Romanisierung-Die antike Welt Rom

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von fhad, 20. Februar 2011.

  1. fhad

    fhad Neues Mitglied

    hallo,:winke:
    ich muss in geschichte eine Arbeit schreiben,komme leider mit dieser frage nicht klar. Kann mir jemand bitte mit dieser Frage weiterhelfen:

    Welche Ziele verfolgten die Römer mit der Romanisierung und auf welchem Wege versuchten sie zu Romanisieren?


    lg
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Februar 2011
  2. Cephalotus

    Cephalotus Aktives Mitglied

    Zunächst müsste man da mal definieren, was in diesem Zusammenhang mit Romanisierung gemeint sein soll.

    Normalerweise verstehe ich unter Romanisierung die Verbreitung römischer Lebensart und Kultur. Meiner Meinung nach ging es den Römern aber nie darum, ihre Kultur unbedingt in der Welt zu verbreiten und anderen Völkern aufzuzwingen. Vielmehr war das Ziel der römischen Expansion grundsätzlich die Sicherung des Reiches durch die immer weitergehende Ausdehnung seiner Grenzen und durch die Schaffung abhängiger Klientelreiche, wo man nicht gleich römische Provinzen errichtete. Außerdem brachten die Provinzen Rom natürlich eine ganze Menge Abgaben und Wohlstand ein.

    Eine direkte Romanisierung fand m. E. allenfalls bei den Geiseln bzw. Angehöriger fremder Herrscher, die in Rom erzogen wurden und in römische Dienste traten. Hier hoffte man natürlich auf entsprechende Romfreundlichkeit, wenn diese Personen in ihren Heimatländern selbst später Macht und Einfluss ausüben würden.

    Der Großteil der Romanisierung dürfte mehr oder weniger automatisch verlaufen sein, wenn die unterworfenen Völker die römische Kultur und deren Annehmlichkeiten als "überlegen" akzeptierten und freiwillig annahmen.

    Viele Grüße

    Bernd
     
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  3. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Romanisierte Gebiete ließen sich natürlich leichter regieren. Wer Geschmack an der römischen Lebensart gefunden hatte ,meuterte nicht.
     
  4. rinoabutzile

    rinoabutzile Neues Mitglied

    Dem stimme ich zu.

    So kann man sich das sicher vorstellen. In den eroberten Gebieten wurden öffentliche Einrichtungen gebaut (Thermen und Kultstätten, aber auch z.B. Theater und Stätten für z.B. Gladiatorenkämpfe). Dadurch kam die einheimische Bevölkerung sehr mit der römischen Kultur in Kontakt.

    Wenn ich mich nicht täusche, dürften auch die rekrutierten Soldaten nach ihrer langen Dienstzeit bei der Heimkehr sicher viele Aspekte der römischen Kultur in ihr Heimatland getragen und verbreitet haben.
     
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  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Eine gesteuerte Romanisierungspolitik, mit der man die Untertanen assimilieren wollte, gab es nicht. Insofern stellt sich die Frage "Welche Ziele verfolgten die Römer mit der Romanisierung und auf welchem Wege versuchten sie zu Romanisieren?" nicht. Die Römer versuchten lediglich, die Führungsschicht der unterworfenen Gebiete für sich zu gewinnen, indem sie z. B. relativ großzügig das Bürgerrecht an sie vergaben und ihr später sogar die Aufnahme in den Senat ermöglichten. (Kaiser Claudius setzte sich z. B. dafür ein, dass gallische Adlige in den Senat aufgenommen wurden.)

    Viele der "römischen" Bauwerke in den Provinzstädten wurden gar nicht von der römischen Verwaltung errichtet, sondern von lokalen Politikern und wohlhabenden Bürgern gestiftet. Eines der berühmtesten Beispiele ist Herodes Atticus, der im 2. Jhdt. den halben griechischen Osten mit Bauwerken beglückte, aber es sind aus vielen Städten - auch im Westen des Reiches - Inschriften erhalten, aus denen hervorgeht, dass ein Gebäude von einer lokalen Persönlichkeit gestiftet wurde.
     
  6. Gast

    Gast Gast

    danke für die antworten!
     
  7. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Vielleicht kann man abgesehen von der Integration der jeweiligen örtlichen Oberschicht noch einen weiteren Faktor der fast wie von allein bzw. nebenher sich abspielenden Romanisierung ansprechen: das Militär. Denn zwischen der neu errichteten Grenze nach außen (Barbaren) und den neu integrierten Provinzialen musste diese doch auffallend große Gruppe versorgt werden, zugleich aber sorgte diese auch für ein Anwachsen der Infrastruktur - in diesem Sinn jedenfalls beschreibt Wolters in "die Römer in Germanien" die Rolle der Legionen und ihres Anhangs im Sinne der Romanisierung ------- andererseits ist aber auch der Integrationswillen etlicher Bevölkerungsteile in den neu einzurichtenden Provinzen nicht zu unterschätzen: aus Gallien wie Germanien weiß man, dass es vor der Installation der Provinz sowohl pro wie contra Rom eingestellte Gruppen gab.
    Wahrscheinlich war das ein Gemisch aus Integration und beidseitiger Assimilierung, was man heute mit der "Romanisierung" benennt, wobei dieser Begriff ja eigentlich erst die Konsequenz der Entwicklung(en) beschreibt.
    Zudem war neuartig, dass "Rom" eben keine Clan- oder Stammeszugehörigkeit, sondern eben übergeordnete (und oftmals zivilisatorisch überlegene) Staatlichkeit bedeutete - man konnte Bürger Roms und zugleich z.B. Treverer sein.
     
  8. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Allgemein ein schöner Beitrag. Nur möchte ich diesen Abschnitt anders gewichten, auch wenn es mit dem Thema "Romanisierung" nur sehr indirekt zu tun hat: Ziel der Expansion war mE. in der Regel eher selten die "Sicherung des Reiches" (Eher ein vorgeschobener Grund), als vielmehr das was du im letzten Satz sagst - ging es ihnen und ihren Anführern um Abgaben und Wohlstand ;)

    Die Romanisierung war eine Folgeerscheinung der Expansion und des römischen Selbstverständnisses die Beste aller existierenden Gesellschaften zu repräsentieren. Wer daran Anteil haben wollte, hatte sich also einzufügen und anzupassen. Da die lokale Elite (ob Alteingesessen oder neu installiert oder dorthin exportiert) ihren Platz in dieser reichsweiten Gesellschaft suchte, war die Bereitschaft groß sich zu romanisieren. In der Folge hat die Romanisierung auch in jeder Region eine etwas andere Couleur hervor gebracht!

    Beispielgebender Motor der Romanisierung waren oft die römischen Militärgarnisonen und die in ihrer Nähe angesiedelten Veteranen. Daran orientierten sich die bisherigen "Barbarenhäuptlinge" oft - also an dem was sie für "Römisch" ansahen. Interessanterweise hatte dies teils sogar Auswirkungen auf den Speiseplan! Die Mannschaften der anfänglich am Rhein stationierten Legionen stammten in der Regel weniger aus dem alten „lateinischen Italien“, sondern aus Provinzialrömern ehemals keltischer Gebiete (Norditalien und Narbonensis: Gallia Transalpina und Gallia Cisalpina)die bereits romanisiert waren. Sie brachten ihre Vorliebe etwa für Schweinefleisch mit an den Rhein und als später viele dieser Legionen im frisch eroberten Britannien stationiert wurden, brachten sie die inzwischen leicht an den Geschmack der Rheingegend angepasste Speisevorliebe mit in die neue Provinz! [Quelle: Krieg und Frieden]
    http://www.kriegundfrieden.lvr.de/ausstellung.html
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Februar 2011
  9. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ich glaube, da muss man differenzieren.
    In der Republik standen vor allem die konservativen Kreise des Senats einer Expansion oft eher skeptisch gegenüber. (Man denke z. B. daran, wie zögerlich der Senat im 2. Jhdt. lange Zeit in Griechenland agierte und versuchte, sich auf regionale Verbündete zu stützen, statt das Gebiet einfach einzusacken. Selbst nach dem 3. Makedonischen Krieg wurde Makedonien nicht sofort annektiert, sondern man versuchte es erstmal mit der Aufteilung in vier Klientelrepubliken. Auch die Cyrenaika wurde, obwohl testamentarisch den Römern vermacht, erstmal in eine Republik verwandelt. Oder Zypern: Der jüngere Cato war strikt gegen eine Annektion - und musste sie dann selbst durchführen.) Vorangetrieben wurde sie eher einerseits durch ehrgeizige Politiker, die nach persönlichem Ruhm und politischer und militärischer Macht strebten und sich eine Machtbasis schaffen wollten, sowie durch populare Politiker, die Kolonien gründen und das Volk mit Segnungen aus den zu erwartenden Einkünften erfreuen wollten.
    In der frühen Kaiserzeit fällt vor allem auf, wie zögerlich die Kaiser lange Zeit waren, diverse Klientelstaaten in Provinzen umzuwandeln. Es kam sogar vor, dass bereits bestehende Provinzen wieder an Klientelfürsten übergeben wurden. (Z. B. 41 n. Chr. Iudaea an Herodes Agrippa, aber auch Pontus und Kommagene.) Augustus verzichtete auch auf die Eroberung Britanniens, obwohl sie z. B. von Horaz propagandistisch gefordert wurde. Auch Dakien wurde trotz seines Goldreichtums erst erobert, nachdem es seinerseits mehrmals das römische Reich angegriffen hatte. Meiner Meinung nach ging es den meisten Kaisern daher schon eher um Sicherung.
     
  10. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Da hast du natürlich Recht, dass sich Rom einige Zeit mit DIREKTER Expansion zurückhielt und eher indirekte Formen der (Ober)Herrschaft (temporär) favorisierte. Da es hier aber um Romanisierung geht, sollte indirekte Herrschaft eher vom Thema her kaum eine Rolle spielen. Indirekte Herrschaft war auch mit Tributen und damit mit Mehrgewinn verbunden. Phasen von Expansion und Konsolidierung wechselten sich ab...


    @Thema:
    Ein schöner PDF das einiges anspricht:
    http://www.kriegundfrieden.lvr.de/media/Begleittext_Kelten_Roemer_Germanen.pdf
     

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