Opus caementitium - römischer Beton/Mörtel

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Carolus, 11. Juli 2017.

  1. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Jetzt gibt es einen Artikel in der Welt zu dieser Untersuchung:

    https://www.welt.de/geschichte/arti...on-der-Roemer-haltbarer-war-als-moderner.html

    und hier noch ein älterer Artikel: Antike Gebäude in Rom: 2000 Jahre alter Beton - Wissen - Süddeutsche.de

    Die Erforschung der antiken Baustoffe hat sogar einen ganz praktischen Nutzen, denn so kann man auch heutige Betonsorten verbessern, und die antike Herstellung war auch noch energieeffizienter.

    Ich hatte vor einiger Zeit eine Dokumentation über die Hagia Sophia gesehen. Falls ich mich recht entsinne, hieß es, dass der zwischen den Ziegellagen verwendete Mörtel sehr elastisch sei, und deswegen Erdbeben nur geringe Schäden anrichten würden.
     
  2. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Beton

    Hallo

    Ja, ich auch, der bei der Hagia Sophia verwendete Beton unterschied sich aber vom normalen opus caementitium.

    mfg
    schwedenmann
     
  3. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Ich meine, bei der Hagia Sophia ist kein Beton (im Gegensatz zum Pantheon) verwendet worden. Die Kuppel ist m. W. gemauert. Ich glaube, die Dokumentation lief auf arte. Vielleicht finde ich da noch in einer Mediathek o. ä. etwas dazu.
     
  4. Gangflow

    Gangflow Aktives Mitglied

    Ja, hier ist das auch so beschrieben worden:

    Römische Architekten hatten seit Jahrhunderten große Erfahrungen mit dem Bau mächtiger Kuppeln gesammelt. Aus der Befundanalyse dieser Kuppeln wird ersichtlich, dass zumeist der Werkstoff Opus caementitium, der römische Beton, solche Tragkonstruktionen erst möglich gemacht hat. Bei der Hagia Sophia wurde jedoch auf die bewährte Unterstützung mit Beton verzichtet. Der gesamte Bau ist – typisch für Ostrom – mit Ausnahme der Hauptpfeiler in Ziegelbauweise aufgeführt.

    Auch später bereiteten Erdbeben Probleme an der Kuppel. Nach dem großen Erdbeben 989, bei dem der westliche Kuppelbogen einstürzte, betraute Kaiser Basileios II. den armenischen Architekten Trdat mit der Rekonstruktion der Kirche. 1346 stürzte der östliche Kuppelbogen nach heftigen Erdstößen ein. Erst danach wurden Stützmauern aus statischen Gründen an der Außenseite der Kirche angebracht; sie veränderten den ursprünglichen optischen Eindruck deutlich.

    Heute finden sich in der Kuppel der Hagia Sophia 40 Fenster, jeweils eines zwischen den tragenden Gewölbespanten aus Ziegelsteinen und Mörtel. Man geht jedoch meist davon aus, dass die Fenster einer Rissbildung in der Kuppel vorbeugen sollen, indem sie entstehende Risse ins Leere laufen lassen und so die weitere Ausbreitung der Risse mit möglicher Zerstörung der gesamten Kuppel verhindern. Man nimmt an, dass die Baumeister diese Zusammenhänge am Beispiel des Pantheons erkannten und aus diesem Grunde Fensteröffnungen an der besonders gefährdeten Basis der Kuppel einließen.

    Da die Region um das Marmarameer weiterhin erdbebengefährdet ist, bestehen heute ernsthafte Befürchtungen für die Kuppel. Die türkische Regierung hat in Zusammenarbeit mit der UNESCO eine Expertenkommission ernannt, die sich diesem Thema widmet.


    https://www.deluxegoldenhornhotel.com/de/attraction/hagia-sophia/
     
  5. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Die Kuppel der Hagia Sophia ist aus Leichtbau-Backsteinen gemauert und man verwentete mit Ziegelsplitt gemagerten Kalkmörtel. Statisch zwar schlechter, aber deutlich leichter – und das war bei der Kuppe sehr wichtig.

    Gruss Pelzer
     
  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das ist das os genannte "Klopapierprinzip": Das Papier reisst irgendwo, nur nicht an den Bohrungen. War schon Subjekt von Witzen zu Sowjetzeiten. Ich wuste nicht, dass auch die Griechen es kannten.
     
  7. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ich nehme an es war bei Arte: In einer Dokumentation wurde dieses Thema behandelt und gezeigt wie türkische Ingenieure ein Ziegelmodell der Hagia Sophia auf einem Rütteltisch errichtet wurde. Es war erstaunlich zu sehen, wie stark sich dieses Gebilde verformen konnte bevor es Schäden erlitt.

    Vor (sehr) vielen Jahren hörte ich von einem Führer in der Moschee von Cordoba, dass die rot-weissen Bögensegmente auch eine statische Funktion hatten. Ursprünglich waren die roten Segmente aus Ziegel, die Weissen aus Kalkstein. Später hat man aus Kostengründen alle nur noch aus einem Material gemacht. Beim großen Erdbeben von Lissabon erreichten die Schockwellen auch Cordoba: Die alten Bögen aus zwei Materialien erlitten keine Schäden, die nur aus Stein errichteten, wurden beschädigt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Juli 2017
  8. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Genau, da kam auch ein Rütteltisch vor. Das müßte diese Sendung gewesen sein: Denkmäler der Ewigkeit - arte | programm.ARD.de
     

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