Rad oder Galgen?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von ketzer97, 10. Januar 2012.

  1. ketzer97

    ketzer97 Neues Mitglied

    Das Thema ist zwar ein bisschen makaber, aber trotzdem interessant :devil::

    Im Mittelalter war für Mord ja in ganz Europa im Normalfall die Todesstrafe angesagt. Der Edelmann konnte sich im Ende zumindest noch die schmerzlose Enthauptung gönnen; für das gemeine Volk aber waren eher qualvollere Hinrichtungsarten wie Rädern oder Henken vorgesehen.

    Meine Frage ist nun: Lässt sich irgendwie feststellen, in welchen Teilen des Reichs oder auch ganz Europas das Rad die übliche Bestrafung für Mörder war und in welchen Erhängen? Mit Berichten aus verschiedenen Regionen sollte man doch eigentlich einiges herausfinden können. :grübel:
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es gab zwar tatsächlich bei den Hinrichtungsarten eine Berücksichtigung des Standesunterschiedes und die Enthauptung war tatsächlich den Edelleuten vorbehalten - wiewohl ich das Adjektiv schmerzlos wohl eher würde zurückweisen wollen, es ist wohl auch so, dass die Enthauptung für die Henker ein gewisses Risiko barg, denn wenn dder z.B. in die Schulter schlug - und damit dem Delinquenten Qualen bereitete, konnte das leicht unangenehm für den Henker werden - allerdings liegt der Unterschied zwischen Rädern und Hängen nicht im Stand begründet, sondern im Vorwurf. Sowohl hängen als auch rädern waren entehrende Strafen und sie wurden angewandt, wenn eine Tat heimlich geschah.
    Einfacher Diebstahl wurde mit Hängen, Raub, Mord, der Diebstahl gegen Mühlen, Friedhöfe und Kirchen, Verrat und Brandstiftung mit Rädern bestraft. So zumindest der Sachsenspiegel, weniger detailliert auch im Landfrieden von Heinrich VII. Auch der Mörder Engelberts von Köln, der selber ein Landgraf war, also nicht gerade irgendwer, wurde gerädert.
     
  3. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Da bin ich mir nicht mal sicher,ob Hängen und Rädern tatsächlich regional unterschiedlich angewendet wurden oder ob sich das nicht eher nach der Schwere des Verbrechens richtete-Rad und Galgen kommen auf Abbildungen oft zusammen vor und Rädern stellt sicherlich noch eine unangenehme Steigerung zum Hängen dar.
    Ich meine z.B. mal gelesen zu haben, daß Hochverräter , Mehrfachmörder und Kirchenräuber gerädert worden sein sollen.

    (Upps,ElQ,da haben wir uns überschnitten)
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Januar 2012
  4. ketzer97

    ketzer97 Neues Mitglied

    Wenn Rädern also die schwerste Strafe war, noch schlimmer als Hängen, kann mir dann mal jemand ein kurze Aufstellung machen, bei welchen Verbrechen welche Art der Hinrichtung zum Zuge kam? Mir geht es vor allem um einmaligen Mord.

    Und "einfacher Diebstahl" kostete den Kopf? Ich glaube mal irgendwo gelesen zu haben, dass für Klauen von geringwertigen Sachen eher Geld- oder Leibesstrafen vorgesehen waren und erst für Diebesgut von hohem Wert oder Raub der Henker kam.
     
  5. ketzer97

    ketzer97 Neues Mitglied

    Dubdidubdidu... betretenes Schweigen...:S
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Steht doch da:




    In der rechtlichen Praxis mag das anders ausgesehen haben. Um den sozialen Frieden zu bewahren, schickte man Leute, die straffällig geworden waren, häufig auf Pilgerfahrt, in der Hoffnung, dass sie den Strapazen und Gefahren der Reise erliegen würden. Besondes gerne schickte man Leute nach Santiago, so dass im SpätMA der Begriff Santiagopilger einen regelrecht pejorativen Klang bekam, weil er als Euphemismus für Kriminelle gebraucht wurde.
     
  7. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Nun man muß unterscheiden zwischen weltlichen und geistlichen Strafen-
    die Wallfahrt oder die religiöse Stiftung sollte ebenso wie die Auferlegung von Gebeten der Sündenabbüßung dienen und gehörte zu den geistlichen Strafen.
    Die weltlichen Strafen dagegen dienten primär der Abschreckung und waren Lebens- und Leibesstrafen oder Strafgelder.
     
  8. ketzer97

    ketzer97 Neues Mitglied

    Noch was:

    1. Wurde das in anderen Ländern des lateinischen Europas ebenso gehandhabt? In Frankreich zum Beispiel hört man sehr oft vom Vierteilen, was im Reich überhaupt nicht vorkam und die Engländer kannten auch noch einige andere Abscheulichkeiten, während in deutschen Quellen fast nur Rädern oder Henken vorkommen.

    2. Seit wann wurde beim Erhängen die Falltür benutzt und was war davor gebräuchlich, um den Verurteilten stürzen zu lassen?

    Wäre nett, wenn jemand mir etwaiges Wissen darüber auch noch nahebringen könnte. :winke:
     
  9. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Dazu gibt es ein Standardwerk. "Rituale der Vergeltung", Richard J. Evans, Die Todesstrafe in der deutschen Geschichte. 1532 - 1987. Inkl. Anmerkungsapparat und nach Auflage ca. 1.315 S., ISBN 3 46340400 1, Kindler, Hamburger Edition.

    M.
     
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  10. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Früher gab es verschiedene Möglichkeiten. Das übliche war, daß der Verurteilte eine Leiter hinaufsteigen mußte und dann vom Henker hinuntergestoßen wurde. Andere Möglichkeit war, ihn auf einen Karren zu stellen und dann wegzufahren, mitunter wurde er auch mit dem Strick um den Hals hochgezogen.
     
  11. Cécile

    Cécile Neues Mitglied

    Oh, wann die "humanere" Methode mit der Falltür eingeführt wurde würde mich auch mal interessieren. Ich würde spontan und wenig präzise auf das 19.Jh. tippen.

    In dem englische Lied "Sam Hall", von dem ich vermute dass es aus dem 18.Jh. ist, heißt es noch "up the ladder I did grope, and the hangman pulled the rope"
     
  12. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Auch in Frankreich wurde gerädert. Allerdings wurden da dem Delinquenten nicht die Knochen mit einem Rad sondern mit einem eisernen Knüppel gebrochen.
     
  13. Soralion

    Soralion Mitglied

    Noch eine Grausame Hinrichtungsmethode

    Ich glaube irgendwo mal gelesen zu haben, dass man in England, z.B. Giftmörder bei lebendigem Leib kochte.
     
  14. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied



    Im Rheinland haben die oft recht ruppigen Santiagopilger bis heute kulturelle Spuren hinterlassen. So zum Beispiel in der Institution des "Köbbes" wie man dort Biergärten oder Lokale nennt, wo Altbier ausgeschenkt wird wird und ein derber Umgangston der Bedienung zum kulturellen Markenzeichen wurde.

    Etliche Jakobspilger kamen offenbar gar nicht bis Santiago de Compostela, sondern blieben am Rhein hängen und versuchten sich in der Gastronomie. Köbes ist die rheinische Verballhornung von Jakob, und der raue Umgangston der "Köbesse" wurde zu einem Markenzeichen, so dass Köbbes schließlich zum Synonym für einen "Biergarten" oder Lokal wurde.
     
  15. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Die Falltür am Galgen scheint im Lauf des 19. Jh. etabliert worden zu sein. Makaber mutet an, dass hierfür allerlei geforscht und berechnet wurde, z.B. dass bei einem zu tiefen Fall nicht der Kopf des Delinquenten abgerissen wird (was gelegentlich vorgekommen sein soll).

    Grausig makaber Heinrich Heines Bezeichnung "Meister Zappelbein" für den erhängten Delinquenten...
     
  16. rose.linden

    rose.linden Neues Mitglied

    dazu hab ich eine zwischen frage ist friedrich v isenberg der einzige gewesen der für den tot von engelbert I verurteilt wurde?
    seinen brüdern ist so weit ich weiß nichts passiert obwohl sie ihm ja zur flucht verhielfen
    und es gab jawohl noch mit verschwörer die von engelberts tot provitiert haben
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Januar 2012
  17. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das passiert sogar in unserer Zeit noch. Saddam Husseins Halbbruder Barzan wurde der Kopf durch einen zu langen Fall beim Hängen abgerissen.
     
  18. ketzer97

    ketzer97 Neues Mitglied

    Es ließ sich nicht beweisen, dass Bruno und Engelbert in die Sache verwickelt waren; außerdem vermutet man heute eher andere Grafen als Drahtzieher und nicht seine frommen Brüder.
     
  19. rose.linden

    rose.linden Neues Mitglied

    nein seine brüder meinte ich auch nicht als mitverschwörer sie haben wohl nur versucht ihrem bruder den tod zu ersparen.
    mich interessieren eben diese anderen grafen
    lg
     
  20. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Eine umgekehrte Panne ereignete sich bei der Exekution von Ribbentrop und anderen Kriegsverbrechern. Der Henker hatte den Gewichtsverlust der Delinquenten nicht berücksichtigt, den sie in Haft hatten, so dass der Scharfrichter Hand anlegen musste, um "von Ribbensnob" in die ewigen Jagdgründe zu befördern.
     

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