Rock 'n' Roll

Dieses Thema im Forum "Kunstgeschichte" wurde erstellt von Köbis17, 17. Dezember 2014.

  1. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Hallo Zusammen,

    einer der wichtigsten gesellschaftlichen Subkulturentwicklungen die eine neue Generation nach dem 2. WK hervorbrachte - die Rebellion der Jugend. Aber auch der Verbreitung der Musik in der wachsenden Freizeitgesellschaft ... sag ich jetzt mal. :pfeif:

    Sendung verpasst:
     
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  2. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Ich habe die Doku schon vor einigen Jahren gesehen und sie jetzt zum "auffrischen" nicht nochmal angeschaut. Allerdings war ich schon damals nicht begeistert, was am Ende aus dem hochgejubelten "Dokumentarfilmprojekt" wurde.

    Mir geht es darin zu sehr drunter und drüber. Rock'n'Roll ist mehr als nur Rockabilly, Rockabilly ist eine Spielart des Rock'n'Roll, mehr aber auch nicht. Seine eigentliche Hochphase hatte der Rockabilly erst in den späten 70ern und 80ern mit Bands wie den Stray Cats, die dann wiederum richtungsweisend für Weiterentwicklungen wie den Psychobilly mit den Meteors oder den Guana Bats war. Auch das Styling der eigentlichen Rockabilly-Szene ist mehr angelehnt an den 40ern bis 60ern denn authentisch 50er (bei den männlichen Vertretern noch mehr als bei den Damen), authentisch 50er wollen die Billies auch gar nicht, was aber auch nicht schlimm ist. In der Doku wird das mE aber so verkauft, als wäre das alles voll Original 50er.

    Und ganz davon abgesehen: es gab mal Zeiten, da waren Billies und Teddies spinnefeind, heute lässt sich ein Ted-Club in einem Dokuprojekt über Rockabilly interviewen? Genauso wie ein 40er Jahre Pin-up-Model? Das finde ich schräg, schlicht weil es den falschen Eindruck vermittelt. Hier wird eine gesellschaftliche Strömung die irgendwie Vintage ist und deren zeitliches Spektrum ich von den 20ern bis zu den frühen 60ern ansetzen würde mehr oder weniger über einen Kamm geschert und mit dem Label "Rockabilly" versehen, obwohl das absolut eindimensional ist und damit der sehr heterogenen gesellschaftlichen Strömung in Summe nicht gerecht wird. Das liegt vermutlich daran, das Rockabilly die letzten Jahre "in" war und damit irgendwie alles was was optisch halbwegs in die 50er passt, einfach mal mit "Rockabilly" gelabelt wurde. (Allerdings gibt es hierzu Hoffnung, in jüngster Zeit werden die 60er Jahre Mods als neue Stilikonen identifiziert. :D)

    Und um jetzt den Kreis zu schließen, ich kenne einige der Darsteller in der Doku persönlich, sie waren selbst erschrocken, wozu ihre Interviews zusammen geschnitten wurden.

    Soviel erstmal zur Doku, deine einleitenden Worte zum Thema Rock'n'Roll greife ich bewusst zum Schluss auf, weil ich die Diskussion mit meinen Anmerkungen zur Doku jetzt nicht direkt in die falsche Richtung rennen lassen wollte.

    Ich weiß nicht, ob ich von einer Subkultur sprechen würde, weil es ja nicht "Sub-" war, es war eher eine umfassende Jugendbewegung, oder mehr noch vielleicht die Entdeckung des Jugendlichen als künstlerisch-musikalische Zielgruppe. Und auch da gab es ganz viele Spielarten und eben nicht nur eine große Bewegung, von den Halbstarken bis hin zu den Peter-Kraus-Fans war alles dabei.
     
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  3. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Mich und all meine Kumpels waren damals von dieser Musik begeistert.<?xml:namespace prefix = "o" ns = "urn:schemas-microsoft-com:eek:ffice:eek:ffice" /><o:p></o:p>
    Kam genau im richtigen Alter!

    Wenn wir auch nicht die Möglichkeiten wie im Westen hatten, zumindest der Haarschnitt war in Mode und die Friseure haben diesen auch auf Wunsch frisiert. Viele trugen diesen Haarschnitt. <o:p></o:p>

    Rock ’n’ Roll hörten wir von AFN, Bayrischen Rundfunk, Radio Luxemburg und einige weitere Sender.<o:p></o:p>

    Selbstverständlich bekamen wir in unseren kleinen Provinzstädtchen etwas von der Bill Haley Tour in der Bundesrepublik mit.<o:p></o:p>
    27.10.1958 Sportpalast Westberlin, 30.000 DM Sachschaden. <o:p></o:p>

    Am nächsten Tag in den DDR Zeitungen (ND, JW u.a.) lernten wir einen neuen Begriff kennen
    Transatlantische – Veitstänzer -.<o:p></o:p>

    Interessierte uns wenig, uns interessierte die Musik, die ich übrigens auch noch heute gern höre.<o:p></o:p>
    War eine tolle Zeit und auch schöne Zeit. Unvergängliche Hits sind in dieser Zeit mit entstanden wie z.B. „In the Getto“, „Don’t“, „Love me Tender“ uvam.<o:p></o:p>
    Man könnte Seiten mit schönen Titeln voll schreiben.<o:p></o:p>



    <o:p></o:p>
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Dezember 2014
  4. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Achtung, Klugschiss: "In the Ghetto" ist aus dem Jahr 1969, sprach das laufende Elvislexikon Klugschiss Ende... ;)
     
  5. BZwo

    BZwo Aktives Mitglied

    Auch wenn ich die tolle Zeit aufgrund zu später Geburt nicht erleben durfte, muß ich als zuständiger Musiknerd des GF an deiner Hitliste herumkritteln.
    "In the Ghetto" wurde erst im Jahre 1969 veröffentlicht und kann daher allenfalls mit sehr sehr viel gutem Willen und bei Zudrücken sämtlicher Augen als Rock'n'Roll-Hit der 50er durchgehen. 'S is' außerdem sowieso eher 'ne Soul-Ballade.

    Oder meinst Du etwa gar nicht "In the Ghetto" von Elvis? Gibt's da vielleicht noch eine ältere Version die so ein Jungspund wie ich gar nicht kennen kann? :grübel:

    Edit: Mist, jetzt hab' ich hier wiedermal zu lange an meinem Kommentar herumformuliert, und schon ist mir Lili zuvorgekommen. :mad:
     
  6. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Okay, die Doku war ja auch nur der Stein des Anstoßes für meine Themeneröffnung. Grundsätzlich finde ich es mal Interessant, über historische-kulturelle-gesellschaftliche Themen zu sprechen, wie immer nur Stahl, Krieg und Tot … aber das nur so am Rande …
    Um auf deine Worte im o.g. Zitat zurückzukommen, würde ich dem gern widersprechen, denn die Problematik ist weit aus verworrener und nicht eindeutig einer Strömung oder als Abzweigung des als allgemein Bezeichneten Rock'n'Roll als Musikstil oder auch Lebensgefühl, zuordenbar, wie das gern getan wird, vor allem meist noch mit der Zuteilung eines bestimmten Zeitabschnittes.

    Interessant in diesen Zusammenhang ist der/das Hinweis/Zitat: „ Je weniger die Leute über uns wissen, desto besser ist es für uns!“ …
    Ich glaube, es gibt keine intolerante Subkultur, als die reine Rock'n'Roll Szene mit all ihren Facetten.
    Dabei ist der Begriff Rock'n'Roll auf die als Ursprünglich bezeichnete musikalische Richtung des weißen Country und des schwarzen Rhythm & Blues zurückzuführen und nicht im erweiterten Sinn der Nutzung des Begriffes Rock'n'Roll auf Musik, die durch den gebrauch von elektrischen Gitarren „rockt“ bzw. beeinflusst ist und als Oberbegriff dieser Art von Musik missbraucht wurde, und das bis heute ...

    Daher ist der Begriff Rockabilly als Bezeichnung für den wahren Rock'n'Roll aus der Mitte der 50iger Jahre bezeichnender, als der Rock'n'Roll selbst. So wird der frühe Elvis, wie auch Gene Vincent, Eddie Cochran, Buddy Holly, Carl Perkins (z.B. musikalische Wurzeln von Joey Ramone) oder Jerry Lee Lewis dem Genre Rockabillie zugeordnet, wenn auch schon wieder der Hauch von Mainstream durch den Plattenkonsum einsetzte …

    Daher würde ich den Rockabilly an sich nicht nur auf ein Revival dieser ursprünglichen Musikrichtung aus den 70igern Festmachen. Hier wird nur etwas stilisiert , was es schon vor 20 Jahren gab und ich denke, hier wurde so ein gewissen Alleinstellungsmerkmal gesetzt, was zu dem o.g. Zitat passen würde.

    Ich denke gerade durch die ersten Einflüße bzw. durch das Vermischen der Weißen und Schwarzen Musik, grenzte sich die Jugend als ursprünglichen Rock'n'Roller von der noch sehr strickt herrschenden Rassentrennung in den USA unter dem Begriff als Subkultur von der Gesellschaft ab.
    Dabei sollte nicht die spätere Kommerzialisierung der Maßstab sein, sondern der Eindruck der Gesellschaft in den 50iger auf die vulgäre und obszöne „Affenmusik“ oder „Niggermusik“, die sich negativ auf die Jugend auswirkend sollte bezeichnend sein.

    Damit bekommt diese „Jugendbewegung“ vor Ihrem kommerziellen Ausverkauf über die neu wachsende Plattenindustrie und dem damit folgenden neuen Freizeitverhalten der Jugend aus der Zeit nach 45 bzw. nach den 50iger einen ganz anderen Aspekt.

    Kleiner Literturtipp: Rockabillies – Rock'n'Roller - Psychobillies – Portrait einer Subkultur von Susanne El-Nawab.
     
  7. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Da missverstehst du mich. Ich formuliere anders: der Rockabilly war in den 50ern in den USA ein verhältnismäßig regionales (Südstaaten-)Phänomen, mit wenigen wenigen lokalen Zentren wie Memphis, den Sun-Studios und der Grand Ole Opery bspw. Über die Grenzen schwang er sich in den 50ern nur mit Hilfe von Modifizierung hin zu einer Mainstreamtauglichkeit, sprich, der von dir bereits genannten Kommerzialisierung. Der reine "nackte" Rockabilly schaffte den Sprung erst mit der 2. Rockabillywelle in den späten 70ern und dabei insbesondere auch nach Europa und Asien.

    Findest du? Warum?

    Ich glaube, da sind wir uns einig, 3. Februar 1959 und so ;)

    Die jeweiligen Frühphasen, ja, bin ich dabei. Durch das Vermarktbar machen am US- und später weltweiten Musikmarkt gingen die eigentlichen Stilelemente wie die klassische Grand Ole Opery Besetzung schlicht verloren, das hat dann nichts mehr mit dem eigentlichen Rockabilly zu tun. Und doch haben es einige der von dir genannten Künstler mit der Kommerzialisierung geschafft, sich trotzdem irgendwie noch ihren eigenen "rockabilly"-spezifischen Stil beizubehalten (und haben damit vermutlich einiges an Umsatz eingebüßt). Carl Perkins ließ sich von Hause aus nicht verbiegen und verkaufen und orientierte sich zurück zum Country, Gene Vincent, Buddy Holly, Eddie Cochran und Jerry Lee Lewis haben ihren eigenen ganz besonderen Stil entwickelt, der durchaus noch mehr oder weniger deutliche Rockabilly-Reminiszenzen hatte, mehr aber auch nicht. Und ja, Elvis hat alles verraten und verkauft ob des schnöden Mammons Geld und ist spätestens nach der Rückkehr aus der Army vom Rebell zum Schwiegermutterliebling mutiert.

    Außerhalb der USA würde ich das schon machen, allerdings nicht nur als Revival die zweite Welle des Rockabilly in dem Zeitschnitt war eine ganz eigene Sache und nicht nur bloßes Wiederbeleben.

    Spätestens hier müssen wir jetzt deutlich trennen zwischen Deutschland/Österreich und platt gesagt, dem Rest der Welt. Diese Sache mit der schwarzen Musik die weiße Ballsäle erobert hatten andere bereits mit Jazz und Swing in den 30ern und 40ern durch. Für Deutschland und Österreich war diese breitenwirksame "ausländische Musik", die noch dazu manchmal noch nicht mal von Weißen gespielt wurde, nach dem Dritten Reich der große Umgewöhnungsfaktor (die Swingjugend während des Dritten Reiches möchte ich zwar der Vollständigkeit halber kurz erwähnen, kann man aber aufgrund der kaum bis nicht gegebenen Breitenwirkung in dem Zusammenhang vernachlässigen). Die von dir genannten zwei zeitgenössischen Begriffe, mit denen der Rock'n'Roll daher gerne aus der Erwachsenengeneration heraus bedacht wurde, ist eher ein deutsch-österreichisches Phänomen. In anderen Ländern gab es andere Ressentiments, in den USA bspw. die Bezeichnung "Rockabilly" als Schmähbegriff für die "Hinterwäldlermusik". Aber auch hier wurde nachgeholfen um den US-Rock'n'Roll gesellschaftsfähiger zu machen, man denke nur an die deutschen Halbstarkenidole wie Ted Herold, da verstand man schließlich wenigstens die Texte...

    Ich finds immer noch schwer von "Jugendbewegung" zu sprechen. Daher auch mein Vorschlag zur Entdeckung der Jugendlichen als Absatzmarkt, im Zusammenhang mit der Kommerzialisierung des Rock'n'Roll. Wenn es dir mehr um eine Herausbildung jugendlicher Subkulturen nach dem Ende des 2. Weltkrieges geht müssten wir den Bogen weiter spannen, ich meine, das kann man nicht allein am Rock'n'Roll festmachen. Vielmehr meine ich, dass der Rock'n'Roll eher ein Phänomen einer bereits "rebellierenden" (das Wort finde ich eigentlich zu hart, was besseres fällt mir aber grad auch nicht ein) Jugend war, als anders herum.

    Kenne ich, das Buch beleuchtet aber eher aktuelle Subkulturen, als dass es sich den alltagsgeschichtlichen und kulturhistorischen Phänomenen der Nachkriegszeit widmen würde. Hast du das Nachfolgewerk von ihr auch gelesen? Vom Titel irgendwas mit Billies, Skinheads, Grufties. Lohnt es sich?
     
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  8. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    @Lili: ein ganz rexzellenter Beitrag! :respekt:
     
  9. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Achso, dir ging es um die globale Verbreitung des Genre Rockabilly; das mag sein, aber ich habe den Blick mehr auf die Enstehungsgeschichte gerichtet … (Beispiel, der so viel zitierte Punk wird auch im Global Kommerz als regionale Basis England genannt, eine Entwicklung schon weit vor der Zeit Ende der 60/Anfang der 70 fand z.B. an der US amerikanischen Ostküste statt...)
    Und der Ursprung des Fifties Rock'n'Roll ( oder Rockabilly? ) war der Süden der USA, oder gibt es da neue Erkenntisse?
    Ja, stimmt, daß sollte ich mit anderen Augen sehen. Im Grunde sind alle in sich geschlossenen Jugend(sub)kulturen von einer gewissen Intoleranz geprägt. So auch z.B. Punk, Metal usw. …
    Ich bin nur insbesondere beim Rockabilly drauf gekommen, durch eigene Erfahrung aus den 80igern, den ich war im regionalen Dunstkreis (Heimatort und so) der damaligen Szene wohl der einzigste Psycho, der auch auf Rock'n'Roller (Teds und Rockabillies) Partys eingeladen wurde und das war schon ein großes Zeichen von Wertschätzung sich im inneren Zirkel dieser Gruppierung bewegen zu dürfen ...
    Darauf hatte ich zwar nicht abgezielt, aber wenn Du es so sehn willst … nur zu.
    Interessant ist, daß der eigendliche Fifties Rock'n'Roll sich auch wirklich nur auf diesen Zeitraum beschränkt, bevor das Große Geld alle Verdorben hat ... :scheinheilig:
    Würde ich nicht so sehen, nimmt man z.B. ein paar wesentliche Merkmal der Rockabilly-Welt nach den 70igern auf, wie z.B. der Hang zum Süden der USA; Südstaatenflagge oder auch der ganze Kram um die Automobiltuning Szene, Schlagwort Hot Rod … usw.
    Das wollte ich nicht getrennt sehen und mir ging es auch hier rein um die Entwicklung in der USA. Der Rassimus in den USA in den 40iger und 50iger Jahren, war elementar in der Gesellschaft der USA fundamentiert. Da spiegle sehr stark in den Ansichten zur Musik wieder, da gibt es wohl keinen Zweifel dran und dabei würde ich gern erstmals bei der Bewertung in den USA bleiben. Was wohl hier auch noch Hinzukommt, ist die Bewertung des Rock'n'Roll als zu Sexlastig. Im stark christlichen und prüden US-Amerika der 50iger unmöglich, welches die Jugend verdirbt ...:scheinheilig:
    Das mit dem Absatz kommt nicht von der Jugend, sondern von Erwachsenen für die Jugend, oder besser für deren Geldbeutel :scheinheilig: … das bieten auch alle späteren Jugendsubkulturen an, die Kommerzialisierung ...
    Nein, habe ich nicht gelesen. Kann ich leider nix zu sagen.
     
  10. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Ich glaube wir sollten uns erstmal einig werden wovon wir denn nun genau reden wollen, sonst reden wir noch 50 Beiträge aneinander vorbei. :D
    Also geht es um die Wurzeln des Rockabilly in den USA? Oder um die erste Jugendbewegung der Nachkriegsgeneration? Oder sprechen wir über Rock'n'Roll? Oder spezifisch über Rockabilly und seine Entwicklung seit den 50ern?

    Nein, neue Erkenntnisse nicht. Der Begriff "Rock'n'Roll" ist doch nur eine nachträgliche Bezeichnung für sich an unterschiedlichen Orten entwickelnden neuen Musikstils mit unterschiedlichen Einflüssen. Die Verschmelzung Country und Rythm 'n' Blues wurde zum Rockabilly rund um Zentren wie Memphis, der Northern Band Style ist mehr eine Mischung aus Swing und Rythm 'n' Blues, der sich schwerpunktmäßig in den Nordstaaten und sogar etwas früher als der Rockabilly der Südstaaten entwickelte. Ich will das hier jetzt nicht all zu wissenschaftlich aufblähen, insbesondere weil ich grundsätzlich der Ansicht bin, dass es schier unmöglich ist Kunst in irgendwelche Schubladen zu quetschen, schließlich inspirieren sich Künstler auch gegenseitig, adaptieren, wandeln ab, was auch immer. Rock'n'Roll ist aber sehr viel mehr als "nur" Rockabilly und hat sich auch nicht singulär und punktuell daraus entwickelt. Die Entwicklung zu dem, was man heute landläufig als 50er Jahre "Rock'n'Roll" bezeichnet, war zum einen prozessual und hatte die unterschiedlichsten regionalen Einflüsse, verstreut über die gesamten USA.

    Ah verstehe :D Kenne ich allerdings aus meinen Teeniejahren nicht mehr so. Wer sich benommen hat durfte mitfeiern, harte Türen oder geschlossene Veranstaltungen hatten andere, da wollte ich aber eh nicht hin. :D (und heute geht keiner mehr freiwillig hin :still:)

    Grundsätzlich ja, ich würde dann aber doch so weit differenzieren zwischen Kommerzialisierung, um von der eigenen Musik leben zu können und Kommerzialisierung bis hin zu Graceland.

    Meine Antwort bezog sich auf deine Aussage dass ich Rockabilly nicht nur auf die 2. Rockabilly-Welle reduzieren könnte. Daher habe ich entgegnet, dass ich das außerhalb der Südstaaten der USA schon so sehe, dass er erst ab der 2. Welle wahr genommen wurde. Zu den Stil-"Kennzeichen": die sind in der Tat ein Phänomen ab der 2. Welle. Nur "Hot Rod" verstehe ich jetzt nicht so ganz... Meinst du die aufgemotzten Oldtimer? Das ist kein artreines Rockabillyspezifikum, kommt allerdings vor, das aber nicht so häufig wie die 50s Classic Cars. Oder meinst die Rock'n'Roll-Spielart Hot Rod? Da war ich bisher der Ansicht, dass eingefleischte Billies das meiden wie der Teufel das Weihwasser. War das mal anders?

    Ja, dann allerdings erweitert um den Swing der 30er und 40er Jahre, hier wurden die Vorurteile schlicht übertragen, war ja eh alles ein und das selbe, einschließlich der Tanzerei. :D ;) Im Ernst: hier müssten wir unter den Umständen die Kontinuität der Einflüsse schwarzer Musik auf die populäre Musik und die damit verbundenen Vorurteile betrachten.

    Das ist klar, um den Absatz aber auch zu haben, muss erstmal die Zielgruppe da sein.

    Schad, zum reinblättern habe ich es auch noch nirgends gesehen und zum blind kaufen bin ich zu geizig, v.a. weil mir der Titel zu oberflächlich-reißerisch ist.
     
  11. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Nein, es ging mir nicht rein um den Rockabilly. Die Sendung war da nur der Aufhänger für eine Diskussion hier ... Insgesamt ein doch sehr interessantes Thema aus kultur- gesellschaftlicher Sicht, wie musikalisch, wie auch zum Wachsen der Musikindustrie usw. Stellt doch der Rock'n'Roll so ne gewisse Basis für all das, was sich in Verschieden Wege entwickelte, vor allem eben nach 1945, hier dann natürlich globaler betrachtet.

    Eine wissenschaftliche Betrachtung gehört dann wohl auch dazu (ich lerne gern dazu) aber um hier eine Diskussion zu vermitteln, hoffe ich das Thema auch breiter angelegt zu sehen, sonst wird es wohl nicht über unseren Dialog hinaus gehen ...

    Zum Thema Hot Rod, habe ich schon auf die Hardware mit den Gummirädern gezielt. Okay, kein typisches Rockabilly Element, aber aus meiner Wahrnehmung, gehörts dazu ... Den Musikstyl Hot Rod kenn ich nicht. Falls Du damit die Surfschiene bezeichnest, na gut, die ging dann wohl schon auf kosten des Kommerz und war sicherlich weniger in der nähe des Rockabilly angesiedelt, vielleicht könnte man die klassische Hawaiigitarre da mit in Einklang bringen, aber sind wir dann auch schon bei dem von Dir beschrieben Schubladendenken. Es ist einfach nicht immer möglich, alles und jeden zu katalogisieren, auch wenn es gerade aus wissenschaftlicher Sicht einfacher ist, um die Verschiedenen Arten innerhalb dieser Jugendsubkultur im direkten Vergleich untereinander und vor allem mit der bestehenden Gesellschaft zu erklären.

    Das sowas aber nicht geht, sehen in der Regel nur die, die direkt mit den jeweiligen Subkulturen leben oder involviert sind ... daher wohl auch der Spruch weiter oben: Je weniger man von uns kennt, desto besser für uns, oder so ...

    PS: Und zum Buch, es gibt eine kleine Vorschau in das Buch in einem Namhaften Onlinebuchversand ... :pfeif:
     
  12. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Hui, ok, das wird dann aber ein gewaltiges Thema, bei all den unterschiedlichen Aspekten, in die man sich da vertiefen kann. Ich würde aber trotzdem vorschlagen, dass wir und peu à peu vorhangeln, sonst geht es zu sehr durcheinander, wie ich fürchte.
    Worauf liegt denn dein Fokus? Auf Jugendkultur und Jugendbewegung der Nachkriegszeit oder auf dem Rock'n'Roll und der Weiterentwicklung/Aufdifferenzierung und der Kommerzialisierung der Pop-Kultur?
     
  13. salvus

    salvus Aktives Mitglied

    Zustimmung!:winke:
    Und ein wirklich tolles Thema!:winke:

    Aber Du stellst hier wirklich eine richtungsbestimmende Frage.

    Ich glaube, daß Musik die Gesellschaft immer wieder nachhaltig verändert hat. Und schließlich ist Musik ja auch ein Mittel zur Abgrenzung der Generationen. Gerade über die Musik grenzt sich eine Generation über die vorangegangene Generation ab. Ich glaube, daß ist bis heute so. Und der Rock'n Roll war in der Nachkriegszeit ein Musterbeispiel dafür. Das ist eine Art gesellschaftliche Ebene des Rock'n Roll.

    Auf der anderen Seite ist die rein musikalische Entwicklung.
    Da ist der Blues. Da sind Leute wie Chuck Berry, Little Richard, Elvis etc.
    Und heute haben wir den:
    Rockn' Roll,
    Rock,
    Hardrock,
    Rockabilly,
    etc.

    Und aus dem Hardrock entwickelte sich der Heavy Metal und daraus der Speed Metal und der...

    Und wir haben Bands, die früher mal Punk gemacht haben und sich heute als Rockband bezeichnen...

    Gerade diese musikalische Seite ist doch extrem kompliziert.

    Eine Grundfrage:

    Was ist der Unterschied zwischen Rock'n Roll und Rock?
    Hat der letztere sich aus dem ersteren entwickelt?
    Ist der letztere eine Spielart des ersteren?
    Ist Rock'n Roll der Baumstamm aus dem sich alles andere entwickelte?

    Oder ist der Stamm etwas anderes - vieleicht der Blues?
    Oder ist der Blues auch nur ein Ast?

    Muß man die die gesellschaftliche Frage (Jugendkultur) mit der musikalischen verknüpfen? Meiner Meinung nach absolut. Das gehört zusammen. Allerdings muß man in diese Diskussion hier zunächst eine gewisse Ordnung hineinbringen.

    Sehr kompliziert.

    Viele Fragen, welche dieses Thema interessant, aber auch kompliziert machen.
     
  14. salvus

    salvus Aktives Mitglied

    Hallo?

    Hallo - ist da irgendwer?
     

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