Romanisierung unter Caesar.

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Antigone, 4. Dezember 2008.

  1. Antigone

    Antigone Gast

    Hey Leute =) Könnt ihr mir was über die Romanisierung unter Caesar erzählen? Ich muss ein Essay schreiben und die 6 in der Arbeit ausgleichen!
    Wäre schön, wenn ihr mir helfen könntet.
    Danke! Liebe Grüße
     
  2. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Romanisierung? Caesar hat jede Menge Eroberungen gemacht, aber romanisiert im Sinne einer Annäherung an römische Kultur und Lebensqualität? Das waren doch eher die Kaiser ab Augustus (Koloniegründung, infrastruktureller Ausbau, Grenzsicherung, Abstand vom Beuteprinzip der Provinzverwaltung)
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Veteranenkolonien hat auch Caesar gegründet. Und die Geiselstellung von der er im Gallischen Krieg berichtet, wird auch zur Romanisierung mindestens der Oberschichten beigetragen haben. Aber das wäre noch mal zu überprüfen, ich hab die Stelle gerade nicht genau im Kopf. Wenn Caesar die gallischen Fürstenkinder in die Obhut anderer gallischer Stämme gegeben hätte, wäre die Romanisierung hier nämlich nicht erfolgt.
     
  4. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Das ist aber nur die gängige Praxis der Feldherren der Republik, E. Q. Eine richtige projektentwicklungsmäßige Vorgehensweise finde ich erst bei Augustus bis Claudius.
     
  5. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Es kommt eben auf den Begriff "Romanisierung" an; z. B. denke habe ich spontan eher einen linguistischen Blickwinkel und von der imperialen Politik Roms aus, behaupte ich mal, war die Romanisierung vor Caesar bereits im Prozess. Ich spekuliere mal, daß die Gallier etwa aufgrund der Vorherrschaft der Römer gewissermaßen schon gezwungen waren, sich für diplomatische Zwecke sich der lateinischen Sprache zu bemächtigen.
    Außerdem schaue ich ein paar Fakten betreffend mal in ein schlaues Buch (Botermann, Wie aus Galliern Römer wurden) und dort lese dort die Erwähnung der Via Domitia, die Kolonie Narbo Martius sowie die vorcaesareische Einrichtung der Provinz Gallia Transalpina. Die Kriegspolitik Caesars mag noch gewisse Konflikte herausbeschwört haben, aber eine Romanisierung, deren Begriff Antigone selbst freilich noch zu definieren hat, wird sich auch seinerzeit fortgesetzt haben.
     
  6. Martial

    Martial Neues Mitglied

    In Gallien gab es Unterschiede zwischen den Stämmen. Die Haeduer waren schon vor Caesar stark mit der römischen Kultur in Kontakt gekommen, v. a. Teile des Adels waren romanisiert. Interessant ist dabei das Domus, das in Bibracte ausgegraben wurde: Bibracte ? Wikipedia
    Bei den Nerviern wird man so ein Bauwerk wohl vergeblich suchen.
     
  7. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Von einer Romanisierung Galliens kann erst nach seiner Eroberung, d.h. in der Zeit nach Caesar gesprochen werden. Es gab zuvor zwar gewisse kulturelle römische Einflüsse im Süden Galliens, aber eine echte und tiefgreifende Romanisierung war das noch nicht.

    Wenn man, wie das z.B. auch Wikipedia tut, mit Romanisierung die Übernahme der römischen Sprache und Zivilisation durch meist eroberte Völker bezeichnet, so begann der Prozess der Romanisierung meist erst im 2. und 3. Jh., in Gallien sicherlich etwas früher.

    Das Oppidum Bibracte wurde übrigens frühestens Endes des 2. Jh. n. Chr. gegründet.
     
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  8. Martial

    Martial Neues Mitglied

    Bibracte

    Dann meinst du wohl ein anderes Bibracte als ich. In meinem jedenfalls war Caesar 52 v. Chr. im Winter nach der Schlacht von Alesia zu Gast, Zitat aus dem Bello Gallico, Buch VII, 90: Er selbst beschließt in Bibracte zu überwintern. Dann in Buch VIII, 2: Er selbst machte sich unter dem Geleit von Reitern am 31. Januar von Bibracte zur 13. Legion auf...
    Vor der Schlacht von Alesia fand hier die Versammlung ganz Galliens statt, Buch VII, 63: ...so wird eine Versammlung ganz Galliens nach Bibracte angesagt...
    Die Schlacht gegen die Helvetier im Jahr 58 v. Chr. fand 25 Km südlich von Bibracte statt, Buch I, 23: Er bog von den Helvetiern ab und zog in Eile auf Bibracte zu.

    Fazit: Bibracte war während dem Gallischen Krieg ein bedeutendes Oppidum. In diesem Oppidum standen Häuser und andere Bauwerke römischer Bauart, italienischer Wein wurde importiert. Auch die Regierungsform der Haeduer mit einem Senat und einem mit consulähnlicher Gewalt ausgestattetem Vergobreten weist Ähnlichkeiten zur römischen Republik auf.
    Aber sicher war es nicht so, dass jeder Haeduer die Sprache der Römer beherrschte, wohl aber einige in der Führungsschicht, so reiste 61 v. Chr. der Druide Diviciacus nach Rom und sprach dort vor dem Senat.
    Wenn man die Übernahme der Sprache zum Maßstab nimmt, war Bibracte zu dieser Zeit nicht romanisiert.

    15 v. Chr. wurde dann in der Nähe von Bibracte Augustodunum gegründet, daraufhin wurde Bibracte nach und nach verlassen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Dezember 2008
  9. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Vorarbeit der städtischen Mittelmeerkultur

    Ist es denn zwingend, dass besagter Domus bereits VOR Caesar in Bibracte gestanden hat? Aber darauf will ich nicht weiter eingehen.

    Ganz sicher waren die Kelten bereits vor Caesar stark mit der römischen Kultur in Kontakt gekommen. Von einer Romanisierung des Adels in den späteren „tres Galliae“ – also den Eroberungen Caesars und vor dessen Auftreten – kann man aber doch wohl m.E. nicht wirklich sprechen! Es sei denn man ersetzt das Wort Romanisierung durch kulturelle Einflüsse und Veränderungen durch den Mittelmeerraum, was neben der römischen Kultur vor allem auch die griechische Kultur meint.


    Zusammengefasst würde ich die Bedeutung Caesars so sehen:
    Die Mittelmeerkultur hatte bereits vor Caesar eine wichtige Vorarbeit geleistet. Besonders die Unterwerfung der Gallier in vorher romanisierten Gebieten strahlte in den Norden aus.
    Die Eroberung selbst war nur mit Hilfe der romfreundlichen (Adels-) Parteien gallischer Stämme möglich. Caesar verstand es durch seine Autorität, Flexibilität, den Ruhm seiner Erfolge und letztlich seine Bedeutung als späterer Diktator Roms, über das gallische Klientelsystem und seinen Einfluss auf gallische Geiseln gerade die gallische Oberschicht für sich und die römische Lebensweise zu gewinnen. Sich traditionell verhaltene gallische Adelige wurden in der Folge ausgeschaltet, waren sie über ihre politischen Misserfolge doch weitgehend von den Staatsgeschäften entfernt worden. Weiterhin bewies das Beispiel seiner eigenen provinzialrömischen „Gallier-Soldaten“, sowie die Ehrungen und Erfolge seiner gallischen Hilfstruppen und Anführer, dass es Vorteilhaft war ein Römer zu werden. In der Folge setzte sich eine römisch gefärbte Leitkultur des regionalen Adels in der Entwicklung Galliens bereits durch, bevor unter Agrippa und Augustus die Weichen endgültig gestellt werden konnten. Erst Agrippa vollendete die Provinzialisierung - Eine Generation nach Caesar! Die römischen Bürgerkriege mögen die eigenständige Entwicklung der Gallier hin zu Römern noch zusätzlich erleichtert haben, selbst wenn die letzten Aufstände gegen die Eroberer noch Generationen später stattfanden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Dezember 2008
  10. aquilifer

    aquilifer Aktives Mitglied

    Wenn es noch akut ist:
    H. Botermann, Wie aus Galliern Römer wurden. Leben im Römischen Reich (Stuttgart 2005)
     

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