Phylen, Phratrien und die ganze Sippschaft

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Eumolp, 16. August 2007.

  1. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    (Das folgende handelt von der Verwandschaftsstruktur in archaischer Zeit, nicht von den späteren Umdeutungen in der klassischen Zeit.)

    Eine Phyle, so heißt es, sei ein Stamm. Ursprünglich, so lese ich bei Oswyn Murray, seien sie militärische Abteilungen gewesen. Er lehnt daher die Bezeichnung "Clans" für die Phylen ab, wobei Clan eine Sippe bzw Großsippe bedeutet.

    Phratrien, also "Bruderschaften", sollen nun Untergruppen der Phylen gewesen sein. So heißt es ja auch nach Arist.Ath.Pol. 8: In 4 Phylen wurde Attika unterteilt, diese Phylen wurden nochmals in Dreiereinheiten unterteilt (Trittyen), wobei es wohl so ist, dass das Wort Trittye synonym mit der Phratrie gebraucht wird.

    Den Phylen / Phratrien "irgendwie" untergeordnet sind die Genos (genoi?), die Verwandtschaftssysteme, wobei allerdings dieser Begriff auch für den gesamten Stamm, d.h. phyle, benutzt wurde.

    (Mindestens) 3 Probleme habe ich damit:

    1. Das verwirrt alles ziemlich! Ich versuche mal Anschaulichkeit, obwohl ich dabei wohl einiges durcheinanderbringe.

    Ein genos, so stelle ich mir es vor, ist die Familie - wohl über eine lineare oder kollaterale Verwandtschaftslinie. Insbesondere auch eines Aristokraten, die wiederum die Führung über eine Phyle übernimmt. Manchmal sind es auch mehrere genoi(?), die eine phyle regieren. Aber eben auch eine einzelne Familie, etwa eine normale Bauernfamilie, würde sich als genos bezeichnen. Wird hingegen die aristokratische Familie gemeint, dann wird deren genos mit der Phyle gleichgesetzt, weil sie ja die Phyle repräsentiert. Daher diese verrückte Schleife:

    a. phyle - phratrie - genos
    b. aber auch: genos = phyle

    Meine Lösung wäre also: in a wird genos allgemein benutzt, in b ein aristokratischer genos.

    2. Die phyle wäre dann eine Anzahl von Leuten (im archaischen Griechenland freie Bauern mit ihren Familien), die mehr oder weniger eng räumlich beisammenwohnen und vielleicht auch weitläufig miteinander verwandt sind, vielleicht auch nur eine solche Gemeinschaft annehmen. In der politischen Ordnung wird dann der genos, der die phyle repräsentiert, auch als Basileus bezeichnet. (Wirklich?)

    3. George Thomson ist nun ein entschiedener Gegner der Theorie, die Phyle sei ursprünglich eine Militärabteilung gewesen, vielmehr sei es umgekehrt: die militärischen Gruppen, wie es in der Ilias heißt, seien ursprünglich Stämme gewesen und ordneten sich erst dann in die Militärhierarchie ein. Gibt's dazu neue Forschung?
     

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