Ohrringe bei Männern im 19. Jahrhundert

Dieses Thema im Forum "Österreich | Schweiz" wurde erstellt von Federmesser, 14. Oktober 2009.

  1. Federmesser

    Federmesser Neues Mitglied

    Grüss Euch

    Was für eine kulturelle Bedeutung hatte es in der Schweiz, wenn ein Mann im späteren 19. Jahrhundert zwei Ohrringe trug?

    Ich habe es kürzlich ein Portrait gesehen von einem Mann mit zwei Ohrringen und je einem Dreieck daran. War es einfach nur "Mode", oder hatte dies eine kulturelle Bedeutung?

    Vielleicht weiss jemand von Euch mehr.

    Gruss Federmesser
     
  2. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Gute Frage, das interessiert mich auch. Ich kenne auch solche Portraits, weiss aber nichts um die Bedeutung der Ohrringe...


    Gruss Pelzer



    .
     
  3. Lluvia

    Lluvia Neues Mitglied

    Ich galube im Mittelalter drückte der Ohrring die zugehörigkeit in einer zunft aus. im 19 Jahrhundert wurden sie hauptsächlich beim Militär getragen. Sie waren auch ein Ausdruck von Amt und Würden
     
  4. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Aus Haushaltsbüchern aus dem 19. Jahrhundert kenne ich das Durchstechen der Ohrlöcher als den Tipp zur Behandlung von Fehlsichtigkeit.
     
  5. Mercy

    Mercy unvergessen

    Das Thema hatten wir schon mal, aber wo ist es?
    Vielleicht finde ich den Aufsatz auf die Schnelle (ist irgendwo im Keller):
    Odenwälder Belege zum Männerohrring
    Assion, Peter. (1989) - In: Der Odenwald Bd. 36 (1989) S. 43-50
     
  6. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Das war im Handtäschchenthread (für mich ein Forenhighlight :D )... Hier dein Beitrag zum Thema Männerohrringe

    Und hier der gesamte Thread:
    Das Handtäschchen des jungen Mannes
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Waren das, erkennbar an der Kleidung, modische Gecken oder eher bodenständige Leute?

    Sowas wie lange, offene Haare oder auch ganz kurze kann ja alles oder nichts, manchmal auch einen bestimmten Hang zu Individualismus bedeuten.
     
  8. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Nach intensivem googlen habe ich eines gefunden... König Maximilian von Bayern mit Ohrring, bitteschön:
     

    Anhänge:

  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Hm, der war aber auch von Haus aus Soldat.
     
  10. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Und? Auch als Soldat war er trotzdem noch Kurfürst und später dann auch König, da musste er durchaus auch auf seinen Ruf achten. So unüblich wird es also nicht gewesen sein. Zumindest würde dieses Bild Lluvias These untermauern.
     
  11. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Hoi zämä

    Ich kenne ein Bild eines Polizisten (um 1840), der Ohrringe im Spiegelei-Format trägt. Also nich so diskrete, sondern solche wie die Piraten in amerikanischen Filmen...

    Das scheint aber auch damals etwas unübliches gewesen zus ein, denn der Polizist erhielt den entsprechenden Übernamen "Ohrenringler".


    Gruss Pelzer


    .
     
  12. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Welche These?

    Im Directoire waren auch eine Weile große Ohringe bei Herren wie Damen in Mode, vielleicht hielt der Kurfürst an dieser Mode auch nur fest.
    Z.B.: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Muscadins.jpg
    und
    http://commons.wikimedia.org/wiki/File:1793-1778-contrast-left.png

    In Paris gab es vor ein paar Jahren eine Ausstellung zu Incroyables et Merveilleuses im Musée Caranavalet. Leider habe ich den Katalog aber nicht. Der Zeitschnitt dieser Gecken war ca. 1795-1803.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Oktober 2009
  13. Mercy

    Mercy unvergessen

    Aus einem Antiquariatsangebot:

    Denkmal auf den 16. Februar 1824, als dem frohen Tag der Jubelfeier der 25jährigen glorreichen Regierung Sr. Majestät des Königs Maximilian Joseph I. von Baiern. Bestehend in einer gedrängten chronologischen Übersicht der meisten und wichtigsten Gesetze und Ereignisse aus diesem Zeitraume. Mit dem Bildnisse des gekrönten Jubelgreises.
    Memmingen, Christoph Müller 1825. Mit gest. Portrait von J. C. Bock nach Joseph Stieler. 108 S. Samteinband d. Zt. 4°.

    Das hübsche Portrait zeigt den etwas feist gewordenen, durch Napoleons Gnaden zum König gekrönten Herrscher mit einem schmückenden Ohrring. Im Jahr nach seinem Jubiläum verstarb der 69jährige "Jubelgreis"

    Max I. Joseph, König von Bayern. Denkmal auf den 16. Februar 1824, als dem frohen Tag der Jubelfeier der 25jährigen glorreichen Regierung Sr. Majestät des Königs Maximilian Joseph I. von Baiern. Bestehend in einer gedrängten chro
     
  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich sehe in Kurfürst Max IV. einen liberal denkenden Herrscher, der seine freigeistige Haltung wie auch seine soldatische Tradition auch zur Schau trug.

    Man kann sich einige Herrscher rundum anschauen, die sich nichts oder nicht viel daraus machten, wie sie rumliefen und militärischer Habitus war chique.

    PS: Ich kenne ihn eigentlich nur feist.:D (Das waren aber viele in seinem familiären Umfeld wie auch sein Vater (aus der Linie Pfalz Birkenfeld).)
     
  15. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Die hier:
    Dafür ist doch der Ohring von Max zu klein, oder? Auch die Form passt nicht.

    In Anbetracht des Bildes von Max von Bayern würde ich auf Empire tippen, also kommt der Zeitraum schon hin. Wie Mercys "Jubelgreis"-Beitrag aber zeigt, hat er den Ohrring allerdings weiterhin getragen.

    Edit: Wobei: Trägt er ein Hemd mit Vatermörderkragen? Trug man den schon während des Empire oder eher später?
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Oktober 2009
  16. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das Bild ist definitiv aus dem Empire. Alter des Dargestellten und Uniform passen zusammen. Später hatte Max I. auch kürzere Haare, ungefähr im Titusschnitt.

    Der Hemdskragen wurde in der Form schon im 18.Jh. über die Halsbinde gelegt, vor allem in England. Bsp.: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Thomas_Gainsborough_024.jpg
    Auffällig ist, dass es sich auf dem von Dir eingesetzten Porträt des Kurfürasten nicht um den gesteiften Hemdskragen der Zeit handelt, der höher als das Kinn reichte und um 1800 oder schon früher, je nachdem wie modisch man war, aufkam.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Oktober 2009
  17. Obwalden

    Obwalden Mitglied

    Ja, Landjäger Vogler ("Ohrenringler") war ursprünglich Söldner, ich glaube in Sizillien-Neapel. Dort soll er sich auch die Ohren durchgestochen haben , und den Ohrring gekauft haben. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde er dann Landjäger.

    Seine Biographie würde also die These mit dem militärischen Zusammenhang bekräftigen.
     
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  18. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Wenn ich das richtig aus Erzählungen weiß hat mein Urgroßvater einen goldenen Ohrring getragen. Der war als Zimmermann auf der Walz.

    Die alten Fahrensleute haben auch meist einen Ohrring getragen, falls sie über Bord fiellen und tot an Land gespült wurden, um die Beerdigung mit dem Ring zu bezahlen.
    Ohrring – Wikipedia

    Bis Bald

    Apvar
     
  19. Maria Leszczyns

    Maria Leszczyns Neues Mitglied

    Hier ist noch ein Bild vom "feschen" Maxl von Bayern, sein Krönungsporträt, auch dieses Mal mit Ohrring...meine sogar mal eines gesehen zu haben, wo beide Ohrlocher durchstochen waren..

    http://www.kunstkopie.de/kunst/antoine_dury/koenig_max_ijoseph_bayern_kop_hi.jpg

    Apropo, mal vom Zeitepochlichen abgesehen, waren auch mehrere Ohrringe pro Ohr auch recht üblich.
    Mme de Maintenon ist auf mehreren Bilder mit zwei manchmal sogar mit drei Ohrringen pro Ohrläppchen zu sehen:yes:

    Liebe Grüße,
    Sepha
     
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