Revolution 1848

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Liberrevolte, 28. Februar 2015.

  1. Liberrevolte

    Liberrevolte Neues Mitglied

    Liebe community,
    ich hoffe, dass ihr mir eventuell schrittweise helfen könnt. Ich habe zu den einzelnen Aufgaben schon meinen Text verfasst und bitte euch, diesen zu korrigieren bzw. zu ergänzen :)

    1. Was waren die Ursachen, die 1848 zur Revolution in Deutschland führten?
    2. Warum scheiterte die Revolution?
    3. Nehmen Sie Stellung zu der Einschätzung des Historikers Walter Grab (1980), die Revolution bilde trotz ihres Scheiterns einen epochalen Einschnitt in der deutschen Geschichte!

    zu 1)
    Grundlage für die Revolution 1848 war das Vorjahr 1847, welches auch als Krisenjahr bezeichnet wird. Die Krise entwickelte sich durch die fatalen Missernten 1846 in Deutschland und Mitteleuropa. Diese hatte starke Hungersnöte und eine Verteuerung der Lebensmittel zur Folge. Daraus entstanden soziale Spannungen: die Bauern waren unzufrieden, da sie durch die Auflösung der Leibeigenschaft (1807) hoch verschuldet waren und auf fremden Böden arbeiten mussten. Dazu kam die Einführung der Gewerbefreiheit, die eine höhere wirtschaftliche Konkurrenz zur Folge hatte. Der „kleine“ Bauer kam nicht mehr gegen die fortschreitende Industrialisierung an. Die Bauern betrieben Landflucht, denn sie suchten Arbeit in den neuentstehenden Manufakturen und Fabriken der Städte. Somit entwickelte sich aufgrund der Industrialisierung eine neue, rapide wachsende Bevölkerungsschicht, das Proletariat und mit dieser die Lohnarbeit. Doch dieser Bevölkerungszuwachs konnte von den immer größer werdenden Ballungszentren so schnell nicht aufgefangen werden. Die Folge waren sehr niedrige Hungerlöhne oder gar die Massenarbeitslosigkeit und die daraus resultierende Massenarmut der ohnehin schon durch den Pauperismus angeschlagenen Bevölkerung in vielen Gebieten Deutschlands. Wie man sich leicht vorstellen kann, waren die Arbeits- und Lebensbedingungen in den Industriegebieten sehr desolat. Diese waren gekennzeichnet von den Elendsquartieren der Arbeiter, Hunger, Krankheiten, Alkoholismus, Gewalt und Prostitution. Die arme Arbeiterschicht wurde in den Städten direkt mit dem wohlhabenden Adel konfrontiert. Dies führte zu einem erhöhten Konfliktpotenzial zwischen diesen beiden Schichten. Um dies zu verstehen, muss man die politischen Hintergründe näher beleuchten. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde die die Politik der Restauration von vielen europäischen Staaten beschlossen. Diese stand mit ihrem Inhalt der Erhaltung der alten konservativen Ordnung und der Kleinstaaterei im extremen Gegensatz zu den liberalen Forderungen nach nationaler Einigung und demokratischen Bürgerrechten. Es brodelte im Volk, unter anderem auch durch die Julirevolution 1830 in Frankreich, die den Deutschen neue Kraft gab, sich gegen das bestehende politische System aufzulehnen. Die liberalen Bewegungen, aber auch andere gesellschaftskritische und nationalistische Menschen, litten jedoch vor allem unter den Zensurmaßnahmen des Deutschen Bundes (Karlsbader Beschlüsse 1819 und deren Verschärfung 1832), welche ein Verbot der Burschenschaften, verschärfte Pressezensur, Verhaftungen und Entlassungen umfassten.
    Somit kam es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland immer wieder zu Aufständen der liberalen Bewegungen und 1848 schließlich zur Revolution.

    Schon mal Danke im Voraus!!
     
  2. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Vielleicht noch eine Einordnung zu den Revolutionen, die von der Februarrevolution 1848 in Frankreich ausgehend auf weite Teile Europas übergriffen, s. Europäische Revolutionen 1848/1849 ? Wikipedia (ähnliches haben wir vor einigen Jahren gehabt, als in der arabischen Welt auch mehrere Revolutionen ausbrachen , der sog. arabischer Frühling).
     
  3. Liberrevolte

    Liberrevolte Neues Mitglied

    Danke für die schnelle Antwort. Ich habe den ersten Teil so beendet:
    Somit kam es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland immer wieder zu Aufständen der liberalen Bewegungen mit den Forderungen nach Freiheitsrechten. Die Februarrevolution in Frankreich führte dann zum Ausbrechen des Lauffeuers der Märzrevolution in vielen Staaten des Deutschen Bundes im Jahre 1848.

    zu 2)
    1848 kam es zu Massendemonstrationen vor dem Berliner Schloss. Es fielen unbeabsichtigt Schüsse und die gesamte Menschenmasse geriet in Aufruhr. Es entstanden Straßenkämpfe. Der König musste das Volk wieder beruhigen und war zum Nachgeben bereit. Er machte liberale Zugeständnisse, versprach eine Verfassung, die die Abschaffung der Pressezensur und die Wiedereinsetzung der Landtage beinhaltete. Doch dies ist nur eine Taktik des Königs gewesen, um Zeit zu gewinnen. Eigentlich wollte er seine Alleinherrschaft weiterführen. Trotzdem kam es im Mai 1848 zur Errichtung und Zusammenkunft einer gesamtdeutschen Nationalversammlung und zur Erarbeitung einer gemeinsamen Verfassung, welche die konstitutionelle Monarchie als Ziel verfolgte. Im Dezember 1848 war diese Nationalversammlung mit dem Grundrechtsteil der zukünftigen Verfassung fertig, jedoch traten im Folgenden kaum lösbare Probleme auf. Es kam zum Meinungsstreit zwischen Demokraten, die in der Minderheit waren, und den Liberalen. Die Liberalen wollten eine konstitutionelle Monarchie die Demokraten eine Republik. Ähnlich gegensätzlich sah es bei Wahlrecht aus. Im März 1849 waren die nötigen Kompromisse gefunden und die Reichsverfassung wurde verabschiedet. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. wurde zum Kaiser gewählt, was die kleindeutsche Lösung vorsah. Im April 1849 lehnt der auserwählte König die Krone jedoch ab, denn er wollte von seinen fürstlichen Standesgenossen zum Kaiser gemacht werden, nicht etwa durch Revolution oder durch das Volk. Die liberale Mehrheit war entmutig und ging auseinander. Kurz danach wurde die Nationalversammlung aufgelöst. Die Demokraten ließen dies jedoch nicht auf sich beruhen und wollten durch demokratische Aufstände im Mai 1849 die Anerkennung der Reichsverfassung erzwingen. Diese Bewegungen wurden jedoch größtenteils von der preußischen Armee beseitigt. Es kam zum Scheitern der Revolution. Dies geschah vor allem deswegen, weil die liberalen Bewegungen keine Macht zur Durchsetzung ihrer Forderungen besaßen. Die gesamte deutsche Revolution lief ohne einen konkreten Plan ab, sodass mehrere Führergruppen vorhanden waren, sowie verschiedene Orte, an denen die Demonstrationen stattfanden. Außerdem waren die meisten liberalen Bürger nicht radikal genug. Sie wollten keine kompletten Veränderungen, beispielsweise wollten sie einen König als Repräsentant und Leiter, jedoch mit eingeschränkter Macht. Zudem kam es durch eine florierende Wirtschaft und Landwirtschaft zu einer Verbesserung der psychischen Lage, welche auch die Radikalität der Liberalen eindämmte und die Zufriedenheit im Volk wachsen ließ. Es kam somit weder zur Gründung eines Nationalstaates noch zur Herstellung eines Rechtsstaates und Demokratie von unten. Statt einer konstitutionellen Monarchie mit einem starken Parlament wurde die Macht der Monarchen ausgebaut. Statt die versprochenen Grundrechte zu gewährleisten, hoben die Regierungen diese auf. Es kam zu Unterdrückung politischer Gegner sowie zur Wiedereinführung der Zensur. Die Verhältnisse von 1848 galten weiterhin. 1850 wurde der Deutsche Bund neu gegründet und Deutschland bestand nach wie vor aus der Kleinstaaterei.
    Die Revolution war gemessen an ihrem Doppelziel von Einheit und Freiheit gescheitert.


    Vielleicht könnt ihr mal schauen, ob ihr noch was ergänzen könnt, bzw. Fehler entdeckt. Danke! ((((:)
     
  4. Jooch

    Jooch Neues Mitglied

    Revolution 1848 ex post national oder überregional Neuenburg und Baden

    Mir scheint die Revolution von 1848 sollte nicht nur aus dem nationalstaatlichen expost Blickwinkel, sondern als eine allgemeine Bewegung der handlungsfähigen Bevölkerungsteile, die für die lebenspraktisch-wesentlichen Umwälzungen durch die Napoleonischen Kriege eine Lösung suchten, verstanden werden.

    Da zu diesem Zeitpunkt die von den Humanisten, seit den Konzilen zu Konstanz und Basel entwickelte Vorstellung von Nation operativ eingesetzt werden konnte, erscheint es zwar verständlich, dass jeweils innerhalb der später entstandenen Nationalstaaten eine Bewertung der Revolution erfolgt. Dies verengt den Blickwinkel sachfremd und trennt Sachzusammenhänge, was der wirklichkeitsnahen Lagebeurteilung nicht dient.

    Geht man jedoch davon aus, dass die Vorstellung einer Republik als Alternative zur Monarchie und die kriegs- und verwaltungsmässigen Veränderungen der Lebensgrundlagen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Wahrnehmung und Wünsche der Bevölkerungen auf dem gesamten Gebiet des europäischen Festlandes verändert haben, so scheint es mir angebracht, das ex-post nationale Blickfeld zu weiten.

    Die Revolution von 1848 wäre dann nicht als gescheitert zu bewerten, wenn auch das Gebiet der heutigen Schweiz, die es damals noch nicht gab, in die Betrachtung einbezogen würde. Neuenburg war damals ein Fürstentum mit einem Preussischen Fürsten. Die Badenser probten gleichzeitig wie die Schweizer mit Freischarenzügen (diese würden von den heutigen Medien wohl als Freiwillige bezeichnet) die Revolution und hatten nach dem Erfolg in der Schweiz auch auf Hilfe von dort gehofft. Dies umsomehr als einige dort auch gekämpft hatten. Das damals noch preussische Neuenburg konnte aufgrund der günstigen Verhältnisse für die neu gegründete Schweiz aus der staatsrechtlichen Beziehung zu Preussen gelöst werden. Die Badenser Revolutionsführer und ihre Truppen konnten sich vor den monarchischen Truppen, deren zivilen monarchischen Einsatzleiter sich völkerrechtlich und moralisch wohl im Recht sahen, auf Schweizer Gebiet retten; mit existenziellen Gefahren für die Schweiz. Einige dieser Revolutionäre blieben, andere wanderten weiter in die USA oder später zurück.

    Was die Gründung der Schweiz 1848 angeht, so haben es die Liberalen Kräfte der in der Tagsatzung einsitzenden Kantone der nachmaligen Schweiz geschafft, der Interventionsdrohung der "Heiligen Allianz" mit viel Glück und Geschick zu trotzen. Es mussten dabei in einzelnen Kantonen die Verfassungen demokratisiert werden, was unter anderem auch eine Veränderung der Wahlrecht zur Folge hatte, und gleichzeitig eine Mehrheit der Kanton für einen Strukturwechsel des bisherigen Staatenbündnisses gefunden. Die ausländischen Interventionen und die Abspaltung von einigen Kantonen ( Sonderbund mit engen Beziehungen zu Metternichs Österreich) wurde mit einem 26-igen Tages-Krieg unterlaufen und unmittelbar anschliessend mit diesen Kantonen in einer gemeinsamen Verfassungskommission innert 51 Tagen eine Verfassung ausgearbeitet. Diese wurde in den einzelnen Kantonen dem jeweiligen Staatsvolk der Kantone zur Abstimmung vorgelegt. Aufgrund dieses Ergebnisses haben sich dann diese Kantone zum Schweizerischen Bundesstaat zusammengefunden.

    Die diese Verfahren auf verschiedenen Ebenen, also kantonaler, »nationalen« und internationaler Ebene, führenden Männer haben gleichzeitig den Kanton Neuenburg aus der preussischen Eingliederung gelöst und so zum vollwertigen Kanton im neuen Bundesstaat gemacht.

    Rolf Holenstein hat diese Vorgänge in der Biographie von Ulrich Ochsenbein mit dem Untertitel Erfinder der modernen Schweiz, Basel 2009 anschaulich und auch spannend aufgezeigt. Er geht dabei auch auf die engen Bezüge zur Badischen Revolution und derjenigen in Norditalien ein.

    Die neu geschaffene Schweiz wurde unmittelbar vor eine überlebenswichtigen Entscheidungsfrage gestellt. Wie soll sich der neue, nur über beschränkte Mittel verfügende und zudem vom Ausland vollständig umgebene Bundesstaat gegenüber den Revolutionären an ihren Grenzen verhalten, deren Anschauungen den ihren entsprachen. Einige Kantone wollte Freiwillige in Einheiten aufstellen und zugunsten der Revolutionäre einsetzen. Die Vorgänge würde mit heutige Terminologie wohl als hybride Kampfführung bezeichnet. Unter Würdigung der Kräfteverhältnisse haben sich die besonnenen Kräfte durchgesetzt, die sich auf den neue gegründeten Staat besinnen und sich nicht den spontanen Gefühlsregungen hingeben wollten. Rückblickend ist aus dieser Bewährungsprobe ist dann die praktische Neutralität der Scheweiz entstanden, die das Überleben der Schweiz im monarchischen Europa der "Heiligen Allianz" und später der totalitären Bewegungen ermöglicht hat.

    Angesichts der Solidarität der Monarchen in der »Heiligen Allianz«, wenn es um die Durchsetzung des damaligen völkerrechtlichen Zeitgeistes gegangen ist, wäre der neu entstandene Bundesstaat Schweiz bei einer Intervention wohl zerbrochen und auf die umliegenden Staaten verteilt worden. Diese Widerständigkeit gegenüber dem jeweils herrschenden und moralisierenden Zeitgeist in den umliegenden Gebieten, wurde aber schon früher von den überzeugten Fürsten nicht sonderlich geschätzt, wie deren überlieferte Beschreibungen aus dem Appenzeller - oder dem Schwaben/Schweizerkrieg bekunden.

    Diese Revolution von 1848 ist dann in der Schweiz weiterentwickelt worden, indem 1874 direktdemokratische Institutionen aus der kantonalen Bewährung in die Bundesverfassung mit einer Revision übernommen und dem Volke zur Abstimmung vorgelegt worden sind. Die einzelnen Stände (deutsch für Kanton) haben in der dazwischenliegenden Zeit viele Institute erprobt, verworfen und modifiziert, so dass bei der Übernahme der Institute eine Erfahrung mit deren Umgang vorhanden war.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. April 2015

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