Pharao oder Sonnengott mit Katze

Dieses Thema im Forum "Das Alte Ägypten" wurde erstellt von SIVAGRANDBEACH, 10. März 2015.

  1. SIVAGRANDBEACH

    SIVAGRANDBEACH Neues Mitglied

    Suche seit einigen Wochen im Internet über Suchmaschinen ein Bild über einen Pharao oder Sonnengott mit einer Katze auf einer Treppe sitzend, Katzen wurden im alten Ägypten für heilig gehalten. Fand nur einzelne nachgebildete Katzen in Museen oder Abbildungen von Katzen auf einem Sarkophag?
     
  2. Chan

    Chan Aktives Mitglied

    Vermutlich ist die gesuchte Darstellung ein modernes Produkt, eventuell aus dem Fantasybereich. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass im klassischen Ägypten ein Pharao oder ein Sonnengott auf einer Treppe sitzend dargestellt wurde, mit oder ohne Katze. Katzen waren im Unterschied zu anderen "nur" heiligen Tieren (Kuh, Falke, Krokodile) sogar "halbgöttlich". Der Unterschied: Heilige Tiere repräsentierten den entsprechenden Tiergott symbolisch, Katzen aber waren selbst halb-göttliche Wesen. Daher durfte nur der Pharao Katzen besitzen. Die absichtliche Tötung freilaufender Katzen war strengstens verboten, teilweise sogar mit Todesstrafe geahndet. Dieser extreme Respekt vor Katzen beruhte vermutlich auf der Angst vor der Macht der Katzengöttin Bastet, die als Beschützerin und Rächerin des Sonnengottes fungierte und auch innerhalb des Apophis-Mythos, anstelle von Seth, als Killerin der Schlange auftrat. Zumindest ist das eine mögliche Interpretation der Szene. Eine andere besagt, dass sich der Sonnengott selbst in eine Katze verwandelt, um Apophis den Kopf abzuschneiden. Ich hänge eine altägyptische Darstellung dieser Szene unten an.
     

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  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich habe auch schon überlegt, ob hier evtl. eine Thron- mit einer Treppendarstellung verwechselt wurde.
     
  4. Chan

    Chan Aktives Mitglied

    Vielleicht ist auch gemeint: Ein Pharao/Sonnengott mit einer Katze, die auf einer Treppe sitzt (= auf einer Treppe sitzend). Aber auch das macht keinen nachvollziehbaren Sinn, da die Funktion der Treppe fraglich bleibt, außer sie wäre eine Himmelstreppe, die mit einer ägyptischen Katze, auch Bastet, aber in keiner mythologischen Verbindung steht.

    Vermutlich hat uns der anfragende User einfach nur ein Koan aufgegeben, also ein rational unlösbares Rätsel.

    Zwei Bilder zum Thema hänge ich an, eines davon eine schöne Fantasygrafik.
     

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  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich kenne die Abbildung nicht, aber das abgebildete Tier sieht für mich eher nach einem Serval (Leptailurus serval) aus, als nach einer nubischen Falbkatze (felis silvestris lybica) von der die heutigen Hauskatzen abstammen(felis silvestris cattus) abstammen
    Wie weit die Ägypter Servale gezähmt haben, weiß ich nicht, erinnere mich aber an eine Darstellung in einem ägyptischen Museum, in dem Würdenträger bei der Vogeljagd dargestellt sind, die von katzenähnlichen Tieren begleitet sind, die wie Jagdhunde erlegte Vögel apportieren. Bevor sich Katzen als Haustiere weiter verbreiteten, wurden bereits Wiesel als Kuscheltiere und Mäuse- und Rattenjäger gehalten. Von Albrecht Dürer gibt es ein Porträt, das eine Dame mit einem Hermelin zeigt.
    Ägyptische Darstellungen von Geparden, Nilgänsen und anderen Wildtieren sind oft sehr detailgenau abgebildet.

    Hier ist ein Bild des Serval Serval ? Wikipedia
     
  6. Chan

    Chan Aktives Mitglied

    Ich nehme an, du beziehst dich auf die Darstellung der Tötung der Apophis-Schlange durch die "Katze" (ursprünglich eine Illustration im ägyptischen Totenbuch für Kapitel bzw. Spruch 17). Die Zuordnung zum Serval ist ein interessanter Ansatz. Er legt den Schluss nahe, dass es sich dabei nicht um die Göttin Bastet handelt, sondern um eine Metamorphose des Sonnengottes Re (Ra). Der Serval wurde nie mit Bastet, sondern mit der Göttin Hathor assoziiert. Dass Bastet hier als Killerkatze erscheint, ist also unwahrscheinlicher als andere Optionen, dennoch gibt es diese Interpretation. Dass Hathor, in einen Serval verwandelt, hier als Retter des Sonnengottes auftritt, ist ebenfalls möglich, es gibt auch diese Interpretation.

    Der Sonnengott selbst kann sich mythologisch in einen Widder, einen Stier, einen bestimmten Vogel, einen Löwen, einen Falken und in einen Serval verwandeln. Das spricht für die Annahme, dass es sich in der Darstellung um eine Inkarnation des Sonnengottes handelt. Dafür spricht vor allem die Zuordnung des Bildes zu Spruch 17 im Totenbuch und eine Textpassage darin, die als Beleg für Re = Kater als Töter der Schlange (= "die Rebellen", "die Feinde") gilt:

    Ich bin jener Großer Kater, der den Persea-Baum neben sich gepalten hat, in jener Nacht des Kampfes, des Ausführens der Rebellen-Bewachung, an diesem Tag, da man seine Feinde vernichtete.
    Als er (der große Kater) bin ich der Allherr.
    Wer ist denn das?
    Jener Große Kater, das ist Re selbst.
    Man nannte ihn "Kater", als Sia über ihn sagte:
    Er ist dem gleich, was er getan hat.
    Das ist die Entstehung seines Namens "Kater".
     
  7. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Ich gebe Dir vollkommen Recht, auf Chans Bild mit der Schlange ,ist eindeutig ein Serval (geflecktes Fell, übergroße Ohren) und keine Falbkatze.
    Geparden sind die einzigen Raubkatzen, die sich ,ähnlich einem Jagdhund abrichten lassen. Servale sind ebenso eigensinnig und stur wie Hauskatzen und würden wahrscheinlich nie Vögel apportieren sondern diese fressen.
     
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Geparden werden heute noch eingesetz auf der Arabischen Halbinsel, um Gazellen zu jagen. Im Niederländischen heißt er heute noch Jachtluipaard.

    Auf dem Speicher habe ich noch einen Ausstellungskatalog gefunden, den Informationen nach handelt es sich bei der Abbildung die ich meinte um Malereien aus dem Grabmal eines gewissen Menna. Anscheinend ein Minister. Genreszenen zeigen ihn, wie er mit Angehörigen ein Gut besichtigt und mit Bumerang und Fischspeer am Nil fischt und Wassergeflügel jagt. Die "Apportiertiere sind zu klein, um sie sicher identifizieren zu können. Vielleicht handelte es sich um Mungos, die jung aufgezogen sehr zutraulich werden und gerne als Haustier gehalten wurden, die Ratten, Mäuse und Giftschlangen fingen.

    In Rudyard Kiplings Dschungelbüchern handelt eine Geschichte von dem Mungo Rikki Tikki, der von einer britischen Familie als Haustier adoptiert wird und sie dafür vor einem Kobrapaar rettet.
     

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