Renaissancefürst aus Sachsen

Dieses Thema im Forum "Krisenzeiten und Renaissance (14. - 15. Jhd.)" wurde erstellt von Arcimboldo, 19. Februar 2005.

  1. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Moritz von Sachsen, und die Renaissance

    Hineingeboren in die Zeit, wo neben ungeheuren Warenströmen auch Edelmetall-Importe aus den spanischen und portugiesischen Kolonien den europ.Markt überschwemmten und diese Ausbeute europ. Bergweke übertraf und zu inflationären Tendenzen führte.
    Die Geldwirtschaft, die die Warenwirtschaft ablößte, veranlasste die Regenten zum Aufbau von Verwaltungszentren.
    Noch der Urgroßvater des Herzogs Moritz war in seinem Kurfürstentum als Herrscher von Burg zu Burg gezogen. Großvater Albrecht und dessen älterer Bruder Ernst bauten bereits die Albrechtsburg zu Meißen, Deutschlands erste fürstl. Verwaltungszentrale und somit ein erster Schlossbau , in dem Staatsrepräsentation auf die neue Form des souveränen weltl. Feudalstaates hindeutet
    Die beiden regierenden Kurfürsten-Brüder waren es, die 1485 die wettinischen Landmassen untereinander aufteilten, nach Art ihrerVorväter wie Privateigentum-und also nicht begriffen haben ,dass die neue Zeit den Staat als eigenes Rechtssubjekt etablierte und nur durch den Dienst am Staat Herrschaft und Dynastie gesichert werden konnten.
    Die Leipziger Teilung hat nun aus einer Großmacht, die sich vom Erzgebirge bis zum mittleren Elbraum erstreckte und- neben den habsburg. Ländern- Deutschlands mächtigste war, zu zwei Fürstentümern mittlere Ranges entwickelt, die beide nicht über ein kompaktes Staatsgebiet verfügten.
    Die Räte, die den Teilungsplan entworfen haben zielten zwar auf künftige prinzipielle Unteilbarkeit des wett. Besitzes und verteilten die Landesteile so, dass einvernehmliches Handeln der beiden Linien erzwungen wurde, doch erwies sich gerade dieser Umstand als verschärfender Faktor bei den kommenden Konflikten der Reformation.
    Mit diesen Fakten sah sich der 20-jährige Herzog Moritz 1541 beim Amtsantritt des albert. Sachsen konfrontiert und hatte durch seine Erziehung tiefen Einblick in das Für-und Wider
    der theologisch-konfessionellen Fragen und deren politischen Konsequenzen.
    Zwar trat er dem Schmalkaldischen Bund nicht bei, aber betrieb den Ausbau der ev. Landeskirche mit aller administrativen Konsequenz bei gleichzeitigem Blick auf gute Beziehungen zum Kaiser. Zu seinen Räten ernannte er Lutheraner und entschiedene Katholiken. Aus dem Verkauf kath. Kirchengüter bestritt er den Aufbau moderne italienischer Bastionen zur Verteidigung von Dresden, Leipzig und Pirna.
    Sein riskantes polit. Verhalten war dem jungen Herzog durchaus bewusst, aber als weitblickender „Renaissance-Mensch“ hatte er übergeordnete Ziele für sein zerstückeltes albert. Fürstentum im Visier. Seine Landesteile grenzten überwiegend an kaiserlich-habsburg. Gebiete; - Böhmen und die Lausitz – in Personalunion verbunden mit Österreich, Spanien,Oberitalien und den Niederlanden, außerdem unterstütz von der Allianz der deutschen kath. Fürsten
    Demgegenüber war die ev. Seite , geschwächt durch Rivalitäten und den Mangel an milit. Führung, ersichtlich im Nachteil. Moritz hielt sich folgerichtig an eine Partei, die den Ausgleich suchte, welche es auf beiden Seiten gab.
    Die Schmalkaldische Reichspartei war es schließlich, die jegliche Kompromisse beendete und durch ihre Absage an das vom Kaiser und Papst geladene Trienter Konzil Reichsrecht brach,
    da alle Territorialherren dem Kaiser Gehorsam schuldeten.
    In Regensburg erhielt Moritz 1546 das offizielle Angebot der Kurwürde, und diese war mit Reichsrecht verbunden mit dem alten Herzogtum Sachsen, dem Kern des ernest. Besitzes um Wittenberg und Torgau. In Aussicht stand die Aufhebung der Leipziger Teilung und das Erlöschen der ernestinischen Linie . Der Preis für diese Lösung war die Teilnahme am Kampf gegen den schmalk. Bund und die Rekatholisierung des albert. Hauses.
    Das Geschäft wurde besiegelt , aber keine Seite erhielt ihren vollen Preis. Herzog Moritz
    zog mit einer wenig gewichtigen Truppe von 1600 Reitern an de Seite von 30.000 –köpfigen Streitmacht Karls V. gegen seine Verwandten und Glaubensbrüder als Beauftragter und Vollstrecker der Reichsacht, die der Kaiser gegen die Rebellen ausgesprochen hatte, doch Moritz und sen Land blieben lutherisch. Dennoch handelte er sich mit diesem Vorgehen den Schimpfnamen „Judas von Meißen „ ein, der bis heute a ihm haftet.
    Nach der Schlacht bei Mühlberg zum Kurfürsten ernannt verfügte der 26-jährige Moritz nun
    Über ein geschlossenes Staatsgebiet, obwohl Karl V. ihm nicht das ganze Kursachsen zusprach. Karl V. war klug genug die alte wettinische Konkurrenzmacht nicht wieder herzustellen und den wett. Vetternzwist nicht völlig zu beenden.
    Karl war mehr am Brechen der Fürstenopposition gelegen als am Tilgen der protest. Parteien, die sowieso nicht mehr zu beseitigen waren.
    Er begnadigte den ernestiner Friedr. den Großmütigen und beließ seiner Familie den größten Teil Thüringens. In diesem, von albert. Gebieten durchsetzten Land entwickelten die Ernestiner durch Erbteilungen die bekannten ,kulturell so bedeutsam werden sollenden sächs. Herzogtümer.
    Anhaltende Willkür und Demütigung gegen die Reichsfüren wurde als Bedrohung ihres Standes empfunden und 1552 - nur 4 Monate nach der Reichsexekution gegen Magdeburg, die Moritz durchführte ritt er an der Spitze seiner 1000 Söldner und des erneuerten luther. Fürstenbundes nach Süddeutschland, besetzte Augsburg und stand am 22. Mai vor Innsbruck , wohin Karl V. sich zurückgezogen hatte. Von der Hilfe deutscher kath. Fürsten für ihren Herren und Verbündeten war weit-und breit nichts zu sehen.
    Eben noch mächtigster Herrscher, floh Karl bei Nacht und Nebel über die Alpen und sandte seinen Bruder Ferdinand zu Verhandlungen, die von Moritz im Wesentlichen bestimmt waren. 1552 wurde der Passauer Friedensvertrag geschlossen, der alle gegen die protest. Reichspartei verfügten Erlasse aufhob und außerdem blieb die Reichsverfassung bestehen, die Karl so gerne ausgetauscht hätte zugunsten einer zentralistischen- auf Erbmonarchie gegründeten Verfassung.
    Das Moritz ausgerechnet im Krieg gegen den Markgrafen Albrecht v. Brandenburg-Kulmbach fiel, einem ehemaligen Verbündeten, der einen Privatkrieg gegen den Passauer Vertrag führte bedeutet den letzten Schlenker im Schiksalsrad des Kurfürsten Moritz.
    Er starb durch eine Kugel in den Rücken, Gerüchte meinen- aus eigenen Reihen .
    Seine Bedeutung ist überragend im Hinblick auf seine Verwaltungsreform, seine
    SchloßBauten( Moritzburg nach Loireschloß-Vorbild)- vor allem der Ausbau des Dresdner Schlosses mit ital. Know- How und Künstlern, die Gründung der Hofkappelle –heute Sächsische Staatskappelle und und und..... =)

    Quelle vorallem : J.v. Menzhausen : "Kurfürst Moritz, Sachsen, die Reformation und das Reich" Beiträge zur Kulturgeschichte, Dresdner Hefte . Herrausgegeben vom Dresdner Geschichtsverein.
     
  2. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Ein sehr schöner Beitrag!

    Begraben wurde Kurfürst Moritz im übrigen, wie schon sein Vater Herzog Heinrich, in der Grabkapelle der Wettiner im Chor des Freiberger Doms. In dieser Grablege finden sich die Gräber aller protestantischen, albertinischen Kurfürsten von Sachsen. Erst nach dem Übertritt von August dem Starken zum Katholizismus (der allerdings in Polen ruht) wurde die katholische Hofkirche in Dresden der Ort der Grablege für die sächsischen Herrscher.

    Auf der Seite finden sich einige Bilder und kurze Texte zum Freiberger Dom.
    http://www.tu-chemnitz.de/advent/2000/12/
     

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