Revolutionen, typisch für Europa?

Dieses Thema im Forum "Westeuropa" wurde erstellt von dieAnnki, 8. April 2007.

  1. dieAnnki

    dieAnnki Neues Mitglied

    Ich habe eine Frage, für die mir bisher eigentlich keine Antworten eingefallen sind,und zwar hat meine Geschichtslehrerin uns die Frage gestellt, ob, und wenn ja warum Revolutionen, typich für den Europäischen Kontinent sind!!! i Es wäre echt super, wenn ihr mir eure Ideen und Einfälle schildern könntet...
    Vielen Dank schon mal im Vorraus:yes:
     
  2. dieAnnki

    dieAnnki Neues Mitglied

    Revolutionen-typisch für Europa?

    Ich habe eine dringende Frage, mir selbst ist bisher kaum eine mögliche Antwort eingefallen, wäre super wenn ihr mir helfen könntet... Meine Frage ist, ob die Idee der Revolution eine typische europäische ist!! Es ist ja aufällig, dass die meisten, und vor allem ersten Revolutionen in Europa stattgefunden haben, aber WARUM???
     
  3. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Vieleicht, weil Europa zu den in Frage kommenden Zeitpunkten am dichtesten besiedelt war und es auch Leute gab, die sowas für die Nachwelt festhielten?

    Wobei ich mich noch mal schlau machen muss, woher du das hast, das die ersten Revolutionen in Europa stattgefunden haben.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. April 2007
  4. Wulfenkrieger

    Wulfenkrieger Neues Mitglied

    Nur, damit ich die Fragestellung auch richitg erfassen kann, was gehört eurer Meinung alles nach zu Europa? da gibt es ja kein einheitliches bild, besipielsweise aus politischer sicht oder geographischer sicht:grübel:
     
  5. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ja, vom Atlantik bis zum Ural, denke ich mal.
    Wer heute von Europa spricht, kann ja nur dieses meinen. Wer weiss denn schon, wie das Gebiet vor 5000 Jahren hiess?
     
  6. saxo

    saxo Gesperrt

    Uneinheitlich ist die Grenze Europas nur im Gebiet nördlich und südlich des Kaukasus. Das dürfte für die Fragestellung also eher wenig Bedeutung haben.

    Um die Frage zu beantworten, würde ich erst mal das Wort Revolution definieren. Immerhin gab es schon vor einigen Jahrhunderten einen großen Bauernaufstand in China.
     
  7. Benjamin

    Benjamin Gast

    meinst du mit erste Revolutionen...die "ab" 1789, also abFranzösische Rev.? :grübel:
     
  8. Wulfenkrieger

    Wulfenkrieger Neues Mitglied

    Ich vermute dass hier ab diesen Datum nach gründen gesucht wird, denn, bezogen auf die "gesamte" geschichte wird diese Frage wohl schon im Ansatz nicht zutreffen:grübel:
     
  9. Wulfenkrieger

    Wulfenkrieger Neues Mitglied

    Hm ich versuche mal einen Definition für Revolution: Allgemein bezeichnet die Revolution eine plötzliche (politische) Wandlung oder Erneurung; Entlehnt wurde das Wort aus dem spätlateinschen revolutio ("das Zurückwälzen, die Umkehrung"). Später erfuhr der Term einen Bedeutungswandel und wurde unter den Eindrücken der französischen Revolution zu einem Synonym für einen "gewaltsamen Umsturz"
    Das sollte als Diskussionsgrundlage behilflich sein:winke:
     
  10. dieAnnki

    dieAnnki Neues Mitglied

    Re·vo·lu·ti'on, die; -,-en 1.gewaltsamer Umsturz einer politischen Ordnung, eines Systems 2. radikale Umwälzung, grundlegende Änderung (z.B. bestehender Theorien oder Weltbilder),
    Eine „Revolution“ bezeichnet in der Soziologie sowie umgangssprachlich einen radikalen und meist, jedoch nicht immer gewalttätigen, sozialen Wandel Umsturz) der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Er wird von einer organisierten, möglicherweise geheimen, Gruppierung von Neuerern getragen und findet die Unterstützung größerer Bevölkerungsteile.
    So, dass schon mal zur Definition der Revolution, zu dem wollte ich daran erinnern,dass 1688 in England schon die "Glorreiche Revolution" stattgefunden hat..
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. April 2007
  11. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Was braucht man denn für eine Revolution?
    Ein System mit dem viele sehr unzufrieden sind. Imho relativ global.
    Unter den Unzufriedenen sollte eine mächtige Gruppierung sein. Da sie die politische Macht nicht hat (andernfalls wäre sie das System) bleiben militärische oder wirtschaftliche Macht.
    Die Unzufriedenen sollten organisiert sein um als Gruppe aufzutreten oder über Möglichkeiten verfügen schnell Anhänger zu gewinnen.
    Damit die Revolution gelingt, muss imho schnell vorgegangen werden.
    Die letzten beiden Punkte lassen sich in einer modernen Gesellschaft sehr gut erfüllen, dank entsprechender Verkehrsmittel und ausgebauten Nachrichtenwesen (bedingt einander teilweise).
    Europa, mit seiner flotten Entwicklung (frühe Industrialisierung) und vergleichsweise kleinen Staaten (verkürzt Wege) scheint mir von daher ein guter Ort für Revolutionen zu sein.
    Bei der Aufgabenstellung ist aber zu bedenken, dass wir dank unseres eurozentristischen Geschichtsbildes und -unterrichts praktisch keine außereuropäischen Ereignisse kennen (Ausnahme: Nordamerika).
     
  12. Benjamin

    Benjamin Gast

    jo...das hatte ich bei meiner frage nämlich im hinterkopf! :winke:

    tolles wort:yes:
     
  13. psbvbn1

    psbvbn1 Neues Mitglied

    tja, was braucht man eigentlich für eine Revolution?
    Da hatte Themistokles schon recht: das wichtigste ist der Revolutionsträger. Dieser muss eine Machtbasis haben, sei sie wirtschaftlicher, militärischer, politischer oder moralischer Natur. Das richtet sich ganz nach dem Bereich, wo eine Revolution stattfinden soll. Dabei gilt eine Art Nischenregel: dort wo, man die Macht errungen hat, braucht man keine Revolution mehr, man will sie vielmehr in anderen bereichen, die den eigenen Machtbereich nicht zu sehr beeinflussen, vollziehen. Allerdings ist jede Revolution bereichsübergreifend, da sich alle Bereiche des öffentlichen Lebens mehr oder weniger gegenseitig beeinflussen.

    Man braucht weiterhin einen passiv agierenden Revolutionsempfänger. Meist ist das der größte Teil des Volkes, das Änderungen begrüßt, aber nicht aktiv zum Gelingen beiträgt. Allerdings braucht man als Revolutionäre Bewegung dessen Zustimmung. Damit kommt man zur Propaganda, die besonders in einer politischen Revolution sehr wichtig ist. Um Anti-Status-Quo-Propaganda zu verbreiten, braucht man ein großes Angebot an Medien. Das war ja gerade ein Punkt, der in Europa relativ früh schon gegeben war und sich dann rasant ausbreitete (siehe Luthers Thesendruckerei).
    Vielleicht nach dem Abilernen fällt mir noch was dazu ein...
     
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  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Es ist vielleicht etwas böse mit einer Gegenfrage zu kontern, aber wo gab es denn keine Revolutionen und wozu sind Revolutionen denn gut oder besser wann sind Rev. nötig?
    Du wirst also in Amerika nicht nur den Unabhängigkeitskrieg in den 13 Kolonien sondern auch die Unabhängigkeitskämpfe in Lateinamerika und Mittelamerika finden. Ja das waren in der Summe verpflanzte Europäer, aber in China wurde auch der Kaiser gestürzt, in Indien die englische Kolonialregierung und als Resultat wurden jeweils Republiken instaliert. Deswegen würde ich kurzum sagen, dass Revolutionen kein Europäisches Phänomen sind, eher werden solche Umstürze in anderen Staaten von den Europäern vielleicht nicht so wahrgenommen wie die eigenen und unsere Geschichtsschreibung ist einfach auf Europa fixiert. (Wohl auch durch die Einflüsse im Zuge der Kolonialisierung Amerikas...)
     
  15. saxo

    saxo Gesperrt

    Mit der Formulierung hab ich ein Problem: In Chile hatte z. B. Allende die politische Macht. Pinochet und Konsorten die wirtschaftliche und militärische. Nach Deiner Definition ist also Putsch und Revolution das gleiche?

    Und was ist, wenn die Revolution nicht erfolgreich ist? War es dann keine?
     
  16. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Entscheidend ist also die Bewertung der Nachwelt. So ist die 1848er Revolution in Deutschland dennoch als Revolution im Gedächtnis geblieben, obwohl sie nicht oder nur teilweise erfolgreich war. Der Coup d'état von Bonaparte 1799 wird als Putsch gewertet. (Wohl weil man mit einer Revolution einen Fortschrittsgedanken verbinden und nicht den Rückschritt, weil der Weg in die Demokratie als Fortschritt nach langläufiger Meinung gewertet wurde.)
    Umstürze wie 1813 in Kassel, Ende des Kgr. Westphalen, werden garnicht als Putsche großartig zur Kenntnis genommen...
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hier sind einige schwierige Fragen aufgeworfen worden. Themi und psbvbn haben gar keinen so falschen Gedanken, der aber von saxo trotzdem zu Recht hinterfragt worden ist. Denken wir an die bürgerlichen Revolutionen, dann haben wir es in der Tat mit Revolutionen zu tun, wo eine Klasse, die wirtschaftlich Macht erworben hat, sich nun auch die politische Macht zu erwerben sucht, was gegenüber der Aristokratie meist nur in Form einer gewalttätigen Revolution geht, da die Macht der Aristokratie auf dem Gewaltmonopol (und der Geburt) basiert. Bei der proletarischen Revolution gibt es dagegen nur eine Ressource: Masse. Auch diese ist als Macht zu begreifen, aber hier steckt eben keine wirtschaftliche oder politische Macht dahinter, militärische Macht nur sehr mittelbar (Ausnahme: Leningrad, Februar 1917, Kiel, November 1918, wo die Revolution aus dem Krieg heraus geschieht).
    Vorraussetzung für eine Revolution ist es allerdings, dass die Machtstrukturen grundlegend umgekehrt werden müssen. Nehmen wir die amerikanischen Unabhängigkeitsbewegungen: hier kann man nicht von Revolutionen sprechen, denn es ist die Kolonialaristokratie, die nach der Unabhängigkeit die Macht übernimmt, wenn auch scheinbar demokratisch legitimiert. Für den größten Teil des Volkes besteht der Unterschied nur darin, dass Steuern nicht mehr nach Spanien abgeführt werden und einige zuvor langwierige politische Entscheidungsprozesse verkürzt werden. Revolutionäre Bewegungen begleiteten die Unabhängigkeitsprozesse zwar (etwa der Priester Hidalgo in Mexiko), hatten aber am Ende meist keinen Erfolg.

    Gehen wir 140 Jahre weiter und kommen zu Pinochet (ähnliches gilt auch für Franco in Spanien). Die Putsche Francos oder Pinochets platzen jeweils mitten in einen revolutionären Prozess der Umwälzung wirtschaftlicher Macht, der aber von wesentlichen Teilen des Militärs nicht getragen wird. Ihre Putsche beenden also die laufende Revolution und revidieren ihren bisherigen Verlauf. Die wirtschaftliche Macht bleibt jeweils in den Händen derer, die sie schon zuvor hatten (zumindest in Spanien wurde die Herrschaft Francos dennoch nicht gerade begrüsst, da dessen vertikale Gewerkschaft nicht nur Arbeitnehmern sondern auch Arbeitgebern die Hände band).

    Wichtig finde ich, ist es zu unterscheiden zwischen einer Umwälzung der Macht (Revolution) und einem Aufstand (Resurrektion), bei dem zwar eine Gruppe, Schicht oder gar Klasse ihrem Unmut Luft macht, nicht aber vorhat, bestehende Verhältnisse grundsätzlich zu verändern. (So kann man die Montagsbewegung in der DDR auch eher als "resurrektionär", als als revolutionär verstehen. Was am Ende dabei raus kam, war aber doch irgendwie eine Stück Revolution: bestehende Verhältnisse wurden grundsätzlich verändert.
     
  18. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    In Lateinamerika könnte man allerdings diferenzieren. Während in den 13 Kolonien, wo heute noch immer ein Teil der Historiker von einer "Revolution" spricht, eine konstitutionelle Monarchie abgelöst wurde durch eine Demokratie nach englischem Muster, also dem Muster des Mutterlandes, sieht das doch in Südamerika anders aus. Bolivar griff ja sozusagen zum Zeitpunkt einer außenpolitischen Lähmung des Mutterlandes zu, als die Erhebung gegen die spanische Herrschaft sogar im Sinne König Ferdinands VII. durchgeführt werden konnte, weil Spanien zu dem Zeitpunkt unter der Regierung von Napoleon I. Bruder Joseph stand. Die wirklichen Neuerungen gegenüber der Politik der spanischen Herren lassen sich kaum greifen, wohl weil Bolivars Regierung in eine Diktatur mündete.
     
  19. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Es war keine Definition, sondern nur ein paar spontane Gedanken. Meine Überlegungen zu Eigenschaften der Rerolutionäre lassen zugegebenermaßen keine Unterscheidung von Putsch und Revolution zu. Diese ergibt sich imho mehr über Anzahl der Revolutionäre. Aber hiermit kenne ich mich auch nicht sonderlich gut aus.
    Nicht unbedingt, wie das Professorenparlament von 1848 zeigt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. April 2007
  20. Benjamin

    Benjamin Gast

    nachdem es jetz hier ja iwie mehr darum geht wie man eine Revolution definiert hätte ich da auch noch einen, vll ganz brauchbaren ansatz:

    Ich denke diese Definition greift sowohl vorhergegangene Überlegungen auf, erklärt unter umständen sogar, warum die 1848 Revolutionen, Revolutionen heißen...weil zwar nicht alle Merkmale für eine wirkliche Revolution erfullt waren, der Wille der Veränderung in der breiten Masse sowie die Aktion, dann woh den eig Ausschlag gibt...auch wenn sie letztendlich gescheitert ist!
     

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