Peloponnesischer Krieg und Tsunami

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Alkuin, 15. Juli 2007.

  1. Alkuin

    Alkuin Gesperrt

    Thukydides beschreibt in seinem Geschichtswerk "Der peloponnesische Krieg" für den Sommer 426 v. C. folgendes Ereignis:

    "Zur selben Zeit, da die Erdbeben fortdauerten, wich in Euboia bei Orobiai das Meer von der damaligen Küstenlinie zurück, schwoll erneut an und überflutete einen Teil der Stadt. Teilweise überschwemmte es das Land für immer, andererseits zog es sich wieder zurück, und auch heute noch ist dort Meer, wo früher Land war. Auch Menschen verschlang es, soweit sie nicht schnell genug auf höher gelegenes Gelände davonlaufen konnten...

    Die Ursache (dieser Überschwemmungen) - so meine ich - besteht darin, daß das Erdbeben dort, wo es am stärksten war, das Meer zuerst zurückstauen ließ und dann umso gewaltiger die Überschwemmungen hervorrief, wenn es plötzlich wieder heranflutete. Ohne Erdbeben glaube ich nicht, daß so etwas vorkommen könnte."

    Beschreibt hier Thukydides nicht einen Tsunami?

    (aus: Helmut Vretska, Thukydides, Der Peloponnesische Krieg)
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Juli 2007
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  3. Alkuin

    Alkuin Gesperrt

    Helike

    @ El Quijote:

    Danke für den Hinweis auf Helike!
    Interessant, daß vielleicht "Atlantis" dahintersteckt!

    Viele Gruesse:

    Alkuin
     
  4. Alkuin

    Alkuin Gesperrt

    Weiß jemand, wie breit das Meer in Euboia bei Orobiai ist?
    Wie lange brauchte der Tsunami dann, um am Strand zu "landen"?
    Gibt es dort Felsabhänge? Durch deren Abrutschen wäre ein Tsunami denkbar.

    Viele Gruesse:

    Alkuin
     
  5. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Zu Tsunamis (eigentlich heissen sie schlicht Flutwellen) im Mittelmeer folgende Links:
    Flutwellen im Mittelmeer: Tsunami-Gefahr durch Erdbeben und Vulkane | Wissen & Bildung | BR
    Flutwelle auf Mallorca? Tsunami in Ibiza?

    Die minoische Kultur auf Kreta soll ja angeblich durch einen Tsunami mit 60 Meter hohen Wellen als Resultat des Vulkanausbruchs auf der Insel Santorin untergegangen sein.

    Dass Platon seine eigene Inselwelt nicht kannte und entweder Santorin, Kreta oder Helike als Atlantis bezeichnet hätte, würde mir eher seine Unseriösität seiner Schriftkunst vermuten lassen.
     
  6. Unwissender

    Unwissender Neues Mitglied

    Hallo Alkuin,
    ich weiss ja nicht, aber diese Zeile:
    deutet eher darauf hin, dass es sich um ein lokales Erdbeben handelte, welches offensichtlich zur Absenkung eines gewissen Gebietes führte. So wie ich diese Zeilen verstehe, ist die Flutwelle die Folge, nicht die Ursache.

    Ein Tsunami würde ja voraussetzen, dass ein Seebeben weit entfernt stattgefunden hätte, welches dann eine reine Flutwelle auslösste. In diesem Falle wäre das Wasser aber wohl wieder bis zur ursprünglichen Linie zurückgeflossen.

    Ausserdem wäre für einen Tsunami wohl typisch, dass zwischen dem Zeitpunkt des (weit entfernten) Seebebens, und dem Zeitpunkt des Eintreffens einer Flutwelle an einer Küste, eine erhebliche Zeitspanne liegen würde. Dein Text sagt aber:

    Also finden sich in Deinem Text zwei Argumente, die gegen einen Tsunami sprechen.

    Grüsse
    Unwissender
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Juli 2007
  7. Alkuin

    Alkuin Gesperrt

    Hallo Unwissender,

    Orobiae liegt auf der Insel Euboia, ca. 18 km dem Festland gegenüber.

    Nehmen wir ein Erdbeben mit dem Epizentrum im "Sinus Euboicus" an.
    Daß dann auch das Land sich verschob, ist bei einem derart nahe Epizentrum nicht auszuschließen.

    Nun Deine 2 Argumente gegen den Tsunami:

    - die Zeitverschiebung:
    ist wegen der Nähe des Epizentrums hinfällig

    - die Erdverschiebung:
    es ist diese um Orobiae wegen der Nähe des Epizentrums möglich.

    Aber man kann natürlich fragen: was ist ein Tsunami?

    Ist ein Tsunami nur das Resultat von Plattenverschiebungen bei einem Seebeben? Oder ist ein Tsunami eine gigantische Welle, die auch durch Einsturz von Massen in Wasser entsteht?

    Bei letzterem müßte man einmal die Küsten von Euboia und dem gegenüberliegenden Locris sich genauer ansehen.

    Viele Gruesse:

    Alkuin
     
  8. Unwissender

    Unwissender Neues Mitglied

    Ich weiss ja nicht, aber Du gehst doch nun selbst von einem lokalen Erdbeben aus. Dann erübrigt sich doch die Frage nach einem Tsunami vollkommen. Ein Tsunami ist eine fern-ausgelösste extrem langwellige Hafenwelle.

    Definition von Tsunami: http://ioc3.unesco.org/itic/files/great_waves_en_2006_small.pdf

    Grüsse
    Unwissender
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Juli 2007
  9. Alkuin

    Alkuin Gesperrt

    Hat denn das Erdbeben 2003 nicht bei den nahegelegenen indonesischen Inseln durch einen Tsunami verheerende Schäden verursacht?

    Viele Gruesse:

    Alkuin
     
  10. Unwissender

    Unwissender Neues Mitglied

    Hallo Alkuin,

    Ich weiss nicht welches Erbeben Du meinst. Deine Textquelle beschreibt ein lokales Erdbeben in Küstennähe welches selbstverständlich eine Welle auslößt.

    Du kannst nun diese Welle "Tsunami" nennen. Die offizielle Definition des Begriffs "Tsunamis" beschreibt etwas anderes.

    Nehmen wir an, dass die offizielle Definition von "Tsunami" falsch wäre, und Du Recht hättest, daß der Begriff "Tsunami" einfach ein Synomym für den Begriff "Welle" wäre, was mach es dann für einen Unterschied ob Du die Welle "Welle", "Tsunami" oder XYZ nennst?



    Grüsse
    Unwissender
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Juli 2007
  11. Alkuin

    Alkuin Gesperrt

    @Unwissender:

    Ich glaube schon, daß zwischen einer Welle und einem Tsunami ein Unterschied ist.

    Der Tsunami (japanisch: Hafenwelle) ist ja auf See gar nicht gefährlich. Erst wenn sie in den Hafen einläuft, dann gibt es die Schäden.

    Nun noch einmal der Text:

    "Die Ursache (dieser Überschwemmungen) - so meine ich - besteht darin, daß das Erdbeben dort, wo es am stärksten war, das Meer zuerst zurückstauen ließ und dann umso gewaltiger die Überschwemmungen hervorrief, wenn es plötzlich wieder heranflutete. Ohne Erdbeben glaube ich nicht, daß so etwas vorkommen könnte."

    Der Rückstau des Wassers (damit sein Zurückweichen), meine ich, ist ein Kennzeichen des Tsunamis.

    Du gehst davon aus, daß ein Tsunami erst auf Tausende von Kilometer wirksam wird. Warum?

    Alkuin
     

Diese Seite empfehlen