Rolle bestimmter Parteien während der NS-Zeit und heute

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von AlariMyra, 12. Dezember 2015.

  1. AlariMyra

    AlariMyra Neues Mitglied

    Hallo ihr Geschichtsliebhaber :winke:

    nachdem nach meiner letzten Frage so unglaublich viele positive und wirklich lehrreiche Kommentare abgegeben wurde bin ich besonders motiviert weiter in die Materie einzutauchen und hab eine neue Frage :) :D

    Es geht hierbei um die Bedeutung bestimmter Parteien während der NS-Zeit, hautpsächlich die NSDAP, SPD und KPD. Doch viel mehr interessiert es mich die Frage in den Raum zu werfen, welche Rolle die NPD in unserer heutigen Zeit spielt und in wie weit die NSDAP unsere heutige Verfassung beeinflusst hat, ( zb durch 5% Klausel oder Parteiverbote..) vielleicht hat da jemand ja ein paar hilfreiche Infos für mich..
    Würde mich sehr freuen.

    Ganz liebe Grüße :winke:
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Bei soviel Motivation sollte auch der Punkt kommen, diese in Aktion umzusetzen. Sprich: Selber Informationen anzubieten, Thesen zu formulieren, die einen Nutzen für andere User haben. Es ist immer ein Geben und Nehmen.

    Die NSDAP saß im Reichstag und war der "teuerste Gesangsverein" der Republik. Als Partei im klassischen Sinne, als legislatives Organ und als "Volksvertretung" spielte die NSDAP keine Rolle mehr. Und man wird sich auch Hitler nicht im klassischen Sinne als "Kanzler" vorstellen dürfen, der im administrativen Sinne im Krise seiner Fachminister "Politik" machte.

    Das ist einer der Punkte, an der sich der Zweifel an der Stabilität des NS-Regimes mit entzündete, da die politischen Entscheidungen in einem nicht eindeutig definierten Prozess erfolgten und somit die "Rechtssicherheit" für alle komplett verloren ging.

    Die SPD saß mit der KPD zusammen - zumindest teilweise - in den Konzentrationslagern bzw. war geflohen bzw. emigriert. Eine Diktatur legt keinen Wert auf Parteien, die die genuinen Interessen der Menschen in der Weimarer Republik nach äußerem Frieden, sozialem Frieden und materiellem Wohlstand vertreten haben. Sondern leitete sehr früh das BSP in die Rüstung um, sodaß sich die Wohlfahrt im 3. Reich verschlechterte, wie beispielsweise am Wohnungsbau erkennbar.

    Aus historischer Sicht (vgl. H.W. Schmollinger: Nationaldemokratische Partei Deutschland, in R. Stöss(Hrsg.) Parteienhandbuch, Bd. 4, S. 1922ff) war die NPD eine Sammlung von zahlreichen rechtsextremen Kleingruppen. (gegründet 1964).

    In ihrer Funktion ist sie zum einen das ideologische Sammelbecken für Wähler mit einer extremen deutschnationalen Ideologie, die direkte Anleihen bei der Ideologie des Nationalsozialismus vornahm und sich mit dem 3. Reich direkt identifizierte.

    Sie konkurierte teilweise und zeitlich begrenz mit einer deutschnationalen FDP unter Mende um das gemäßigtere nationale Wählerpotential (vgl. dazu beispielsweise: Sinus Studie: "Wir sollten wieder einen Führer haben..."; 1981)

    Neben dieser Funktion war sie zusätzlich das Sammelbecken für unzufriedene Wähler, die aus Protest mit den anderen etablierten Parteien, die NPD gewählt haben. Deutlich ist dieser Prozess während der ersten großen Koalition unter Kiesinger zu erkennen und führte zum Einzug der NPD in eine Reihe von Länderparlamenten.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Georg_Kiesinger

    Mit dem Ende der Großen Koalition verschwand die NPD wieder aus den Parlamenten. Auch aufgrund eigener Unfähigkeit, eine aktive Rolle in den Parlamenten zu spielen. Nicht zuletzt, da sie programmatisch und personell nicht dazu in der Lage war bzw. sich in interne Konflikte verstrickte.

    Die Verbrechen des NS-Regimes waren ein zentraler Aspekt bei der Neuordnung des Nachkriegs-Deutschland.

    Es war zum einen die Einsicht "Nie wieder Krieg", die viele Teile in der Bevölkerung teilten und ausgesprochen kritisch auch dem kapitalistischen Wirtschaftssystem gegenüberstanden, aber zum anderen war auch die Vorgabe da, "Auftrag Demokratie" (vgl. W. Benz: Auftrag Demokratie, 2009, S. 323ff).

    Es war in 1945 für die West-Allierten klar, dass es nie wieder ein autoritär-regiertes, in seiner Außenpolitik unabhängiges Deutschland geben würde, das sich unkontrolliert gegen seine Nachbarn wenden kann.

    In diesem Sinne ist Hitler / NSDAP wohl für das "Deutsche Trauma" direkt verantwortlich zu machen, dass eine "Historisierung der Vergangenheit", so kompliziert ist. Wie beispielsweise an der "Goldhagen-Kontroverse" ersichtlich (vgl. z.B. I. Kershaw: Der NS-Staat. S. 376ff).

    Insofern ist der Einfluss des NS-Regimes nicht nur auf das politische System in Deutschland ersichtlich, es prägt nach wie vor negativ die politische Kultur im Lande.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Dezember 2015
    1 Person gefällt das.

Diese Seite empfehlen