Problematik des Militarismus im Kaiserreich?

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von Sonja, 20. Juni 2018.

  1. Sonja

    Sonja Gast

    Was für eine kontroverse oder problemorientierte Frage kann man sich bezüglich des Militarismus im Kaiserreich stellen?
     
  2. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Zum Beispiel die:
    "Warum können moderne schulpflichtige Untertanen gerade mal vier Generationen nach der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts kein Problem im Militarismus des Kaiserreichs entdecken - Hauptmann von Köpenick hin oder her?":(
     
    balkanese und thanepower gefällt das.
  3. hatl

    hatl Premiummitglied

    Da gibt es ja mehr als eine.
    Hast Du selber schon eine formulierbare Frage gefunden?

    (oder spielen wir das Spiel, nachts ist es kälter als draussen? :rolleyes: )
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Vom fachdidaktischen Standpunkt her ist das - bei aller Spitze - eine ganz interessante Frage.
     
  5. Waldi61

    Waldi61 Mitglied

    Ich verstehe den Sinn nicht, vom hohen Ross seine Spitzen zu senden. Ihr macht ja nicht mal ihre Hausaufgaben, wenn vernünftig über sinnvolle Fragen zum Militarismus diskutiert wird, die nicht unbedingt vom Ersten Weltkrieg aus gedacht werden. Man kann auch so fragen, um die Gesellschaft des Kaiserreichs zu verstehen.
    So kann man den Militarismus nicht nur politisch sehen, sondern auch als sozialen Militarismus. Dabei sind nicht die zivil-militärischen Beziehungen gemeint sondern die gesellschaftliche Basis des Militarismus. Daran kann man anknüpfen und fragen, wie sich die Struktur des Militärs durch Industrialisierung und Modernisierung veränderten.

    Oder eine andere Frage und zwar, wie das Militär das Bürgertum beeinflusste
     
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  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Das denken können wir dir nicht abnehmen, aber vielleicht einen Denkanstoß geben.

    Da sind wir gleich bei einem Problem des Militarismus. Sagt der Soldat "....Ich dachte" sagt der Vorgesetzte
    "Sie sollen nicht denken". "Nicht räsonieren, parieren-hieß es schon in der preußischen Armee.

    In Carl Zuckmayers Drama der Hauptmann von Köpenick heißt es immer Wo hamse jedient"
    Der Uniformschneider Wormser sagt. "Beim Gefreiten aufwärts fängt der Darwinismus an, der Mensch erst mit dem Leutnant.

    In Heinrich Manns Roman "Der Untertan denkt sich der Untertan Dietrich Heßling den preußischen Leutnant macht uns keiner nach.

    Die schnarrenden Leutnants gebärdeten sich wie kleine Könige.

    Das Elsaß fand schlecht und recht nur ins Reich. 1013 empfahl ein Leutnant Forster seinen Soldaten bei Streit mit Elsässern rücksichtslos von der Waffe Gebrauch zu machen. "Wenn ihr so einen Wackes (abwertende Bezeichnung für Elsässer) niederstreckt, kriegt ihr von mir noch 5 Mark"
    Das sickerte durch, und es gab Proteste, worauf angesehene Bürger protestierten. Der Leutnant wurde von Vorgesetzten gedeckt und die Protestler kurz arretiert. Daraus entstand die Zabernaffäre.

    In einem hierarchischen, autoritären System wird nicht gedacht. Es wird gehorcht. Sicher, auf der Kriegsschule wurde Offizieren beigebracht, dass sie keine sinnlosen bewfehle befolgen müssen. Etwa wenn ein Vorgesetzter befiehlt, aus dem Fenster zu springen. Ansonsten aber wurden Befehle befolgt, auch wenn es Terrorbefehle waren. Das zeigte sich im Weltkrieg, als deutsche Soldaten in Belgien. Überall wurde vor sogenannten Franctireurs, Freischärler gewarnt. Die Deutschen fielen in Belgien ein. Wasser aus Brunnen wollten sie nicht trinken, denn die hätten vergiftet sein können. Dafür gab es jede Menge Weinkeller. Am Ende gab es friendly fire, und belgische und französische Zivilisten mussten es büßen. Es wurden viele 1000 unschuldige Belgier exekutiert, und ähnliches taten die österreichischen Bundesgenossen in Galizien und Serbien. Diese Terrormaßnahmen wiederholten sich mit noch größerer Grausamkeit im 2. Weltkrieg. Befehl und Gehorsam ist das Rückgrat jeder Armee, aber es handelte sich ja nicht um "Staatsbürger in Uniform" wie in der demokratischen Bundeswehr. Den Rest kannst du dir denken.

    Noch ein Beispiel: Der berühmte Schuster Wilhelm Voigt, der "Hauptmann von Köpenick. Voigt hatte es vermutlich auf die Stadtkasse, nicht auf einen Pass abgesehen wie in Zuckmayers Drama. Voigt hatte sich beim Trödler eine Hauptmannsuniform besorgt. Dann hielt er sechs Soldaten an und befahl ihnen, den Bürgermeister von Köpenick zu verhaften. Kein Mensch wagte Voigt nach einer Order einer Legitimation zu fragen. Die Uniform war Legitimation genug. Der Streich wurde viel belacht- aber im Grunde war es extrem problematisch Die Problematik brauchst du nur zu Ende zu denken, dann kannst du deine Frage selbst beantworten. Sapere aude-wage es deinen Verstand (selbstständig) zu gebrauchen, war ein Grundsatz Kants. So etwas wie die Köpenickiade oder die Zabernaffäre wäre in einem demokratischen Staat ein Unding oder sollte es jedenfalls sein. Der schuster Voigt war noch lustig, der Leutnant Forster lästig, aber nach denen kamen andere, die schlimmere Befehle ausgaben und befolgten. Das Ergebnis ist bekannt. Was problematisch am Militarismus ist, dürfte dir nun klar sein
     

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