Pleite machen?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Teresa C., 21. Dezember 2017.

Schlagworte:
  1. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Mich beschäftigt seit einiger Zeit wieder einmal eine ganz banale Frage. Gab es im Mittelalter bereits den Ausdruck "pleite machen"? Wie wurde damals ein Konkurs bezeichnet?
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Nein, den gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert (in der Gaunersprache vielleicht schon etwas früher.)
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    In der italienischen Renaissance banca rotta --> Bankrott.
     
  4. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Zahlungsunfähigkeit führte oft zur Schuldhaft oder -knechtschaft - in den Folgen also nicht zu vergleichen mit einer heutigen (humanen) Privatinsolvenz.
     
  5. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Im Deutschen anscheinend erstmals 1457 nachweisbar:
    "bankeruth spoelen oft meer koepen dan sy betalen kunnen"
    Baby - Cutter
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das tönt aber arg niederdeutsch. Naja, die Hanse und Venedig hatten natürlich ihre Handelsverbidnungen über die Rheinschiene (die Venezianer hatten sogar mal darüber nachgedacht, den Rheinfall bei Schaffhausen zu sprengen, um den Handelsweg zu vereinfachen (das wäre aber wohl ein Reinfall geworden...). Durchgängiger Schiffsweg von London und Amsterdam bis zum Alpenrhein).
     
  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ein alter Ausdruck für Insolvenz ist Gant, bzw. Gantrecht für Insolvenzrecht. Leider weiß ich aber nicht, wie alt.
     
  8. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Und das Frühneuhochdeutsche Wörterbuch erwähnt die Überlieferung von »bankreutig« aus dem 16. Jh. als eine Ableitung von »bankerot« [resp. »bankeruth«].

    Ebd. zu »gant«, aber für ›Versteigerung‹.
     
  9. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Zahlungsunfähigkeit, Insolvenz, Bankrott und Konkurs werden häufig synonym verwendet, sind es aber nicht.
    Welche Folgen eine Zahlungsunfähigkeit bis weit in die Neuzeit hatte, wurde schon angeführt. Konkurs ist eigentlich die Zusammenkunft der Gläubiger zur gleichmäßigen und geordneten Verteilung des restlichen Vermögens. Dieses vergleichsweise "humane" Verfahren entwickelte sich nach dem 30-jährigen Krieg.
     
  10. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Herzlichen Dank für Eure raschen Antworten
     
  11. Terenz

    Terenz Neues Mitglied

    Obwohl das Thema abgeschlossen zu sein scheint, erlaube ich mir dennoch zwei Ergänzungen:

    1. Den Begriff "Pleite machen" gab es weder im Mittelalter noch gibt es ihn im Deutsch der Jetztzeit. Die aktuelle Duden-Ausgabe kennt nur "pleitegehen" als unregelmäßiges Verb.

    2. Der Begriff Pleite hat seinen Ursprung im Jiddischen: פּלטה (plejte) und nicht in der "Gaunersprache" bzw. im Rotwelschen.
    Die jiddische Redensart plejte gejen bezeichnete zunächst nicht die Zahlungsunfähigkeit an sich, sondern die Flucht eines Schuldners, der sich seinen Gläubigern oder der Schuldhaft zu entziehen sucht; im Deutschen wurde ein solcher plejte gejer zum „Pleitegeier“ verballhornt.
    Quelle: Wikipedia - Liste deutscher Wörter aus dem Hebräischen und Jiddischen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Mai 2019
  12. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Nein, "Pleite machen" findet sich sowohl im aktuellen Duden als auch in alten Auflagen (vor der letzten Rechtschreibreform):
    Duden | Pleite | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft

    Das ist richtig; gefragt war aber nicht nach dem Wort Pleite, sondern nach der Bedeutung 'Konkurs', insbesondere in der Wendung Pleite machen.
    Dazu finde ich:
    DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Mai 2019

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