Osmanen-Herrscher auch Kalifen?

Dieses Thema im Forum "Das Osmanische Reich" wurde erstellt von Baykan, 12. Dezember 2009.

  1. Baykan

    Baykan Neues Mitglied

    Ich hab mal irgendwo gelesen , dass der letzte Sultan zwar ab 1922 kein Osmanen -Herrscher mehr war, aber bis 1923 Kalif. Folglich muss er ja auch schon vorher Kalif gewesen sein. Weiss jemand etwas über das Kalifsein der Osmanen -Herscher
     
  2. Jürgen

    Jürgen Neues Mitglied

    Osmanisches Kalifat ? Wikipedia

    MfG Jürgen
     
  3. Timurçin

    Timurçin Gesperrt

    Also soweit ich weiß war Yavuz Sultan Selim der erste osmanische Sultan der auch gleichzeitig im Jahre 1517 Kalif wurde.
     
  4. Baykan

    Baykan Neues Mitglied

    Ja aber es gab doch hseit dem dass arabische kalifat zusammen gebrochen ist doch keine kalifen mehr oder?
     
  5. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Doch.

    Anfang 1517 schlug Yavuz den ägyptischen Sultan und eroberte Kairo.

    Daraufhin übergaben die Scherife von Mekka die Schlüssel der Kaaba an Yavuz.
    Dies bedeutete die Verleihung der Kalifen-Würde.

    Und diese Würde blieb den Osmanen dauerhaft .
     
  6. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Das Osmanische Reich war grob gesagt bis zu den Reformen unter Atatürk ein religiöser Gottesstaat, der Sultan nicht nur ein wetlicher Herrscher, sondern auch die oberste religöse Instanz des Islams; dieser trug traditionell den Titel des Kalifen

    Quelle: Kalifat ? Wikipedia

    Quelle: Kalifat ? Wikipedia

    Osmanisches Kalifat ? Wikipedia

    Dies änderte sich wie gesagt mit Atatürk; seit damals gibt es niemanden mehr, der von einer größeren Gruppe Muslime als Kalif akzeptiert worden wäre.

    Quelle: Türkei ? Wikipedia
     
  7. Baykan

    Baykan Neues Mitglied

    ok danke leute meine frage ist mehr oder weniger beantwortet
     
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  8. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Nur leider falsch. Wiki eben... :rofl:

    Bin noch nicht dazu gekommen, es mal zu korrigieren. Wie fast keine Artikel dort...:still:

    Es gab schon vor Sultan Selim I. gelegentlich osmanische Sultane, die sich Kalifen schimpften.

    Es gab gleichzeitig mit den Osmanen andere Herrscher der islamischen Welt, die gelegentlich den Titel führten.

    Die Verleihung der Schlüssel von Mekka und Medina verliehen nicht den Titel Kalif, sondern sinngemäß Beschützer der Heiligen Stätten.

    Die angebliche Übergabe der Kalifenwürde durch einen abbasidischen Schattenkalifen auf Selim I. 1517 in einer Zeremonie in Kairo, ist eine ausgedachte Geschichte des 18. Jh. von Mouradgea D'Ohsson und seitdem in unzähligen Geschichtsbüchern bis ins letzte Jahrhundert hinein tradiert worden.
    Ich glaube, in diesem Dokument steht näheres:
    http://www.oslo2000.uio.no/program/papers/m1b/m1b-findley.pdf

    Es gab unter Selims Sohn Süleyman dem Prächtigen bei seinem Scheich ül-Islam (Oberster islam. Gelehrter) bzw. anderen Gelehrten Überlegungen 1545 (Süleyman regierte schon seit 1520), den Kalifentitel mit theologischem Leben zu erfüllen. Dieses Konzept starb mit ihren Befürwortern 1574.

    Danach weiß ich nicht, ob der Titel nochmal irgendwo auf irgendwelchen Dokumenten mal auftauchte, die osmanischen Sultane hatten aber seitdem sie weltliches Recht schöpften (durch Mehmed II. und Süleyman I.), neben dem bestehenden islamischen Recht und damit letztlich so religiöse oder säkulare Herrscher wie ihre christlichen Nachbarn waren (sie unterstanden denn auch (theoretisch) dem Scheich ül-Islam, sollten sie islamisches Recht brechen) offensichtlich kein großes Interesse daran, diesen Titel mit Stolz auszuleben, oder ihn zu gebrauchen.

    Siehe auch Klaus Kreiser: Der osm. Staat:
    Der osmanische Staat 1300-1922 - Google Bücher
    S. 27.

    Der Titel wurde erstmalig in der osmanischen Geschichte dann aus der Versenkung gehoben, als die Osmanen sahen, was die Zarin mit ihrem Titel so alles machen konnte, nämlich in andere Reiche hinein Einfluss versuchen auszuüben. Dieses war erst Ende des 18. Jh. (Frieden von Kücük Kaynarca), als muslimisches Gebiet nach Jahrhunderten unter russische Herrschaft geriet, und der Sultan sich zum Kalifen und Beschützer seiner krim-tatarischen Schäfchen erhob. Vielleicht wurde dadurch die Inspiration für die Legende durch D'Ohsson geboren.

    Von da ab erst, kann man wirklich von einem osmanischen Sultanat und Kalifat sprechen, wobei das Kalifentum besonders erst im Laufe des 19. Jh. eine inhaltliche Aufwertung und Renaissance erfuhr, angesichts der zunehmenden Defensive des OR kein Wunder.
    Da strickten dann auch die Osmanen kräftig an der Legende der Wirkkraft ihres Kalifentitels dergestallt, dass im 1. WK das britische Empire ernsthafte Bedenken vor dem osm. Bluff hatten, dass ihr Kronjuwel Indien evtl. dem osm. Aufrufen zum Widerstand massiv Folge leisten könnte. Und somit Truppen band.

    Heute findet sich im Netz, z.B. bei vielen Muslimen, auch Nichttürken, und bei nostalgischen türkischen "populärwissenschaftlichen" Autoren manchmal eine Rückprojektion der letzten 150 Jahre Kalifentum auf die vorigen 250 Jahre statt, ohne je einen Beleg zu liefern, wo der Titel getragen wurde, ob der Titel getragen wurde, ob er überhaupt jemals vor Ende des 18. Jh. in der riesigen Korrespondenz aktiv genutzt wurde... usw.
    Da ist vielmehr der Wunsch der Verklärung, der Wunsch der jahrhundertelangen ununterbrochenen unwidersprochenen Tradition der Vater des Gedankens.

    Jedenfalls war der ehrwürdige mongolisch-türkische Titel des Han/Khan und des persischen Schah ihnen viel wichtiger, so dass sie auf den "Unterschriftsiegeln" - Tuğra - nicht fehlten. Nur der letzte Sultan, der nur noch Kalif war, der benutzte dann erstmalig den Titel Kalif in seiner Tuğra.

    Mehr in diesem sehr guten Artikel in der Wiki:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Tughra

    Trotzdem danke für die Hilfestellung, nur weiter so, ich habe nicht mehr so viel Zeit zum Helfen. Nur besser zum Thema Naher Osten erstmal googlebooks, dann Bücherei, dann Britannica, dann Wiki.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Januar 2010
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  9. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    *bump*
    baykan, kannst dich ja mal beizeiten melden, ob es überhaupt von dir gelesen wurde, was ich dir schrieb.
     
  10. Baykan

    Baykan Neues Mitglied

    klar wurde es gelesen nur hatte ich schon lange nicht mehr rein geguckt weil ic hdachte keiner antwortet mehr
     
  11. Osman61

    Osman61 Neues Mitglied

    Eigentlich war es so:
    Als Selim I. 1517 Kairo eroberte fand er in einem Verlies den letzten Nachfahren eines Kalifen der Abbasidden-Dynastie. Er wurde Schattenkalif gennant. Der Schattenkalif war dem Tode nahe doch Selim gab im Nahrung und Wasser, so konnte er seine religiöse Macht stärken und der Scherif von Mekka erkannte dies an und überließ ihm die heiligen Städte Mekka und Medina.
     

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