Rasputins Ermordung Ziele Folgen

Huh, das ist jetzt eine gute Frage. Da habe ich vielleicht etwas zu weit ausgeholt.

Ich habe einiges über Russland gelesen bin mir jetzt nicht mehr ganz sicher, wo ich das gelesen habe. Ich glaube, ich habe es aus der Alexandra Biografie von Carolly Erickson. Ich bin aber sehr skeptisch bei dem Buch. Dort steht das Alexandra, in Folge eines Unfalls aus Kind (sie stürzte in eine Glasscheibe) Gehbehindert war und brauchte oft einen Rollstuhl, weil sie so starke Schmerzen hatte und nicht gehen konnte. Das habe ich nur dort gelesen. Ich habe immer mal versucht herauszufinden, ob das „stimmt“. Aber nie wurde es woanders erwähnt. Auch auf den Filmaufnahmen von ihr sieht man nichts von einem unrunden Gang.

Es kann aber auch aus Russland- die Tragödie eines Volkes von Orlando Figes. Bei aller sprachliches Wucht, des Buches habe ich auch da meine Zweifel. Vor allem am Ende als er behauptet das Kirow wirklich versuchte Stalin zu Stürzen wurde ich sehr skeptisch. Das hallte ich für eine Legende. Aber das ist ein anderes Thema.

Geschichte Russlands von Manfred Hildermeier habe ich auch gelesen. Ob es da war? Das habe ich aber als sehr gutes und glaubwürdiges Buch in Erinnerung. War aber mit über 1300 Seiten Text eine große Herausforderung.

Aber ich tippe jetzt als Erstes auf Erickson. Das ist aber eine fragwürdige Quelle. Ist jetzt keine wirklich gute Antwort. Aber alle zweifelten daran, dass Rasputin auf eine so „exzentrische“ Weiße starb wie Yusupow es beschrieb. Das mit dem Zyankali, der Flucht usw. halte ich für eine schwer zu glaubende Geschichte.
 
Ich wollte jetzt die Seite von Figes einblenden. Doch das funktioniert nicht. Jedenfalls wird der Mord auf Seite 314 und 315 in der Ausgabe vom Berlin Verlag von 2014 behandelt. Figes erzählt dort die Geschichte von Jusupow einfach nach. Das lässt für mich nochmehr Zweifel an dem Buch wachsen.

Wie soll Rasputin riesige Mengen an Zyankali gegessen haben? Dann noch eine Schusswunde einfach weggesteckt und auch noch eine ordentliche Tracht Prügel eingesteckt haben, um dann noch aus dem Palast zu entkommen?
 
Huh, das ist jetzt eine gute Frage
ich fragte deshalb, weil lt. Smith (S. 609) der Bericht der Gerichtsmedizin verschollen ist. "Der offizielle Autopsie-Bericht, zusammen gestellt von Kosorotov, verschwand wenige Jahre später aus einem Leningrader Archiv und wurde seither nicht wieder gesehen" (Übersetzung durch mich)
Was man noch hat sind Interviews des Kosorotov.

Was den Orlando Figes angeht, so schätze ich den sehr, und auch den Hildermeier.
Man wird ja die Geschichte nicht perfekt erzählen können, aber man muss es doch versuchen.
Und Skepsis ist auch bei den Großen angebracht.
Die Darstellung Figes (S. 314-315) zum Mord an Rasputin ist mindestens ungenau:).
Danke für den Hinweis.
So macht das Spaß.
 
Ich möchte nicht wissen was Rasputin bei der reichweite von Sozialen Medien heute hätte.Er wäre sicher heute Millionär und Weltbekannt.Um was anderes dürfte es diesem,ich nenne ihn Scharlatan,nie gegangen sein.Er starb,wenn man dem Glauben schenken kann,nicht an den Schüssen sondern soll ertrunken sein im Fluss.
Ich denke, dass man Rasputin schon als Scharlatan wird bezeichnen können. Solche "Heilungen" wie sie ihm nachgesagt wurden, könnte man heute bei fast jeden Camp-Meeting mit diesen marktschreierischen Predigern beobachten. Da hüpfen regelmäßig Leute aus dem Rollstuhl und es bezichtigen sich Leute Sünden, die sie nie begangen haben, die sie höchstens in ihrer Phantasie mal gerne begehen würden.
Den Effekt von Autosuggestion oder von Placebo-Effekten sollte man nicht unterschätzen, und Charisma muss Rasputin schon besessen haben.

Was man ihm aber, meiner Ansicht nach, kaum vorwerfen konnte, das war Scheinheiligkeit, Wasser predigen und Wein saufen, das war Rasputins Sache nicht, und auch Habgier zählte nicht unbedingt zu seinen negativen Eigenschaften. Rasputin hatte eine Reihe von hochgestellten Anhängern, die ihm teilweise sehr wertvolle Geschenke machten.

Rasputin hatte alle Möglichkeiten, ein wirklich reicher Mann zu werden. Von diesen Geschenken und Honoraren hat Rasputin nur einen kleinen Teil für sich selbst und seine Familie angenommen. Er schickte seiner Frau Geld nach Sibirien, um ein Elternhaus zu kaufen und für den Lebensunterhalt.

Große Reichtümer hat er jedenfalls nicht angehäuft, er behielt nur, was er für sich selbst und seine Familie brauchte, und es scheint, dass er einen Großteil seiner Einkünfte tatsächlich an Bedürftige verschenkte.
Leute, die seinen Rat suchten, hat Rasputin wohl alle ohne Ansehen der Person behandelt.
 
Diese Person faziniert und mehr noch der dilettantisch ausgeführte Mord an ihn.

Grigori Jefimowitsch Rasputin (*
in Pokrowskoja Gouvernement Tobolsk/Westsibierien - † 30.12.1916 Sankt Petersburg). Ein Stannik (Wanderprediger) der sich als auch Geistheiliger verstand. Aber er war nur ein Muschnik (leibeigener Bauer). Er war wohl auch Mitglied der Chlysten (russische Sekte).

Und er war mit der Familie des letzten russischen Zaren Nicolaus II. befreundet.

Die Freundschaft entstand, weil der Sohn vom Zar, der Zarewitsch (* 12.08.1904) an der Erbkrankheit „Hämophilie“ (Blutkrankheit – Steurung der Blutgerinnung) litt und die Ärzte dies nicht heilen konnten.

Wenn das stimmt was ich dazu gelesen habe, muss der Zarewitsch von Pfeifen von Ärzten behandelt worden sein, weil Rasputin bei seinem ersten Besuch nichts weiter tat als das ärztlich verabreichte Medikament „Aspirin“ abzusetzen. Aspirin ist ja auch gleichzeitig ein Blutverdünner.

Und so entstand bei der unwissenden Zarenfamilie eine Zuneigung, eine Freundschaft zu diesen „Muschnik“. Rasputin gab in Folge nicht nur medizinische Ratschläge, er gab auch Ratschläge die politischer Natur waren.
Das ging mit den Wanderprediker soweit das er mal sagte: „So lange ich lebe, wird auch die Dynastie leben.
Und er hatte sogar Recht!
Er wurde am 30.12.1916 ermordet. Seine Ermordung war mehr als stümerhaft/diletantisch organsiert.
Zwei Monate später...
Da hatten wir in Rusland (julianischer Kalender) die Februarrevolution (Beginn war ja am 25.02.1917).

Die Freundschaft die Rasputin mit der Zarenfamilie verband war einflussreichen Leuten in Sankt Petersburg ein Dorn im Auge und man überlegte wie man Rasputin beseitigen könnte.
Dies überlegten so einige und zur Tat schritten:
  • der Fürst Felix Jussupow,
  • der Großherzog Dmitri Pawlowitsch,
  • der Duma Abgeordnete Wladimir Purischkewitsch,
  • der Arzt Stanislaus Lasowert. Er war für das Gift verantwortlich und
  • General-Leutnant Sergej Suchotin.
Und das Ganze lief dann wohl so ab:
Rasputin wurde in den Fürstenpalast von Jussupow eingeladen. Angeblich hatte er eine Einladung der Frau Irina von Fürsten.
Dort erhielt er Kuchen und Wein der mit Kaliumcyanid vergiftet war.
Das Gift zeigte aber nicht die erhoffte Wirkung.
Fürst Jussupow verliest daraufhin das Zimmer und kam mit einen Revolver zurück. Soll wohl ein „.455 Webley“ gewesen sein.
Es kam zu einem Handgemenge zwisch Jussupow und Rasputin. Die genannten Verbündeten kamen hinzu und sie schossen alle mehrmals auf ihn.
Rasputin flüchtet auf den Hof, er wurde verfolgt, man schoss weiter auf ihn und man traf ihn dann tödlich. Er wurde gefesselt und man warf ihn in den Fluss Moika. Dieser Fluss entspringt vom Fluss Fontanka und mündet nach ca. 4,67 km in die Narva.
Diese Version – tödliches Gift - scheint aber nicht ganz stimmig zu sein.
War wohl eine Erfindung des Fürsten in Absprache mit den anderen Beteiligten.
Bekannt ist das sich der Arzt Stanislaus Lasowert dagegen verwahrte an einer Giftmischerei zu beteiligen.
Die Polizeiprotokolle sagten darüber auch nichts aus. Während den Vernehmungen ändert der Fürst wohl 5mal seine Darstellung.
Man war in panischer Angst gegenüber den Zar und seiner Familie.
Um zu beweisen, dass Rasputin eine Verkörperung des Teufels ist, ein in der Hölle geborener Ketzer, verbreitete Jussupow diese Geschichte mit dem Gift.

Die Fähigkeit, von Gift nicht zu sterben, wurde traditionell von der Orthodoxen Kirche den Magiern zugeschrieben.
So wollte Jussupow beweisen, dass Rasputin kein „heiliger Mann“ war, sondern genau das Gegenteil.

Forensiker fanden drei Wunden am Körper des Ermordeten, die sich alle als tödlich herausstellten:
* in der Leber,
* in der Niere und
* im Kopf.
Es ist nicht klar, wann genau und von wem Rasputin getötet wurde. Es ist auch höchst unwahrscheinlich, dass er noch rennen konnte. Normalerweise stirbt ein Mann an einer Leberwunde innerhalb von 20 Minuten.
Und Cyanit fand man auch nicht in seinen Magen.

Was ist nun aus den 5 Beteiligten geworden?
  • Fürst Felix Jussupow wurde in eines seiner Anwesen verbannt. Wiki schreibt, der Zar hätte gefordert, er müsse auf seinen Landsitz zurück. Sein Landsitz war in Archangelskoje, man nannte es auch das „Moskauer Versailles“. Archangelskoje (dt. Name Kurschen) liegt im Rajon Krasnosnamensk im jetzigen Oblast Kaliningrad und liegt an der Grenze zu Litauen. Diesen Ort gibt es wohl nicht mehr. Arschangelskoje geht wohl auf die Zarin Elisabeth, eine Tochter vom Zar Peter I. (der Große) und seiner Frau der Zarin Katharina I. zurück als sie im 7-jährigen Krieg Ostpreußen erobert hatte. Die Verwandschaft mit der Zarenfamilie -> Felix Jussupow war mit der Nichte des Zaren (Irina Alexandrowna Romanowa) verheiratet.
  • Der Großherzog Dmitri Pawlowitsch wurde an die Grenze zum Iran geschickt. Da befanden sich russischen Truppen.
  • Der Duma Abgeordnete Wladimir Purischkewitsch blieb im Amt, ihm passierte nichts.
  • Der Sanitätsarzt Stanislaus Lasowert. Über ihm finde ich im Netz nichts und ebenso über den General-Leutnant Sergej Suchotin.
Das solls dann von mir gewesen sein – ein kleiner Beitrag zu diesen Wanderprediger.
 
Was man aber nicht vergessen darf, die Bluterkrankheit des Zarewitsch war ein absolutes Staatsgeheimnis. Nicht nur die breite Bevölkerung auch der Großteil der Eliten wusste nichts. Es gab nicht einmal Gerüchte darüber, dass der Zarewitsch schwer krank sein könnte. Nach außen vermittelte man das Bild eines kerngesunden Jungen. Auch als er im Oktober 1912 im Sterben lag und ihn die Ärzte schon aufgegeben hatten, wurde nicht bekannt gemacht, woran er litt. Man kam zwar nicht umhin, die Bevölkerung auf das baldige Ableben des Thronfolgers vorzubereiten. Aber man erwähnte nicht warum, es hieß nur er hätte sehr hohes Fieber. Alexei war gestürzt, die Wunde wollte nicht heilen und das Bein schwoll immer mehr an. Er bekam sehr hohes Fieber fast 40 °C. Dann erhielt er ein Telegramm von Rasputin. Dieser war gerade bei seiner Familie in Sibirien. Das reichte schon, dass Alexei wieder gesundete. Dies ist wohl das größte „Wunder“ das Rasputin vollbrachte.

Doch weil eben die meisten Menschen nicht einmal ahnten, warum die Zarenfamilie Rasputin in ihrer Mitte akzeptierte, blühten die Gerüchte. Für viele war bald klar, er ist der Liebhaber der Zarin und der Zar ist entweder ein Vollidiot, dass er das duldet oder ein Voyeurist der auch noch gefallen daran findet, dass seine Frau mit einem anderen schläft. Das war Gift für das Ansehen der Zarenfamilie. Das Bild des fast gottgleichen Zaren kippte immer mehr in das einer Lächerlichen, gerade zu widerlichen Figur. Das war eine wichtige Grundlage für die widerstandslose Abwicklung der Monarchie 1917 in weiten Teilen der Bevölkerung wie der Eliten.
 
Ich finde an sich Rasputin nicht als so negative Figur wie er gerne dargestellt wird. Er war wohl nicht so ein zügelloser und manipulativer Unhold wie man ihn schon zu Lebzeiten darstellte. So trank er bis 1914 kaum etwas. Aber nach dem er schwer an den Folgen eines Attentats im Frühjahr 1914 litt, physisch aber vor allem psychisch. Griff er zu einem altbekannten nicht nur in Russland üblichen Hausmittelchen, dem Alkohol. Dazu war er wohl kein „richtiger“ Scharlatan, denn er glaubte wirklich an seine Fähigkeiten als Heiler und hat nicht etwas versucht den Menschen etwas vorzuspielen.

Dazu war er immer bemüht, anderen zu helfen. Hatte ein soziales gewissen und hat nur wenig für sich behalten. Auch trat er offen der antisemitischen Politik Nikolaus II. entgegen und vor allem war er gegen die Beteiligung Russlands am 1. Weltkrieg. Da hätte der Zar wohl besser auf ihn gehört.

Doch er hat eben auch Nikolaus und vor allem Alexandra in ihren obskuren Ideen von einem heiligen Band zwischen Zar und den guten frommen russischen Bauern bestärkt. Die ihren Zaren lieben würden und seine Alleinherrschaft nicht in Frage stellen usw. Dazu dürfte er nur eine sehr überschaubare Menschenkenntnis und politisches Gespür gehabt haben. So hat er Alexandra in der mehr als fragwürdigen Entscheidung bestärkt Boris W. Stürmer 1916 zum Ministerpräsidenten zu machen. Mitten im Krieg gegen Deutschland einen Deutschstämmigen auszuwählen, der als korrupt, total servil und verlogen galt war wohl wirklich eine Glanzleistung. Als schon alle den Kopf schüttelten angesichts Stürmers offensichtlichen Unfähigkeit ihn dann auch noch das Innenministerium und das Außenministerium zu überantworten war dann noch die Krönung. Doch er hat Alexandra eben nur nicht dagegen geredet, auf die Idee kam sie von selber.
 
So hat er Alexandra in der mehr als fragwürdigen Entscheidung bestärkt Boris W. Stürmer 1916 zum Ministerpräsidenten zu machen. Mitten im Krieg gegen Deutschland einen Deutschstämmigen auszuwählen, der als korrupt, total servil und verlogen galt war wohl wirklich eine Glanzleistung. Als schon alle den Kopf schüttelten angesichts Stürmers offensichtlichen Unfähigkeit ihn dann auch noch das Innenministerium und das Außenministerium zu überantworten war dann noch die Krönung. Doch er hat Alexandra eben nur nicht dagegen geredet, auf die Idee kam sie von selber.
Da wäre allerdings die Frage mit welchen Hintergedanken?

So eine Wahl war natürlich fatal, wenn man den Krieg fortzusetzen gedachte. Wenn man aber bedenkt, dass Rasputin gegen den Krieg war, lässt sich das vielleicht dahingehend verstehen, dass er möglicherweise der Meinung war, dass man mit einem deutschstämmigen Ministerpräsidenten, dem man wohl eher keine pansalwischen Attitüden oder besondere Affinität gegenüber Frankreich zuschreiben konnte, vielleicht eher hätte Frieden machen können, als wenn man jemanden als Chef der Regierung hat, der so etwas aus seinem persönlichen Hintergrund heraus hintertreibt.
 
Alexandra hatte wohl mit Stürmer wirklich die Absicht zu einem Separatfrieden mit Deutschland zu kommen. Stürmer wurde dann 1917 auch gefangen genommen und wegen Hochverrates angeklagt. Da wurde ihm dies eben vorgeworfen. Aber ich glaube nicht, dass er irgendetwas Brauchbares in die Richtung unternommen hat bzw. zusammen gebracht hatte. Sicher nichts in die Richtung eines Sixtus Briefes.
 
Das gilt nur vor dem Krieg.
Nach dessen Ausbruch gibt sich Rasputin als klarer Unterstützer.
Als im Herbst 1916 der Zar den Ministerpräsidenten Stürmer wegen dessen Bemühungen um einen Frieden mit den Mittelmächten absetzte, schrieb ihm die Zarin, es schnüre ihr die Kehle zu, Stürmer sei ein so loyaler, zuverlässiger, rechtschaffener Mann. Stürmer war ihr von Rasputin empfohlen worden, da dieser den Krieg mittels Verhandlungen beenden wollte.[117]
 

Rasputins Ermordung durch den britischen Auslandsgeheimdienst
Erst 2004 gelang Oleg Šiškin auf russischer und Andrew Cook auf britischer Seite
durch Erschließung neuer Quellen der Nachweis, daß Fürst FELIKS F. JUSUPOV (1887–
1967) keineswegs der eigentliche Mörder Rasputins war, wie es Jusupovs berühmte
Schilderung lange Zeit glaubhaft machte.45
Zwei weitere britische Agenten waren bei dem Mord anwesend, nämlich der in
dem Haus der Jusupovs geborene Captain Stephen Alley sowie Rayners
unmittelbarer Vorgesetzter, Military Control Officer (MCO) Captain John Dymock
Scale, der die Operation möglicherweise leitete. Alle drei – Rayner, Alley und Scale
 
Alexandra hatte wohl mit Stürmer wirklich die Absicht zu einem Separatfrieden mit Deutschland zu kommen. Stürmer wurde dann 1917 auch gefangen genommen und wegen Hochverrates angeklagt. Da wurde ihm dies eben vorgeworfen. Aber ich glaube nicht, dass er irgendetwas Brauchbares in die Richtung unternommen hat bzw. zusammen gebracht hatte. Sicher nichts in die Richtung eines Sixtus Briefes.

Da wird man ihm allerdings fairerweise auch zu gute halten müssen, dass er auch nicht vergleichsweise große Spielräume wie Kaiser Karl in Sachen Sixtus-Briefe hatte.
Immerhin war Russland nach wie vor de facto eine Autokratie mit nur sehr schwachen konstitutionellen Strukturen und der Ministerpräsident dementsprechend letztendlich vonn der Gunst des Zaren, der ihn ernannte und wieder entlassen konnte abhängig.

Dementsprechend musste klar sein, dass es nicht drinn sein konnte, Schritte auf einen Friedensschluss hin zu unternehmen, die der Zar nicht vorher zu sanktionieren bereit war.

Dennoch würde die Personalie Stürmer möglicherweise auf verschiedene Weisen einen Wert gehabt haben, um dem Frieden näher zu kommen:

- Die russische Politik wurde natürlich nicht nur in Russland, sondern auch bei der Entente und im Lager der Zentralmächte beobachtet, so gut das ging.
Natürlich funktionierte nicht mehr wie üblich vor allem über die Gesandtschaften in Russland selbst (jedenfalls was die Zentralmächte betrifft, deren Personal ja wegen des Krieges abgezogen war), aber es gab ja noch genügend neutrale Staaten, wie etwa Schweden, über die man auch im Lager der Zentralmächte noch Informationen über Russland beziehen musste.

Die Durchsetzung des deutschstämmigen Stürmers, als Ministerpräsidenten konnte den Zentralmächten zweierlei signalisieren:

a) Trotz des Weltkrieges hat in St. Petersbrug nicht die slawophile/panslawische Partei, mit der eine moderate Einigung auf Basis des Status Quo ante (weitgehend) völlig unmöglich wäre das Sagen. Die würde, wenn sie das Sagen gehabt hätte diese Personalie nämlich sehr wahrscheinlich verhindert haben.
b) Damit grenzte man sich auch von der zunehmend extrem antideutschen Propaganda der Westmächte ab und es konnte als Statement dahingehend verstanden werden, dass man sich in St. Petersburg nicht in einem antideutschen Weltanschauungkrieg wähnte, auch nicht in einer ummfassenden Bindung an die Ziele der Westmächte, die zunehmend mit diesem Narrativ verknüpft waren.

Das wäre für ernsthafte Verhandlungen an sich nicht die schlechteste Positionierung gewesen, wenn man das Misstrauen zwischen den Kriegsgegnern bedenkt und eine gewisse Basiszurückhaltung der Kriegsparteien im Hinblick auf Verhandlungen in rechnung stellt.
Denn natürlich spielen im Krieg ja auch immer Erwägungen eine Rolle, was der Gegner mit Angeboten bezweckt und ob er die erst meint oder lediglich Zeit schinden will o.ä.

Vor diesem Hintergrund könnte man die Installation Stürmers als Versuch einer vertrauensbildenden Maßnahme betrachten.


Der andere Punkt ist, im autokratischen System Russlands waren Friedensverhandlungen ohne Zustimmung des Zaren nicht drinn. Das bedeutet, dass man, wenn man Frieden bebsichtigte den Zaren entsprechend bearbeiten musste und dafür waren natürlich alle Posten deren Inhaber einen Immediatzugang zum Zaren hatten oder solche, die Entscheiden konnten, wer zum Vortrag beim Zaren zugelassen würde, wichtig um die Falken aus der Umgebung des Zaren heraus zu drängen und den Druck in Richtung Friedensverhandlungen zu erhöhen.

Der Ministerpräsident als Chef der Regierung hatte natürlich Immediatzugang zum Zaren und wenn man vor allem die Ämter des Ministerpräsidenten und des Außenministers mit einem dem Frieden zugeneigten Kompromissler besetzte, dann saßen dort jedenfalls, mal keine Vertreter der Kriegspartei oder panslawischer Interessengruppen, die den Zaren bei jeder Gelegenheit auf die Fortsetzung des Krieges einschworen.
 
Rasputins Ermordung durch den britischen Auslandsgeheimdienst
Erst 2004 gelang Oleg Šiškin auf russischer und Andrew Cook auf britischer Seite
durch Erschließung neuer Quellen der Nachweis, daß Fürst FELIKS F. JUSUPOV (1887–
1967) keineswegs der eigentliche Mörder Rasputins war, wie es Jusupovs berühmte
Schilderung lange Zeit glaubhaft machte.45
Zwei weitere britische Agenten waren bei dem Mord anwesend, nämlich der in
dem Haus der Jusupovs geborene Captain Stephen Alley sowie Rayners
unmittelbarer Vorgesetzter, Military Control Officer (MCO) Captain John Dymock
Scale, der die Operation möglicherweise leitete. Alle drei – Rayner, Alley und Scale

Nun das wirft doch ein ganz anderes Licht auf die Sache. Womöglich war Stürmer den Frieden näher gekommen, als man ihm zutrauen hätte können. Jedenfalls wird er Schritte gesetzt haben. Der Mann dahinter war wohl dann Rasputin. Die Briten müssen davon Wind bekommen haben und die Konsequenz darauf gezogen haben.

Es ist schwer vorstellbar wie sich ein Frieden gestalten hätte können? Ein Frieden aller status que ante bellum, wäre wohl für keine Seite interessant gewesen. Weder für Russen, Deutsche oder Österreich-Ungarn. Aber 1916 wurde auch in der serbischen Exilregierung aufgeräumt und viele Mitglieder der schwarzen Hand, exekutiert. So wollte man den Weg zu einem Separatfrieden mit Österreich-Ungarn freimachen. Ob das im Zusammenhang mit den Ambitionen Stürmers standen?

Man soll ja keine was wäre, wenn Fragen stellen, aber man stelle sich vor der Frieden wäre vor der Revolution gekommen. Die Geschichte hätte einen ganz anderen Gang genommen.
 
Als im Herbst 1916 der Zar den Ministerpräsidenten Stürmer wegen dessen Bemühungen um einen Frieden mit den Mittelmächten absetzte, schrieb ihm die Zarin, es schnüre ihr die Kehle zu, Stürmer sei ein so loyaler, zuverlässiger, rechtschaffener Mann. Stürmer war ihr von Rasputin empfohlen worden, da dieser den Krieg mittels Verhandlungen beenden wollte
Ich hätte jetzt immer gedacht, dass Alexandra auf Stürmer gekommen ist und ihr Rasputin nur nach dem Mund geredet hätte. Das aber Rasputin so aktiv eingegriffen hatte und wohl aktiv Richtung Frieden dachte, wirft noch einmal ein anderes Licht auf ihn.
 
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