Platon als Urheber des Feudalismus?

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von Morgens Grauen!, 1. Mai 2010.

  1. Ich habe einmal gelesen, Platon setze sich für eine Ständestaat mit drei Ständen ein:
    - Lehrstand: Philosophenkönige.
    - Wehrstand: Soldaten.
    - Nehrstand: Handwerk und Dauern.

    Jede dieser 3 Stände sollten eine Befähigung der Seele demonstrieren und besonders ausprägen.

    Dann gab es die mittelalterlichen Stände:

    - Klerus: Für das "geistliche Wohl" der Menschen zuständig, formall der 1. Stand, der Einzige, der Lesen und Schreiben konnte.
    - Adel: Großgrundbesitzer, oft kleine Ritter; Fecht- und Degenadel, nur selten hatte der Adel eine rein politische und keine militärische Bedeutung.
    - Der dritte Stand: Bürger in den Städten, Bauern auf den Lande. Oft hörige oder Leibeigene.

    Man erkennt, dass sich diese 3 Stände denen des Platons doch näherungsweise entsprechen. Der Klerus hatte viel zu sagen, Könige hatten zumeist zumindest einige "theologische Vorrechte". der Adel war den König immer lehnsverpflichtet und musste ihn daher auf Wunsch Truppen stellen. Und die Bürger und Bauern waren für die Verpflegung zuständig.
    Ist das wirklich nur Zufall, oder kannten die Spätantiken und Frühmittelalterlichen Konstruktöre des Ständestaates Platons Philosophie?

    Mir ist schon klar, dass grade Platon im Mittelalter verschollen war und erst mühsam wiedergewonnen werden musste und dass die Idee sehr weit hergeholt ist, dennoch meine ich diese Frage wirklich ernst und bitte daher darum, nicht zu lachen!
     
  2. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Wahrscheinlich hat Platon die 3 Stände bildhaft, philosophisch gemeint, ausgehend vom Körper des Menschen zur Organisation eines idealen Staates. http://www2.uni-wuppertal.de/FBA/philosophie/seminarmaterial/alt/platonsideen261004.pdf
    Dazu können dir die Philosophie- und alte Griechen-Spezialisten hier bestimmt mehr sagen.

    Das mittelalterliche Feudalsystem kann aber gut ohne Platons Idee entstanden sein.
    Schließlich bildeten sich überall auf der Welt bei wachsender Bevölkerungszahl Spezialisierungen, Hierarchien und staatliche Organisationsformen.
    Schon die alten Ägypter, Sumerer, Inkas und Azteken kannten die 3 Stände Priesterschaft, Adel/Könige und Bauern/Handwerker.
     
  3. Zananga

    Zananga Aktives Mitglied

    Hatte der Feudalismus ein Urheber? Soweit ich weiß entstanden die Stände im Mittelalter aus eine lange soziale Entwicklung, die zum Teil schon im Römischen Reich begann.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ist nicht eine solche Entwicklung gewissermaßen natürlich?
    Fressen muss jeder, insofern ist zunächst einmal zu erwarten, dass alle Menschen etwas zum Lebensunterhalt beitragen. Sobald es aber Methoden des Speicherns größerer Nahrungsmittelvorräte gibt, bedarf es eines Schutzes, um Begehrlichkeiten Fremder abzuwehren (nicht umsonst lassen sich ab der Jungsteinzeit kriegerische Auseinandersetzungen nachweisen). Wenn eine Gemeinschaft sich das leisten kann, bildet sich ein Kriegerstand heraus, der zunächst vermutlich gleichberechtigt ist (da ja jeder seinen Teil zum Überleben der Gemeinschaft beiträgt, auf Dauer aber dank eines Waffenmonopols die Herrschaft an sich reißt!) Der Bedarf wächst und es kommt zu beruflichen Spezialisierungen.
    Ähnlich, wie mit der Kriegerkaste ist es mit den Priestern/Gelehrten. Da gibt es Leute, welche die Aufgabe bekommen, die Götter zu besänftigen oder mit ihnen um eine gute Ernte oder einen erfolgreichen Krieg zu verhandeln. Auch diese Leute werden mit der Zeit unentbehrlich, sie haben vielleicht medizinische Kenntnisse erworben, welche sie nur einem beschränkten Kreis weitergeben, bzw. im westeuropäischen Früh- und Hochmittelalter sind es die Kleriker, die dank ihrer Fähigkeit zu lesen und zu schreiben das Wissen bewahren... Sie haben also eine Funktion und aufgrund dieser Funktion kommt es zur sozialen Differenzierung, die wiederum bei den Funktionsträgern das Interesse erweckt, diese soziale Differenzierung beizubehalten. Da hier immer wieder dieselben Notwendigkeiten bestehen, kommt es auch immer wieder zu ähnlichen sozialen Differenzierungen. Siehe z.-B. das indische Kastensystem mit den Brahmanen (Priesterschaft) an der Spitze und den Kshatriya als Kriegerstand, aus dem auch die Könige kommen an nächster Stelle, dann die Vaishiya und Shudra, welche dem Bürgertum und dem Bauerntum nahe kommen.
     
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