Referat über "Sturm und Drang"

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Jacobum, 4. April 2007.

  1. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Liebe Leute,

    heute schreibe ich mal wieder im Auftrag meiner Tochter, die in ein paar Wochen ein Geschichtsreferat zum Thema "Sturm und Drang" halten soll. Natürlich hab ich ihr sofort den Zahn gezogen, hier im GF ein quasi druckfertiges Manuskript zu erhalten, habe ihr aber Hilfe zur Selbsthilfe in Aussicht gestellt.

    Meine Frage: Kennt ihr interessante Infos, Artikel, Seiten im www, die sich ein wenig tiefer mit dem Thema beschäftigen? Empfehlenswerte Bücher, Artikel oder Broschüren?

    Oder könnt ihr aus eurem eigenen Wissen das eine oder andere Wichtige und Interessante über diese Epoche berichten ?

    Es wäre schön, wenn ihr dem jüngsten Spross im Hause Jacobum helfen könntet.

    Schöne Grüße

    Jacobum
     
  2. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

  3. Mercy

    Mercy unvergessen


    Vielleicht sollte Papa Jacobum seinem jüngsten Spross mal die Funktion von Suchmaschinen erklären.
    Doch strafen wir nicht die Sünden der Ältern an den Kindern.

    "Sturm und Drang" - dies war ursprünglich der Titel eines Dramas von Friedrich Maximilian Klinger (1752-1831); nach diesem Werk wurde die ganze Epoche genannt.

    http://www.pohlw.de/literatur/epochen/stdrang.htm
     
  4. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Bin ich wirklich schon so alt?
    In der Schule habe ich zu diesem Thema mal was von Dichtern und Denkern gelernt.

    Heute sage ich so ganz lapidar, ja, in meiner Sturm und Drangzeit war alles anders.
    Da muss ich wohl auch noch etwas nachgrübeln.
     
  5. Mercy

    Mercy unvergessen

    Hin und wieder siehst du so aus. :confused:
     
  6. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Danke. Das kann ich aber verkraften.
     
  7. Anish

    Anish Aktives Mitglied

    Zu Flos Ehrenrettung: soweit ich mich an meine Schulzeit erinnern kann, haben wir diesen speziellen Begriff tatsächlich in Deutsch und im Zusammenhang mit den Dichtern und Denkern behandelt, weniger in Geschichte. Das mag damit zusammenhängen, dass wir damals die geschichtlichen Ereignisse anders bewertet bekommen haben und auch die Epochen teilweise anders benannt wurden.

    Das hilft nun leider nicht Jacobum weiter, aber ich weiß nun, wonach er bzw. seine Tochter sucht.

    Und ich finde, das Thema ist damit sehr breit gefächert, was es nicht leichter macht.
    Obwohl es nur einen geringen Zeitraum erfasst, folgt man dem Link von Mercy.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. April 2007
  8. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Du musst mich nicht retten. Das schaffe ich schon alleine.
    Aber mal zurück zum Thema.
    Eine Frage, die mir schon seit Jahren auf der Seele brennt.
    Wie kommt man darauf, eine Zeit mit "Sturm und Drang" zu beschreiben?
     
  9. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 5. April 2007
  10. Anish

    Anish Aktives Mitglied

    Hallo Arcimboldo,
    wenn ich mir Deine Links ansehe, lagen wir doch garnicht so verkehrt mit unserer Einordnung in das Fach Deutsch. "Kabale und Liebe" haben wir sehr ausführlich behandelt, den "Prometheus" mußten wir auswendig lernen und etliche andere Werke sind mir wohlbekannt.

    Dann hätte ich für Jacobums Tochter den Hinweis, sich zwei, drei Werke auszusuchen und vielleicht daran die Epoche zu beschreiben bzw. mithilfe dieser Werke und der Lebensläufe der großen Dichter und Denker die Epoche geschichtlich aufzutröseln
    Hab grad ein wenig meinen Faden verloren :confused:, sorry
     
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Man kann sich auch auf die politischen Auswirkungen des Sturm und Drang beschäftigen, dann wird das Thema schon eher in der Rubrik Geschichte einzuordnen, ebenso sind natürlich kulurhistorische Betrachtungen im Zusammenhang mit der Entwicklung des Theaters (besonders dem Carl Theodors in Mannheim) und der Verbürgerlichung der Gesellschaft und einer Abkehr von dem Imitierens des Adels durch die Bürgerlichen interessant. Natürlich ist der Sturm und Drang eher eine national-deutsche Angelegenheit. Während man zwar noch nicht von einem deutschen Nationalstaat sprechen kann, wurden die Rufe nach einer Deutschen Nationaloper, einem deutschen Nationaltheater lauter, auch wenn der Erfolg vieler Stücke von Schiller ausblieb und dies einen hinterfragen lässt, ob diese Bewegung nicht eher in einem schmalen Kreis des gebildeten Bürgertums Widerhall fand. (Siehe "Genuss und Glück des Lebens. Kulturkonsum im Zeitalter der Aufklärung" von Michael North!)
     
  12. Rafael

    Rafael Aktives Mitglied

    Ergänzend zu Brissotins genannten Idee von Deutschem Nationaltheater und der Deutschen Oper, kann zur Literatur gesagt werden, dass diese auch eine ">nationelle< Themenwahl"1 gehabt hat, so wurden zum Beispiel Themen aus der deutschen Geschichte und Gegenwart in Dramen und Romanen aufgegriffen.

    Den Sturm und Drang könnte man - wenn man es falsch versteht - als eine antiaufklärerische Bewegung sehen, da der Stürmer und Dränger den Regelzwang, der durch die aufklärerische Rationalität begründet ist, in der Kunst, aber auch in der Gesellschaft ablösen wollte. Der Sturm und Drang stellt damit zwar eine Gegenposition zum Rationalismus dar, ist aber nicht als antiaufklärerisch anzusehen, da er durch die Einbeziehung von Psychologie und der irrationalen Seele die Aufklärung komplettiert.

    1 Jeßing, Benedikt; Köhnen, Ralph: Einführung in die Neuere Deutsche Literaturwissenschaft. Stuttgart, Weimar 2003, S.27.

    Aus oben genanntem Buch habe ich nicht nur das wörtliche Zitat, sondern auch fast alle hier genannten Informationen mir damals angeeignet.
    Ich werde mal schauen, was ich in meinem Vorlesungsordner zu Sturm und Drang finde, denn dort gibt es vielleicht auch etwas zu diesem Thema verbunden mit der sozialen und geschichtlichen Seite, so dass das Referat zu dem Fach Geschichte passt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. April 2007
  13. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Eine ausgezeichnete zweibändige Sammlung von Werken gab es unter dem Titel mal bei Winkler. Klinger erwarb sich mit seinem Stück ja den netten Spottnamen des "Löwenblutsäufers". Weitere wichtige Texte sind Schillers "Räuber", Leisewitz" "Julius von Tarent", so ziemlich der ganze Lenz und Gerstenbergs "Ugolino"
     
  14. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Erst mal ein herzliches Dankeschön allen, die sich mit diesem doch etwas drögen Thema auseinandersetzen, natürlich auch im Namen des Töchterleins.

    Natürlich beherrscht mein maegdleyn die Internetrecherche fast so gut wie ich; es kam uns aber darauf an, das hier im Forum versammelte geballte Fachwissen abzufragen, um auf Ideen, Links, Bücher usw. zu kommen, die man bei einer Standardsuche nicht so ohne weiteres findet. Die bisherigen Antworten waren zum Teil sehr aussagekräftig und weiterführend. Nochmals danke!

    In der Aufgabenstellung des Referats heißt es übrigens noch (ich habe es eben erst gesehen): "Führe als Beispiel eine theoretische Schrift auf, die typische Merkmale, bzw. Denkweise der Epoche aufzeigt".
    Kennt jemand eine zur Sturm-und-Drang-Zeit erschienene Schrift, die diese Voraussetzung erfüllt?

    Gruß

    Jacobum
     
  15. Rafael

    Rafael Aktives Mitglied

    So, ich habe noch folgendes herausgefunden:

    Für den Sturm und Drang gab es zwei regionale Zentren mit Dichterbündnissen: Frankfurt am Main und Strassburg. Wir folgerten in der Vorlesung daraus, dass die Dichtung nun eine kulturelle Praxis war, so dass man zum Beispiel auch über Zeitschriften diskutierte und informierte (Bsp. Frankfurter Gelehrten Anzeigen).
    Zudem hat man im Sturm und Drang auch gesellschaftliche Missstände kritisiert, so zum Beispiel den sexuellen Missbrauch und die Ermordung der Kindsmörderinnen, die aus der Sicht von vielen Stürmern und Drängern psyschisch durch die gesellschaftliche Ordnung dazu "gezwungen" wurden.

    Auch war die Rede in der Vorlesung von der Vision einer klassenlosen Gesellschaft.

    Sollte bis hierhin ein Fehler sein, so weist bitte daraufhin, denn hier waren meine Unterlagen mehr Stichworte, denn ausformulierte Gedanken.

    Einwenig zur Sozialgeschichte des (späten) 18. Jahrhunderts:

    Das Bürgertum erstarkte immer mehr und war genervt von den Problemen, die das System des Hl. röm. Reiches mit sich brachte (Behinderung von Handel und Kommunikation durch (Zoll-)Grenzen, Zensur etc.). Doch es kam zu keiner Revolution in Deutschland, das Bürgertum in Deutschland wendete sich nach innen.
    Im 18. Jahrhundert entsteht die städtische Kleinfamilie, die Häuser werden umgebaut. Die Kleinfamilie hat nun eine eigene Etage und das Gesinde, die Zahl vom Gesinde wurde nun auch geringer, hat den Keller oder Speicher. Der Arbeitsplatz des Vaters entwickelte sich aus dem Haus heraus an andere Plätze.
    Es entstehen neue Sozialbeziehungen mit einer größeren sinnlichen Intensität (Mutter-Kind-Beziehungen etc.).

    Das Bürgertum sprach auch über ihre neuartige Familienstruktur (Tugendbegriffe, Intensität). Briefe, Zeitschriften (zum Beispiel die Wochenschriften) und auch die Literatur dienten zum Austausch von Empfindungen und Ideen.
    Es gab die Briefliche Öffentlichkeit: Man ging davon aus, dass private Briefe im Familienkreis vorgelesen wurden, manchmal gab man sie sogar weiter an einen Verleger einer Wochenzeitschrift.
    Neben der Brieflichen Öffentlichkeit gab es noch die Zeitschriften-Öffentlichkeit und die literarische Öffentlichkeit, deren Sinn als Forum wohl selbst erklärend sein dürfte.


    Zu den Fragen über einen bestimmten Text, der die Ideen des Sturm und Drang benennt bzw. gut repräsentiert, werde ich nochmal nachschauen. Ich habe da irgendetwas im Kopf, möchte aber nichts falsches sagen...
     
  16. Rafael

    Rafael Aktives Mitglied

    Zu den theoretischen Texten:

    Herder, der Wegbereiter des Sturm und Drang war, schrieb: "Je entschiedener unsere Werke deutsch und modern sind, umso verwandter werden sie den Griechen sein. Was uns ihnen gleich machen kann, ist allein die gleiche, unbefangene, geniale Schöpferkraft"
    in: Fragmente über die neuere deutsche Literatur. (1767)

    Dies ist ein Theoriewerk, das auf jeden Fall auf den Sturm und Drang bezogen werden kann.
     
  17. Mercy

    Mercy unvergessen

  18. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Bestell deinem Töchterchen einen schönen Gruss von uns.
    Ich muss zugeben, wieder etwas dazugelernt zu haben, was ich so noch nicht wusste.
    Insofern war die Frage ganz interessant.
    Frohe Ostern euch allen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. April 2007
  19. Rafael

    Rafael Aktives Mitglied

    Na dann wünsche ich Deiner Tochter, lieber Jacobum, gutes Gelingen beim Referat und hoffe auf eine Kundgabe, wie es denn im Endeffekt gelaufen ist.

    Durch die Recherchen für das Referat ist mir zu dieser Zeit wieder mal einiges bewusster geworden. Wenn Deine Tochter vielleicht noch etwas herausgefunden hat, das wir hier noch nicht in den Beiträgen finden, so wäre es nett, davon zu erfahren, da ich es dann in dem "Sturm-und-Drang-Ordner" ablegen kann, wie wir damals in der Schule gesagt hätten... ;)
     
  20. Gaius Marius

    Gaius Marius Neues Mitglied

    Ich habe eben auch noch ein Arbeitsblatt in meinem Deutschhefter gefunden, dass genau diese Epoche behandelt: Wenn also Interesse besteht und das Referat noch nicht abgehakt ist...:winke:
     

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