Portugal im Spätmittelalter

Dieses Thema im Forum "Westeuropa" wurde erstellt von JetLeechan, 31. Oktober 2008.

  1. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Portugal im Spätmittelalter I.



    Eine kurze Zusammenfassung einiger Entwicklungen im Portugal des Spätmittelalters. Der Fokus liegt auf der Wirtschaftsgeschichte und der Expansion des Reiches. Kann Fehler enthalten:pfeif:, inhaltliche Fehler stehen zur Diskussion, formale dürfen behalten und auf Ebay versteigert werden:D.


    Im Gegensatz zur Spanischen war die portugiesische Reconquista schon in den 1250er Jahren mit der Rückeroberung der Algarve abgeschlossen worden. Daher entwickelte sich Portugal schon früher als die spanischen Königreiche zu einer expansiven Handelsmacht.
    In den Städten kam es zur Herausbildung eines starken, die Wirtschaft tragenden, Bürgertums. Als sich das Haus Avis 1385 im portugiesischen Erbfolgekrieg durchsetzte, führte dies zur Stabilisierung und zur Einheit des Reiches.
    Die Monarchie wirkte mit immer größerem Engagement in Wirtschaft und Handel mit. Die portugiesischen Eliten profitierten vom Aufschwung der Wirtschaft über die Steuer („Der Fünfte“) und Monopolen auf Gold, Sklaven, Gewürzen und Elfenbein.
    Vor allem italienische Großkaufleute und Seefahrer ließen sich in den Dienst der Krone stellen. Sie brachten ihre technischen Errungenschaften, ihr navigatorisches Wissen und besonders ihr Kapital mit ein. Im Gegenzug profitierten sie indem sie z.B. Eroberungen von Portugal als Lehen zugewiesen bekamen.
    Lanzeretto Malocello etwa, entdeckte und besiedelte Lanzarote ab 1336, dass ihm auf 15 Jahre als Lehen zugewiesen wurde.
    Unter anderem wurden die Kanaren, Madeira und die Azoren von unter portugiesischer Flagge segelnden Italienern entdeckt und kolonialisiert.
    Warum in Portugal schon früh auf Expansion gedrängt wurde lässt sich mit dem Nahrungsmittel- und Gütermangel erklären. Vor allem Gold- und Silber waren, neben Weizen und anderen Grundnahrungsmittel, sehr knapp. Die Edelmetallknappheit lässt sich erahnen, führt man sich vor Augen das zwischen 1383 und 1435 nicht eine Goldmünze geprägt wurde.
    So war das Reich davon abhängig neue Einkommensfelder zu erschließen. Dies geschah zuvorderst in Afrika. Weizen wurde günstig aus Marokko importiert. In Nordwestafrika wurden Fischfanggründe erschlossen.
    Die Galionsfigur dieser expansiven Bewegung ist Heinrich der Seefahrer (1394 – 1460), Sohn von König Eduard I. Er baute die portugiesische Schifffahrt systematisch und auf Nachhaltigkeit bedacht, aus und machte Sagres (Stadt in der Westalgarve) zu einem Zentrum für Wissenschaft und Technik. Sein erklärtes Ziel war der Zugang zum sudanesischen Gold und den indischen Gewürzen und Edelsteinen herzustellen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Oktober 2008
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  2. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Auf welche Literatur stützt Du Dich dabei?

    Das war gewiss ein Startvorteil, den ich gern "garnieren" möchte (nach Konetzke, Geschichte des spanischen und portugiesischen Volkes [1939]):

    Die portugiesische Reconquista war "unideologischer" als die spanische, der Kreuzzugsgedanke stand weniger im Vordergrund. Dieses förderte, gerade nach der Eroberung der muslimischen Handelsplätze im Algarve, die Aneignung "der wissenschaftlichen, gewerblichen und nautischen Kenntnisse der unterworfenen Bevölkerung" (S. 96).

    Möglicherweise war die "kürzere" Reconquista auch mentalitätsgeschichtlich bedeutsam: Mit Blick auf Spanien notiert der Autor, dass die R. "die Entwicklung des Wirtschaftslebens stark beeinträchtigt und verzögert (hat). Der Krieg [...] gewöhnte gerade die tätigsten und tüchtigsten Teile der Bevölkerung an das Waffenhandwerk und führte sie zur Geringschätzung der friedlichen, gleichmäßigen Arbeit des Werktags" (S. 93). - Inwieweit diese Aussage zutrifft, kann ich nicht beurteilen.

    Abweichend hiervon (S. 95): "In Portugal [13. Jh.] bildete die Landwirtschaft die Grundlage des wirtschaftlichen Wohlstandes und entwickelte sich zu besonderer Blüte unter der Regierung des Königs Diniz [Dionysius], der auch den Feudaladel zur eigenen Bewirtschaftung seiner Güter ermunterte. [...] Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse übertrafen bald den Eigenbedarf des Landes und bildeten neben Salz und Fischen die hauptsächlichsten Gegenstände der Ausfuhr." - Es wird hier also die These aufgestellt, dass der Handel nicht aufgrund des Mangels, sondern des Überschusses in Blüte kam. Hatte sich die Ernährungslage denn im 14./15. Jh. derart einschneidend verändert?
     
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  3. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Das kann ich Dir nicht sagen, ich finde allerdings das die Vermutung nahe liegt, dass die Pest etwas damit zu tun haben könnte. Wenn ich richtig informiert bin, ist unter anderem König Eduard an derselben gestorben.

    Walter, Rolf: Geschichte der Weltwirtschaft, Stuttgart 2006.
     
  4. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Du hast vermutlich Recht! "In Portugal wurde 1350 Coimbra heimgesucht. 90 % der Einwohner sollen nach zeitgenössischen Quellen umgekommen sein, obgleich der Tod im Westen der Iberischen Halbinsel weniger heftig wütete als in Spanien" (Klaus Bergdolt, Der schwarze Tod [2000], S. 78). Das Ausmaß der Verluste ist umstritten und wird z. T. auch sehr hoch veranschlagt (http://www.viagensnotempo.com/de/histo1.html: Hälfte der Bevölkerung!). Auch interne (Bürgerkrieg 1383) und externe Probleme (bis 1385 mehrere Kriege mit Kastilien) mögen eine Rolle gespielt werden, zumal wenn man in Betracht zieht, dass die Bevölkerungsbasis Portugals insgesamt wohl recht schmal war.
     
  5. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Ich habe heute mit einem Dozenten gesprochen und mich mal erkundigt was die Motivation für die portugiesische Expansion war.

    Er sagte dass sie schon vor der Pest in vollem Gange war weil es im ganzen Reich eine Bevölkerungsexplosion gegeben hatte, ähnlich wie in Europa zuvor. Diese ist in den Jahren der Reconquista im Zaum gehalten worden durch die eifrige Teilnahme an derselben. Doch mit dem Ende der Reconquista baute sich ein Überdruck auf dessen Ventil nicht mehr geöffnet werden konnte, es seidenn, man wich aufs Meer aus.
    Dazu kam es durch die Überbevölkerung zur Nahrungsmittelknappheit, der man eben durch die Erschließung von vor allem den Fischfanggründen hat beikommen wollen.

    D.h. die Pest hat nicht direkt etwas damit zu tun.

    Dennoch hatte die Pest seltsame Folgen, die wohl noch nicht genau erforscht wurden. Deshalb ist das Folgende nur eine Ansammlung von Hypothesen.

    Die Landbevölkerung traf es besonder stark. Es war einfach niemand mehr da um die Äcker zu bebauen. Die Überlebenden waren zu wenige um alleine von der Landwirtschaft zu leben und zogen in die Städte. D.h. die Stadtbevölkerung blieb zumindest konstant, trotz Pest, gleichzeitig haben wir aber mehr Mäuler in den Städten, die ehemaligen Landbewohner können sich selst nicht mehr versorgen, zu stopfen und weniger landwirtschaftlichen Ertrag, ist ja keiner mehr da um diesen zu erwirtschaften.
    Nun wurde versucht durch Importe den Nahrungsmittelbedarf zu decken. Dadruch flossen die Gold und Silbervorräte aus dem Land und es kam zu dieser extremen Geldknappheit, die man wieder durch die Erschließung der Goldvorkommen, im speziellen denen des Sudan, hat beenden wollen.

    An dieser Stelle geht es dann weiter mit Teil II.


    Portugal im Spätmittelalter II

    Faktoren die die Entwicklung Portugals begünstigten:

    Durch die Erweiterung des christlichen Einflusses im Zuge der Reconquistas auf der Iberischen Halbinsel wurde der Südwesten Europas zunehmend in den gesamteuropäischen Wirtschaftsraum eingegliedert.
    Die neuen Kenntnisse in derNautik fürhten dazu dass sich der Landtransport immer seltener lohnte. Im 15. Jh. konnte mit demselben Aufwand 40 Mal mehr ! auf dem Seeweg transportiert werden als auf dem Landweg.
    Die im Dienste der Krone segelnden Seefahrer erschlossen nicht nur neue Nahrungs- und Geldquellen, sondern auch neue Absatzmärkte. Vor allem Marokko und der heutige belgische-niederländische Raum wurden zusehends von portugiesischen Schiffen angesteuert.
    Man hat hier also so etwas wie eine Doppelexpansion, zum Einen die Kolonialisation in Afrika und der atlantischen Inseln als auch eine Expansion in der europäischen und nordafrikanischen Märkte.
    Neue Waren machten die Portugiesen besonder gewünscht, Zucker, Gold, Sklaven, Pfeffer und Elfenbein wurden in Europa mit großem Erfolg abgesetzt. Im besonderen der Zucker entwickelte eine "eigen Dynamik" (Braudel). Sobald eine Insel kolonialisiert wurde hat man Zuckerrohr angebaut und schon bald war sie so in das bestehende Handelsnetz integriert dass sie problemlos auf eigenen Füßen stehen konnte.
    Gleichzeitig erhöhte Portugal seine Attraktivität für ausländisches Wissen und Technik indem man den Seefahrern weitreichende Privilegien einräumte.
    Neben der Vergabe von neuentdeckten Ländern als sogenannte "Kapitänslehen", die erblich waren !, bestanden diese darin dass sie Vergünstigungen aller Art und Exekutiverechte übertragen bekamen.

    Noch zwei interessante Punkte nebenbei angeführt:
    - Manchen Kolonien wurde es verboten mit anderen Waren zu handeln als jenen, die in der Kolonie selbst produziert wurden. Das impliziert doch dass man einerseits ein empfiinden für das wirtschaftliche Gleichgewicht des eigenen (portugiesischen) Systems hatte, andererseits aber musste dieser Handel mit den "eigenen" Produkten einträglich genug gewesen sein denn mir ist nicht über das Scheitern einer Kolonie in den Jahrhunderten vom 14. bis zum 16. bekannt. Vielleicht weiß da jemand mehr drüber.

    - Der Fischfang wurde auf die gesamte westafrikanische Küste ausgeweitet und ist so umfangreich geworden, dass man Teile der Ertrags nach Spanien exportierte. Das schon in den mittleren Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts, dass bedeutet doch das man die Nahrungsmittelknappheit sehr schnell in den Griff bekommen haben musste.
    Um den Gesamthandel nicht zu gefährden wurde den Kolonisten

    EDIT: So viele Reichtschreibfehler und Stilfehler das ich die jetzt nicht mehr korrigieren kann, ich bitte darum mir das nachzusehen. Aber das Thema interessiert mich deshalb wollte ich meine Gedanken schoneimal niederschreiben und sehen was von Anderen Usern noch beigesteuert wird. :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. November 2008
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hier ist Vorsicht geboten: Sudan ist im deutschen Sprachgebrauch der Name des Staates Sudan. Im Arabischen steht Sūdān aber auch für Schwarzafrika (von aswad, schwarz). Die Goldquelle schlechthin für das westmittelmeerische Mittelalter und anhängende Staaten war das Goldland Ghana (der mittelalterliche Flächenstaat ist ebenfalls nur teilidentisch mit dem heutigen Staat, er nahm weitaus größere Teile des westafrikanischen Subsahararaums ein).
     
  7. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Nach der Ära Heinrich des Seefahrers wurden sämtliche Seefahrtentdeckungsunternehmen Portugals an einen Bürger/Seefahrer verkauft. Er bekam zudem eine Insel auf den Azoren.
    Leider ist mir nicht mehr bekannt, wie ich auf diese Info komme. Gehört auf jeden Fall im Fernsehen.
     
  8. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Verpachtet wurde das sog. "Guinea"-Unternehmen, und zwar an Fernão Gomes (--> A Marinha Joaninha).
    Der war recht erfolgreich und auch vertragstreu, bemühte sich aber nach Vertragsablauf nicht um eine Verlängerung, weshalb König Alfons die Verantwortung für die Guinea-Angelegenheiten seinem Sohn Johann übertrug.
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Noch was:
    Portugal hat 1308? mit England ein förmliches Bündnis abgeschlossen, das bis heute noch in Kraft ist.

    Vom Spätmittelalter ins 21. Jahrhundert. Mit Sicherheit der Vertrag mit der längsten Laufzeit.
     

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