Osmanische Kolonien/Interessen

Dieses Thema im Forum "Das Osmanische Reich" wurde erstellt von Soralion, 25. Januar 2013.

  1. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Čengić welchem ein eigenes Paschaluk angeboten wurde hat Gradaščevićs Revolte verlassen und ist gegen in vorgegangen, so das der Aufstand auch ohne das die Osmanen Volksarmee Serbiens einsetzen musste, dem Untergang geweiht war.

    Čengić wurde unter anderem von Vasilije Karadzic in die Falle gelockt und ermordet dem Vetter von Vuk Karadzic und ein Vorfahr von Radovan Karadzic.

    Die von Mazuranic verfasstes Lied der Tod von Smail Age Cengic ist eines der literarischen Werke der ilyrischen Bewegung des 19. Jahrhunderts.
     
  2. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Muss noch was loswerden, muss grade einige Leuten wieder mal erklären das es kein Recht der ersten Nacht im Osmanischen Reich noch sonstwo gegeben hat und auch keine "ethnischen Türken" in Serbien aber auch in Bosnien in großer Zahl.

    Mich würde wirklich interessieren wer dieses Märchen zum Balkan übertragen hat, immerhin stammt es aus Westeuropa.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Februar 2013
  3. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das "ius primae noctis" - "Recht der ersten Nacht" - ist zumindest zweifelhaft und umstritten. Meines Wissens ist diese etwas legendenhafte Überlieferung nur im europäischen Abendland existent, nicht aber in der islamischen Welt.
     
  4. Batu

    Batu Neues Mitglied

    Nicht nur durch die lange EU-Beitrittsdebatte (vgl. mit Staaten wie Rumänien) über die Türkei befindet sich das Land in einem Schwebezustand zwischen Okzident und Orient. In manchen Bereichen der türkischen Gesellschaft wächst daher verständlicherweise die Romantisierung des ORs.
    Ein Beispiel sei der neue türkische Film über die Eroberung von Konstantinopel 1453, hier der pathetische Trailer (in deutscher Sprache)

    [MOD-Hinweis: bitte Link-Regeln beachten, http://www.geschichtsforum.de/f8/hinweise-zu-verlinkungen-37262/ ]
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 27. Februar 2013
  5. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Die AKP kultiviert sicher mehr das osmanische Erbe als es die Kemalisten getan haben.

    Das hat auch seine Vorteile nicht zuletzt auch für die Minderheiten, weil der Druck der Assimilation weniger geworden ist.

    Man muss sich vor Augen führen das bei jedem Befreiungskrieg ein Haufen Menschen vom Balkan geflohen sind. Die letzte große Flut waren Flüchtlinge aus Bulgarien 1991.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Februar 2013
  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Seit jeher bildete Kleinasien diese Brücke zwischen Asien und Europa, wobei die dort im Lauf der Geschichte entstandenen Staaten mal mehr nach Westen und mal mehr nach Osten blickten. Somit war Kleinasien in der Zeit vor dem Osmanischen Reich auch eine Völkerbrücke, die von zahlreichen Völkern durchzogen wurde, von denen einige dort ihre Staaten gründeten: Hethiter, Lyder, Phryger, Armenier, Meder, Perser, Galater, Griechen usw.

    Das Osmanische Reich war ein multikontinentaler und multiethnischer Staat, dessen asiatische und afrikanische Gebiete die europäischen weit übertrafen. Eine Romantisierung des Osmanischen Reichs halte ich nicht weiter für gefährlich, sofern das zu keinen nationalistichen oder revisionistischen Reaktionen führt.
     
  7. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Vielleicht etwas OT: Mir fallen mehrere kolonisierende Länder ein, die keine direkte Atlantikanbindung haben (wenn auch indirekt über Mittelmeer und Ostsee):

    Italienische Kolonien ? Wikipedia
    Schwedische Kolonialgeschichte ? Wikipedia
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9F_Friedrichsburg_%28Kolonie%29
    Kurländische Kolonialgeschichte ? Wikipedia


    =)Die Grafschaft Hanau hat es wohl auch mal probiert sehe ich gerade
    Hanauisch-Indien ? Wikipedia

    Japans Expansion in Ostasien nach der Meiji-Restauration ab etwa 1895 könnte man als Kolonialismus ansehen. (Oops, Japan ist kein europäisches Land, schlechtes Beispiel :rotwerd:)

    Eine Ursache des frühen europäischen Kolonialismus im 16. Jh. war die Suche nach einem Seeweg nach Indien, um die Osmanen als Zwischenhändler von Orientwaren (resp. Ostasienwaren) auszuschalten. Dieser Grund entfiel für das OR.
    In der expansiven Phase des Osmanischen Reiches bis etwa zur 2. Belagerung von Wien 1683 schuf es sich einen "Gürtel von Satellitenstaaten". Siebenbürgen, Walachei, Moldau, Krimkhanat, wie es im Kaukassus aussah, weiß ich nicht, Tripolis und Algier waren zeitweise Vasallen, zeitweise dem Sultan etwas direkter unterstellt. Für Ägypten gilt ähnliches, im 19.Jh war es nur noch nominell unter osmanischer Herrschaft. Die Südost-Europa-Diskussion in diesem Thread (sehr interessant für mich, danke) lässt dort ja ähnliche, wechselnde Strukturen erkennen. Inwiefern ein System von Vasallenstaaten (es erinnert mich an das Imperium Romanum, das ja lange Zeit vergleichbar verfahren hat) Ähnlichkeiten mit Kolonialismus (oder auch nicht) hat, könnte man diskutieren.

    In der Hochphase des Imperialismus/Kolonialismus ab Ende des 19. Jh war das Osmanische Reich schon länger im Niedergang begriffen ("Kranker Mann am Bosporus"). Es war bemüht, das zu behalten, was es hatte und daher schlicht nicht in der Lage sich am "großen Spiel" zu beteiligen.
     
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  8. ricc

    ricc Neues Mitglied

    Während das osmanische Territorium auf dem Balkan im 19. Jahrhundert immer kleiner wurde, expandierte das OR gleichzeitig in Afrika - im heutigen Sudan und entlang der Somaliküste. das ist doch evtl der Versuch einer Kolonialisierung. Durch den Mahdi-Aufstand wurde das jäh unterbrochen.
    Bei einem Tunesien-Urlaub erfuhr ich auch daß das OR Ende des 19. Jh. versuchte dort seine Herrschaft zu festigen. Neue Paläste und europäisch anmutende Forts entstanden
     
  9. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    @ricc Die Expansion im Sudan erfolgte durch das Vizekönigreich Ägypten, das nur noch nominell osmanischer Vasall war. Auch als es 1882 unter englische Kontrolle geriet, änderte sich dies nicht.
    http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Egypt_under_Muhammad_Ali_Dynasty_map_de.png

    Der Mahdi-Aufstand im Sudan ab 1881 wurde 1898/99 vom englischen Lord Kitchener -blutig- beendet. Im Sudan fogte darauf das sogenannte "Anglo-ägyptische Kondominium". Teile von Eritrea und Somaliland waren vor dem Mahdi-Aufstand Bestandteil des Vizekönigreichs Ägypten - danach Kolonien europäischer Mächte.

    Tunesien wurde seit 1705 von der Dynastie der Husainiden als Vasall des OR regiert. Die Beys von Tunis erreichten eine ähnliche Unabhängigkeit von der Hohen Pforte wie die Vizekönige von Ägypten. Ende des 19. Jahrhunderts wurden Reformen in Tunesien eingeleitet (Aufbau einer modernen Verwaltung, Schulen, 1. arabische Verfassung). Dies kostetete viel Geld. Kredite wurden aufgenommen und konnten nicht bedient werden, was Tunesien ab 1869 unter Finanzkontrolle von GB, F und I brachte. 1881 wurde es französisches Protektorat.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Februar 2014
  10. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    @ ricc :winke:

    Tunuslu Hayreddin Pascha/Cheir ad-Din at-Tunusi als Großwesir des Beys von Tunis von 1871-77 könnte osmanische Fortbauten in Tunesien veranlasst haben. Er unterstellte das Land - als Reaktion auf die europäische Finanzkontrolle - wieder sehr viel direkter dem OR, zumindest dejure.

    Hayreddin Pascha ? Wikipedia
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Februar 2014
  11. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    off-topic
    Gibt es irgendwas greifbares zu osmanischen Festungsbauten des späten 19. Jhs. in Tunesien? (ich frage, weil Festungen mein exzentrisches Steckenpferd sind) Orientierte sich der Festungsbau in dieser Zeit in besagter Region an den fortifikatorischen Techniken in Europa (Fortgürtel, polygonale Forts)?
     
  12. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Ich habe leider wenig Ahnung vom Festungsbau. Wenn es Ende des 19. Jahrhundert osmanische Neubauten von Festungen in Tunesien gab, können diese eigentlich -aus politischen Gründen- nur zwischen 1871-77 erfolgt sein.
    Ich habe keine Beweise für die Existenz dieser Forts. Wenn jemand weitergehende Informationen hat, würde mich das auch interessieren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Februar 2014

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