Quellenfindung?

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von SchuelerInNot, 2. September 2016.

  1. Guten Tag,

    Meine Seminararbeit soll den Deutsch-Französischen Konflikt von 1870 bis 1963, also der Unterzeichnung des Élyssée-Vertrages darstellen. Soweit keine Probleme.

    Allerdings möchte ich zeitlich weiter zurückgehen um die Ursachen für den schon viel weiter zurückgehenden Konflikt zu liefern.

    Ich möchte kurz die Entstehungsgeschichte der Rivalität Frankreichs und Deutschlands darlegen und ebenfalls eher knapp über die verschiedenen Konflikte (bis 1870) und Auseinandersetzungen aufklären.

    Das Problem ist, dass ich bis jetzt auch mit OPAC keine Quelle gefunden habe die auf das Gesuchte zuzutreffen scheint und ich meine Seminararbeit nicht auf Wikipediaartikeln aufbauen möchte.

    Ein Link zu einer vernünftigen Seite mit Quellen oder einfach Buchtitel würden mir schon wahnsinnig weiterhelfen.

    Die Quellensammlungen die ich bis jetzt gefunden habe gehen zeitlich nicht ansatzweise weit genug zurück.


    Ich hoffe ihr könnt mir ein bisschen weiterhelfen, vielen Dank im Voraus.

    Gruß, HalbverzweifelterSchueler
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Also suchst du eigentlich keine Quellen sondern Literatur?
    Merke dir für deine historische Arbeit folgende Unterscheidung:
    Quellen sind die historischen Zeugnisse, das kann eine Urkunde sein, der Bericht eines Geschichtsschreibers, eine Rechnung oder auch eine Musketenkugel.
    Literatur ist das, was Historiker und Fachleute über einen Sachverhalt geschrieben haben. Bitte schreibe aber nicht - das ist sehr beliebt - Sekundärliteratur, denn die Unterscheidung in Primär- und Sekundärliteratur ist eine literaturwissenschaftliche.

    Du schreibst, du willst nicht auf Wikipedia-Artikel zurückgreifen. Löblich! Aber in diesen findest du häufig ein Literaturverzeichnis. Dort fändest du ggf. Literatur, etwa zum Pfälzischen Erbfolgekrieg.

    Nur fall bitte nicht auf die Rede von der Erbfeindschaft hinein, die aus einem nationalistischeren Zeitalter stammt und die zwischen 1870 und 1945 gerne bemüht wurde. Das befürchte ich anhand deiner Fragestellung nämlich. Die Rede von der dt-frz Erbfeindschaft ist eine geistig sehr verengte Rückschau auf eine bellizistische Geschichte, ziemlich unterkomplex und wird nicht einmal dann den dt.-frz. Beziehungen wirklich gerecht, wenn man diese auf die kriegerischen Auseinandersetzungen reduziert. In der Kaiserzeit mit ihren Sedanstagen war sie natürlich gewissermaßen Staats- bzw. Gründungsmythos.
     
  3. Peterchensmond

    Peterchensmond Gesperrt

    Lieber Schüler,

    bei dem Thema wäre jeder Schüler in Not und verzweifelt. Es ist zu groß für eine Schülerseminararbeit. Ich könnte Dir jetzt Einiges an Literatur nennen, frage mich, ob Du dann nicht noch mehr überfordert wärest. Bitte wende Dich an Deinen Lehrer und versuche mit ihm, sinnvoll einzugrenzen. Außerdem sollte er Dir auch ein paar Tipps geben. Man soll nicht an der Schule Uni spielen und schon gar nicht sollte ein Lehrer ein Thema vergeben, das er selber nicht bearbeiten könnte, weil hier der Anspruch einer Dr-Arbeit oder Professoren-Qualifikationssschrift gleichkommt. Suche das Gespräch mit Deinem Lehrer bitte und erkläre ihm, dass das Thema unmöglich so zu bearbeiten ist.

    Klappt das nicht, nenne ich Dir Literatur, aus der Du zur Not was basteln kannst.

    Gruß, Peterchen.
     
  4. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Hallo SchuelerInNot,

    Du schreibst:

    Und so weit, so gut, lass es doch dabei, reicht völlig.

    Denn

    führt Dich in eine weit komplexere, weit mehr europäische Geschichte hinein und aus der engeren bzw. eigentlichen staatlich-politischen Geschichte "Deutschlands" (in Relation zu Frankreich, ob König-, Kaiserreich oder Republik), dessen Beginn mit der Gründung des Kleindeutschen Reiches unter Federführung Bismarcks und Preussens 1870 verbunden wird, hinaus.

    Daher wirst Du auch schwerlich (geschichtswissenschaftliche) Veröffentlichungen finden, die mit "Deinem Thema" vor die Gründung des Deutschen (Kaiser-)Reiches 1870 zurück gehen.

    Wie EQJ schon geschrieben hat:

    Liebe Grüße,

    Andreas
     
  5. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Und war 1870 oder 1871 gemeint?

    Für die Schule ist das wirklich happig. Da empfehle auch ich, noch einmal mit dem Lehrer zu sprechen.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Man kann alle möglichen Themen in größerer Breite und Tiefe und weniger großer Breite und Tiefe behandeln. Insofern verunsichert mal den Jungen nicht, der Lehrer wird sich bei der Aufgabenstellung schon was gedacht haben.
    Im Übrigen hat Andreas mich gut übersetzt.
     
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Am Rande bemerkt und zu klischeehaften Wahrnehmungen, die auch die Erbfeindschaft zu Preußen (sic) - aus französischer Sicht - und weniger zu Deutschland insgesamt betrafen, da beispielsweise de Gaule davon ausging, "L´autre, c´est la Prusse" (ebd. S. 31) Geäußert 1962 bei einem Treffen mit Adenauer.

    Vor diesem Hintergrund schreibt beispielsweise Alfred Grosser in "Mit Deutschen streiten"

    "Doch was ist eigentlich ein Klischee?....Vor einigen Jahren, Empfang für eine französische Gruppe im französischen Generalkonsulat in Stuttgart ein Mitglied der Gruppe sagte zu mir:"Ich wußte gar nicht, daß es diese Preußentypen noch gibt" und weist auf einen kräftigen Herren mit Monokel und rasierten Nacken. "Vorsicht" flüsterte ich ihm zu, "das ist der französische Generalkonsul." (ebd. S. 34)

    Konkret zum Problem:
    Dein Problem betrifft im Kern die rasante Entwicklung in Mitteleuropa eines "militanten Nationalismus" in Kombination mit einer ebenso dynamischen "Industriealisierung". Die strukturellen Größen mußt Du in die konkrete historische Konstellationen der 3. Republik und des 2. Deutschen Reichs nach 1871 bringen und versteht dann den Konflikt um die hegemoniale Position in Europa, die zuerst Napoleon versuchte zu erlangen und dann "Preußen-Deutschland". Frankreich bzw. Napoleon scheiterte einmal und "Preußen-Deutschland" scheiterte zweimal.

    Daraus resultierte für die 3. Republik nach 1871 ein permanentes Gefühl der Unterlegenheit gegenüber "Preußen-Deutschland" und erklärt die Konfrontation der beiden Staaten und auch die französische Bündnispolitik in Übereinstimmung mit Russland und später auch mit GB.

    Konkretes Vorgehen:
    Ich würde die demografische Entwicklung beider Länder im Kern zwischen 1866 und 1945 betrachten, damit Du verstehst, warum sich Deutschland - vor allem militärisch - für überlegen betrachtet hatte und Frankreich sich alleine gegenüber dem Deutschen Reich unterlegen fühlte. Dieses kannst Du ergänzen durch die jährlich Produktion an Kohle und Stahl, um sie als Indikatoren für die industrielle Leistungsfähigkeit zu interpretieren.
     
  8. Peterchensmond

    Peterchensmond Gesperrt

    Der Schüler hat richtig erkannt, dass man für dieses Thema mindestens mit Napoleon anfangen müsste, zumindest für eine Herleitung, um es sinnvoll zu behandeln. Das geht aber nicht. Genauso wenig geht dieses Thema, soll da nicht nur eine Nacherzählung rauskommen nach dem Schema "es passierte dieses, es passierte jenes", was dann aber keine Geschichtsschreibung mit ein bisschen Analyse ist.

    Insofern würde ich, wie auch von Riothamus empfohlen, das Gespräch mit dem Lehrer suchen. Ein Par-Force-Ritt durch Kaiserreich, französische Republik, die beiden Weltkriege in die Nachkriegszeit hat in meinen Augen wenig Sinn. Das kann man machen, wenn man es auf Wiki-Niveau abhandelt, nicht aber mit Literatur.

    Wieviele Bücher soll ein Schüler nur für das nicht eben zentrale Fach Geschichte lesen? Es wäre eine Mordsarbeit und hätte in meinen Augen keinen Sinn. Und nein, Quijote, man kann nicht jedes Thema behandeln, und nein, der Lehrer kann sich dabei nicht wirklich etwas gedacht haben. Nicht umsonst fühlt sich der Schüler überfordert, das halte ich für in dem Fall normal.

    Damit es nicht so aussieht, als wären wir hier paar alte Blödels, die viel quatschen, aber nichts liefern, nenne ich Dir mal ein bisschen Literatur, die Du Deinem Lehrer mal zeigen kannst. Vielleicht hilft sie, das Thema – für das man zumindest auch Englisch und Französisch können müsste – etwas einzugrenzen (ich nenne bewusst fast nur deutsche Titel):


    Jean-Jacques Becker, Frankreich, in: Hirschfeld/Krumeich u.a. (Hg.), Enzyklopädie Erster Weltkrieg, Paderborn 2003, S. 31-43

    René Girault, Kriegseintritt Frankreich, in: Altrichter/Becker (Hg.), Kriegsausbruch 1939, München 1989, S. 104-130

    Eberhard Jäckel, Frankreich in Hitlers Europa. Die deutsche Frankreichpolitik im Zweiten Weltkrieg, Stuttgart 1966

    Michael Howart, Franco-Prussian War. German Invasion of France 1870/71, London 1967

    Sandrine Kott, Unterschiedliche Modelle der französischen und deutschen Sozialpolitik am Ende des 19. Jahrhunderts, in: Geschichte und Gesellschaft (Zeitschrift) 22 (1996), S. 311-330

    Hans-Jürgen Heimsoeth, Zusammenbruch der Dritten Französischen Republik, Bonn 1990

    Serge Klarsfeld, Vichy – Auschwitz. Die Zusammenarbeit der deutschen und französischen Behörden, Nördlingen 1989

    Ahlrich Meyer, Die deutsche Besatzung in Frankreich 1940-1944, Darmstadt 2000

    Thomas Raithel, Die innere Einheit des Kriegsbeginns als Erfahrung und Mythos in Deutschland und Frankreich 1914-1919, Francia (Zeitschrift) 24 (1999), S. 39-66

    Pierre Rosanvallon, Staat in Frankreich. Von 1789 bis heute, Münster 2000

    Jakob Vogel. Kult der Nation in Waffen in Deutschland und Frankreich 1871-1914, Göttingen 1997

    Ernst, Weisenfeld, Frankreichs Geschichte seit dem Krieg. Von de Gaulle bis zur Gegenwart, München 1997

    Andreas Wirsching, Politischer Extremismus in Deutschland und Frankreich 1918-1933/39 (Vergleich Paris – Berlin), München 1999

    Als Einstieg mit sehr vielen Literaturangaben (unten im Artikel):

    https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-französische_Beziehungen

    Dabei sollte man immer im Blick behalten, dass auch die "Erbfeindschaft" als Mythos durchaus etwas an sich hat, das man nicht verleugnen kann. Die deutsch-französische "Freundschaft" nach 1945 war zumindest etwas höchst künstliches, von oben verordnetes, und ist es in der Praxis bis heute geblieben.

    Ich weiß, wie oft ich mit diesem (in meinen Augen) sinnlosen Thema als Schüler traktiert wurde, wie plump man es uns vorführte, und wie wenig es doch der Realität entsprach, wie ich im Nachbarland feststellen musste. Aber das ist wieder ein anderes Thema. Wenn man die Beziehungen der beiden deutschen Staaten 1870-1963 behandelt, kriegen beide ihr Fett weg. Es ist eine Geschichte von beiderseitiger Arroganz und gegenseitigem Unverständnis.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. September 2016
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Man könnte jedes Thema mit der neolithischen Revolution beginnen, aber zu was führt das? Man kann die Geschichte vom Verfall des Alten Reiches bis zur Ausrufung des Kaiserreiches im Spiegelsaal in drei oder vier Sätzen abhandeln, damit ist dem Genüge getan und sich dann dem eigentlichen Thema widmen.

    Nicht, dass ich diesen Fehler nicht auch mal gemacht hätte. Meine Aufgabe war ein Vergleich der spanischen Verfassung von 1812 und der mexikanischen Verfassung von 1824. Was tat ich? Ich schrieb erst mal ein Kapitel über den napoleonischen Krieg auf der iberischen Halbinsel, eines über die Situation in Cádiz und eines über die mexikanische Unabhängigkeit. Hätte ich das tun müssen? Nein, aber eine Arbeit die 15 Seiten hätte haben sollen, hatte 40 Seiten, entsprechend ist auch die Note um einen ganzen Punkt nach unten gerutscht.

    Je nach Bundesland haben Schüler für eine solche Arbeit bis zu einem Jahr Zeit. Und von ihnen wird auch nicht mehr verlangt als von einem Studenten im Proseminar.

    Fühlt er sich denn überfordert oder projezierst du es nur in ihn hinein? Lesen wir doch noch mal seine tatsächlichen Ausführungen:

    Hervorhebungen durch mich. Liest sich so jemand, der sich durch die Aufgabenstellung überfordert fühlt?
     

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