Revolution und Locke, Montesquieu, Rousseau, Kant

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von cukorka, 16. Januar 2014.

  1. cukorka

    cukorka Neues Mitglied

    Hallo,
    ich bin gerade dabei, meine Zusammenfassung für mein 1. GL Thema "Revolutionen" zu beenden. Mein letzter Schritt ist, die Denker Locke, Montesquieu, Rousseau und Kant ihre philosophischen Grundlagen der Aufklärung zusammenzufassen. Hierbei wollte ich auch darauf eingehen, welche Rolle/welchen Einfluss diese Denker jeweils in den/auf die Revolutionen (England, Amerika, Frankreich oder Vormärz/1848er) hatten.

    Vielleicht hat ja der ein oder andere einen Gedankenblitz innerhalb dieses Themenbereiches, den er mit mir teilen kann ;)

    Bei Kant zum Beispiel habe ich schonmal das gefunden:
    Kant kommt zu der Schlussfolgerung, dass die Aufklärung am bzw. im Kollektiv stattfinden muss, allerdings hierfür ist die Freiheit Vorraussetzung.
    Dabei stellt er fest, dass Freiheit nur durch Revolution erreicht werden kann, diese aber leider nur neue Richtlinien im Denken hervorbringt.
    Durch eine Revolution wird vielleicht wohl ein Abfall von gewinnsüchtiger oder herrschsüchtiger Bedrückung, aber niemals wahre Reform der Denkungsart zustande kommen. Vielmehr werden neue Vorurteile zustande kommen die, ebenso wie die alten, zum Leitbande des gedankenlosen großen Haufens dienen.


    Montesquieu wird nachgesagt (angeblich von Napoleon selber), ohne ihn hätte es keine franz. Revolution gegeben. Wie aber wird er damit in Verbindung gebracht? Habe dazu leider im Internet nichts gefunden. Ich würde ich sehr über Beiträge freuen.
     
  2. excideuil

    excideuil unvergessen

    Einen Beleg für dein Zitat habe ich nicht finden können. (Was nichts heisst!)

    Zu Montesquieus "Vom Geist der Gesetze (1748)" selbst, ein für meine Begriffe brauchbarer Link:

    (GES,P) Montesquieu: Vom Geist der Gesetze (1748)

    Darauf hoben die Parlamente schon in den 1750iger Jahren ab:

    "In einem Text des Pariser Parlaments aus dem Jahre 1756 liest man: "Jegliche politische Harmonie hängt wesentlich von drei bewegenden Kräften ab, die im Einklang progressiv abgestimmter und kombinierter Verfahren agieren müssen: der souveränen Autorität, dem Gesetz und den Anwendern des Gesetzes. Die Befehls- und Entscheidungsgewalt liegt beim Souverän, die Exekutive und die Gewalt des Bewahrens in den Händen derer, diedas Gesetz anwenden [...] Der Monarch, das Gesetz, die Magistrate bilden eine Einheit, ein unteilbares Ganzes: der Monarch, um als Gesetzgeber und Vater zu regieren, das Gesetz, um Ordnung und Vertrauen zu gewährleisten, die Magistrate, um die Autorität, das Recht und deren Respektierung durch ihr Beispiel und durch die Anwendung des Rechts aufrechtzuerhalten." [1]

    Ludwig XV. brach zwar die Macht der Parlamente, unter Ludwig XVI. wurden sie wieder in ihren vollen Rechten bestätigt.

    Hinzu kam, dass die Parlamente sich als "Generalstände im kleinen" [ 2] verstanden, diese Argumentation in weiten Teilen der gebildeten Öffentlichkeit Gehör und Akzeptanz fand.

    Ein Grund, warum dann letzlich die Generalstände einberufen wurden, was im Grunde das Todesurteil für die absolute Monarchie in Frankreich war.

    Interessant dabei ist, dass die Aufklärer oft über aristokratische Salons ihre Ideen verbreiten konnten, Mitglieder der Aristokratie sich diese Ideen zueigen machten:

    "Unter Ludwig XV. bewegte sich die Gesellschaft freier und schloss sich weniger nach außen ab. Gelehrte und Schriftsteller kamen zu größerer Geltung, wodurch Umgang und Unterhaltung anregender und vielseitiger wurden. Fontenelle, Montesquieu, Buffon, der Geschichtsschreiber Hénault und vor allem Voltaire erlangten ZUtritt in diese Kreise, die dadurch nur gewinnen konnten; denn jene Männer brachten ein reiches geistiges Leben mit." [3]

    Und so fanden sich unter den führenden Revolutionären der ersten Stunde eben auch aufgeklärte Aristokraten, wie den Bischof von Autun, der eine konstitutionelle Monarchie nach dem Vorbild Englands favorisierte, mit der Radikalisierung der Rev. nichts abfangen konnte:
    "Von ihren Schülern haben freilich manche aus missverstandenem Eifer die soziale Ordnung untergraben." [4]

    Und selbst in seiner Beurteilung Napoleons findet sich Montesquieu wieder:
    "Die Russen nahmen sich bald darauf an Spanien ein Beispiel und bereiteten den gänzliches Sturz des Mannes vor, der für sich und die Seinigen von einem europäischen Weltreich träumten. Hier bewährte sich das Wort Montesquieus von den Königen, die eine Universalmonarchie gründen wollen: "Wenn sie irgendwo scheitern, so scheitern sie bald überall." [5]

    Insgesamt läßt sich sagen, dass Montesquieu und Co. die Revolution theoretisch vorbereitet haben.

    Grüße
    excideuil

    [1] Malettke, Klaus: Die Bourbonen, Bd. II: Von Ludwig XV. bis Ludwig XVI. 1715-1789/92, W. Kohlhammer, Stuttgart, 2008, Seite 61
    [2] Malettke, a.a.O., Seite 136
    [3] Talleyrand: „Memoiren des Fürsten Talleyrand“, herausgegeben mit einer Vorrede und Anmerkungen von Herzog de Broglie, Original Ausgabe von Adolf Ebeling, Köln und Leipzig, Bd. 1, 1891, Seite 51
    [4] Talleyrand, a.a.O., Seite 64
    [5] Talleyrand, a.a.O., Seite 291
     
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