PHALANX - wie wurde der "äußerst Rechte" geschützt?

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von rainrunner, 16. September 2007.

  1. rainrunner

    rainrunner Neues Mitglied

    Hallo.

    In einer (griechischen) Phalanx, schützte man (lt. mehreren Quellen), jeweils seinen linken Nachbarn mit seinem Schild. Weiß jemand dazu genaueres? schützte man ihn "hälftig"? (ungefähr mit der Hälfte seines Schildes),... führte das dann dazu, daß die Reihe "ganz rechts außen" nicht richtig geschützt waren (am verwundbarsten waren)? die Reihe ganz links hingegen "zuviel Schild" hatte? (wobei meines Kenntnisstandes nach, der rechte Flügel der stärkere war?)....

    für Theorien, oder noch besser, Wissen bin ich dankbar ;o)
     
  2. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Genau das ist der Grund, weshalb man eine Phalanx am besten von ihrer rechten Seite aus angreift und die ganze Formationeinen linksdrall hatte, da der rechte mann immer leicht nach links zog um seinen Nebenmann zu schützen. Wurd ein einem Thread hier schon mal erötert glaube ich.
     
  3. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    War es nicht ein Zug nach rechts, als ein Schieben nach links, weil der Rechtsaußen sich ein wenig weiter abseits stellen wollte und daraufhin sein linker Nachbar näher rückte um sich selbst wieder in Sicherheit zu bringen?
     
  4. rainrunner

    rainrunner Neues Mitglied

    Nach meinem Kenntnisstand war es auch ein "Drall" nach rechts. Und die rechte Flanke war von den besseren Einheiten besetzt. (wie hier auch erwähnt, wurde ein schneller Sieg der eigenen rechten Flanke angestrebt, um dann die gegnerische Phalanx von der Seite her aufzurollen)... was jedoch nicht klärt, wie "der Reihe ganz rechts" geschützt war? Nur von einem "halben Schild"? ... und wieso schützte nicht jeder sich mit seinem eigenen Schild?? (wäre die Haltung ermüdender?)
     
  5. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Die Rechtsdrift der klassischen griechischen Phalanx hatte zwei Gründe: Den von Themistokles beschriebenen Schub, der daraus resultierte, dass jeder Hoplit ein bischen mehr in den Schutz seines rechten Nachbarmannes drängte; dazu kommt, dass man einen Gegner eher von rechts angreift, da man in dieser Hand die Waffe hält.

    Aus dieser Rechtsdrift resultierte das Phänomen, dass häufig der rechte Flügel den Gegner überflügelte und dessen Phalanx von der Flanke her aufrollte. Es war nicht ungewöhnlich, dass beide rechten Flügel siegten und die Schlacht in einem zweiten Treffen zwischen diesen siegriechen Flügeln entschieden wurde.

    Die Eingangstheorie von rainrunner ist also nicht richtig; der rechte Flügel war auf seiner rechten zwar nicht durch ein Schild geschützt, aber auch nicht durch (Nahkampf)-waffen des Feindes bedroht und meist der siegreiche.

    Wenn man sich vor Augen hält, wie der Schild gestaltet war, wird auch klar, warum er die Linke des Träger und die Rechte des Nachbarmannes schützte. Der Bügel, durch den der Arm gesteckt wurde und der dann nahe des Ellenbogens saß, war zentral in der Mitte angebracht, während der Griff für die linke Hand nahe des Randes war. Dadurch ragte fast die Hälfte des Schildes über den Körper des Trägers hinaus, und schützte dann bei der recht engen Aufstellung automatisch die rechte Seite des Nachbarn.

    Kann man hier mehr schlecht als recht sehen, aber nen besseres Bild find ich nicht.

    [​IMG]
     
  6. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 17. September 2007
  7. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Es mag ja allgemein in den Lehrbüchern der Antike, Mittelalter bis in die Neuzeit (DDR) Linkshänder zu Bösheinis zu machen populär gewesen sein. Zum Beispiel Edgar Hoover (FBI) war auch Linkshänder.
    Aber dass bei den antiken Griechen die Linkshänder grundsätzlich Rechtshänder sein mussten, ist mir unbekannt. Es gibt sicherlich Beispiele bis in die Antike zurück für Waffen die für Linkshänder ausgelegt waren.
    In der Steinzeit gab es noch mehrheitlich mehr Linkshänder als Rechtshänder.
     
  8. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    ad Hurvinek und alle Linkshänder: In der phalanx trug mann den Schild in der linken, die Waffe in der rechten Hand,egal welche Hand geschickter ist; sonst hätte das Ineinandergreifen der Schilde, die ganze Formation nicht funktioniert. Hat weniger was mit der ideologischen Ablehnung von Linkshändigkeit zu tun, die mein Vatedr noch miterlebt hat.

    Leichtbewaffnete, die nicht in der Phalanx fochten, mögen sehr wohl ihre Speeremit Links gesschleudert haben.

    Hat man das anhand von Funden belegt? Würde mich interessieren.
     
  9. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Manche Werkzeuge wurden gezielt für eine Hand fabriziert (während die Speere und Schilde der Hopliten symmetrisch sind) und je nachdme wie Kuhle für Daumen und Schneide liegen, kann man dann die Händigkeit des Nutzers ableiten.
     
  10. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Eine Beschreibung aus der Schlacht bei Leuktra zwischen Thebanern und Spartanern zeigt IMO die Bedeutung der rechten Flanke recht gut:

    In der Schlacht zog Epameinondas seine Phalanx schräg nach links, damit der von den Spartanern gebildete rechte Flügel sich von den anderen Griechen möglichst weit entfernte und er den Kleombrotos mit einem massierten Gewaltstoß in der Flanke treffen und werfen könne. Die Feinde bemerkten das Manöver und begannen auch, sich umzuformieren, entfalteten ihren rechten Flügel und zogen ihn in die Länge, um Epameinondas mit Überzahl zu umfassen und einzuschließen. Inzwischen aber eröffnete Pelopidas den Angriff und ließ seine Dreihundert im Laufschritt vorgehen, so daß es ihm gelang, bevor Kleombrotos seinen Flügel ausdehnen oder ihn wieder in die alte Stellung zurückziehen und die Linie schlieBen konnte, die Lakedaimonier zu packen, während sie noch nicht wieder standen, sondern durcheinanderliefen.
    (Plut.Pelop.23)
     
  11. Princeps

    Princeps Neues Mitglied

    Um zur Ausgangsfrage zurückzukehren: Die rechte Seite einer Phalanx war NICHT in sich gedeckt, wenn man von Helm, Brustpanzer und Beinschiene absieht. Allerdings konnte man natürlich mit dem Schwert oder dem Speer auch nach rechts stochern. Und sich natürlich aus der Formation rausdrehen. Das Ganze war aber unbefriedigend.

    Man schützte sich als taktischer Körper insgesamt: durch marschmanöver, Überlappungen und v.a. Flucht, wenn der Gegner auf die eigene rechte Seite kam (z.B. Schlacht bei Amphipolis 423, als die Athener flüchteten, sobald sie sahen, dass die Spartaner sich ihrer rechten Flanke näherten - s.Thukydides). Hilfreich konnten hier Leichtbewaffnete / Reiter sein, die einen überlappenden Gegner zumindest bremsten.
    Alles zusammen war das aber eier der Schwachpunkte der Phalanx. Auch dieser dürfte dazu geführt haben, dass die Technik nach 168vChr. aufgegeben wurde.
    Grussi
     

Diese Seite empfehlen