Rätselraten zu lateinischen Abkürzungen

Dieses Thema im Forum "Historische Hilfswissenschaften mit Genealogie" wurde erstellt von Mucius, 4. Januar 2021.

  1. Mucius

    Mucius Neues Mitglied

    Liebe Forumsgemeinde,

    ich forsche gerade zu einer Hausgeschichte. Dabei transkribiere ich einen Auszug aus einem historischen Grundbuch.
    In einem Eintrag um das Jahr 1700 ist die Ausstellung eines Schuldbriefes erfasst. Dieser Eintrag endet mit einer größtenteils in Latein abgefassten Schlussformel, die den Vorgang der Unterzeichnung bzw. Siegelung des Briefes beschreibt, nur schaffe ich nicht, den genauen Sinn zu übersetzen.

    Der besagte Satz ist am Anfang und am Ende auf folgendem Bild mit rot markiert:

    [​IMG]
    [​IMG]

    https://www.directupload.net/file/d/6053/lbzqdh74_jpg.htm

    Folgendes vermeine ich zu entziffern:

    cum litt: et rerum nat: fol: sigln die debitores selbstn. actum ut supra.

    (Das fettgesetzte ist in lateinischer Schrift und das normal gesetzte in deutscher Kurrentschrift verfasst.)

    Statt „cum“ (= mit) könnte man auch „eum“ (= ihn) lesen, denke aber, dass dies unpassend wäre.
    Die Abkürzung „litt:“ ist wahrscheinlich mit einer Form von „litterae“ (= Brief) aufzulösen.
    Das Wort „et“ (= und) ist klar.
    Bei dem Wort „rerum“ (= Sache/Ding) bin ich mir nicht sicher, ob dieses so zu transkribieren ist.
    Gleiches gilt für die Abkürzungen „nat:“ und „fol:“ oder sind diese als „not:“ und „sol:“ zu lesen? Außerdem verwirrt mich der kleine Haken, der über dem a bzw. o bei „nat:“ gesetzt ist.
    Der Rest ist klar: Es geht mit „sigln die“ (= siegeln die) in Deutsch weiter, gefolgt vom lateinischen „debitores“ (= Schuldner) und wieder vom deutschen „selbstn“ (= selbst). Der letzte Satz „actum ut supra“ war eine gängige Wendung am Ende von Dokumenten mit der Bedeutung „verhandelt wie oben (geschrieben)“.

    Vielleicht kann hier jemand weiterhelfen und genaueres erkennen oder einen Sinn vermuten.
    Vielen Dank schonmal für die Mühen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Januar 2021
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich kann es mir gerade nicht ansehen, würde aber mutmaßen, dass es sich um Kürzungszeichen handelt.
    fol könnte folium (Blatt) bedeuten, nat vielleicht für natura stehen.

    Du hast ja schon erkannt (und ich unterstelle mal, dass das richtig ist, weil man das üblicherweise so handhabte), dass der Text in deutscher und lateinischer Kurrent geschrieben ist. Das lange S ist normalerweise ein Spezifikum der deutschen Kurrent (ich habe zwar schon andere Texte mit langem S gesehen, aber das kommt eher selten vor). Also sollte fol. wohl mutmaßlich stimmen (wie gesagt, ich kann gerade nicht drauf zugreifen).
     
  3. Mucius

    Mucius Neues Mitglied

    Schon mal vielen dank für deine Antwort El Quijote.

    Ich habe nun das Bild auch direkt in den Beitrag eingefügt.

    Die Schreibweise des "s" unterscheidet der Autor hier nicht konsequent, bsp. bei dem lateinischen Wort "supra" verwendet dieser auch ein langes "s".
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Ich lese auch nat: und fol:; die Wörter mit dem "heruntergezogenen n" am Schluss würde ich mit gartten, bemellten, siglen, selbsten etc. transkribieren.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Schon ne fiese Schrift. Respekt für die Lektüreleistung.
    Müsste es nicht cum littera/is heißen? Wobei dann auch statt rerum es rebus heißen müsste.... Bin also wahrscheinlich auf dem falschen Dampfer
    "Mit Buchstaben und rerum nat. sol[len] si[e]g[e]ln die Schuldner"
    Gegen diese Lösung sol statt fol spricht natürlich das gänzlich anders aussehende <s-> bei siglen und selbstn
    Was steht denn in der 2. Zeile des Ausschnitts?
    Langenmantl Mangold f/s____ und f/s_____ heute mit dem
    _______ und bemerkte.... -
    echt fiese Schrift
     
  6. Mucius

    Mucius Neues Mitglied

    Also vor dem Satz ist auf dem Bild noch zu lesen:

    [...]
    des Inneren Raths vndt Steurherren, wie auch He[rr]n Georg Christoph
    Langenmantl Mangold Handlsmann Haussern hinten mit dem
    Gartten an bemellten He[rr]n Gustav Adolph Sulzers Gartten, vndt
    vornen auf Reichsstraß stoßent so freis aigen ist.

    Dabei habe ich die Anregung von Sepiola übernommen das "heruntergezogene n" am Schluss als "en" zu transkribieren.
    Einfach ist die Schrift tatsächlich nicht. Wie man hier sieht, kann ein langer geschwungene Strich nicht nur ein s oder f sondern auch ein h sein.
     
    El Quijote gefällt das.
  7. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Ist das zufällig aus dem Stadtarchiv Augsburg?
     
  8. Mucius

    Mucius Neues Mitglied

    Fast richtig ;)
    Das sind Auszüge aus den Grundbüchern der Reichsstadt Augsburg, die im Staatsarchiv Augsburg gelagert werden.
     

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