Zum größten Erfolg wurden für ihn seine Erinnerungen an seine Tätigkeit als Chirurg an der Ostfront, die 1952 u. d. T. Die unsichtbare Flagge (Mchn.), gemeint: der Humanität, erschienen. Die stürmische Aufnahme dieses Buchs (in zehn Jahren 630000) ist wahrscheinlich mit dem damals verbreiteten Wunsch zu erklären, Zeugnisse von einem »anderen Deutschland« zu erhalten, das »soldatisch anständig« geblieben war u. von den nationalsozialist. Verbrechen nichts wußte. Zwar wurde an seiner von ihm als Bericht ausgegebenen Autobiographie die menschlich packende, realist. Darstellung gerühmt u. betont, daß er sogar Humor beweise, doch kann er in seinem konventionellen, anekdotisch erzählenden Stil nicht den Anspruch stellen, die Wirklichkeit des Krieges zu erfassen. In Inhalt u. Stil, in seinem distanzierten, tatsächlich leicht humorvollen Ton bleibt er ganz der Perspektive derjenigen verhaftet, die davongekommen waren. Die historischen Zusammenhänge u. die Wirklichkeit derer, die nicht überlebt hatten, beachtet er nicht. Vielmehr versteigt sich der Verfasser von der Betrachtung seiner zufälligen Erlebnisse zu Sentenzen, die den Krieg als Schauplatz postulierter Männlichkeit u. opferbereiter Kameradschaft verherrlichen:
»Der Kriegsgott entfesselt nicht nur die Dämonen. Er macht auch die Engel mobil.« Die Zwiespältigkeit des moralischen Anliegens zeigt sich besonders deutlich in Schuldbekenntnissen, die so vage u. allgemein sind, daß sie moralisch unverbindlich bleiben u. zugleich mit einer ebenso leeren Entschuldigung verbunden sind: »Es ist keiner von uns ganz schuldig am Ausbruch der Barbarei. Es ist aber auch keiner von uns ganz unschuldig.«