Peter Bamm

baumpeter

Neues Mitglied
Liebe Leute,

habe eben das Buch 'Die unsichtbare Flagge' von Peter Bamm gelesen. (Ein Ich-Erzähler berichtet von seinen Erlebnissen als Chirurg im Russlandfeldzug). Das Buch trägt den Untertitel "Ein Bericht".

Sind die dort beschriebenen Ereignisse als authentisch zu werten? Gibt es dazu eine Lehrmeinung der Historikerzunft?

Vielen Dank für Hinweise, Jan
 
Liebe Leute,

habe eben das Buch 'Die unsichtbare Flagge' von Peter Bamm gelesen. (Ein Ich-Erzähler berichtet von seinen Erlebnissen als Chirurg im Russlandfeldzug). Das Buch trägt den Untertitel "Ein Bericht".

Sind die dort beschriebenen Ereignisse als authentisch zu werten? Gibt es dazu eine Lehrmeinung der Historikerzunft?

Vielen Dank für Hinweise, Jan

Ich weiss nicht wer alles dieses Buch gelesen hat.
Könntest du ein paar Auszüge reinstellen? Vielleicht ein paar Ereignisse, dann können wir darüber diskutieren.
 
Hallo @baumpeter,

das Buch habe ich leider nicht gelesen. Aber meines Wissens war Peter Bamm Arzt im Russlandfeldzug. Es ist also schon einmal davon auszugehen, dass er genau wusste, ueber was er da geschrieben hat, d.h., dass da viel autobiographisches und auch authentisches Material miteingeflossen sein kann.

Werde mir mal das Buch gelegentlich zulegen, damit ich auch wirklich mitreden kann. Danke fuer den Tip.

Viele Gruesse
Daniel
 
Wer in den fünziger Jahrem lesen lernte, stolperte unweigerlich über Bamm. Vermutlich schlummert "Die unsichtbare Flagge" noch in irgendeiner Kiste. In Erinnerung kam mir das Buch wieder im Zusammenhang der Wehrmachtsausstellung, die den Blick von Verklärungen und Entschuldigungen auf die Verbrechen lenkte.
Zum größten Erfolg wurden für ihn seine Erinnerungen an seine Tätigkeit als Chirurg an der Ostfront, die 1952 u. d. T. Die unsichtbare Flagge (Mchn.), gemeint: der Humanität, erschienen. Die stürmische Aufnahme dieses Buchs (in zehn Jahren 630000) ist wahrscheinlich mit dem damals verbreiteten Wunsch zu erklären, Zeugnisse von einem »anderen Deutschland« zu erhalten, das »soldatisch anständig« geblieben war u. von den nationalsozialist. Verbrechen nichts wußte. Zwar wurde an seiner von ihm als Bericht ausgegebenen Autobiographie die menschlich packende, realist. Darstellung gerühmt u. betont, daß er sogar Humor beweise, doch kann er in seinem konventionellen, anekdotisch erzählenden Stil nicht den Anspruch stellen, die Wirklichkeit des Krieges zu erfassen. In Inhalt u. Stil, in seinem distanzierten, tatsächlich leicht humorvollen Ton bleibt er ganz der Perspektive derjenigen verhaftet, die davongekommen waren. Die historischen Zusammenhänge u. die Wirklichkeit derer, die nicht überlebt hatten, beachtet er nicht. Vielmehr versteigt sich der Verfasser von der Betrachtung seiner zufälligen Erlebnisse zu Sentenzen, die den Krieg als Schauplatz postulierter Männlichkeit u. opferbereiter Kameradschaft verherrlichen:
»Der Kriegsgott entfesselt nicht nur die Dämonen. Er macht auch die Engel mobil.« Die Zwiespältigkeit des moralischen Anliegens zeigt sich besonders deutlich in Schuldbekenntnissen, die so vage u. allgemein sind, daß sie moralisch unverbindlich bleiben u. zugleich mit einer ebenso leeren Entschuldigung verbunden sind: »Es ist keiner von uns ganz schuldig am Ausbruch der Barbarei. Es ist aber auch keiner von uns ganz unschuldig.«
Killy Literaturlexikon, S. 1104 (vgl. Killy Bd. 1, S. 304 ff.)]

vgl. hierzu auch:
Wir wußten das: | ZEIT online
 
Ich habe in einem Altenheim einen Mann kennengelernt, der eine Zeitlang in Bamms Sanitätskompanie tätig war. Er hat hohe Stücke auf ihn gehalten, weil er
a) kein Nazi war und relativ unangepasst auftrat, dabei auch keine Furcht zeigte und nicht nach oben buckelte;
b) sich immer voll für seine Leute eingesetzt hat, auch wenn er damit aneckte.

Soviel vorneweg.


Bamms Buch fand ich ein wenig mühsam zu lesen. Der Stil hat mir nicht recht zugesagt. Auch wenn er die Nazis abfällig abtat (und immer als "die Anderen" bezeichnete, woran man sich auch erst mal gewöhnen musste) wirkten seine Kriegserinnerungen seltsam distanziert. Vielleicht wird man als Frontarzt so, ich weiß es nicht. Irgendwie hat mich dieses Unpersönliche an Jüngers "Stahlgewitter" erinnert.

Die Geschichten selbst sind interessant und meines Wissens auch nicht erfunden oder geschönt. Es gibt nicht viele Berichte über das Feldarztwesen, da bekommt man schon einen Einblick in dieses Metier.

Aber wie gesagt, so ganz mein Fall ist Bamm nicht.
 
Vielen Dank für die Kommentare.
Ich hatte ähnliche Eindrücke bei der Lektüre der 'Unsichtbaren Flagge'. Wenn man in Zusammenhang mit dem Russlandfeldzug von besinnlichen Nächten in der ukrainischen Steppe schreibt, dann wirkt das unzeitgemäss. Ich musste auch an die Stahlgewitter von Jünger denken. Aber der lässt sich ja unmöglich nach heutigen Masstäben messen. Man schwärmt eben heute nicht mehr in der Form von Soldatentum und "Manneszucht". Stahlgewitter ist aber dennoch unbedingt lesenswert, gerade weil eine ganz "unmoderne" Sichtweise vertreten wird.
Beim Lesen von Bamm drängte sich auch mir der seltsame Kontrast zur Wehrmachtsausstellung auf.

Vielen Dank nochmals.
Jan
 
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