Opfergabe im Römischen Reich, zur Zeit des Christentums

Dieses Thema im Forum "Das Christentum" wurde erstellt von rido, 9. März 2009.

  1. rido

    rido Neues Mitglied

    Hallo,
    Ich muss am Mittwoch ein kurzes Referat, über die "dunklen Seiten" des Christentums halten:motz:, ich hab mal irgendwo gelesen dass durch den hellenistischen Einfluss auf die Religion, auch Römer Opfergaben durchführten. Zb. im Zusammenhang mit dem Osiris kult, Menschen ihre Nasen, Beine, Ohren oder was auch immer, abgeschnitten haben.
    Weiss jemand etwas genaueres darüber? Ihr würdet mir echt sehr helfen!!!
    pusszi, und danke:winke:
     
  2. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Du hast da etwas verwechselt. Tatsächlich gab es im römischen Reich nämlich die Sitte Körperteile aus Ton als Votivgaben im Tempel zu hinterlassen. Also es wurden keine echten Körperteile geopfert sondern lediglich Nachbildungen aus Ton oder Bronze.
    Votivhände sind im Zusammenhang mit den phrygischen Gott Sabazius/Sabazios bekannt. Obwohl er phrygischen Ursprungs war, war sein Kult im ganzen Imperium verbreitet. Die Votivhände sollten die Hände des Gottes darstellen. Sie wurden von Bittstellern gestiftet, somit quasi dem Gott geopfert, und dem Tempel vermacht. Dass hat also mit Menschenopfern nicht einmal symbolisch etwas zu tun.
    Interessant ist übrigens, dass nachweislich auch hellenistische Juden diesen Gott verehrten.
     

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    Zuletzt bearbeitet: 9. März 2009
  3. aquilifer

    aquilifer Aktives Mitglied

    Ich muss an Catull carm. 64 denken. Super! :) Abgesehen davon hat das natürlich nichts mit den "dunklen Seiten" des Christentums zu tun.

    "Super alta vectus celeri rate maria
    Phrygium ut nemus citato cupide pede tetigit
    adiitque opaca, silvis redimita loca deae,
    stimulatus tibi furenti rabie, vagus animi,
    devolsit ilei acuto sibi pondera silice.
    itaque eut relicta sensit sibi membra sine viro,
    etiam recente terrae sola sanguine maculans
    niveis citata cepit manibus leve typanum,
    typanum tuom, Cybebe, tua, Mater, initia [...]"

    "Über See gefahren war Attis auf schnellem Schiff. Sobald er den phrygischen Hain begierig mit eilendem Fuß betreten hatte und den düsteren, von Wäldern umsäumten Stätten der Göttin genaht war, schnitt er sich dort, aufgestachelt von besinnungsloser Raserei, geistesverwirrt mit scharfem Stein die Last der Lenden ab. Kaum hatte sie also wahrgenommen, dass ihr die Glieder ohne Manneskraft geblieben waren, nahm sie, den Erdboden mit noch frischem Blut befleckend, eilends mit schneeweißen Händen das leichte Tamburin, dein Tamburin, Cybebe, dein Einweihungsgerät, Mutter [...]"
     
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  4. rido

    rido Neues Mitglied

    Danke für eure Hilfe!
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. März 2009
  5. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Oh, Agdistis, Attis und Cybele habe ich leider vergessen. Die Attis-Geschichte selbst ist eine phrygische Sage. Die Selbstkastration des Attis ist Teil dieser Sage und sagt allein noch nichts über religiöse Praktiken aus.
    Tatsächlich war aber die Kastration das ursprüngliche Initiationsrituell kleinasiatischer Cybele-Priester, der sogenannten Galloi. Tatsächlich gelangte der Kult schon um 200 vor Christus nach Griechenland und Rom und sorgte für allgemeines Entsetzen. Es gab von Römern wie Griechen ernsthafte Versuche dieser Religion oder wenigstens aber dem Kastrationsbrauch zu gebieten. Anfangs verbot der Staat römischen Bürgern dieses Priesteramt, sodass anfangs nur phyrgisch-stämmige Galloi in Rom gab.
    Erst Kaiser Claudius erlaubte auch römischen Bürger die Kastration und das Priesteramt und erhob das Märzfest in den offiziellen Staatskult.
    Angemerkt sei noch, dass die Hoden nicht geopfert wurden.
    Die Hoden werden nicht geopfert, die Kastration scheint viel mehr eine Art Selbstbestrafung oder Unterwerfung unter die Gottheit zu sein.
    Zu den dunklen Seiten des Christentum: Eunuchen war auch im Christentum mal Thema.

    Zu den Votivkörperteilen im Isis-Kult: Tatsächlich war es im romanischen Isis-Kult üblich bei Krankheit oder Verletzung aus Ton geformte Abbildungen der Körperteile in Tempeln zu hinterlegen. Dies sollte als Analogiezauber den Heilungsprozess begünstigen. (Es handelt sich streng genommen nicht um Opfer.)
    Auch weitere magische Praktiken sind für den Isis-Kult belegt: Etwa "Voodoo-Puppen" aus Ton und Fluchtafeln.
     
  6. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Etwas Ähnliches habe ich etwa auch schon in einer Kirche von Neapel gesehen. Als Bitte oder Anerkennung göttlicher Hilfe waren dort silberne (vermutlich versilberte) Votivgaben jener menschlicher Körperteile beim Grab eines christlichen Heiligen angebracht. Die Motive sind wohl ähnlich wie in paganen Heiligtümern, der Mensch bleibt sich selbst treu...
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Fahrt ins portugiesische Fátima, dort werden Körperteile aus Wachs verkauft, die in großen Feuern eingeschmolzen werden. Und in Częstochowa hängen Krücken, Rollatorenteile, Gebisse, Brillen und anderes an den Wänden.
     
  8. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Das mit den Krücken und so kannte ich auch schon, die "Körperteile" sind mir vorher noch nirgends aufgefallen.

    @Eingangsfrage:
    Was Opferungen mit den "dunklen Seiten" des Christentums zu tun haben ist mir noch nicht recht klar. Nach christlicher Theologie macht der Opfertod Christi jedes klassische Opfer überflüssig. Mit all den Formen von Opferungen beim paganen (und nicht nur dort!) Opferfeiern lassen sich Bände füllen. Ich denke auch bei den alten Römern waren Opferungen bereits ohne den Einfluss des Hellenismus üblich. Typische Zeichen für Opferpriester waren Opferschalen (Flüssigkeiten), Messer oder besser eine Axt was auch auf die Form der Opferungen hinweist. Man muss es sich trotzdem nicht zwangsläufig blutig vorstellen und denke nur etwa an den Gebrauch von Weihrauch, Trankopfer und dergleichen.
    Im Alten Testament der Bibel gibt es ganze Kapitel über die vorgeschriebenen Opferdienste des damaligen Judentums, was einen ersten Eindruck über kultische Opferungen erlaubt - auch wenn es kein paganer Opferdienst römischer Prägung ist.
     

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