Probleme eines Wüsteneremiten

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von SRuehlow, 7. Juni 2006.

  1. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Ich habe mich schon länger gefragt, auf welche lebenswichtigen und notwendigen Dingen ein Wüsteneremit angewiesen ist? Wir haben das ja mal im Tread "Säulenheilige" durchdacht und ich glaube mich zu erinnern, dass viele Poeple hier im Forum begeistert mitgeschrieben haben. Ich will hier mal einen Tread, speziell für die Wüsteneremiten aufmachen. Dabei kommt es mir nicht darauf an, aus welcher Religion der "Suchende" stammt oder in welchem Teil der Welt er sich aufhält oder gehalten hat. Er ist aus einem ganz bestimmten Grund in die Wüste gegangen, um sich dort auf die Suche zu machen, etwas zu finden... sich selbst, Gott, Antworten auf ihm noch unbeantwortete Fragen, was auch immer: wichtig ist doch, dass er in der Wüste überleben muss und welche Erfahrungen er dort sammelt.
    Mich interessiert, welche Herausforderungen er überwinden musste, um in der Wüste zu überleben. Trotzdem bin ich gerne bereit, auch auf ein paralelles Thema auszuweichen, falls dies Gehör und Interesse der Forumskollegen findet.
    Ich werde hier den Begriff des "Suchenden" für meine Einleitung in den Tread verwenden. Ihr könnt Ihn übernehmen oder einen anderen Begriff nehmen, ganz wie es Euch beliebt...

    Zunächst einmal ist da die Sache mit der Flüssigkeitsaufnahme:
    Ein "Suchender", der sich in die Wüste zurückzieht, ist besonders von Flüssigkeit abhängig - mehr noch, als Stadtleute, da sich diese mehr in kühleren Gebäuden auhalten können. Vielleicht hat der Suchende ja eine Höhle oder dergleichen?! Wie besorgt er sich Wasser? Dies ist, wie ich finde die vorrangigste Fragestellung für einen Suchenden.

    Zweitens ist da die Sache mit der Nahrungsaufnahme:
    Wie beschafft er sich Nahrung? Die Wüste ist nicht gerade ein Paradis des Überflusses, eher ein Extrem, das absolut lebensfeindlich ist. In der Regenzeit gibt es warscheinlich genug, aber ansonsten wäre eine Oase in der Nähe nicht schlecht. Er kann auch von Jüngern versorgt werden, die ihn verköstigen... was ich aber denke, was nicht so oft vorkommt, denn wer in die Wüste geht, möchte alleine mit sich und der lauten Wüste sein. Also ist er darauf angewiesen, was er gerade so findet: das können Kleintiere sein, oder Insekten. Aber das deckt nicht den Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen...

    Drittens wäre das noch die Sache mit dem Schutz:
    Ein Suchender ist nicht nur den Elementen des Extremen ausgesetzt, sondern auch in vielfältiger Weise auf Schutz angewiesen. Er hat nicht eine Sonnencreme zu Hand oder einen Elektroschocker, um die neugierigen und gefrässigen Tiere abzuwehren...
     
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  2. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Mensch, SRuehlow, was hast Du vor???? Überleg Dir das lieber noch mal! Du hast ja selbst die ganzen Probleme und Nachteile angeführt!

    Eremiten brauchen eine Wasserstelle (Quelle oder Fluss), sonst kann man das ganze Unternehmen vergessen. Das ist wichtiger als feste Nahrung.

    Johannes der Täufer hat sich lange Zeit von Heuschrecken und wildem Honig ernährt. Wenigstens Kohlehydrate und Kalorien. Fehlen noch Vitamine, evtl. in Form von wilden Früchten. Da fallen mir nur Kaktusblüten (sind die essbar???) und wildes Getreide ein.

    Eine Versorgung durch mitleidige Bevölkerungsteile scheidet (im Gegensatz zu Säulenheiligen) aus, da die Eremiten von Haus aus eher zurückhaltend leben...

    Ich kann mir vorstellen, dass sie durch Meditation und Askese ihren Nahrungsbedarf auf einem sehr geringen Niveau halten können.

    Jacobum
     
  3. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Nur zu einer Sache eine Anmerkung...

    Die Blüten von Kakteen - oder genauer gesagt die Früchte - sind mW nicht bei allen Arten eßbar, aber bei einigen schon.
    Gerade im Mediterran gibt es derart eßbare und auch durchaus ganz schmackhafte Kaktusfrüchte; ich habe so etwas einmal auf der Insel Malta gegessen.
    Vielleicht nicht jedermanns Geschmack, aber eben eßbar...
     
  4. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Naja, wenn' s ums Überleben geht, ist man eher Gourmant als Gourmet...

    Jacobum
     
  5. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Der Heiligen Paulus von Theben ("der erste Eremit") wurde 60 Jahre lang durch einen Raben versorgt, der ihm jeden Tag ein Brot brachte. Als einmal der Heilige Antonius (der Große) zu Besuch war, brachte der Rabe zwei Brote. :scheinheilig:
     
  6. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ist das geschichtlich, oder Legende?
    Wieviel wiegt ein Rabe und wieviel ein Brot?
    Und länger wie 20 Jahre leben die Vögel auch nicht.
     
  7. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Ich weiß, dass einige hier rot sehen, (oder bewerten), wenn es Hinweise auf wiki gibt, aber in diesem Fall möchte ich doch einen interessanten Artikel über die richtige Ernährung empfehlen.

    Es geht um den Einsiedler Hilarion von Gaza, der mit 15 die Eremitenlaufbahn einschlug und 80 Jahre alt wurde:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hilarion_von_Gaza

    (Willst Du es Dir nicht doch noch einmal überlegen, SRuehlow?)

    Jacobum
     
  8. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Quatsch, kein rot. Von meiner Seite war das ernst gemeint.
     
  9. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Natürlich ist das die Version der Heiligenlegende. Ich habe noch mal nachgesehen, es war nur ein halbes Brot, dass der Rabe täglich gebracht haben soll. Und ich denke, man sollte sich darunter kein deutsches drei-Pfund-Brot vorstellen, sondern ein ägyptisches Fladenbrot. Ob das nun ein Rabe oder sonstwer gebracht ist eigentlich unerheblich. Aber von der Menge her ist das vielleicht tatsächlich authentisch. Nebenbei hat er vielleicht noch das was so umherkraucht gegessen - Insekten und so.
    ...und der HERR ernährt sie doch...

    Raben werden übrigens bis zu 70 Jahre alt. Krähen noch älter.
     
  10. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied


    ... und können recht gut abgerichtet werden, wie Konrad Lorenz beschrieben hat.
     
  11. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Also, nach dem Lesen des Wiki-Artikels bin ich schlauer:

    SRühlow will Eremit werden, weil er Tick, Trick und Track so bewundert:
    Und wollen sein ein einig Volk von Brüdern
    In keiner Not uns waschen und Gefahr

    Hilarion wusch sich nämlich nicht mehr! (Ist auch der guten Nachbarschaft nicht unbedingt förderlich.....)

    Außerdem steht dort, daß eine Frau nach dem gemeinsamen Beten mit Hilarion ein Kind bekam. --- Ich fürchte, SRühlow, du wirst dann ab und an wohl doch mal im Bach untertauchen müssen :pfeif:
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Also wer schon mal im Nahen Osten war, der weiß, dass es in der Nähe von Oasen sehr viele kleine Höhlen gibt, manche wurden von Beduinen bewohnt, andere von Eremiten und wieder andere von Hirten oder wurden als Gräber benutzt (die Höhlen in den Wadis östlich des Toten Meeres in die sich Bar Kokhba zurückzog und die unterirdischen Tunnelsysteme dieser Zeit lasse ich mal aus). Viele dieser Höhlen weisen menschlcihe Bearbeitungsspuren auf. Warum sind sie wichtig? Sie spenden Schatten. Man mag zwar der Meinung sein, dass, wer freiwillig in die Wüse ginge schon einen Sonnenstich habe, aber der Schatten einer Höhle kann hier ganz gut zur Prävention dienen.
    Wasser ist klar, bleibt die Versorgung. Es wurden Früchte von Kakteen angesprochen. Meines Wissens stammen Kakteen, oder doch zumindest genießbare Kakteen, urspünglich vom amerikanischen Kontinent (was allerdings noch mal zu überprüfen wäre, ich bin mir nicht sicher). Aber es gab z.B. Datteln, Zitronen u.a. Zudem hatten Eremiten den Ruf heilige Männer zu sein, von ihnen ging also Kraft, Segen, Spiritualität aus. ich denke also, das es "Jünger" gegeben haben wird, die sich um die Versorgung dieser Eremiten bemüht haben werden. Da Eremiten immer in der Nähe einer Quelle gehaust haben (zumindest die, die dauerhaft überleben wollten), werden sie auch relativ häufig Kontakt zu Karawanen gehabt haben. Im Übrigen fallen mir noch zwei WÜsteneremiten en: Jesus für 40 Tage und Moses, bevor er das Volk Israel aus der ägyptischen Knechtschaft befreite.
     
  13. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Du hast Recht; das war ein typischer Schnellschuß, ohne sich nochmals zu vergewissern.
    Der angesprochene Feigenkaktus von Malta stammt aus Amerika und wurde von Seefahrern auf die Insel gebracht. Alle bekannten Kakteen stammen ursprünglich vom amerikanischen Kontinent...
    Für das Mediterran wären bestenfalls Sukkulenten, welche analoge Wuchsformen zu Kakteen entwickeln, denkbar. Allerdings stellt sich hier noch dringlicher die Frage nach der Genießbarkeit...

    Anm.: So ein blöder Fehler; und dabei hatte ich das sogar mal im Studium... :autsch:

    Diese beiden Fälle sollten bekannt sein, wobei ich einräumen möchte, daß die zeitlichen Angaben wohl eher symbolisch denn wörtlich zu nehmen sind. Zumindest gehen die moderne Biblische Theologie und Biblische Exegese davon aus...
     
  14. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    manche könne sogar sprechen. Die Brote könnte er unter den flügeldeckfedern packen. Wenn es außerdem ein afrikansicher und kein europäischer Rabe war, dann könnte er auch einige Kokosnüsse mitdazureichen.
     
  15. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Du kleiner Witzbold.
    Fladenbrot geht bei mir noch gerade so durch. Aber einige Kokosnüsse ist wohl doch etwas derb.
     
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Kokosnüsse werden grundsätzlich nur von Schwalben transportiert!
     
  17. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin


    Aber nur von afrikanischen, nicht von europäischen!
     
  18. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Das mit dem Sprechen war ernst gemeint.
     
  19. SRuehlow

    SRuehlow Neues Mitglied

    Nun mal im ernst: Ich will ja gar nicht bestreiten, dass mich diese Eremiten irgendwie gewaltig beeindrucken, aber das mit dem abgerichteten Raben zähle ich doch eher zu den legendären Legenden!
    Ich bin der Meinung, dass sich das so ohne weiteres nicht aushalten läßt. Das mit der Höhle, dem stimme ich voll und ganz zu... ich vermute, dass ein Höhlensystem durchaus auch ein Wasserliferant sein kann, denn durch die kühle Luft könnte sich durchaus Wasser in einem Loch sammeln. Sagen wir mal ein Eremit hat eine Kaktuspflanze gefunden. Diese spendet ebenfalls das notwenige Nass, denn in ihrem Fruchtfleisch ist genügend Wasser enthalten, damit die Kaktuspflanze überleben kann, in der Hitze. Aber der Kaktus trägt nicht das ganze Jahr über Früchte, deshalb kommt eine ausreichende Versorgung hier nicht in Frage. Ebenso bin ich der Ansicht, dass man ohne entsprechenden Einsatz von Hilfsmittel diese Pflanzen keineswegs so einfach domestizieren und züchten kann. Datteln scheiden auch aus, denn diese wachsen ebenfalls nur in bestimmten Jahrszeiten und werden auch gerne von anderen Wüstenbewohnern gefuttert. Ich habe noch an Wurzeln gedacht, die in der Erde schlummern, die man ausgraben müsste, so wie die australischen Aborigines es tun.

    Was haltet ihr von der Idee einer Eremitengemeinschaft? Diese waren ja sozusagen der klösterliche Anfangspunkt. Viele Eremiten, die alle unterschiedliche Aufgaben zugeteilt bekommen, wie z.B. Wasserversorgung, Kaktus- und Dattelfrüchte sammeln, Krankenpflege, die Versorgung von Viehherden, falls solche vorhanden. Ich spreche mich hierfür aus, denn es ist logischerweise besser in einer Gemeinschaft zu leben und zu überleben, als ganz auf sich alleine gestellt zu sein.
     
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Lies die Diskussion noch mal aufmerksam daraufhin durch, was über Kakteen geschrieben wurde. :D


    Das war ein Punkt den ich ansprechen wollte - gerade fällt das erste Tor Olé Olé - aber leider vergessen habe. Auch dies kann man eindrücklich in nahöstlichen Oasen sehen.
     

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