hierzu auch die unzähligen >Partisaneneinheiten< usw.

    Beispiel zu den Partisanen: -> Зоя Анатольевна Космодемьянская, (zu Deutsch: Soja Anatoljewna Kosmodemjanskaja).

    Was ich noch bemerken wollte unter Bezug Eingangsthread -> "russische Befreiungsarmee".

    Mein Beitrag bezieht sich auf die „Rote Armee“.

    Seit 1922 heißt das „Rote Armee“
    Der Vorläufer der „Roten Armee“ war die „Rote Garde“ (November 1917).

    Mein Betrag hat nichts mit -> Русская освободительная армия (kurz POA und zu Deutsch -> russische Befreiungarmee) zu tun. Diese Armee stand ja unter den Kommando -> Андрей Андреевич Власов (zu Deutsch: Andrei Andrejewitsch Wlassow).
    Adolf Hitler förderte ja die Aufstellung dieser Armee
    Diese Armee, ca. 125.000 Mann, war vom November 1944 – Mai 1945 tätig. Wlassow wurde am 01.08.1945 in Moskau gehängt.

    Man kennt dann noch die „Weiße Armee“ (Freiwilligen Armee) unter den Kommando von -> Антон Иванович Деникин (zu Deutsch: Anton Iwanowitsch Denikin). Existierte von 1918 - 1922.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. September 2019
  3. FjodorMett

    FjodorMett Gast

    Ich rede hier von der Russischen Befreiungsarmee nicht von der Roten Armee. Aber trotzdem danke für die Antwort
     
  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Ralf.M gefällt das.
  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Hinweise sind möglicherweise bei Hoffmann zu finden.

    Hoffmann, Joachim (2003): Die Tragödie der "Russischen Befreiungsarmee" 1944/45. Wlassow gegen Stalin. Herbig.
    Hoffmann, Joachim (1986): Die Ostlegionen, 1941-1943. Turkotataren, Kaukasier und Wolgafinnen im deutschen Heer.

    Ansonsten: Wildt betont, dass am Rassismus von Hitler und Himmler die Bewaffnung der "Untermenschen" bis Mitte 1944 scheiterte.

    Ein starker Befürworter der Bewaffnung der Völker der UdSSR für den Krieg gegen ihr Land war Rosenberg. Im Rahmen des "Ostministeriums" waren bis kurz vor Kriegsende, so Piper (S. 514), eine Reihe von Leitstellen organisiert, die sich mit dem Problem beschäftigten. Dazu gehören folgende Ethnien bzw. deren Leitstellen: Kosaken, Balten, Turkestan, Kaukasisch, Ukraine und Krimtataren.

    In der zweiten Hälfte des Jahres 1944 wollte man im Rahmen der Wlassow-Armee zwei Divisionen bewaffnen, wobei der stärkste Druck von der SS ausging und Rosenberg mit einem abrupten Politikwechsel von Ablehnung zur Befürwortung konfrontierte.

    Der Konflikt drehte sich letztlich auch um die Frage politischer Zusagen, die die Russen und die anderen Völker hinsichtlich der Zusicherung von Selbstbestimmung betrafen. Wobei Rosenberg deutlicher die Spannungen zwischen den Russen und den anderen Ethnien erkannte und somit die Wahl des Russen Wlassow als Kommandeur nicht ohne Probleme war.

    Piper, Ernst (2015): Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe. Neuausgabe. München: Allitera Verlag (Beiträge zur Geschichtswissenschaft).
    Wildt, Michael (2003): Generation des Unbedingten. Das Führungskorps des Reichsicherheitshauptamtes. Hamburg: Hamburger Ed.
     
  6. FjodorMett

    FjodorMett Gast

    thanepower vielen dank für diese Ausführliche Antwort ! Ich habe auch noch lesen können das beim Komitee für die Befreiung der Völker Russlands Vertreter Kaukasischer und Zentralasiatischer Nationalitäten beteiligt waren. Ich gehe dann auch mal stark davon aus das diese Nationalitäten auch in der Wlassow Armee tätig waren
     
  7. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Ich habe noch einmal Google bemüht, weil eigene Aussagen (Bücher) habe ich da nicht. A. Solschenizyn spricht zwar das Problem an, aber nennt auch keine Zahlen/Strukturen (Gulag und Hinrichtungen).
    Leider finde ich im Netz keine Aussagen betreffs der Fragestellung des Eingangsthread.

    Ich glaube bald, da wurde noch nie für die Öffentlichkeit etwas zur ethnischen Zusammensetzung der Roten Armee veröffentlicht.
    Rote Armee hier deshalb, weil Wlassow seine Soldaten ja im Wesentlichen aus ehemals gefangenen Soldaten gewann.

    Ich habe immer nur gefunden >Sowjetbürger<, selten mal >Russen< oder andere Ethnien. Mitunter hatte ich beim Lesen der einen oder anderen Quelle sogar den Eindruck, man verwendet „Sowjetbürger“ und „Russe“ nach Belieben.

    Es ist aber davon auszugehen das bei Wlassow – den Sowjethelden bei der Schlacht vor Moskau – neben Russen auch eine Reihe anderer Ethnien waren. Da bin ich ganz bei thanepower (Ukrainer usw.). Sehe ich auch so. Nur kann man das schwerlich mit Zahlen belegen.
    Denn unzufriedene mit dem „Roten Zar“ und seinem Vollstrecker, den товарищ aus Georgien Лаврентий Павлович Берия gabs ja zu Hauf.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. September 2019
  8. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Das Problem der ethnischen Heterogenität beschreibt u.a. Merridale in "Iwans Krieg" als reales Problem der Homogenität der Roten Armee in 1941. Und erklärt u.a. aus dieser mangelhaften Homogenität die geringe Kmapfkraft und somit das schnelle Zusammenbrechen der Roten Armee im Jahr 1941.

    Aufgrund der Internationalität der sozialistischen Ideologie orientierte sich der Blickwinkel der Organisationsanalyse der Armee und seiner Bildungseinrichtungen (Akademien etc.) nicht primär an der ethnischen Zusammensetzung, sondern betrachtete primär den Anteil aus der Arbeiterklasse (vgl. z.B. Erickson: The Scoviet High Command).
     
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