Rasputins Ermordung Ziele Folgen

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von schaf, 11. Oktober 2020.

  1. schaf

    schaf Mitglied

    "Die Autorität des Zaren bei den Bauern litt also schwer: er war nicht mehr der Vater der russischen Bauern, sondern mehr ein Vertreter des russischen Adels, der einen der ihren ermordete."
    War Rasputin so beliebt ?
    War er so wichtig ?
    Die Mordmotivation ist mir auch nicht klar. Er war schon seit Kriegsbeginn für Kriegsende. Warum wollten seine Mörder weiterhin Krieg ?
     
  2. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Der sibirische Prophet...

    Ich meine der erlangten Einfluss vor allem auf die Zarin Alexandra (Alix von Hessen-Darmstadt - 06.06.1872 – 17.07.1918) wurde Григорий Ефимович Распутин zu Verhängnis.

    Grigori Jefimowitsch Rasputin, geb. 09.01.1869/jul. Kalender - Ermordung 17.12.1916/jul. Kalender.
    Ermordung wohl nicht durch Gift - Zyankali, sondern Kopfschuss von hinten.

    Einer vom Dorf Pokrowskoje, ein Bauernsohn, zwar etwas in der Welt herumgekommen, auf der Suche wohl nach spirituellen Frieden, er erlangte politischen Einfluss auf den Zar und seiner Frau, weil er den Zarewitsch – Bluterkrankheit – mit Erfolg in einer kritischen Situation half/heilte, aber nicht endgültig von der Bluterkrankheit.

    Er erlangte politischen Einfluss in einer kritischen Situation Russlands. (I.Weltkrieg, gerade Februarrevolution überstanden, Lenin im Exil, Menschewiki u.v.a.m.).

    Das ging den Petersburger - Hofstaat gegen den Strich.

    Zur Geografie seiner Herkunft...

    Das Dorf Pokrowskoje liegt am linken Ufer der Tura, 80 km östlich der Stadt Tjumen in Westsibirien. Dieser Fluss - - Tura - ist ein langer Nebenfluss des Tobol. Der Tobol gehört zum Fluss -System des OB (Ob mündet ins Nordpolarmeer).
    Das Einzugsgebiet des Fluss Tobol ist ca. 20 % größer als die Gesamtfläche der BRD.
     
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  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Ein wenig eigene Vorarbeit darf man durchaus erwarten. Ansonsten ist Wiki relativ ausführlich zu diesem Thema. Letztlich ging es um Machtfragen, die an Höfen nicht selten durch Mord geklärt wurden.
     
  4. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Mal nebenbei...

    Wir hatten nun schon:

    · Den „Engel von Sibirien“, die Schwedin E. Brändström.

    · Die „Prinzessin von Sibirien“. Die Russin M.N. Wolkonskaja.

    · Und jetzt den „Propheten von Sibirien“. Den Russen Ra ra Rasputin (Boney M.).

    Schauen wir mal was es noch alles gibt.

    Immerhin, etwa 30 verschiedene indigenen Völker leben in diesem Gebiet.
     
  5. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Auf Wie wurde Rasputin ermordet und was haben die Briten damit zu tun?
    ist die Leiche Rasputins zu sehen. Er wurde durch den Schuss in die Stirn getötet, nachdem Gift und andere Schüsse nicht genügten. Auf der Basis dieses Fotos und Schussversuchen mit verschiedenen Waffen konnte mit großer Wahrscheinlichkeit festgestellt werden, dass keine bekannte russische Waffe ein solches Einschussloch erzeugt. Man fand heraus, dass ein Revolver englischer Bauart zum Einsatz gekommen sein müsse, der als Agentenwaffe des britischen Secret Service bekannt war. Alle darüber hinaus gehenden Schlussfolgerungen bewegen sich im Bereich reiner Spekulation.
     
  6. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    "Heute ist Russia Beyond ein multimediales Online-Projekt mit Ablegern auf sozialen Medien wie Instagram und YouTube. Zielsetzung ist, ein positives Bild der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Russland zu zeichnen. RBTH gehört als Teil der Rossijskaja gaseta der russischen Regierung." wiki

    Ich weiß nicht, ob RBTH angesichts aktueller englisch-russischer Spannungen, ein objektives Bild auf Rasputin und die Briten werfen kann.
     
    Turgot, Pardela_cenicienta, hatl und 2 anderen gefällt das.
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Um es noch etwas deutlicher zu sagen. Wer im Moment "Russia Beyond" zitiert, um den Secret Service mit einem historischen Mord in Russland in Verbindung zu bringen, setzt sich der Vermutung aus, dass man argumentieren möchte, dass Geheimdienste schon immer im Ausland getötet hätten. Ein Schelm, der Böses denkt und aktuelle Ereignisse mit denkt.
     
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  8. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Unabhängig davon ist es aber ein Schuss mit einer aufgesetzten Waffe, und ganz sicher nicht mit einem runden Lauf, die Aufsetzmarke ist rechteckig-oval.
     
  9. hatl

    hatl Premiummitglied

    @Pardela_cenicienta ,
    ich nehme an Du beziehst Dich hier auf das letzte Bild des von @Opteryx eingestellten Links.
    Man sieht da eine rautenförmige Stirnwunde. (Wieso sollte das überhaupt von einem " Schuss mit einer aufgesetzten Waffe" stammen, wenn es nicht etwa eine Armbrust war?) Also, wie Du schon sagst, man kann hier die Darstellung bezweifeln.
    Umso mehr, als die Aussage
    aus der verlinkten Quelle nicht hervorgeht.
    Im Gegenteil, die Fragwürdigkeit der These eines britischen Komplotts zur Ermordung des Rasputin, wird ausdrücklich hervorgehoben.
    Wie also, @Opteryx, kommst Du zu Deiner von mir zitierten Aussage?
     
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  10. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Hallo


    Zumal sich die russ. Aristokraten einen solchen engl. Revolver bestimmt beschaffen konnten. Ich glaube kaum,daß dies ein Hindenis gewesen wäre.

    mfg
    schwedenmann
     
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  11. corto

    corto Aktives Mitglied

    Ich schätze mal es geht um die Revolver von Webley & Scott.
    Diese haben alle diesen eckigen Lauf und waren seit 1887 sowohl im britischen Militär als auch bei der Polizei im Einsatz.
     
  12. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    In meiner angegebenen Quelle ist der Revolver abgebildet. Die von mir erwähnten Tests stammen aus einer älteren Quelle mit Großaufnahme des Einschusslochs, die ich aber nicht mehr finde.
    Du legst zu viel hinein. Ich habe nicht spekuliert, sondern ausschließlich den Sachverhalt dargestellt. Kein Wort einer Schuldzuweisung.
     
  13. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Sicherlich. Damals war auch die zugehörige Munition verfügbar.
     
  14. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Der russische Standard-Revolver war besser.
    Nagant M1895 – Wikipedia
    Er hatte keinen Luftspalt, deshalb keinen Druckverlust und konnte hervorragend schallgedämpft werden.
     
  15. corto

    corto Aktives Mitglied

    Ich habe den Link jetzt mal auf dem Handy geöffnet und es ist wie vermutet ein Webley (chambered in 0.455)
    Warum es gerade ein new model Army mark V sein muss erschließt sich mir nicht aber sei es drum.

    @Opteryx
    ja der Nagant M1895 ist mir wohlbekannt.
     
  16. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Über eventuelle Motive und zur Tat kann man in academia.edu nachlesen .
    Rasputin als Kriegsgegner und die Hintergründe seiner Ermordung
    Der Text ist leider nicht kopierbar. Hier wird auf einen britischen Täter geschlossen, der eine Webley besaß und noch mal auf Geschosspuren hin gewiesen, die einen Einsatz dieser Waffe wahrscheinlich machen.
     
  17. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Zur historischen Einordnung. "None of Nicholas`s relatives exercised a great influence on Russian foreign policy during the prewar years.....there is no evidence that neither she [die Zarin] or her protege, Grigorii Rasputin, had any influence on Russian foreign policy before 1914" (Lieven, S. 104)

    Für das Jahr 1917 resümiert Lieven: "Grigorii Rasputin`s influence on policy was grossly exaggerated then and has ever been ever since: .....But the mere presence of such figure anywhere near the monarch was desastrous and dig great damage to the regime`s legitamcy.....Mad but damaging gossip even accused Queen Victoria`s prim granddaughter of carrying on sexual relationship with Rasputin. Instead of being a key focus for patriotism, the monarchy was widely seen by January 1917 as the major obstacle to victory."(Lieven, S. 347)

    Bei seinen Darstellungen zu Rasputin bezieht sich Lieven auf Fuhrmann (1990).

    In seiner "Introduction" referiert Furhmann (2013) den aktuellen Stand der historischen Forschung zu der Biographie von Rasputin und geht auch auf die - revisionistischen - Arbeiten zu seiner Ermordung ein.

    Oleg Shishkon war der erste, der behauptete, das der "British Secret Intelligence Service" (BSIS) hinter der Ermordung von Rasputin stecken würde. Auf dieser Linie schrieb Andre Cook das Buch "To Kill Rasputin: the Life and Death of Gregorii Rasputin" (2005). Richard Cullen setzte diese revisionistische Sicht mit seinem Buch "Rasputin: the Role of Britain`s Secret Service in his Torture and Murder" (2010).

    Insgesamt resümiert Fuhrmann in seiner "Introduction" die Argumente der "Revisionisten" dahingehend: "...I cannot agree that British Intelligence agents were deeply involved in Rasputin`s assasination..."

    Insgesamt wären die historischen Rahmenbedingungen, die die Rolle von Rasputin am Hofe des Zaren erst ermöglicht haben, sowie die ländlichen Wurzeln und seine Weltsicht ausgesprochen spannende Aspekte.

    Fuhrmann, Joseph T. (1990): Rasputin. A life. 1. publ. New York, NY u.a.: Praeger.
    Fuhrmann, Joseph T. (2013): Rasputin, the untold story. Hoboken, NJ: John Wiley.
    Lieven, Dominic (2015): Towards the flame. Empire, war and the end of Tsarist Russia. London: Allen Lane.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Oktober 2020
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  18. hatl

    hatl Premiummitglied

    Das ist das eigentlich Interessante.
    Wie tickten die zu der Zeit?

    Ich versuche mal ein paar Bruchstücke auf die Leinwand zu werfen .
    Dominic Lieven (Nicholas II) schreibt z. B. Rasputin sei tatsächlich in der Lage gewesen die Blutungen des kleinen Zarewitsch zum Stillstand zu bringen. Für diese Tatsache sei keine ausreichend plausible medizinische Erklärung zu finden. Jedenfalls aber sei der Einfluss des Rasputin auf das Zarenpaar dieser Fähigkeit entsprungen. („Rasputin‘s hold over Nicholas and Alexandra was rooted in his unique ability to stop bleeding when Tsarjevitch Aleksei had one of his attacks.)
    Das Zarenpaar trifft den Rasputin erstmals im im Herbst 1905.
    Die Zarin ist ziemlich runter mit den Nerven. Die Revolution und der gesundheitliche Zustand des erst einjährigen Thronfolgers, ihres einzigen Sohnes, haben sie in Angst und Schrecken versetzt. („caused her huge anxiety“)
    Vier Töchter hat sie bereits vorher geboren. Und nun, als sie endlich einen männlichen Nachkommen* zur Welt bringt, hat dieser die tödliche Erbkrankheit Bluter, die in ihrer Verwandtschaft bereits Opfer forderte. 1)

    Vorgestellt wird Rasputin dem Kaiserlichen Paar durch den Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch, der Mann der Anastasia von Montenegro. Letztere ist eine Busenfreundin der Zarin. Beide sind das was wir heute esoterische Spinner nennen würden. Und der Zar Nikolaus II ist es sicher auch.

    Graf Witte, lässt sich wenig über Rasputin aus, interessanter Weise nur über seine Freundschaft zu Sasanov, was durchaus erstaunlich ist 2).

    Doch findet sich in seiner Beschreibung ein Vorgänger Rasputins: Philippe von Lyon. Ein offenkundiger Scharlatan, der nächtlich okkulte Totenbeschwörungen mit dem Zaren, seiner Gattin und auch den montenegrinischen Prinzessinnen (Anastasia und Miliza) samt ihrer Gatten zelebriert. 3) (Eben mit jenen, die den Rasputin 1905, dem Jahr der großen Krise der Herrscher, staatlich wie auch persönlich, herbeibringen.)
    Dieser Philippe steigt zum Sektenführer in Russland auf, nachdem für ihn in Frankreich die Luft brenzlig wurde.
    Er huldigt nicht nur dem Okkultismus, sondern auch dem Seraphim von Sarow. Dessen Heiligsprechung drückt das Zarenpaar anmaßend gegen den Widerstand des erbosten Klerus durch.
    Diese erfolgt 1903, und ist laut Lieven das wahrscheinlich erhabenste (most uplifting) religiöse Erlebnis ihrer gesamten Regierungszeit. 1)

    Der Philippe wird schließlich durch einen Bericht Rachkovsky‘s, dem Chef der russischen Geheimpolizei Ochrana, sozusagen zur Strecke gebracht, sprich seines Einflusses beraubt.
    P. stirbt 1905. Just in dem Jahr als der Krieg gegen Japan ein übles Ende nimmt, eine gefährliche Revolution das Zarenreich erschüttert und das unglückliche Zarenpaar erkennen muss, dass der kleine Zarewitsch von einem grausamen Schicksal bedroht wird.

    Und 1905 wird Alexander Gerassimoff Chef der Petersburger Ochrana.
    Er beschreibt 4) Rasputin als einen Wüstling und Betrüger den „man auf Kanonenschußweite nicht nicht zum Zarenschlosse zulassen durfte“
    Wie auch Rachkovsky vor ihm zu Philippe, stellt er Nachforschungen zu Rasputin an, doch gelingt es ihm nicht diesem den Einfluss auf das Reich zu entziehen.

    Das Zarenpaar ist aus der Welt gefallen und findet sich doch mitten in dieser, wenn auch verwirrt.

    ------------------

    * nur ein solcher kann Zar werden. Eingeführt hat m.W. diese närrische Regelung Paul, der Sohn von Katharina II, der seine übergroße Mutter hasste.


    1) Lieven, Dominic (1996): Nicholas II. Twilight of the Empire. 1. ed. New York: St. Martin's Griffin.
    2) https://archive.org/details/memoirsofcountwi00wittuoft S. 390Ff
    3) Ebenda: Witte S. 198Ff
    4) Alexander Gerassimoff – Der Kampf gegen die erste russische Revolution – Verlag Huber & Co. - 1934 , S. 231ff
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Oktober 2020
  19. hatl

    hatl Premiummitglied

    Das mag sein, und letzter Satz ist es wohl.

    Doch sein politischer Einfluss auf das Zarenpaar war wohl unverkennbar, und es gab Grund zu der Annahme, dass dieser sich auch auf die Ernennung von Ministern erstreckte.
    Sanborn beschreibt den Sommer 1916 als „era of ministerial leapfrog“, Zeit des schnellen Personalwechsels der Minister.
    Derweilen die Regierung unter dem Druck des Krieges und der schlechten Ratschläge Rasputins und der Zarin, ständig um einen Weg durch die Hindernisse kämpfte.
    (when the government churned constantly under the pressure of war and of the bad advice of Grigorii Rasputin and the empress.) 1)

    Zu dieser Zeit ist auch längst erkennbar, dass NGO‘s (hervorgehoben durch den Allrussischen Verband der Zemstvos und Städte, nebst Fürst Lwow) bemerkenswert effektiv das immer deutlicher werdende Versagen des Staates für die Bürger mildern.
    Und so auch von einer neuen Ordnung künden.
    Als sich diese schließlich am Ende des Jahres 1916 machtvoll formiert, wird Rasputin ermordet.
    Und mit ihm ein hervorgehobenes Symbol einer Herrschaft die ihre Legitimität verspielt hat.
    Es wird dem Zarenpaar auch eine als wesentlich empfundene Stütze ihres Lebens auf grausame Weise genommen.
    Die Kugel, die den Rasputin niederstreckte, traf auch sie und war vielleicht vorrangig auf sie gerichtet.

    Wie dem auch sei, Rasputin bleibt ein Akteur an dem sich Formen eines bizarren Untergangs kristallisieren.

    ----------
    1) Sanborn, Joshua A. (2015): Imperial apocalypse. The Great War and the destruction of the Russian Empire. Oxford, New York, NY: Oxford Univ. Press. S.183 ff
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. November 2020
    Turgot, Scorpio, Ralf.M und 2 anderen gefällt das.

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