Römerforschung in der DDR

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Trajan, 24. Oktober 2006.

  1. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Die Baggerarbeiten im Kühnauer See brachten neue Erkenntnisse. Vom Neolithikum bis zur Neuzeit gibt es massenweise Funde, hauptsächlich aus der Bronzezeit.. Zudem zeigt die Größenverteilung der abgelagerten Steine, dass sich der Hauptarm der Elbe, der bis ins 14. Jhd durch den See floss, sich stets nach nord und nie in westlicher Richtung fortgesetzt hatte. Eine Steinbarriere am westlichen Prallufer des Sees zeigt auch, dass diese Ablagerung uralt sein muss. Funde aus allen Zeiten am südlichen Ufer bei Großkühnau setzen sich nicht bis nach Aken fort. Kurz vor Aken gibt es allerdings ein bronzezeitliches Urnenfeld, sogar mit einem spätrömischen Münzfund. Praktisch sieht das so aus, dass sich das "Hufeisen" des Sees nach dem Elbedurchbruch lediglich um 2 Kilometer nach Osten zum heutigen Ort verschoben hat. Einen oft behaupteten "großen Elbesprung" hat es in geschichtlicher Zeit nicht gegeben. Welche Mäander in Richtung Aken zur Römerzeit gerade aktiv waren, ist aber nicht mehr ermittelbar.
     
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  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Wenn diese Erkenntnisse in den 1950er Jahren noch nicht vorlagen, wird man das Wütschke wohl kaum zum Vorwurf machen können.
     
  3. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Er hätte deshalb mal einen Blick auf ein Messtischblatt richten sollen (s.u. a. media in germania, Tafel II) Ganz rechts am Rand ist nur die westlichste senkrechte Kante des alten Hufeisens des Kühnauer Sees zu sehen, heute noch ein sumpfiges Bruch in voller ehemaliger Flussbreite. Der kurze Zipfel unten links vom heutigen See ist viel zu schmal für einen Fluss. Zudem gibt es dort keine historischen Funde. Alte Berichte besagen lediglich, dass die Großkühnauer nach dem Rückgang der Flut keine Bewegung mehr im See verspürten. Sie fanden diese kilometerweit nördlich, wo die Elbe eine Schwelle durchbrochen hatte, Reina überflutete und bis zu 3 Meter Schwemmsand ablagerte. Berichte über einen durchgehenden südlichen Verlauf waren eine reine Annahme. Die Elbe kann durchaus nach Reina wieder nach Süden abgeknickt sein, weil am Schlossberg und am Schmachtenberg noch schmale Flutrinnen blieben. Aber das ist unbewiesen. Auf jeden Fall war Reina auch vor dem 14.Jhd. per Schiff erreichbar.
    Dessau lag an einem Muldeübergang für die alte West-Ost-Verbindung (bei Waladala über die Saale), die aber die Stadt nicht berührt, sondern südlich verläuft. Elbe-Furten und später Fähren lagen stets westlich der Stadt.
    Römische Funde fehlen im See und um Reina. Angebliche antike Münzen werden als Manipulation eingestuft.
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Das Messtischblatt gibt nun mal keine Auskunft darüber, welche Flussarme in welchem Jahrtausend entstanden sind. Das einzige, was man sagen kann, ist dass sich jüngere Arme in der Regel deutlicher abzeichnen als ältere Arme. Wie die Situation zur Römerzeit war, ist einem Messtischblatt beim besten Willen nicht zu entnehmen.
     
  5. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Aber die Ränder des Urstromtals der Elbe haben sich seit der letzten Eiszeit nicht verändert. Und dort führten seit Urzeiten die alten Handelsstraßen südlich und nördlich der Elbe entlang. Dass diese urkundlich erst im Mittelalter benannt wurden, ist klar, spielt aber keine Rolle. Wenn die Römer hier waren, haben diese sie benutzt
     
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  6. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Die Ränder des Urstromtals standen ja nie zur Diskussion.

    Sicher ist nur: Wenn die römischen Legionen nicht in der Dessauer Gegend waren, haben sie in dieser Gegend auch keine Handelswege benutzt. Es gibt doch bis heute keinen handfesten Beleg dafür, dass sie in der Gegend waren.

    Und sogar, wenn z. B. Drusus auf seiner Expedition ausgerechnet in die Dessauer Gegend die Elbe erreicht hätte, sehe ich keinen Grund für die Annahme, dass er die Legionen alsdann entlang der "Handelsstraßen" (die muss man sich eher als Gewirr von Trampelpfaden vorstellen) "südlich und nördlich der Elbe entlang" hat marschieren lassen.
     
  7. Zimmermann

    Zimmermann Neues Mitglied

  8. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Der Fundort ist gut bekannt. Leider wurde die ehemalige Kiesgrube bis zur Wende als Müllkippe benutzt. Von dort stammt wohl auch das lange römische Militärmesser.
     
  9. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Das ist ein grundlegender Irrtum. Das Elbtal war durch Laufänderungen und Hochwassern monatelang nicht passierbar. Die Hochufer blieben dauerhaft trocken und wurden schon als Bernsteinstraße benutzt. Später wurde daraus die Bernburger Heerstraße, die heute noch stückhaft existiert. Wegebündel gab es nur quer dazu zum Zweck der Elbüberquerung, wenn sich das Hochwasser verzogen hatte und die günstigste Furt benutzt wurde. Wenn sich Aken als eindeutig römisch erweist, so könnten die Legionen die Saale bei Bernburg überschritten und trockenen Fußes dort hin gelangt sein. In hochwasserfreien Jahren allerdings auch direkt im Elbtal auf Trampelpfaden.
     
  10. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Wo siehst Du einen Irrtum?
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wie ich ihn verstehe meint er, dass das Gewirr von Trampelpfaden ein grundlegender Irrtum sei:
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Datierung C1, d.h. 150 - 200, also der Zeitraum zwischen Antoninus Pius (reg. 138 - 161) bis zu Septimius Severus (193 - 211).
     
  13. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Vom gleichen Urnenfeld stammt das lange römische Militärmesser. Aus einer spätgermanischen Schalenurne, zusammen mit einer Eisenaxt. Eine Abbildung finde ich nur im Begleitheft zur Sonderausstellung "Römer und Germanen in Mitteldeutschland, kulturelle Einflüsse des Römischen Reiches im freien Germanien."
    Verfasser: Museum für Naturkunde und Vorgeschichte <Dessau>
    Jahr: 1999
    Links: alw-038717
    Systematik: ALW *2000 A 147
    Beschreibung: 24 S. : Ill. (farb.)
    Schlagwörter: Ausstellung, Dessau <1999>, Funde, Mitteldeutschland, Römerzeit, Germanen, Geschichte, Römisches Reich
    Beteiligte Personen: Hinze, Hans-Peter [Red.]; Brückner, Monika [Mitarb.]
    Da das Kettenhemd offenbar nicht aus derselben Urne genannt wird, scheint es mehrere Besitzer römischer Ausrüstungsgegenstände gegeben haben.
    Die Wege auf den hochwasserfreien Hochflächen glichen unseren Feldwegen. Ein Stück davon ist noch zwischen Kochstedt und Dessau-Süd als Hohe Straße erhalten. Natürlich waren sie unbefestigt.
     
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  14. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Wegebündel gab es überall, wo keine befestigten oder auf sonstige Weise baulich eingegrenzten Wege angelegt wurden.

    "Diese Form der Wegefindung und -nutzung musste nachgerade durch fehlenden Straßenbau zur Ausbildung zahlreicher Wegvarianten beziehungsweise ganzen Bündeln von Wegen führen, die einer bestimmten Orientierung folgten und einem zeitspezifischen Ziel zustrebten. Es bietet sich daher an, frühe Wegeverbindungen als polylinear zu charakterisieren."​
    Frühmittelalterliche Wegenetze im Nordharzvorland und Quedlinburgs verkehrsgeographische Lage zur Zeit der Ottonen

    "Dem damaligen Stand der Transportmittel entsprechend stellten die frühen Verkehrsverbindungen Steige, d.h. Saumpfade, dar, die sporadisch von Fußgängern und Lastträgern, Reitern, leichten Karren und Lasttieren in das Gelände eingetreten worden waren und in der Erdoberfläche keine nachhaltigen Veränderungen hinterließen und sich deshalb heute nicht mehr nachweisen lassen. Zeitlich gesehen sind sie vom Neolithikum bis zum Mittelalter bestimmend gewesen. Als richtungsweisende Verkehrslinien pendelten sie in ihrer Führung in einem möglichen Verkehrskorridor von mehreren Kilometern in der Breite. Man bevorzugte lang sich hinziehende Höhenrücken und hochliegende Talschultern oder Terrassen, wobei die Querung unausweichlicherTäler in kurzen, steilen An- und Abstiegen erfolgte."​
    https://digilib.phil.muni.cz/bitstr...40279/2_ArchaeologiaHistorica_23-1998-1_9.pdf
     
  15. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Der Bereich, um den es hier geht, ist nicht durch besondere Höhendifferenzen gekennzeichnet. Der Verlauf ist über mehrere Kilometer geradlinig. Der Untergrund sandig, so dass nur nach starken Regenfällen Verschlammung eintritt und ein Ausweichen erforderlich wird. Die alte Bernburger Heerstraße verläuft hier ohne Notwendigkeit der Bildung von Wegbündeln. Teilweise verläuft heute sogar die Bahnlinie Köthen-Dessau auf dieser wasserfreien Kante. Nur südlich von Dessau gibt es eine lehmige Stelle (Speckinge), ohne dass dies den Verlauf änderte.
    Ganz im Gegensatz zur Wegeführung im Elbtal. Dort war nach dem Rückgang des Hochwassers schon nach einmaligem Befahren der schlammigen Wege ein Ausweichen nötig.
     
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  16. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

    Hallo Opteryx,

    waren zu zweit am Montag in Aken fast 4 Stunden mit dem Detektor auf besagtem Feld unterwegs - das Ergebnis war ernüchternd. Kein einziger antiker Fund. Weder aus der frühen, noch aus der späten RKZ. Nach anschließendem Telefonat mit dem LDA in Halle will man trotzdem einen Schnitt durchführen. Es ist nichts Ungewöhnliches bei temporären Lagern nichts zu finden. Der Detektor war nur auf Buntmetall von mir eingestellt. Eisen hatte ich ausgefiltert. Somit hätte ich auch keine möglichen Schuhnägel erwischen können. Es ging mir in erster Linie rein um mögliche Buntmetallfragmente. Jedenfalls werde ich kein weiteres Mal nach Aken fahren. Das hab ich auch dem LDA so mitgeteilt.
     
  17. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Hallo, Hermundure,
    Das war zu erwarten. Ein Münzfund würde an ein Wunder grenzen. Allerdings liegen auf den Ackern Unmengen an Eisenteilen, die entweder von landwirtschaftlichen Geräten abgefallen sind oder mit dem Dünger vom Misthaufen verteilt wurden. Ich hatte in Weg-Nähe ein goldglänzendes Teil entdeckt, dass sich aber als Polklemme eines Akkus erwies. Beim letzten Hochwasser blieb die Lagerfläche trocken. Die halbe neolithische Feuersteinklinge lag an der Oberfläche, könnte also mit dem Pflug aus maximal 60cm Tiefe geholt worden sein. So tief reicht aber der Detektor für Münzen nicht. Ich fand auch ein eisernes Bruchstück in Klingenform, vermutlich eine Blattfeder, aber plattiert, d.h. zweilagig. Alter unbekannt. Da die Fläche bis an das Areal der aufgelassenen Altstadt reicht, wäre eigentlich mit viel mehr Relikten zu rechnen. Macht denn das LDA noch einen Detektoreinsatz auf Ferromagnetika?
    Grüße
     
  18. Hermundure

    Hermundure Aktives Mitglied

    @Opteryx
    das kann ich dir nicht sagen. Für mich hat sich das Thema Aken erst einmal erledigt. Dagegen bin ich in der Saale-Region wieder fündig geworden. Es war wieder ein klitzekleines Beschlagteil vom Cingulum. Bilder folgen...
     
  19. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Das beweist doch eigentlich nur, dass an der Saale etwas mehr "Betrieb" war als an der Mittelelbe. Wenn Aken die Endstation einer Invasion war, gab es wohl nur eine einmalige Belegung. Leider ist die Zeit bisher nicht bestimmbar. Ich vermute aber, dass Hachelbich auf dieser Marschroute lag. Es gilt nun, weitere Lager dazwischen zu lokalisieren.
     

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