Preuß. Infanteriereglement 1743, Wachdienst

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Xaver, 26. April 2012.

  1. Xaver

    Xaver Neues Mitglied

    Hallo,

    das ist meine erste Frage hier und ich hoffe, nicht gleich völlig mit der Tür ins Haus zu fallen...

    Mein Problem: Ich versuche, Tagesabläufe von Soldaten und Offizieren zu rekonstruieren, aber entweder ich verstehe die Logik des Reglements nicht (sehr wahrscheinlich) oder mir fehlt eine wesentliche zusätzliche Informationsquelle (aber welche?) – oder beides.

    Fangen wir morgens an:
    Reveille, sobald man "einen Zettul lesen kann"
    Dann wird’s diffus: Es muss doch einen Morgenappell oder so etwas geben, weil ja die "Kompanie verlesen" wird (Namensaufruf); aber wann, und wo ist das geregelt? Und wer macht das, der Kompaniechef bzw der Feldwebel?
    10:30 Treffen der Wache vorm Haus des Kapitäns
    11:00 Einteilung der Wache vor des Commandeurs Quartier (der Regimentskommandeur, sprich Obrist? Oder zB auch nur der Kompaniechef, wenn kein höherer bei der Hand?) (Mich verwirrt, dass dann plötzlich von einem Platzmajor, etc die Rede ist, und davon ausgegangen wird, dass mehrere Regimenter in einer Garnison stehen. Wie läuft das bei kleineren Einheiten?)

    Praktisches Beispiel:
    Angenommen, ich habe ein Bataillon in der Stadt. Brauche ich einen Platzmajor ("starke Garnison", und wenn ja, wo bekommt man den her?)

    Und: Wie lange dauert der Wachdienst? Guddat erwähnt irgendwo 2 Tage, aber ich bin nicht sicher, worauf er sich bezieht. Krünitz erwähnt nur die Postenablöse "gewöhnlich alle 2 Stunden".

    Und: Wirklich alle Offiziere bei der Wachparade? Und warum heißt es (erinnere mich an Krünitz), dass die Parole ausgegeben wird, wenn die Wache abmarschiert ist? Wäre es nicht sinnvoll, wenn die Wache die Parole kennt?

    Fragen über Fragen. Ich entschuldige mich für mein laienhaftes öffentliches Grübeln, aber vielleicht hat ja jemand Zeit und Muße, mir weiterzuhelfen...

    Gruß
    Xaver
     
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  2. Xaver

    Xaver Neues Mitglied

    Oh-oh. Keine Idee, niemand? Sooo abseitig ist das Thema dann auch wieder nicht, oder?

    Stelle ich überhaupt die richtigen Fragen? Ich meine, kann es sein, dass ich nicht weiterkomme, weil ich die Sache irgendwie verkehrt herum angehe?
     
  3. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Als ehemaliger Matrose, der Wache noch und nøcher gegangen ist, wuerde ich vermuten, dass solche Wachdiensteinteilungen von Einheit zu Einheit, von Anlass zu Anlass høchst unterschiedlich geregelt waren - evtl. gab es gar keine allgemeinverbindl. Reglements.
    Da wird der Regimentskommandeur sich (s)ein eigenes System ausgedacht haben, oder es seinen unteren Offizieren uebertragen haben.
    Die tatsæchliche Umsetzung wird dann eine Mischung aus Gewohnheit, Tagesbefehl und Anlass/Umgebung gewesen sein.

    Ich hoffe, du bekommst noch ein paar Hinweise von den Spezialisten.
    Hier sind ja einige auch im Reenactment, die wissen sicher mehr.

    Gruss, muheijo
     
  4. Xaver

    Xaver Neues Mitglied

    Muheijo, vielen Dank!

    Du sprichst genau mein Dilemma an. Was ist zwingend vorgeschrieben, und wo hat der Kommandeur Spielraum?

    Apropos Schiff, das ist auch ein interessanter Punkt. Gerade auf Schiffen waren ja zu der Zeit die Wachdienste geregelt bis ins Detail.
     
  5. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Da bin ich mir sicher, dass Neddy und andere mehr zu erzæhlen kønnen, wenn's um die fruehere Zeiten geht.

    Bei uns war "Wache gehen" immer im Hafen angesagt - in 4 h -Schichten.
    Besonders beliebt: von 0 - 4 Uhr. Die Zeit wird laaang, ohne lesen oder æhnl. Ablenkungen, kein Hinsetzen oder gar liegen, keine Lautsprecher-Durchsagen oder Tel.Anrufe, so gut wie niemand, der an Bord kam oder von Bord ging... Und dann auch noch eine scharfe Waffe umgeschnallt, die bei der Uebergabe kontrolliert werden musste.
    Was ich da Zeit meines Lebens verloren habe!

    Gruss, muheijo
     
  6. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Wovon ich weiß, ist das Beurlaubungssystem bei den Preußen. Bis zum Kompaniechef bekam auch so ein Offizier nicht viel. 10 bis 14 Taler im Monat. Der Offiziersdienst lohnte sich dann durch das Beurlaubungssystem dann doch, denn der Kompaniechef konnte Teile seiner Leute z.B. für die Ernte und andere Arbeiten (Frondienst) nach Hause beurlauben. Der weiterlaufende Sold floss in die Taschen der Offiziere. Oft waren die Soldaten mehr zu Hause als in der Kaserne.

    Hat jetzt nichts vom direkten Tagesablauf, wirft aber ein kleines Schlaglicht.
     

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