Otto I.

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Mittelalter" wurde erstellt von florian17160, 16. Juli 2004.

  1. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Am 7. August 936 war der große Tag für Otto I. gekommen. In der karolingischen Pfalzkapelle zu Aachen hatten sich die Großen des Reiches versammelt, um ihn zum König zu erheben. Widukind von Corvey, Mönch und Geschichtsschreiber, hat uns das Ereignis überliefert, wobei Unklarheit darüber herrscht, ob er mit seinem Text die Erhebung von Otto I. oder Otto II. beschrieb. Eines wurde mit der Salbung zum König den Herzögen und Adligen durch Otto I. gleich klargemacht: Er brach mit der amicitia-Politik seines Vaters und beschwor damit in der Folgezeit eine Reihe von Aufständen durch brüskierte Große des Reiches. Anführer dieser Aufstände waren Mitglieder des Könighauses (die eigenen Brüder, der eigene Sohn) und Mitglieder der konradinischen Sippe, die nach Ende der Ottonenherrschaft mit Konrad II. (Salier) wieder einen König stellen würde. Ottos alleiniger Herrschaftsanspruch ohne die Berücksichtigung der Herzöge und großen Sippen zerriß sowohl die liudolfingisch-ottonische als auch die konradinische Sippe in Zwietracht und Bürgerkrieg. Sich zurückgesetzt fühlende Adlige wußten keinen anderen Weg als ihre Ansprüche mit der Waffe in der Hand durchzusetzen. Nur so konnten sie ihr Gesicht gegenüber ihren eigenen Vasallen wahren.

    www.ottonenzeit.de
     
  2. Konradin

    Konradin Gesperrt

    Otto I. (* 912, + 973; König 936-972, Kaiser 962-973), genannt "der Große", kann als einer der größten und mächtigsten deutschen Könige überhaupt angesehen werden. Ihm ist es zu verdanken, die Kaiserwürde fest an das ehemalige Ostfränkische Reich zu binden. Desweiteren bannte er die Ungarn-Gefahr auf Lechfeld 955 endgültig. Er ist der eigentliche Vater des Heiligen Römischen Reiches, und er war es, der Magdeburg zum "Rom des Ostens" machte.
     
  3. Fischhof

    Fischhof Neues Mitglied

    Und Otto verheitatete seinen Sohn Otto mit der byzantinischen Prinzessin Theofanu die den Sohn Otto gebahr.
    Dies war damals insofern von Bedeutung gewesen, da sich die beiden Kaiser damit prinzipiell als Kaiser anerkannt hatten und auch eine erneute kirchliche Annäherung versucht wurde.
     
  4. florian17160

    florian17160 unvergessen

    [font=Arial,Helvetica][size=+1]Kaiser Otto der Große[/size][/font]

    [font=Arial,Helvetica]Schon unter Heinrich I. wurde der mittelelbische Raum mehr und mehr zu einem Mittelpunkt des werdenden Reiches.[/font]
    [font=Arial,Helvetica]Sein Sohn, Otto I., setzte ab 936 diese Politik fort und wählte Magdeburg zur Metropole seines Reiches.[/font]

    [font=Arial,Helvetica]Bereits ein Jahr später gründete er hier ein Benediktinerkloster.[/font]
    [font=Arial,Helvetica]Nachdem er 955 in der entscheidenden Schlacht auf dem Lechfeld die Ungarn besiegt hatte, nannte man ihn den "Großen".Danach errichtete er , wohl schon im Blick auf das geplante Erzbistum, eine reich ausgestattete kathedralartige Klosterkirche als königliche Begräbnisstätte. Aus Revenna in Italien ließ er antike Säulen nach Magdeburg bringen und im Dom einbauen. Damit wollte er dokumentieren, daß er sich als rechtsmäßiger Nachfolger der römischen Cäsaren sah. Das Heilige- Römische Reich Deutscher nation, wie es später genannt wurde, hörte erst 1806 auf zu bestehen.[/font]
    [font=Arial,Helvetica]Im Jahre 965 verlieh er dem Kloster Markt-, Münz- und Zollrecht, was zu einer schnellen wirtschaftlichen Entwicklung Magdeburgs beitrug. Schon 962 war Otto in Rom zum Kaiser gekrönt worden. Im Jahr 968 gründete er mit Einwilligung des Papstes, aber gegen den langen Widerstand des Erzbischofs von Mainz und des Bischofs von Halberstadt, das Erzbistum Magdeburg und verstärkte damit den Metropolcharakter dieser Stadt. Als 973 in Memleben starb, brachte man seine Gebeine nach Magdeburg und bereitete ihm, seinem Wunsch gemäß, in der Krypta des Domes neben seiner ersten Gemahlin Editha die Grablege. Mit dem gotischen Neubau der Katedrale ab 1209 erhielt der Kaiser seine letzte Ruhestätte im Hohen Chor in einem bescheidenen Stucksarg, abgedeckt mit einer antiken Marmorplatte.[/font] Quelle: www.magdeburg-jk.de/kaiserotto1.html dort sind auch bilder zu sehen
     
  5. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    1. Ich weiß, das ist ein Zitat, aber nichtsdestotrotz hieß das Heilige Römische Reich nie offiziell Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation. So wurde es nur im 16. Jahrhundert inoffiziell genannt. Danach verschwand der Begriff auch wieder; offizieller Name war einfach Heiliges Römisches Reich.

    2. Ist schon jemandem aufgefallen, dass zwar seit 962 alle römischen Kaiser des Westens deutsche Könige waren, dass aber absolut alle römischen Kaiser des Westens ab Karl dem Großen (also schon vor 962) Könige von Italien waren? Könnte es nicht sein, dass die römische Kaiserwürde mit dem Königreich Italien verankert war, dessen König Otto der Große 951 wurde?
     
  6. Paul

    Paul Gast

    Hallo Imperator,
    hätte der Papst nicht seinen Sitz in Rom gehabt, hätte sich niemand für diesen Titel interessiert. Dann hätte dieses "Römische" Reich einfach Deutsches Reich geheißen und sein Oberhaupt hätte kein Interesse gehabt einen anderen Titel als Deutscher König zu tragen.
    Andererseits hat nur der Sitz in Rom dem Bischof von Rom diesen Einfluß verschafft. Der Sitz in irgendeinem kleinen Land hätte auch zum Bedeutungsverlust der Papstwürde beigetragen. Dann hätte es einfach nur viele Christliche Bischöfe gegeben. Dies hätte dann aber vielleicht auch die Kirchenspaltungen verhindert. Die Kirche wäre einfach ein sehr vielseitiges Gebilde gewesen.
     
  7. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Ich kenn mich zwar auf diesem Gebiet wenig aus. Jedoch glaub ich, irgendwann gelesen zu haben, dass der Name "Römisches Reich" daher kommt, da sich die deutschen Kaiser als Nachfolger der römischen sahen.
     
  8. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Dass Italien für die dt. Könige wichtig war, zeigt sich ja schon daran, dass sie bei dem Versuch von italienischen Städten, aus dem Herrschaftsbereich des dt. Königs/Kaisers auszuscheiden, sehr gereizt reagierten (Heinrich IV, Friedrich I etc).

    Bis zu Karl V (1530) wurde der dt. König vom Papst meist in Rom zum Kaiser gekrönt - der König musste also nach Italien. Seine Nachfolger allerdings nahmen bei der Thronbesteigung (Königsthron) gleich den Titel "erwählter römischer Kaiser" an.
     
  9. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    zu Paul: es ist so, wie Lukrezia es sagt: die heiligen römischen Kaiser sahens ich als Nachfolger der römischen Kaiser der Antike. Deswegen hatten sie Interesse daran, weil es ihnen eine bestimmte Würde verschaffte. Sie hätten sich ganz sicher nicht als "Deutsche Kaiser" bezeichnet, vor allem da dann der Titel sie auf Deutschland beschränkt worden wäre, während die Kaiser imperialistische Ansprüche erhoben. Immerhin forderte ja Papst Gregor VII. Kaiser Heinrich IV. einst auf, sich als "rex teutonicorum" (lat. "König der Teutonen", oftmals als "König der Deutschen" übersetzt") sich unter den Königen Europas einzureihen; Heinrichs gleichnamiger Sohn antwortete darauf mit der Bildung des Titels "rex romanorum" (lat. "König der Römer"). Lange Rede, kurzer Sinn: der Papst hätte in Mallorca residieren können, es wäre trotzdem ein heiliges römisches Reich geworden.
     
  10. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Hallo Fischhof, ich wiederhole mal zwei Beiträge zum Thema von mir.

    Die Kaiser mögen sich gut verstanden haben, ..als bodenlose Anmaßung hat der Patriarch von Konstantinopel den Versuch vom röm.Papst empfunden ,die oström. Kirche unter seiner Jurisdiktion zu verstehen. Hier zeigen sich wohl tieferliegende Gründe im theolog.Bereich der beiden Kirchen neben denen der jeweils aktuellen Machtpolitischen Frage.
    __________________

    Betrifft o.g. Verhandlungen über Theofanu :

    ..nun die Byzantiner waren sehr Stolz auf ihre Dynastie und befürchteten ,wie man später sehen kann, zurecht ein Machtverlust durch Identitätsaufgabe ihrer originären Herkunft.
    Theofanu war ja ursprünglich nicht erste Wahl,- sondern eine wirkliche Tochter des Kaisers
    Romanos II. mit Namen Anna. Der Verhandlungspartner von Otto I. Nikephoros Phokas befürchtete Ärger mit den hohen byz.Dynasten ,wenn er die wertvollste Partie einem aus iher Sicht nicht gleichrangigen König zur Frau gab. Mit dem neuen Kaiser J.Tzimiskes kam es dann zur Einigung mit seiner jungen NichteTheofanu und Otto I. für seinen Sohn.
     
  11. Fugger

    Fugger Neues Mitglied

    Das ist doch einfach eine Fortführung der Politik, die mit Pippin anfing.
    Otto der I. sah sich als Nachfolger Karls des Großen.
    Er ist bewußt in seine Fußstapfen getreten. Er war Verteidiger der römischen Kirche
    und mußte somit natürlich auch über die Volksgruppe herschen, die sich um den Kirchenstaat angesiedelt hat.

    Karls offizieller Titel war doch auch : "Karl allergnädigster Erhabener, von Gott gekrönt, großer Frieden stiftender Herrscher, das römische Reich steuernd, von Gottes Gnaden König der Franken und Langobarden" (->Wikipedia).

    Die Kaiser waren mehr Könige über die Langobarden (hauptsächlich nördlich des Kirchenstaates) als über das Königreich Italien.
    Es ergaben sich dann auch Konflike mit Byzanz, als es um die Gebiete südlich des Kirchenstaates ging und später auch mit den Normannen, die die süditalienischen Fürstentümer eroberten und mit Sizilien zusammenschlossen.
    Deswegen die Heirat Heinrich des VI. mit der Erbin des Königreiches Sizilien.

    Und mit dem letzten Staufer auf dem deutschen Königsthron (Konrad IV. 1250-1253) hörte dann auch die Herschaft über ganz Italien in der Hand des deutschen Kaisers auf.
    Und dann hieße der Kaiser u.a. auch König der Mallorciner.
     
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  12. florian17160

    florian17160 unvergessen

    das ist ja alles prima, was ihr schreibt. Mir ging es mehr um die Person Otto. Ich Wohne in der nähe von Magdeburg und immer wenn ich zeit habe, gehe ich zum Dom.Muss man gesehen haben
     
  13. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Hallo Fugger,

    was du geschrieben hast, ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass der Titel "Römisches Reich" eingeführt wurde, da sich die deutschen Kaiser als Nachfolger der römischen Caesaren sahen.

    Gewiß war der Kaiser auch Verteidiger der römisch-katholischen Kirche, aber das schließt doch nicht automatisch mit ein, dass er über die die dem Kirchenstaat umliegenden Gebiete herrschen muss.

    Auch an seinem Titel kann ich nichts erkennen, was darauf hindeutet, dass die Bezeichnung "Heiliges Römisches Reich" sich aufgrund des Umstandes ergibt, dass das Oberhaupt seiner Konfession seinen Sitz in Rom hat.

    Die zeitweisen Gebietsgewinne in Italien haben in meinen Augen auch nichts damit zu tun, da es hier um Machtpositionen ging.

    Liebe Grüße
     
  14. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

  15. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Bei der Bezeichnung "Heiliges Römisches Reich" darf man auch nie vergessen, dass die deutsche Übersetzung dem Originalberiff "Sacrum Imperium Romanum" nicht in vollem Umfang entspricht. Wäre das Reich heilig, dann hieße es "Sanctum Romanum Imperium", das Sacrum deutet nur eine Nähe zu etwas Heiligem an, oder etwas geheiligtes. Das LexMA meint außerdem, dass dieser Begriff offiziell erst um 1157 auftauchte.

    Dass der Titel wenig mit dem Sitz des Papstes zu tun hat, siehst du vollkommen richtig. Denn 1.) hatte der Papst nicht immer seinen Sitz in Rom (und das Papsttum hat eine eigene Geschichte) und 2.) hat es Imperator schon angedeutet: Es ging den deutschen Königen um einen Rückgriff auf die Antike und den Widerstand gegen eine päpstliche Herabwürdigung (auf einen "einfachen" König).
     
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  16. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    Das Königreich der Langobarden und das Königreich Italien im Mittelalter sind im Prinzip ein und dasselbe bzw. letzteres ist das Nachfolgereich des ersteren. König Lothar I., Enkel Karls des Großen und König der Langobarden, änderte den Titel 817 in König von Italien um.
     
  17. Klaus-Udo

    Klaus-Udo Neues Mitglied

    Was ist damit eigentlich gemeint? Ich hab leider nichts darüber gefunden, was es bedeutet, wenn man "die Kaiserwürde an ein Reich bindet" :grübel:
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mit der Kaiserkrönung Karl dem Großen, 800 in Rom, hatte man das Kaisertum des römischen Westreiches (476) nach 324 Jahren wiederhergestellt. Mit dem Niedergang der karolingischen Dynastie wechselte die Kaiserwürde zunächst zwischen dem west- und dem ostfränkischen Reich und ging dann zeitweise an Norditaliener und Burgunder, später noch mal an Arnulf von Kärnten, der als letzter Karolinger die Kaiserkrone trug. Erst mit Otto wurde - vereinfacht ausgedrückt - die Kaiserwürde an das "deutsche" Königtum gebunden.
     
  19. Klaus-Udo

    Klaus-Udo Neues Mitglied

    Wenn ich das nochmal ganz plump ausdrücken darf, um sicherzustellen, dass ich es richtig verstanden habe:
    Die Herkunft der Kaiser war damals nach 800 sehr unterschiedlich (mal ost- dann westfränkisches Reich etc) und Otto der Große hat dafür gesorgt, dass nur noch Ostfränkische zum Kaiser werden durften. Ist das so ungefähr richtig?
     
  20. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    So ungefähr.
    Das hier ist nun schon ein ziemlich alter Pfad. Inzwischen gab es zu diesem Thema schon woanders weitere Diskussionen. Lies mal hier, so ab #40: http://www.geschichtsforum.de/f44/f...und-zur-deutschen-identit-t-23399/index2.html
    :winke:
     

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