Parallelüberlieferung

Dieses Thema im Forum "Geschichtsmedien und Literatur" wurde erstellt von stst, 11. April 2011.

Schlagworte:
  1. stst

    stst Neues Mitglied

    Hallo,

    Kann mir jemand erklären, was eine Parallelüberlieferung ist - bezüglich Quellen?


    Vielen Dank und Gruss
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das hängt mit dem stemma eines handschriftlichen Textes zusammen. Man geht ja davon aus, dass man i.d.R. nicht das Original, sondern eine davon stammende HS vorliegen hat, es sei denn, man findet redaktionelle Eingriffe, dann spricht man von Autographen, also eigenhandschriftlichen Zeugnissen.

    Wenn also ein Text in mehreren Abschriften vorliegt, sind diese meist nicht getreu. Dann spricht man von Paralellüberlieferung. Es kann sein, dass die Ungetreue sich auf einzelne Buchstaben bezieht, etwa, wenn ein unziales <a> nicht als <a> erkannt wurde und in einer späteren HS als <u> wiedergegeben wurde, oder wenn sich die Rechtschreibung geändert hat: prelium statt proelium, es kann aber auch sein, dass in einer HS Hinzufügungen (Interpolationen) oder Auslassungen zu bemerken sind.
     
  3. jmj-ra ssm.wt

    jmj-ra ssm.wt Mitglied

    Bei den Ägyptologen ergeben sich teilweise neue Übersetzungen durch weitere/andere Zeichen in Parallelüberlieferungen; manchmal ergeben gerade religiöse Texte erst wirklich Sinn, wenn man durch eine Parallelüberlieferung eine alternative Version hat...

    Ein sehr schön editiertes Beispiel von parellelen Überlieferungen ist von Parkinson "The Eloquent Pesant" (wenn auch kein religiöser Text)


    EDIT: Auch die Verifizierung der von modernen Philologen erstellten Grammatiken hing teilweise stark von Parallelüberlieferungen ab.
    Es gibt eine schöne Anekdote, in der ein Ägyptologe sich wundert, warum denn ein bei einer bestimmten Form ein Buchstabe wegfalle in der Handschrift - darauf sagt der andere hämisch "Die alten Ägypter kannten eben die Grammatik nach Herrn Sowieso nicht"

    Letzendlich gab es aber eine Parallelüberlieferung des Textes, in der das gemäß der Grammatik gehandhabt wurde.
    Da konnte man sich dann streiten, welche von beiden Versionen die verschreibene war *pfeif* wobei es wahrscheinlicher ist, dass ein Zeichen vergessen wird, als dass es immer falsch dazu geschrieben wird...
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. April 2011
  4. stst

    stst Neues Mitglied

    Okay, vielen Dank, für eure raschen und informativen Antworten.

    Aber noch ne Frage: Wie findet man z.B. in der Regesta Imperii die Parallelüberlieferungen? Gibt es bestimme Tricks?
     
  5. stst

    stst Neues Mitglied

    Kann mir niemand weiterhelfen?
     

Diese Seite empfehlen