Reichsstädte etc.

Dieses Thema im Forum "Das Heilige Römische Reich" wurde erstellt von Nergal, 24. Dezember 2011.

  1. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Hat jemand einen guten Link zu den Rechten/Pflichten die die Reichsstädte gegenüber dem Kaiser hatten und in welchen Bereichen d. "Aussenpolitik" sie autonom handeln konnten, bzw. in welchen Bereichen sie sich verweigern konnten.
     
  2. ketzer97

    ketzer97 Neues Mitglied

    Einen Link?
    Wikipedia sagt dir alles:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Freie_und_Reichsst%C3%A4dte

    Wichtig ist, zwischen Freien Städten und Reichsstädten zu unterscheiden.

    Generell galt eine Stadt als frei, wenn sie sich nicht von einem Adligen oder Kleriker, sondern durch die eigene Bürgerschaft regieren ließ. Oft hatten die Städter vorher jahrzehntelang für jedes Recht (Gerichtsbarkeit, Selbstbesteuerung usw.) hart kämpfen müssen, dementsprechend waren sie stolz auf die Macht, die sie dem Herrn mit der Zeit abgetrotzt hatten und sich schließlich ihr eigener Herr waren. Die Stadtherren waren zwar noch da, aber in freien Städten führten sie ein machtloses Schattendasein, meist bewahrten sie lediglich das Recht auf Verhängung der Todesstrafe. Besonders häufig war das Modell der freien Stadt bei Bischofssitzen, Beispiele hierfür sind Köln, Soest oder Osnabrück.
    Freie Städte mussten dem Kaiser keine Truppen schicken außer auf Kreuzzügen und waren zudem steuerfrei.

    Die Reichsstadt (auch Kaiserliche/Königliche Stadt) war ein anderes Modell. Eine Stadt begab sich in den Schutz des Kaisers, sie war ihm Gefolgschaft im Krieg sowie Steuern schuldig. Dafür war die Stadt gänzlich vom Einfluss irgendwelcher Herrn befreit. Anders als bei den freien Städten existierte schlicht kein Stadtherr, die Bürger verwalteten sich vollständig selbst und die Gerichte durften Verbrecher auch an den Galgen bringen.
    Reichsstädte "gehörten" dem König/Kaiser, leider passierte es manchmal, dass dieser bei Geldnot die Stadt an einen Fürsten verkaufte und ihre Reichsfreiheit aufgab. :autsch:
    Die meisten Reichsstädte gab es in Südwestdeutschland, da die Staufer zur Zeit ihrer schwäbischen Landesherrschaft salopp gesagt jedes Dorf zur Kaiserlichen Stadt erhoben.

    Mit steigender Urbanisierung waren die Freien- und Reichsstädte neben Adel und Klerus ab dem 13. Jahrhundert auch bei den Hoftagen des Monarchen anwesend. Im Spätmittelalter bildete sich ein festes "Städtekollegium", das sich zu Städtetagen traf und eine wichtige Rolle in der Reichsgeschichte seit dem 15. Jahrhundert bildete. Die Städte waren meist Stützen des Kaisers, da er ihnen außerordentliche Privilegien garantierte.
    Ab dem 16. Jahrhundert wurde allgemein nicht mehr zwischen Freistadt und Reichsstadt unterschieden, und die Bestandteile verschmolzen zum Wortkonstrukt "Freie Reichsstadt".
     
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