politische und soziale gründe der sklavenarbeit von 1619-1865

Dieses Thema im Forum "USA | Kanada" wurde erstellt von chak99, 17. März 2013.

  1. chak99

    chak99 Neues Mitglied

    hallo,
    ich habe eine präsentation mit dem thema: Die sklavenarbeit in nordamerika von 1619-1865. Meine Leitfrage lautet: Welche rolle spielte die sklavenarbeit in nordamerika von 1619-1865. In meinem fazit muss ich nun welche rolle es politisch und sozial hatte herausfinden, leider finde ich nichts im internet und mir fällt auch nichts ein. Kennt ihr paar gründe? Danke im vorraus.
     
  2. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Du könntest überlegen, in welchen Gegenden/Bundesstaaten (hauptsächlich) es Sklaverei gab. Wodurch, durch welche Produkte waren diese Gegenden geprägt im Unterschied zu anderen? Wer profitierte wie davon und wer nicht? Welche Auswirkungen hatte das auf die politischen Einstellugen? Wie war das mit den Menschen- und Bürgerrechten vereinbar, die auf dem Papier hochgehalten wurden?
     
  3. Luziv

    Luziv Neues Mitglied

  4. hatl

    hatl Premiummitglied

    Man findet ja stets nur Bruchsteine in den übrig gebliebenen Ruinen der Geschichte.
    Interessant im Themenzuammenhang finde ich, dass die industruelle Revolution, deren Ursprung in England liegt, zunächst auf der Textilindustrie fußte.
    Es geht darum das Spinnrad, welches damals sich in vielen, oder meisten, Wohnstuben findet, zu ersetzen.
    Hier findet sich ein Engpass, während das Weben von Stoffen bereits einen hohen Automatisierungsgrad aufweist.

    Das Spinnen von Garn ist eine zunächst unüberwindbare Hürde.
    Wenn man sich anschaut wie komplex die Bewegungsabläufe einer Spinnerin, oder eines Spinners, ist, dann erahnt man leicht wie schwer es sein muss einen solchen Ablauf zu automatisieren,
    Die Lösung lag Mitte bis Ende des 18. Jhds. im Material.
    Gekämmte Baumwolle war automatisierungsfähig.
    Hauptlieferant waren die Südstaaten der USA, deren Baumwollproduktion sich auf Sklavenarbeit stützte.

    siehe auch
     
  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Welche Rolle die Sklaverei in der nordamerikanischen Geschichte spielte?

    Ich behaupte, die Geschichte der USA wird man nicht verstehen, ohne die Bedeutung der Sklaverei.
    Es war den Gründervätern durchaus klar, dass die Unabhängigkeitserklärung und die institution der Sklaverei ein unerhörter Widerspruch war. Es ist daher auch so gut wie gar nicht davon die Rede. Hätte man sie 1776 angetastet, wären aber Virginia, Georgia und die Carolinas nie der Union beigetreten. Übrigens war sie damals durchaus nicht auf die Staaten südlich der späteren Mason- Dixielinie beschränkt, auch in New York, New Jersey und Delaware gab es damals noch Sklaven, und in der Schiffsbaubranche von Massachsetts spielten schwarze "Fachsklaven" eine bedeutende Rolle. Erst Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts folgten die nördlicheren Staaten dem Beispiel Großbritanniens. Dennoch gab es durchaus noch nicht solche Massen von Sklaven. Während des ersten großen Tabakbooms in Virginia wurden die Mehrzahl der Arbeitskräfte noch von Schuldsklaven, den sogenannten Indentured Servants gestellt. Ähnlich war es mit dem Reisanbau in den Carolinas. Erst in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts spielten schwarze Sklaven eine größere Rolle und es wurde die Sklavenhaltung stärker rassistisch motiviert, so wurden freie schwarze, die selbst Indentureds anwerben wollten oft unter vehementem Druck der Bevölkerung daran gehindert. Immerhin konnten Amerikaner, die diese Widersprüche erkannten, Ende des 18. Jahrhunderts hoffen, dass sie mit der Zeit verschwinden würde. Mit dem Louisiana Purchase 1803 kamen Alabama, Mississippi zu den USA, und um die gleiche Zeit erfand ein Yankee, Eli Whitney die Cotton Gin, eine Baumwollentkernungsmaschine. Dank der Cotton Gin konnte die Produktionskraft eines Sklaven um das 50 Fache gesteigert werden. auch in der Zuckerrohrindustrie, die in Louisiana und Florida seit Beginn des 19. Jds zu boomen begann, ließen sich große Profite erzielen.
    In Margret Mitchells Südstaatenepos "Gone with the Wind". sagt Rhett Buttler sakastisch, dass der Süden unterliegen müsse, denn "wir haben ja nur unseren Hochmut, Baumwolle und Sklaven".

    Die aber, zumindest die Baumwolle und die Sklaven waren am Vorabend des Bürgerkrieges wertvoller, als das gesamte Bruttosozialprodukt der USA. Die großen Gewinne, die "King Cotton", aber auch Zuckerrohr und Reisanbau einbringen konnten, wurden von den Pflanzern in den Kauf von mehr Land und neuen Sklaven investiert, die auf dem amerikanischen Binnenmarkt gekauft werden mussten, nachdem der transatlantische Sklavenhandel durch britischen Druck zum erliegen kam. Die überwiegende Mehrheit der Amerikaner, auch der Südstaatler besaß keine Sklaven, und es wirkte sich die Sklaverei für viele Landstriche im agrarisch geprägten Süden verheerend aus, weil unzählige Kleinfarmer und Handwerker mit den Produkten aus Plantagenbetrieben nicht konkurrieren konnten.
    Die Interessen der amerikanischen staaten waren recht unterschiedlich. Massachusetts, Pennsylvania, New York und die Neuenglandstaaten wünschten sich Zölle, die heimische Produkte vor britischen Importen schützten, während Staaten aus dem Cotton Belt das nicht wünschen konnten, da sie ihre Produkte an die Spinnereien Nordenglands exportierten. Der Louisiana Purchase und die kriege gegen mexiko hatten die USA stark vergrößert, und das Gleichgewicht zwischen Sklavenhalter- und freien Staaten drohte sich mit jedem neuen Staat zu verschieben, der der Union beitrat.
    Ressentiments gegen schwarze gab es auch in den Nordstaaten, und wenn Abolitionismus im Norden bis in die 1850er Jahre wenig Zustimmung fand, so ließ sich durch den Fugitive Slave Act auch in den Nordstaaten das Problem der Sklaverei als ein gesamtamerikanisches nicht länger ignorieren.
    Es war enorm wirkungsvoll aus Sicht der Sklavenhalter, ließ aber auch die öffentliche Meinung kippen, denn die Nordstaaten hörten mit einem Schlag auf, ein sicherer Hafen für entflohene Sklaven zu sein, und selbst freie Schwarze, die schon Jahre im Staat lebten, konnten von Kopfgeldjägern unter Beihilfe von US- Marshalls in aller Öffentlichkeit verschleppt werden.

    waren zuvor Pennsylvania und vor allem der "Freedom State" Ohio Zufluchtsorte für entflohene Sklaven, so mussten diese seit den 1850er Jahren bis Kanada fliehen.

    Ich habe vor einiger Zeit einen Thread eröffnet zur "Underground Railroad" dessen erfolgreichste schaffnerin Harriet Tubman war. "Moses" wie tubman genannt wurde, befreite nach und nach ihre ganze Familie und betätigte sich während des Bürgerkrieges auch als Unionsagentin. Tubman flößte ihren Schützlingen, die schlapp zu machen drohten, schon einmal mit vorgehaltenem Revolver Gottvertrauen ein, aber nicht ein einziger ihrer Züge scheiterte.
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wir hatten das schon einmal im Forum, leider habe ich die Stelle nicht zur Hand.

    Die Aussage geht mE viel zu weit.

    - der Export der Baumwolle der USA hatte 1857/61 Werte bis zu 250 Mio. US$, das GDP aber um 4000 Mio. US$

    - die Anteilsrate des Südens am GDP der USA hatte sich von 1,7:1 in 1840 in zwei Dekaden um 70 % reduziert.

    - Im Süden gab es im Zuge der "Westverschiebung" des anteiligen GDP bereits eine Verschiebung in andere landwirtschaftliche Sektoren und sogar in eine industrielle Sklavenarbeit hinein.

    Die Überschätzung des King Cotton, oft verwendete 2500 Mio. US$ (sozusagen "mehr als 50% in Relation zum GDP, daher kommen solche Aussagen in der Literatur) beruht auf simplen "Multiplikationen" von bekannten Sklavenpreisen mit "Kopfzahlen" als Gesamtmarktwert der Sklaverei.

    Das ist makroökonomisch so nicht haltbar bzw. unsinnig, nicht nur wegen der Zusammenhänge von Nachfrage und Angebot und insoweit funktionalen Preisverläufen, die sich eben nicht auf einen "Gesamtbestand" hochrechnen lassen. Die 2500 Mio. ergeben sich vielmehr aus einer nur fiktiven "Kapitalisierung" der Baumwollumsätze (wobei der "Sklavenpreis" pro Kopf etwa stabil einem Faktor 18 entsprach - somit reziprok einer Kapitalisierungsrate von 5,5 bis 6% im Rahmen einer "ewigen Rente").
     
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  8. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die Entwicklung des Wirtschaftssystems der USA bis zum WW1 verlief im Rahmen von gravierenden Widersprüchen und ähnlich harten politischen Kontroversen. Und war noch gezeichnet durch den Gegensatz bei der Bewertung von "Sklavenarbeit".

    Zu den problematischen Seiten bzw. politischen Themen gehörte sicherlich die "Kinderarbeit", die informell die Ausbeutung von Arbeitskraft - ähnlich der Beschäftigung von Sklaven - fortsetzte.

    Kinderarbeit in den USA - SPIEGEL ONLINE
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Januar 2016
  9. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Reparationen für Sklaven

    Es gibt interessanterweise in den USA eine Diskussion über Reparationen für Sklavenarbeit. Hab ich heute morgen zum ersten Mal mitbekommen, direkt nach der Lektüre von Thanes Beitrag:

    Ta-Nehisi Coates heute im "Atalantic": Ta-Nehisi Coates on Bernie Sanders and Reparations - The Atlantic


    Coates ist ein Black Rights-Aktivist und seit Mitte letzten Jahres fest beim "Atlantic". Bin nie seiner Meinung, er ist aber immer interessant.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Zwischen deutschem Verständnis von Reparationen und reparations sollte mE unterschieden werden.

    Die US-Diskussion betrifft Entschädigungszahlungen, somit ist das eher vergleichbar mit der deutschen Zwangsarbeit und Wiedergutmachungsleistungen. Frage ist, ob das mit Gruppen oder Vertretungen geht.

    Freiwillige Leistungen sind dabei natürlich außen vor.
     
  11. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Stimmt.


    Noch spezifischer: es gibt einen Wiki-Beitrag "Reparations for slavery" und "Reparations for slavery debate in the US"
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Dank für den Hinweis.
    Da (im 1.) werden mehr die "Anläufe" im Hinblick auf (Nachfolge-)Staaten und Interessenvertretungen beschrieben, es gibt mE auch rechtliche fachliche Debatten dazu.
     
  13. FCBfreak85

    FCBfreak85 Neues Mitglied

    Es gibt ja viele Diskussionen, ob die Sklaverei für die Pflanzer überhaupt profitabel war. Nun, wenn sie es nicht gewesen wäre, hätten es nicht alle gemacht.

    Der große Knackpunkt war die Erfindung der Cotton Gin. Vorher war das Verarbeiten von Baumwolle per Hand ein unglaublich langsamer Prozess. Mit der Maschine konnte nun aber gefühlt 10x so viel Baumwolle gesäubert werden. Die Zahl der Sklaven ging aber nicht zurück, sondern explodierte nun vor allem im tiefen Süden, weil die Profitgier immer größer wurde. Viele Sklaven wurden nun in diese Regionen verkauft.

    Eine große Anzahl an Sklaven war ein Zeichen von Reichtum und bedeuteten automatisch den Zugang zu politischer Macht. Allein aus diesem Grund - die Verhinderung eines möglichen sozialen Abstiegs und die Angst vor einem Verlust von politischem Einfluß - krallte man sich daran. Viele Präsidenten kamen aus der Pflanzeraristokratie.

    Ein freier Arbeiter musste monatlich bezahlt werden. Der Sklave musste Kleidung, Essen und medizinische Versorgung bekommen. Er hatte er eine körperliche Hochphase und die Zeit als Kind bzw. im hohen Alter, wo er praktisch weniger wert war, da er nicht die Arbeitsleistung erbringen kann, wie in seiner Prime.
    Das war für die Pflanzer ein saurer Apfel, in denen sie gerne gebissen haben. Denn man reduzierte die laufenden Kosten für Kleidung, Nahrung und Versorgung in den meisten Fällen auf das absolute Existenzminimum.

    Sklaven konnten außerdem, wenn gerade nicht geerntet wurde, andere Arbeiten machen, wie den Zaun reparieren usw. Sklaven konnten, wenn gerade kein Bedarf war, einfach gegen Geld verliehen werden. Es bestand also sehr viel Potenzial, unterm Strich große Gewinne einzustreichen - und das ist auch passiert.

    Die meisten Pflanzer hatten im Süden jedoch nur ca. 10 Sklaven. Die Super-Reichen, die über politisch cleveres Heiraten unter sich bleiben und den Aufstieg von kleineren Pflanzern in ihre Reihen verhindern wollten, kontrollierten teilweise ganze Regionen mit einem Netzwerk an Plantagen und hunderten von Sklaven. Kleinere und Mittlere Betriebe wurden verdrängt bzw. mussten auf weniger fruchtbaren Boden ausweichen. Für diese, also die Mehrzahl der Pflanzer, war ein Sklave natürlich ein größeres finanzielles Risiko, als für die absolute Oberschicht. Trotzdem wurde niemals an dieser "Institution" gerüttelt, selbst die weißen Analphabeten, die ohne Schuhe und mit zerlumpten Sachen rumliefen, konnten sich damit trösten, dass es noch eine Schicht unter ihnen gab.

    Die Sklaverei bestimmte im Süden so viel. Nur durch die Sklaverei waren die großen Baumwoll-Exporte nach England möglich, im Gegenzug importierte man Fertigprodukte aus England. Im Norden wollte man die Binnenwirtschaft stärken und erhöhte die Zölle, klar, dass sowas nicht gut ankommt im Süden.

    Wie bereits hier erwähnt wurde, wurde an der Sklaverei auch im Norden eigentlich nie gerüttelt. Man wollte politisch nur irgendwann die Sklaverei auf die Gebiete begrenzen, in denen sie existierte. Außer bei den Abolitionisten waren in der normalen Nordstaatenbevölkerung aber genauso Vorurteile verbreitet. Im Süden fürchtete man dann eine politische Benachteiligung, wenn irgendwann mehr Vertreter von Sklavenfreien Staaten als von Sklavenstaaten in Washington sitzen. Diese latente Angst, überstimmt zu werden, zieht sich durch die gesamte Zeit bis zum Krieg. Der Krieg gegen Mexiko fand großen Zuspruch im Süden, weil man sich durch Texas einen weiteren Sklavenstaat erhoffte. Schon nach der Unabhängigkeit war allen klar, ohne freie Hand in puncto Sklaverei, würden die südlichen Kolonien der Union niemans beitreten. Ich meine sogar, dass Sklaven rechtlich gesehen tatsächlich als Besitz und nicht als Mensch bewertet wurden, was natürlich ein glatter Widerspruch zur Annahme war, dass alle Menschen gleich seien etc.

    Nichtsdestotrotz stimmt es auch, wie ein anderer User schrieb, dass der Süden ab 1845 Jahr für Jahr immer weniger zum Gesamteinkommen der USA beitrug und die Preise für Sklaven kurz vor dem Krieg ein historisches Hoch erreicht hatten.
     

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